Fallout: Tim Cain zur Geburt des postapokalyptischen Rollenspiels bei einer Pizza-Party

News Marc Zander
Fallout: Tim Cain zur Geburt des postapokalyptischen Rollenspiels bei einer Pizza-Party
Quelle: Moby Games

Die Ursprünge von Fallout liegen nach Tim Cain in einer von ihm nach Feierabend organisierten Pizza-Runde. Im Interview verriet er, wie das Kult-Rollenspiel rund um Vaults und Überlebende einer Atomkatastrophe wirklich entstanden ist.

Die Entstehungsgeschichte des postapokalyptischen Rollenspiels Fallout lässt sich laut dem ursprünglichen Schöpfer Tim Cain auf informelle Anfänge bei Interplay Entertainment zurückführen. In einem aktuellen Rückblick erläutert Cain, dass das Projekt nicht als strategische Unternehmensentscheidung begann, sondern als privates Unterfangen, das seinen Ursprung in einer Einladung zu Pizza und Getränken im Büro nach Feierabend fand.

Wie nahm bei Fallout alles seinen Lauf?

Cain, der zu dieser Zeit als Programmierer bei Interplay tätig war, wollte Mitstreiter von einem neuen Rollenspiel-Konzept überzeugen. Nach dem Erfolg von Wasteland 1988 suchte Interplay nach Wegen, das Genre der Postapokalypse neu zu definieren. Cain arbeitete monatelang allein an einer Engine, bevor er Kollegen für seine Vision begeistern wollte. Seine grundlegende Idee war es, ein System zu schaffen, das dem Spieler maximale Freiheit bei der Charakterentwicklung und den moralischen Entscheidungen lässt.

Da es keinen offiziellen Auftrag für das Projekt gab, organisierte er ein Treffen nach Feierabend im Konferenzraum des Büros und bestellte Pizza. Zu den ersten Teilnehmern gehörten unter anderem der Art Director Leonard Boyarsky. Cains Ziel war es, eine Gruppe von Entwicklern zu finden, die bereit war, in ihrer Freizeit an einem Prototyp zu arbeiten, ohne dass dafür ein Budget oder eine formale Genehmigung vorlag.

"Ich habe einen Konferenzraum für 18 Uhr reserviert, genau dann, wenn alle Feierabend hatten, und dann E-Mails verschickt: 'Ich bin mit Pizza im Konferenzraum. Wenn ihr Lust habt, vorbeizukommen und mit mir über Spiele zu sprechen, die wir mit meiner Sprite-basierten isometrischen Engine entwickeln könnten, könnt ihr das gerne tun"." (Tim Cain, maschinell übersetzt)

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Die Ideen für Spiele reichten von einem Zeitreisespiel bis zu einem Alien-Invasionsspiel. Geeignet wurde sich auf ein postapokalyptisches Szenario. In der frühen Phase basierte das Spiel auf dem Pen-and-Paper-Regelwerk GURPS (Generic Universal RolePlaying System) von Steve Jackson Games. Die Vision des Teams war es jedoch, ein Spiel zu erschaffen, das dem Spieler maximale Freiheit bei der Lösung von Konflikten bot - sei es durch Diplomatie, Schleichen oder Gewalt.

Diese Philosophie legte den Grundstein für die heute bekannte spielerische Tiefe der Serie. Erst später im Entwicklungsprozess, nach rechtlichen Unstimmigkeiten mit dem Lizenzgeber, entwickelte Interplay das hauseigene S.P.E.C.I.A.L.-System. Dazu ersonnen sie die bis heute bestehende Mischung aus 1950er-Jahre-Optimismus und nuklearer Zerstörung, die Fallout damals von anderen Sci-Fi-Titeln der Ära unterscheiden sollte.

Die Integration von schwarzem Humor und einer tiefgreifenden Erzählweise sicherte dem Spiel trotz eines bescheidenen Budgets und anfänglicher Skepsis innerhalb des Managements letztendlich einen Platz in der Popkultur. Die Teilnehmer dieser frühen "Pizza-Meetings" prägten laut Cain die grundlegenden Design-Säulen:

  • Das düstere, postnukleare Szenario
  • Die vielen Reaktionen der Spielwelt auf Spielerentscheidungen
  • Eine retro-futuristische Ästhetik statt typischer Sci-Fi-Szenarien

Was als informelle Zusammenarbeit in der Freizeit begann, entwickelte sich nach der Präsentation eines funktionsfähigen Prototyps zu einem offiziellen Projekt bei Interplay. Heute gilt Fallout als Meilenstein der Videospielgeschichte, der die Grundlage für die jahrzehntelange bestehende und bei Fans sehr beliebte Marke ist, die mittlerweile eine erfolgreiche Serienadaption bei Prime Video erhalten hat. Das Spiel bekommt ihr bei Steam und auf GOG.

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Quelle: Tim Cain, via Game Informer

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