Einfach anders: Ubisoft zweckentfremdet das Far Cry 3-Grundgerüst für ein abgedrehtes Unsinn-Epos um Cyborgs, Drachen und One-Liner, für die sich selbst Arnold Schwarzenegger schämen würde. PC Games hat den Trash-Shooter getestet und verrät euch, ob Blood Dragon seine 15 Euro wert ist.
Das hat uns nicht gefallen
Hässliche, langweilige Außenwelt
Auch in Blood Dragon seid ihr in einer frei begehbaren Außenwelt unterwegs. Die ist optisch aber weit entfernt von dem prächtigen Dschungelparadies aus Far Cry 3: Dichter Nebel, miese Weitsicht und ständige Dunkelheit lassen jede Lust am Erkunden vergehen. Da passt es, dass es abseits der Story ohnehin wenig Interessantes zu tun gibt: Wie in Far Cry 3 steht es euch frei, den KI-Widersachern Garnisonen zu entreißen, in denen daraufhin verbündete NPC-Kämpfer hausen. Dadurch schaltet ihr einen Kiosk frei, an dem ihr einen von zwei Typen an Nebenmissionen erhaltet: Entweder rettet ihr eine Geisel oder ihr schaltet einen speziellen Feind aus. Das spielt sich bis auf eine Ausnahme (die Ausrottung der Teenage Mutant Ninja Turtles!) jedes Mal gleich, einzig die witzigen Missionstexte versprühen einen Hauch von Charme und Ideenreichtum.
Die Jagd auf Tiere mit dem nunmehr neonblau leuchtenden Bogen spielt keine Rolle mehr, auch das Crafting entfällt. Zwar sammelt ihr immer noch Erfahrungspunkte, aber statt bei einem Levelaufstieg ein neues Talent auszuwählen, bekommt ihr automatische Miniverbesserungen spendiert. Rex verfügt zu Spielbeginn zudem bereits über die meisten aus Far Cry 3 bekannten Fähigkeiten.
Außer Drachen keine Bossgegner
Das hat uns echt gewundert: Blood Dragon inszeniert sich als Oldschool-Shooter, verpasst es aber, den Spieler mit dem Kampf gegen einen fetten Endgegner zu belohnen. Stattdessen findet die Geschichte lediglich in einer Zwischensequenz ihren befriedigenden Abschluss. Die Auseinandersetzungen mit den riesigen Drachen machen derweil zwar Laune, aber wir wären dennoch zu gerne gegen im Spielverlauf erwähnte, aber nie gezeigte Abscheulichkeiten wie den Tentakelmann oder den Tintenfisch-Hai angetreten. Das hätte gut zum bekloppten Szenario von Blood Dragon gepasst.
Wenige, zum Großteil uninspirierte Waffen
Beim Waffenarsenal lässt Ubisoft ebenfalls viel Potenzial ungenutzt: Lediglich ein Schießprügel (der Laserstrahlen verschießende Wurfstern) ist angemessen abgefahren, beim Rest handelt es sich um optisch angepasste Varianten aus Far Cry 3: Sturmgewehr, Pistole, Schrotflinte, Scharfschützengewehr, Flammenwerfer und der Bogen sind die üblichen Verdächtigen. Einzig die tragbare Minigun gab es vorher nicht.
Neuerungen beschränken sich auf optische Änderungen
Neben den Waffen hat Ubisoft auch den aus Far Cry 3 bekannten Fahrzeugen und Gegnern größtenteils nur ein anderes Aussehen verpasst und sie in Blood Dragon eingebaut: Die Molotov werfenden Irren aus dem Hauptspiel gibt es ebenso wieder wie schwer gepanzerte Kerle mit Minigun oder Flammenwerfer, diesmal aber schlicht anders angemalt. Jeeps und Hängegleiter feiern ebenfalls eine Rückkehr. Coole, abgedrehte Neuerungen sucht ihr abseits der Drachen dagegen vergebens.
Nur auf Englisch wirklich lustig
Zuerst einmal sei festgehalten: Die deutsche Sprachausgabe von Blood Dragon ist gut. Die Sprecher geben sich Mühe, gerade der von Rex Power Colt. Allerdings ist die Übersetzung nicht immer gelungen, wodurch nicht alle Gags zünden.
Ein Beispiel: Bei der Flucht aus einem unterirdischen Labor weist uns eine Verbündete daraufhin, dass uns ein monströses Wesen, eine Kreuzung aus Tintenfisch und Hai (im Englischen: shark) den Weg zum Ausgang versperrt. Wir sollen mit unserem Jeep über den Abgrund mit dem Wesen springen. In der englischen Version wird dieses Missionsziel mit dem Spruch: "Jump the shark!" zusammengefasst. Das ist eine Redensart, die etwa dann zum Einsatz kommt, wenn eine Fernsehserie ihren Höhepunkt überschritten hat und die Luft raus ist. In diesem Zusammenhang ist "Jump the shark!" natürlich eine selbstironische Anspielung der Entwickler auf ihre eigene Geschichte und die absurde Situation mit dem Tintenfisch-Hai. Im Deutschen geht dieser Anspielung dank der exakten Übersetzung "Spring über den Hai!" aber jeglicher Sinn verloren.
Ähnliches lässt sich bei den im Englischen witzigen Sprüchen auf den Ladebildschirmen und den durch das Finden von Sammelobjekten freigeschalteten Notizen beobachten. Keine Frage: Blood Dragon ist auch auf Deutsch witzig. Wer des Englischen mächtig ist, sollte aber die einen Tick lustigere Originalfassung wählen. Praktisch: Das Spiel erlaubt es euch, englische Sprache und deutsche Untertitel zu kombinieren.
Geringe Spielzeit, niedriger Schwierigkeitsgrad
Wer sich auf die Erfüllung der sechs Hauptmissionen konzentriert, ist mit Blood Dragon schon nach vier Stunden durch. Die Spielzeit lässt sich durch das Abarbeiten der (langweiligen) Nebenaufträge, die Befreiung von 13 über die Spielwelt verteilten Garnisonen und das Sammeln einer Handvoll Sammelgegenstände wie Aktenordner und Videokassetten strecken. Nach sechs Stunden ist aber endgültig Schicht im Schacht, selbst auf dem höchsten von drei Schwierigkeitsgraden.
Wie schon das Hauptspiel ist Far Cry 3: Blood Dragon nämlich einen Tick zu leicht: Die KI der feindlichen Soldaten vollbringt keine Wunderwerke, Geld für Vorräte gibt es reichlich, die Takedown-Angriffe erweisen sich erneut als sehr mächtig und dank einer dicken Laserwumme lässt sich die letzte halbe Stunde des Spiels selbst mit verbundenen Augen bewältigen.
