Bond-Spiele haben wir wahrhaftig schon einige gesehen, Rogue Agent bietet aber zur Abwechslung eine ganz andere Sicht der Dinge. Zunächst handelt es sich im Gegensatz zum direkten Vorgänger Alles oder Nichts um einen waschechten, schnörkellosen Ego-Shooter. Damit ist aber noch nicht Schluss, denn Sie sind diesmal weder als tapferer Held unterwegs, um die Welt zu retten, noch können Sie das Hilfsmittel-Arsenal des königlichen Geheimdienstes in Anspruch nehmen.
Die dunkle Seite der Macht
Der namenlose Hauptcharakter des Spiels ist ein Kollege von James Bond und ebenfalls MI6-Agent. Natürlich besitzt auch er die Lizenz zum Töten, mit der er allerdings nicht besonders verantwortungsvoll umgeht. Sicherlich ist auch Bonds Weg mit Leichen gepflastert, aber was unser Rouge Agent abzieht, passt der Chefin M ganz und gar nicht: Nach seinem letzten Einsatz mussten die toten Bösewichter gleich lastwagenweise abtransportiert werden, obwohl ein solches Maß an Gewalt nicht notwendig gewesen wäre. Logische Konsequenz: Der gewissenlose Agent wird vom Dienst suspendiert und verbündet sich wutentbrannt mit Auric Goldfinger, einem der bekanntesten Filmschurken aus dem Bond-Universum.
Das ging ins Auge
Der erste Auftrag im Namen Goldfingers führt den Rogue Agent direkt in die Arme des brutalen Dr. No. Viele Bond-Fans fragen sich jetzt wahrscheinlich, wie das sein kann. Denn in keinem der Filme tauchten die beiden Superschurken gemeinsam auf und außerdem müssten die zwei längst tot sein. Entwickler Dan Orzulak erklärte uns im Interview, dass die Bond-Filme nicht chronologisch zusammenhängen - und dementsprechend könnten die Ereignisse des Spiels noch lange vor den Filmen spielen. Dieser Umstand ermöglichte den Entwicklern die Einbindung von noch wesentlich mehr bekannten Charakteren des Bond-Universums. So haben unter anderen der auch im Spiel von Christopher Lee vertonte Scaramanga, die schöne Pussy Galore und der stumme Chinese Oddjob einen Gastauftritt in dem interaktiven Abenteuer. Zunächst steht aber der Kampf gegen Dr. No an, der gleich einen bleibenden Eindruck hinterlässt - der Ex-Agent verliert dabei nämlich ein Auge. Immerhin überlebt er den Angriff und wird von Goldfingers Medizinern wieder zusammengeflickt. Das kaputte Auge wird bei der Gelegenheit durch ein goldfarbenes, künstliches ersetzt (deshalb auch der Name GoldenEye). Das neue Auge sorgt nicht nur für eine gute Sehkraft, sondern die Technikabteilung Goldfingers hat ganze Arbeit geleistet und das Implantat mit ein paar Extras ausgestattet. Fortan ist es dem Rogue Agent möglich, auf Knopfdruck Gegner durch Wände hindurch zu sehen. Im Spielverlauf schalten Sie noch mehr Spezialfähigkeiten frei: Der so genannte EM Hack ermöglicht die Manipulation von computergesteuerten Ge-räten auch auf höhere Distanz. Außerdem dürfen damit gegne-rische Waffen unbrauchbar gemacht werden. Später können Sie auch ein magnetisches Feld erzeugen, das Feinde quer durch den Raum schleudert, und für die Defensive wird ein effektiver Schutzschild aufgebaut. Alle Tricks dieser Art kosten Energie, die sich anschließend wieder regeneriert. Übrigens gibt es ansonsten keine technischen Gimmicks im Spiel - kein Wunder, denn der abtrünnige Agent hat natürlich keinen Zugang mehr zu Qs Sammelsurium.
