Icarus im Test: Innovative Idee mit schwerwiegenden Problemen, Seite 2

Test Marc Schmidt Lukas Schmid
Icarus im Test: Innovative Idee mit schwerwiegenden Problemen, Seite 2
Quelle: Rocketwerkz

Icarus ist das neue Suvival Spiel des DayZ Machers Dean Hall. Doch schafft das Session-basierte System zu überzeugen? Erfahrt es im Test plus Video.

Wenn wir in Icarus sterben, können wir prinzipiell von einem anderen Spieler wiederlebt werden. Spielen wir jedoch solo, entfällt diese Möglichkeit. Und wir wachen entweder an unserem Schlafsack oder in der Nähe unserer Kapsel wieder auf, wenn wir keinen Einstiegspunkt gesetzt haben.

So, müssen wir nun ohne unsere Ausrüstung den ganzen Weg bis zu unserem Todesort zurücklaufen. Das kann schonmal ne Weile dauern. Denn Fahrzeuge oder Reittiere gibt es in Icarus aktuell nicht. Und als wäre das nicht schon Strafe genug, wird auch noch unser Levelfortschritt der aktuellen Stufe zurückgesetzt. Alleine muss man außerdem auch mehr grinden und das Überleben fällt generell deutlich schwerer.

Also doppelte Spielerzahl, doppelter Spaß? Das ist leider auch ein Trugschluss. Denn spielen wir zu zweit, verlieren wir unsere sogenannten Solo-Talente. Dabei handelt es sich um starke Buffs, die Solo-Spieler im Talentbaum freischalten können, um ihre Nachteile auszugleichen. Sobald diese Verstärker wegfallen, sind wir der Wildnis noch mehr ausgeliefert als zuvor.

Leider war unser Multiplayer-Erlebnis während des Testens teils von nervigen Serverabstürzen geprägt. Immerhin, Icarus lässt sich mit bis zu acht Spielern spielen, und in großen Gruppen hat man dann auch so richtig Spaß.

Schöne Optik

Besonders in der weiten Arktis wird uns bewusst, wie klein wir doch eigentlich im Verhältnis zu den gigantischen Bergen sind. Icarus ist optisch durchaus beeindruckend. Quelle: PC Games Besonders in der weiten Arktis wird uns bewusst, wie klein wir doch eigentlich im Verhältnis zu den gigantischen Bergen sind. Icarus ist optisch durchaus beeindruckend. Doch was hat der Planet Wolf 1061ca - Spitzname Icarus - sonst noch zu bieten? Nun ja, er sieht sehr gut aus. Auf dem Planet herrschen surreale Bedingungen vor. Zwischen gigantischen Bergschluchten wandern wir durch mehrere Klimazonen.

Neben der gemäßigten Zone gibt es auch noch eine arktische Region und eine Wüste. Jedes der Gebiete hat, genauso wie die Missionen, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Herausforderungen.

So müssen wir zum Beispiel im Schneegebiet das Eis erst schmelzen. Und im Wüstengebiet gibt es einen starken Mangel an Vegetation, wodurch das Crafting schwieriger wird.

Hinzu kommt, dass auch noch regelmäßige Stürme auftreten. Manche dieser Stürme sind dabei so stark, dass sie sogar unser Haus wegwehen können. Spätestens dann, wenn ein Blitz in unser Holzhaus einschlägt, unsere Hütte Feuer fängt und wir plötzlich noch einen Waldbrand verhindern müssen, entfaltet das dynamische Wettersystem sein volles Potenzial.

Besonders nachts zeigt sich die Schönheit von Icarus alias Wolf 1061ca. Quelle: PC Games Besonders nachts zeigt sich die Schönheit von Icarus alias Wolf 1061ca. Während wir durch die teils surreale Welt von Icarus stapften, machten wir noch eine weitere Entdeckung: Die Flora und Fauna auf dem Planeten wirkt, mit wenigen Ausnahmen, sehr jener von der Erde ähnlich.

Das ist aber halb so wild, denn Icarus erschafft trotzdem eine stimmige Atmosphäre. Besonders nachts, wenn wir ohne Fackel nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen können, lässt uns jeder Ruf eines Wolfsrudels das Blut in den Adern gefrieren. Das liegt nicht nur an der guten Inszenierung, sondern auch daran, dass uns jeder noch so kleine Wolf im Ernstfall töten kann. Die oberste Devise lautet hier: nicht in Panik geraten!

Das gilt auch für diejenigen unter euch, die sich mehr Aliens wünschen. Denn die erdähnliche Atmosphäre wurde bewusst gewählt. Die Macher des Spiels wollen die Geschichte in drei Kapiteln erzählen, von denen das Grundspiel den ersten Abschnitt darstellt.

Diese Kapitel sollen mehr über die Hintergründe der Welt preisgeben. Zusätzlich sollen sie mehr Content zum ohnehin schon umfangreichen Spiel hinzufügen. Das aktuell spielbare Kapitel nennt sich "Erste Kohorte" und behandelt die ersten Erzsucher. In den zukünftigen Kapiteln soll es die Figuren in wesentlich fremdartigere Gebiete auf dem Planeten verschlagen.

Nicht ganz ausgereift

Nach einem Gewitter stand auf einmal der ganze Wald in Flammen und wir hatten alle Hände damit zu tun, eine Ausbreitung zu verhindern. Quelle: PC Games Nach einem Gewitter stand auf einmal der ganze Wald in Flammen und wir hatten alle Hände damit zu tun, eine Ausbreitung zu verhindern. Man sieht, wir verteilen viel Lob, aber auch Kritik an Icarus. Und in einigen Aspekten wirkt es einfach nicht sonderlich ausgereift.

Das haben wir vor allem beim Kampfsystem gemerkt. Das setzt auf kritische Angriffe durch Kopftreffer und den sogenannten Stealth-Bonus. Wenn wir uns an ein Tier anschleichen, ohne gesehen zu werden und es per Fernwaffe erledigen, verteilen wir Bonus-Schaden.

Bei größeren Raubtieren machen wir nicht genug Schaden, um sie mit einem Schuss zu besiegen. Hier müssen die Kopftreffer also sitzen. Das ist leichter gesagt als getan. Denn die entsprechende Trefferzone ist bei manchen Tieren ziemlich klein. Besonders die mächtigeren Tiere können wir im Nahkampf aber fast nicht bezwingen.

Dazu kommt die schwankende KI der Tiere. Manchmal hüpfen diese seltsam durch die Gegend, bleiben in Steinen stecken oder erklimmen Wände, die definitiv zu steil sind. Das kann man noch als lustig abtun, teilweise ist die künstliche Intelligenz aber auch schlichtweg unfair. Jedes Tier hat einen Erfahrungslevel. Dabei scheinen die hochleveligen Viecher Augen am Hinterkopf und Supermans übermenschlichen Gehörsinn zu haben. Sie können uns über extrem weite Distanzen und teils auch durch massive Felsen hindurch erspähen. Das wird besonders dann zum Problem, wenn wir unser Lager aufschlagen.

Space-Eisbären aus der Hölle

Besonders am Anfang sind die Space-Eisbären tödlich. Daher ist es ratsam, vorsichtig um sie herumzuschleichen. Quelle: PC Games Besonders am Anfang sind die Space-Eisbären tödlich. Daher ist es ratsam, vorsichtig um sie herumzuschleichen. Denn die aggressiven Tierchen können uns auch dann sehen, wenn wir uns in einem geschlossenen Raum befinden. Dann reißen sie unsere Hütte in Stücke und wir sind ihnen ausgeliefert. So erspähte uns beim Spielen ein Space-Eisbär durch eine blickdichte Wand und klopfte uns mit zwei Angriffen kaputt. Dadurch wurde unser Fortschritt um Stunden nach hinten katapultiert.

Also ab unter die Erde, um in Sicherheit zu sein? Nun, immerhin bietet Icarus die Möglichkeit zur Flucht unter Tage. Dort warten dann halt aber andere gefährliche Kreaturen auf uns.

Aber nicht nur: In Höhlen können wir wichtige Materialien wie Eisen und Kupfer finden. Die sind dabei nicht auf der Karte markiert und müssen von uns selbst gefunden werden. Wenn wir sie dann entdeckt haben, werden sie immer noch nicht auf der Karte markiert. Das gilt auch für unsere Basis. Wir können generell nur eine einzige permanente Markierung setzen.

Wir griffen irgendwann tatsächlich auf Zettel und Stift zurück, um uns die Positionen unserer Basis und der Materialien in den Höhlen zu merken. Das Problem fehlender Markierungen zeigt sich auch mit Multiplayer, wenn man seine Mitstreiter partout nicht finden kann.

Außerirdisch verbuggt

Dieser Hirsch hat sich dazu entschieden, spontan abzuheben, nachdem wir ihn erledigt haben. Quelle: PC Games Dieser Hirsch hat sich dazu entschieden, spontan abzuheben, nachdem wir ihn erledigt haben. Auf die Spitze getrieben werden all diese Probleme durch die Bugs, die die vielgelobte Atmosphäre zerstören. Bäume, die durch die Map fallen, sind dabei keine Seltenheit.

Am schlimmsten sind jedoch die Fehler im Außenposten-Modus. Das ist eine Sandbox abseits der Story, in der wir uns ohne Zeitdruck austoben können. Leider ist der Modus so verbuggt, dass nicht einmal die Karte funktioniert.

Teils tauchen fürs Crafting wichtige Büsche einfach vor unserer Nase auf und verschwinden dann so schnell wieder, so dass wir sie nicht einsammeln können. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels, denn die Entwickler versprechen, die Bugs nach und nach zu fixen. Erste Patches zeigen bereits in die richtige Richtung.

Icarus - ein Spaß für jedermann?

All dieser Makel zum Trotz: Icarus ist etwas Besonderes. Im Gegensatz zu anderen Survival-Spielen bleibt der Überlebens-Aspekt auch im späteren Spielverlauf noch anspruchsvoll. Das kann aber auch für Frust sorgen, gerade in Verbindung mit den Bugs. Die teils unfaire KI der Feinde und der Fakt, dass Solo-Spieler quasi bestraft werden, verstärken dieses Problem.

Im Multiplayer mit großen Gruppen ist's dafür ein großer Spaß. Die Spielwelt ist zudem gelungen und das dynamische Wettersystem gefällt auch. Ob die bisher noch eher lahme Story schlussendlich überzeugen kann, werden die Update-Kapitel zeigen.

Somit bekommt ihr mit Icarus ein Survival-Abenteuer, das sich vor allem an Genreveteranen richtet und bei dem es an vielen Ecken und Enden derzeit noch ordentlich hakt.

Meinung

Wertung zu Icarus (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Tolle OptikInnovatives SpielprinzipSehr umfangreichGeschichte mit viel PotenzialSpaßig in großen Gruppen
Potenzial der Geschichte wird nicht ausgeschöpftBestraft Solo-SpielerBasen sind nur Mittel zum ZweckSehr grindlastig aufgrund der SessionsMacht erst in großen Gruppen SpaßMiserable deutsche Übersetzung
Fazit

Ein Survivalspiel, das einfach noch nicht ganz ausgereift ist

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