Forza Horizon 6 ist schön und gut, aber ich will endlich diese andere Rennspiel-Reihe zurück!

Kolumne Stefan Wilhelm
Forza Horizon 6 ist schön und gut, aber ich will endlich diese andere Rennspiel-Reihe zurück!
Quelle: Rockstar

So genial Forza Horizon auch ist: Es gibt einen Aspekt, der Old-School-Streetracer Stefan bisher immer enttäuscht hat. Deswegen muss Rockstar endlich eine seiner coolsten Marken zurückbringen!

Mit Forza Horizon 6 wird vielen Fans des gepflegten Arcade-Racings ein lange gehegter Traum erfüllt: Es geht endlich nach Japan. Ein Land mit einer Autokultur, die sich durch allerlei Spiele, Filme, Musikvideos und Animes weit über die Grenzen des Inselstaats hinaus verbreitet hat. In meinem Kopf sehe ich schwarz-weiße Toyotas, die mit qualmenden Reifen Bergstrecken hinabdriften, und wild getunte Autos mit Unterboden-Neon, Spoilern und Flügeltüren. Bestenfalls natürlich tiefergelegt.

Den ersten Teil meiner Fantasie kann mir Forza Horizon 6 (jetzt kaufen / 62,99 € ) garantiert erfüllen: Es wird nicht nur die aus dem Kult-Anime Initial D bekannten Bergpass-Rennen (Touge) geben, auch der Wagen des Hauptcharakters steht im Fuhrpark. Fehlen quasi nur noch Eurodance und dramatisches Overacting.

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Xzibit schüttelt enttäuscht den Kopf

Bei den Tuning-Möglichkeiten bin ich mir da allerdings nicht so sicher. Traditionell bietet Forza Horizon zahlreiche Möglichkeiten, um die inneren Werte der Fahrzeuge zu erhöhen und sie mit allerlei Kunstwerken zu bemalen, aber beim optischen Tuning fielen die Optionen bisher schwach aus. Hier mal ein, zwei Stoßstangen, da mal ein Spoiler oder eine andere Aufhängung.

Das war's dann aber auch schon - mit den Arcade-Racern der 2000er konnte man in dem Punkt bisher nicht mithalten.

Wo ist die Unterbodenbeleuchtung? Die Hydraulik? Diese witzigen Radkappen, die sich unabhängig vom Reifen drehen? Warum darf ich mir kein Nitro mit wählbarer Flammenfarbe einbauen? Oder zumindest aus viel mehr Stoßstangen, Spoilern und Seitenleisten wählen?

Ja, ja, ich weiß: "Sag mir, dass du seit 20 Jahren keine Rennspiele mehr gespielt hast, ohne mir zu sagen, dass du seit 20 Jahren keine Rennspiele mehr gespielt hast". Der kulturelle Moment, in den die Art von protzigem Tuning gepasst hat, ist schlicht und ergreifend vorbei. Das weiß ich sogar, obwohl ich im realen Leben keinen Schimmer von Autos habe.

Ich meine, wann habt ihr zum letzten Mal einen Fast-and-Furious-Film im Kino gesehen, bei dem es wirklich um Autos ging? Oder solche Karren in einem Musikvideo?

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Die 2000er-Zeitkapsel

Dieser Song kommt nicht nur offensichtlich aus den 2000ern, sondern, wie meine halb-ironische Vorliebe für getunte Autos, aus einem meiner ersten Lieblingsspiele: Midnight Club 3: DUB Edition.

Vergangenes Jahr habe ich mich schon einmal in Rockstars Streetracing-Klassiker zurückgewagt, um endlich abzuschließen, wozu ich als Kind nie imstande war.

Auch in der Vorfreude auf Forza Horizon 6 musste ich unweigerlich wieder an das Spiel denken, genauer gesagt an sein prägnantestes Feature: das (optische) Tuning. Im Vergleich zu dem, was etwa ein Forza Horizon 5 an Möglichkeiten bietet, ist Midnight Club 3 ein ganz anderes Biest. Ein verchromtes, nitro-geboostetes und für mich einfach herrlich nostalgisches Biest.

Hier einmal eine nicht vollständige Auflistung der Komponenten, die sich an den Fahrzeugen in MC3 installieren lassen: Wheelie-Bars, Spinner, dutzende Auspuffrohre, sowohl am Heck als auch seitlich, etliche Stoßstangen und Seitenleisten, Mud Flaps, Motorhauben und Lufthutzen, Spoiler sowie selbstverständlich Nitro-Einspritzung und Unterbodenbeleuchtung, beides mit frei wählbaren Farben.

Ich kann verstehen, wenn ihr euch schon den ganzen Artikel lang denkt: "Gottseidank sind diese Zeiten vorbei". Es ist eben eine Frage des guten, oder - sind wir ehrlich - auch des schlechten Geschmacks. Das Argument, dass Protz-Tuning zumindest bei den bisherigen Forza Horizons nicht unbedingt zur Stimmung gepasst hätte, lasse ich auch gelten. Aber nach genau dieser Stimmung, die ein Midnight Club 3 ausstrahlt, sehne ich mich eben jedes Mal zurück, wenn alle Jubeljahre mal wieder ein großer Arcade-Racer erscheint.

Diese Frühe-2000er-Tuning-Stimmung mit illegalen Straßenrennen in finsteren Städten, während wahlweise Hip-Hop, Drum and Bass oder Emo-Rock aus den Boxen scheppern. Aber ohne, dass sich dabei wie bei modernen Need for Speeds wegen irgendwelcher Klischee-Charaktere ständig meine Augen nach hinten rollen. Da gibt's keine Streamer, Groupies oder Monster-Energy-Testimonials, nur meinen Mechaniker, der mich Homie oder Ése nennt, bevor er mir den Wagen schwarz und die 22-Zoll-Felgen glänzend gold färbt.

Und jetzt stellt euch vor, dass der auch noch hüpfen kann. Quelle: PC Games Und jetzt stellt euch vor, dass der auch noch hüpfen kann. Eingeprägt hat sich auch der nach heutigen Maßstäben heftige Schwierigkeitsgrad des Spiels, der mich gerade anfangs dazu zwingt, meine schrottigen Standardautos hochzurüsten und Nitro einzubauen, mit dem ich im richtigen Moment an den Kontrahenten vorbeiheize, während die Lichter der Stadt zu unscharfen Linien verschwimmen.

Ein einziger Moment der Unachtsamkeit, und der hervorragend vermittelte Rausch der Geschwindigkeit verwandelt sich in das dringende Bedürfnis, den Controller Richtung Fernseher zu schleudern, weil dann meistens nur noch der Neustart des Rennens übrigbleibt. Hier verleitet kein Rückspul-Button zum Schummeln, höchstens die Savestate-Funktion im Emulator, denn verkauft wird das Spiel nirgends mehr.

Hat Midnight Club noch eine Chance?

Ob sich daran jemals wieder etwas ändern wird, darf bezweifelt werden. Einen ganz neuen Teil der Reihe würde ich jedenfalls ausschließen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass Rockstar irgendwann noch einmal so vergleichsweise kleine Brötchen wie einen Arcade-Streetracer backt. Dafür ist der Laden inzwischen viel zu groß und die anderen Marken, also GTA und Red Dead, sind zu wichtig. Bestenfalls bekommen wir die altehrwürdige Reihe in einem GTA-Online-Modus in Teil 6 verwurstet.

Selbst für eine Klassiker-Sammlung ist Rockstar die Reihe vielleicht zu unwichtig, immerhin müssten etliche Lizenzen für die Musik und ab Teil 3 auch die Fahrzeuge erneuert werden. Wir erinnern uns: Sogar einen kulturellen Meilenstein wie Red Dead Redemption hat man 13 Jahre lang in der PS360-Generation zurückgelassen, bevor er vergleichsweise stumpf auf moderne Systeme portiert wurde.

Andererseits: Wenn es sogar ein L.A. Noire von seinen Ursprungskonsolen wegschafft, warum dann nicht auch ein Midnight Club 3? Ich wäre jedenfalls Feuer und Nitro-Flamme. Wenn mich auch Forza Horizon 6 wieder mit meinen Tuning-Ambitionen hängen lässt, weiß ich nämlich schon, in welchem Klassiker ich mich danach wieder austoben werde.

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