Fez im Test für Nintendo Switch: Nach wie vor ein Meisterwerk
Test
Endlich auch auf einem Nintendo-Gerät zu Hause: Der Indie-Liebling Fez hat es nach vielen Jahren doch noch auf die Switch geschafft. Lohnt sich der Kauf? Das klären wir in unserem Test, in dem wir die Version für die Nintendo-Konsole genau unter die Lupe nehmen.
Bei seinem Release 2012 eroberte Fez die Herzen der Spieler weltweit, insbesondere aber die der Game-Journalisten. Es stand beispielhaft für die überbordende Kreativität und für die Experimentierlaune kleiner Entwicklerstudios. Dennoch wurde die Fortsetzung Fez 2 auf Eis gelegt und der Kopf hinter dem preisgekrönten Indie-Game, Phil Fish, verschwand aus dem Netz. Beides lag an Schlammschlachten, die sich der Programmierer und allerlei Trolle über Twitter und andere Social-Media-Kanäle lieferten.
Auf dieser Seite
Bis heute gibt es keinen zweiten Teil von Fez. Was es aber immerhin gibt: Eine Version des Indie-Darlings für Nintendo Switch, ganze acht Jahre nach der Veröffentlichung auf der Xbox 360. Ist das Abenteuer des kleinen Helden Gomez gut gealtert - und handelt es sich bei Fez wirklich um einen Meilenstein?
Um die Ecke denken
Quelle: PC Games
Fez ist sehr hübsch, was auf Standbildern nicht gut rüberkommt. Die Farbverläufe bei Tag-Nacht-Wechseln sind herrlich.
Bevor wir diese Fragen klären, zunächst einmal zum Spielprinzip. Obwohl Fez zunächst wie ein stinknormaler 2D-Platformer aussieht, steckt wortwörtlich mehr dahinter. Denn: Auf Knopfdruck können wir die Umgebung drehen, blicken also aus vier möglichen 2D-Perspektiven auf 3D-Objekte wie Blöcke, Häuser und Pflanzen. Durch das Spiel mit der Perspektive erreicht Gomez neue Orte: Was sich aus einem Blickwinkel als unüberwindbare Schlucht präsentiert, ist aus einem anderen Blickwinkel nur eine kleine Lücke. Dieses Konzept kennt man ansatzweise aus Paper Mario, eine der Inspirationsquellen, Fez selbst hat aber ebenso Titel inspiriert, etwa das erfolgreiche Mobile-Game Monument Valley. Ungewöhnlich in Fez ist jedoch, dass es sehr friedlich zugeht - Feinde oder gar Bosse existieren nicht -, es gibt auch keine Herausforderungen im klassischen Hüpfspielsinn. Gomez lernt nie zusätzliche Moves, die Überwindung von Hindernissen wird stets mit dem Drehen der Kameraeinstellung erreicht.
Quader vadis?
Quelle: PC Games
Auf den ersten Blick gibt es in diesem Häuschen nichts zu holen, nur ein paar Bilder an der Wand zum Bestaunen. Wenn ihr aber den Blickwinkel dreht …
Dafür steckt viel Puzzle-Gameplay in Fez! Gomez muss in der ganzen Welt verstreute Quader finden und kommt dabei Wesen aus anderen Dimensionen auf die Spur, deren Schriften allerdings entschlüsselt werden müssen - und zwar von uns! Die Rätsel werden im Verlauf des Spiels knackiger, sodass Fez trotz der Gewaltfreiheit und der sympathisch-bunten Optik nicht unbedingt für die jüngsten Spieler zu empfehlen ist. Diese Zielgruppe dürfte sich in der Welt bald recht verloren und infolgedessen gelangweilt fühlen, denn hier gibt es keine Quests, keine Marker, die das nächste Ziel festlegen, oder eine stringente Story, der man Kapitel für Kapitel folgt. Aber gerade die mystische Atmosphäre und das Fehlen jeglicher "Bestrafung" des Spielers, wenn man ein Puzzle nicht zu lösen vermag oder in den Abgrund stürzt, tragen dazu bei, dass dieses Indie-Game bleibenden Eindruck hinterlässt.
Wer will, der kann
Quelle: PC Games
Die unterschiedlichen Welten in Fez sind alle durch Türen oder Portale miteinander verknüpft.
Es sei zudem gesagt, dass die besonders knackigen Rätsel optional sind. Neben den normalen Würfeln, die Gomez sammeln muss, gibt es nämlich noch die sogenannten Anti-Würfel. Wer sich nicht so tief hineinfuchsen, viel herumprobieren und handschriftlich Notizen festhalten möchte, um alle diese Objekte einzusacken, kann das auch ganz einfach sein lassen. Obwohl sich (natürlich nicht nur im Indie-Bereich) viel getan hat seit dem ersten Release des Spiels im Jahre 2012, hält Fez dem Zahn der Zeit immer noch stand. Warum? Ganz einfach: Die Kamerarotation ist mehr als nur ein Gimmick und erzeugt im Zusammenspiel mit dem gelungenen Level-Design effektiv wunderbares Gameplay. Auch die Gestaltung der Rätsel ist exquisit, nach dem Knacken einer Kopfnuss fühlt man sich clever - so muss das sein!
Der einfache, aber dennoch sehr hübsche Pixelgrafikstil ist ohnehin zeitlos, alleine anhand dessen Anblicks würde wohl niemand vermuten, dass Fez schon beinahe zehn Jahre alt ist. Die Hintergrundmusik ist sphärisch und unterstreicht den Flair des verträumten Spiels. Auf der Switch läuft der Titel stets flüssig, die Kontrolle ist präzise, nur sehr selten sind uns ein paar Grafik-Bugs aufgefallen, die aber den Spielspaß nicht minderten. Wer Indie-Games mag, darf Fez nicht verpassen.
