Fahrenheit

Test

Fahrenheit Von nun an schlüpft der Spieler abwechselnd in die Rollen von Jäger und Gejagtem und erlebt ein mehr oder minder spannendes Abenteuer: Zu Beginn des Spiels ist die Story wirklich fesselnd. Ein Täter, der nicht weiß, warum er einen Mord begangen hat, hoch motivierte Polizisten, die dem Verdächtigen dicht auf den Fersen sind, und geschickt inszenierte Spannungsmomente wie Rückblenden oder Visionen: Die Story von Fahrenheit legt richtig gut los und motiviert zum Weiterspielen. Das hohe Anfangstempo kann jedoch nicht aufrechterhalten werden und nach wenigen Spielstunden gibt es die ersten Längen, bevor die Story gegen Ende des Spiels dann richtig abbaut und selbst hartgesottene B-Movie-Fans angesichts ihrer schrecklichen Qualität erschaudern lässt.

Zum Gähnen - Die Sims lassen grüßen
Vor allem die später häufig auftretenden uninteressanten und langatmigen Unterhaltungen und der zu große Anteil Lebenssimulation schaden dem Spiel. Anfangs mag es ja noch ganz witzig sein, seinen Charakter in Sims-ähnlicher Manier zu steuern und die meisten Aktionen manuell auszuführen, mit der Zeit nervt es aber. Beispiel: Gegen Mitte des Spiels klopft es bei Carla an der Wohnungstür. Ihr homosexueller Nachbar, der übrigens absolut nichts mit der Story zu tun hat, steht mit einer Flasche Wein vor der Tür.

Nicht nur, dass die minutenlang andauernde Unterhaltung mit dem Kerl völlig einschläfernd wirkt und die Geschichte von Fahrenheit nicht weiterbringt, der Spieler muss auch noch etliche langweilige Aktionen manuell ausführen: die Wohnungstür aufmachen, die Schranktür aufmachen, die Gläser aus dem Schrank holen, die Gläser abstellen, die Flasche in die Hand nehmen, den Wein in die Gläser einschenken und so weiter und so weiter. Wer Spiele wie Die Sims mag, wird über solche Spielereien sicherlich jubeln, wer allerdings ein Adventure mit durchwegs spannender Kriminalstory erwartet, wird sich öfters schlichtweg langweilen.

Gutes Timing von Nöten
Das genaue Gegenteil dieser oftmals ermüdenden Situationen sind die Actionszenen im Spiel. Diese Sequenzen sind wie kleine Minispiele aufgebaut und erinnern frappierend an die Quicktime-Events bei Segas Klassiker Shenmue: In den streckenweise überragend inszenierten Ausschnitten muss der Spieler die beiden Analogsticks bedienen und bestimmte Richtungsvorgaben zeitgenau umsetzen. Schafft er das, führt der Charakter im Spiel die in der jeweiligen Situation benötigte Bewegung (z. B. Ausweichen eines Schlages, richtig getimter Sprung etc.) aus und meistert die Szene.

Auch während bestimmter Gespräche kommt dieses System zum Einsatz. Hier wird der Spieler bei Gelingen mit Zusatzinformationen über die Stimmung des Gesprächspartners versorgt und kann die Unterhaltung somit zu seinen Gunsten lenken. Obwohl diese Sequenzen spielerisch ziemlich anspruchslos sind, lockern sie das Spiel ungemein auf und passen hervorragend zum eher langsamen Spielprinzip eines Adventures.

Filmreife Präsentation
Sehr gut gelungen ist unterdessen die Aufmachung des Spiels. Die Grafik kämpft zwar hin und wieder mit verwaschenen Texturen, überzeugt dafür aber mit hervorragenden Animationen, detailliert ausmodellierten Gesichtern und sehr realistisch wirkenden Wettereffekten. Musikalisch wird dank der Mitarbeit von TV-Veteran Angelo Badalamenti (der unter anderem die Musik zu Twin Peaks und Profiler gemacht hat) einiges geboten und die zusätzlichen Rocksongs entpuppen sich als wahre Ohrwürmer.

Während die deutsche Synchronisation allenfalls als befriedigend bezeichnet werden kann, überzeugt die optionale englische Sprachausgabe umso mehr. Erwähnenswert sind auch die stellenweise grandios arrangierten Kameraschnitte. Ähnlich wie bei der TV-Serie 24 wird viel mit der Bild-in-Bild-Technik gearbeitet, wodurch eine spannende, einzigartige Atmosphäre entsteht.

Wertung zu Fahrenheit (PS2)

Wertung:

79 /10
Fazit

Innovatives Spiel mit intelligenter Steuerung und guter Aufmachung, allerdings auch mit vielen Längen.

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