Der Epic Games Store: Was bietet die Spieleplattform der Fortnite-Macher? Wie können Spieler und Entwickler profitieren?

Special David Benke
Der Epic Games Store: Was bietet die Spieleplattform der Fortnite-Macher? Wie können Spieler und Entwickler profitieren?
Quelle: Epic Games

Der Epic Games Store sorgte zuletzt häufiger für Schlagzeilen - und das nicht immer zur Freude der Spieler. Mit der Ankündigung, dass Metro Exodus nur über die hauseigene Vertriebsplattform verfügbar sein werde, sorgten die Fortnite-Macher etwa für mächtig Verärgerung. Teils waren sogar schon erste Boykott-Aufrufe zu lesen. Bei all dieser Aufregung lohnt es sich, den Shop einmal näher zu beleuchten und zu klären: Was kann der Epic Games Store? Welche Vorteile bietet er Spielern und Entwicklern? Und hat er tatsächlich eine langfristige Perspektive als Steam-Konkurrent?

Origin, GOG, Battle.net - die Liste der Spiele-Vertriebsplattformen ist lang. Die Namen der dahintersteckenden Firmen, beispielsweise Electronic Arts oder Activision-Blizzard, sind durchaus namhaft. Sie alle teilen allerdings ein ähnliches Schicksal: Im Vergleich zum Marktführer fristen sie doch eher ein Nischendasein. An Spiele-Gigant Steam kam bisher kein Konkurrent auch nur annähernd heran. Seit mehr als einem Jahrzehnt steht Valves Online-Service an der Spitze - mit über 30.000 Titeln im Repertoire und 33 Millionen aktiven Nutzern täglich.

Ein neuer Herausforderer betritt den Ring

Nun schickt sich allerdings ein neuer Herausforderer an, den König vom Thron zu stoßen. Dieser hört auf den Namen Epic Games Store und kommt von den kreativen Köpfen hinter der Unreal-Engine. Pünktlich zu den letztjährigen Games Awards am 6. Demzember 2018 an den Start gebracht, soll der Online-Shop geschickt die Popularität des Kassenschlagers Fortnite nutzen, um schnell Fuß zu fassen und zu einem ernstzunehmenden Mitbewerber im Gaming-Business zu werden. An Ambitionen oder Ressourcen fehlt es definitiv nicht: Alleine durch den Battle Royale-Shooter verzeichnet Epic über 125 Millionen Nutzer des hauseigenen Game Launchers. Zudem spülte der Titel im vergangenen Jahr angeblich rund 2,4 Milliarden Dollar in die Firmenkassen, mit denen nun der Markt umgekrempelt und eine Kampfansage in Richtung Valve abgegeben werden soll.

Für allem für Entwickler ist ein Wechsel zum Epic Games Store verlockend. Schließlich winkt dort eine 18 Prozent höhere Umsatzbeteiligung. Quelle: Epic Games Für allem für Entwickler ist ein Wechsel zum Epic Games Store verlockend. Schließlich winkt dort eine 18 Prozent höhere Umsatzbeteiligung. Bereits die Ankündigung Epic Store liest sich dabei wie eine Werbeanzeige für Entwickler. Von einer direkten Verbindung zu den Spielern ist da die Rede. Oder von "mehr Kontrolle" über die eigene Spieleseite. Der Aufhänger ist aber zweifelsohne das attraktive Geschäftsmodell, dessen finanzielle Reize mehr Spielemacher an Bord locken sollen. So bietet der Epic Games Store etwa eine Gewinnbeteiligung von 88 Prozent - im Vergleich zu lediglich 70 Prozent auf Steam. Zudem wird eine Umsatzgarantie versprochen. Sollte sich ein Spiel also unterdurchschnittlich verkaufen, zahlt Epic die Differenz. Das macht einen Release über den Epic Store natürlich mehr als attraktiv, besonders für kleinere Studios.

Eklat um Exklusiv-Deals

Momentan ist das Line-Up noch vergleichsweise überschaubar, wächst dafür aber stetig. Zu den eigenen Produktionen wie Shadow Complex oder Unreal Tournament haben sich mittlerweile einige, teils sogar exklusive, Titel gesellt - von denen manche mehr, manche weniger Aufmerksamkeit erregen. Zu den prominenteren Namen gehört beispielsweise die finale Staffel des Telltale-Adventures The Walking Dead. Besonders, da der Startschuss des Zombie-Abenteuers im vergangenen Jahr noch auf Steam fiel und es 2019 nun nur noch ausschließlich über den Epic Games Store verfügbar ist - es sei denn, ihr habt euch über Steam den Season Pass gekauft.

Für große Wellen sorgte kürzlich auch die Ankündigung, dass der Release des postapokalyptischen Shooters Metro Exodus am 15. Februar zunächst nur über den Epic Games Store erfolgt. Die Veröffentlichung auf Steam ist hingegen erst für 2020 geplant - ein Schlag ins Gesicht vieler Fans. Schließlich war der Titel aus der Software-Schmiede 4A Games vorher monatelang auf Steam gelistet. In allen bisher erschienen Trailern wurde Valves System zudem als Vertriebsplattform genannt. Immerhin: Vorbesteller bekommen ihre Steam-Keys noch zugeschickt. Für den Großteil der Spielerbasis stellt das allerdings nur einen milden Trost dar. Metro Exodus wird 12 Monate lang exklusiv über den Epic Store verfügbar sein. Erst 2020 erscheint der Titel dann auf Steam. Quelle: Deep Silver Metro Exodus wird 12 Monate lang exklusiv über den Epic Store verfügbar sein. Erst 2020 erscheint der Titel dann auf Steam.

Zumal bereits weitere Titel dem Beispiel von Metro Exodus folgen. Einige Entwickler haben sogar das Release-Datum ihrer Titel verschoben, nur um im Epic Store mit besseren finanziellen Konditionen zu starten. Coffee Stain Studios, die kreativen Köpfe hinter dem Goat Simulator, ließen zuletzt die Steam-Seite ihres neuen Titels Satisfactory schließen und per Videobotschaft verlauten, dass das Spiel nur über den Epic Store erhältlich sein werde. Für Spielemacher, gerade aus dem Indie-Bereich, macht ein Wechsel augenscheinlich also durchaus Sinn. Aber wie sieht es denn für die Spieler aus? Wie kann Epic um die Gunst der Kunden werben, die sie etwa durch den kurzfristigen Metro-Deal vor den Kopf gestoßen haben?

Die Angst vor etwas Neuem

Die Beantwortung dieser Frage ist gar nicht mal so einfach. Denn Epics größtes Problem liegt tatsächlich in der Loyalität der Spieler zu Steam - einer Plattform, mit deren Layout und Funktionen sie eben bereits vertraut sind. Einer Plattform, auf der sie bereits alle ihre anderen Titel gespeichert haben, zusammen mit Freunden und Mitspielern. Zudem scheuen viele vor der Fragmentierung ihrer Spielebibliothek und wollen nicht gleich mehrere Launcher gleichzeitig nutzen müssen. Eine verständliche Reaktion, schließlich ist der Mensch am Ende ja auch nur ein Gewohnheitstier.

What Remains of Edith Finch gehörte unter anderem zu den kostenlosen Spielen, die der Epic Store alle zwei Wochen verteilt. Quelle: Giant Sparrow What Remains of Edith Finch gehörte unter anderem zu den kostenlosen Spielen, die der Epic Store alle zwei Wochen verteilt. Um den Leuten die Nutzung des Epic Store dennoch schmackhaft zu machen, haben sich die Betreiber einiges einfallen lassen. Zunächst einmal locken sie mit kleinen Geschenken zum Einstieg: Bis Ende 2019 dürfen sich Nutzer des Epic Game Launchers alle zwei Wochen über einen kostenlosen Titel freuen. Bisher waren das unter anderem Subnautica, What Remains of Edith Finch oder Super Meat Boy - also durchaus interessante, wenn auch etwas kleinere Titel. Dennoch handelt es sich beim Verteilen von Goodies um eine grundsätzlich gute Idee. Schließlich wird die Einstiegshürde so extrem gesenkt. Wer sich denn Epic Games Launcher ohnehin schon heruntergeladen hat, um ein Gratis-Spiel abzugreifen, der wird dort auch mit höherer Wahrscheinlichkeit einmal in den Shop schauen.

Dieser überzeugt indes mit einem, im Vergleich zu Steam, aufgeräumten, sauberen und optisch schlichten Design. Euch erwartet kein visuelles Wirrwarr, stattdessen säumen die nötigsten Informationen sowie zahlreiche große Screen- und Packshots die Seiten - welche laut Aussagen der Betreiber später gut kuratiert werden sollen. Epic plant beispielsweise nicht, Inhalte für Erwachsene im Shop zuzulassen. Auch an sozialen Elementen wie etwa Foren oder ausführlichen Spielerprofilen wurde gespart - die Community spielt bei Epic im Vergleich zu Steam eher eine untegeordnete Rolle.

Aus den Fehlern von Steam lernen

Schlicht, übersichtlich, bildstark - so präsentiert sich der Epic Games Store. Quelle: Epic Games Schlicht, übersichtlich, bildstark - so präsentiert sich der Epic Games Store. Es sind Schritte, die der Leiter der Veröffentlichungsstrategie in die Wege geleitet hat, um sich von der direkten Konkurrenz abzusetzen. Und der muss es wissen, schließlich handelt es sich dabei um niemand geringeren als Sergey Galyonkin - den Betreiber der Seite Steam Spy. Weitere von ihm angeregte Features umfassen ein Ticketsystem, mit dem Entwickler direkt über Probleme benachrichtigt werden können und den Verzicht auf einen allgemeinen DRM-Schutz. Entwickler oder Publisher können stattdessen ihr eigenes Kopierschutzverfahren verwenden oder ganz darauf verzichten. Zudem verfügt der Store über regionsabhängige Preisgestaltung in über 230 Ländern sowie ein standardgemäßes Rückgaberecht innerhalb der ersten 14 Tage - solange die Spielzeit nicht zwei Stunden übersteigt.

Schließlich bietet der Epic Games Store auch einen finanziellen Vorteil - zumindest für Teile der Community. US-Nutzer dürfen sich beim bald erscheinenden Metro Exodus etwa auf einen saftigen Preisnachlass freuen. War der Titel auf Steam noch für 59,99 Dollar gelistet, gibt es ihn bei Epic mittlerweile für nur 49,99 Dollar. Von den besseren Konditionen für die Entwickler profitieren also auch die Spieler. Oder wie es Epic-Chef Tim Sweeney ausdrückt: Die Partnerschaft mit Publisher Deep Silver ist ein Beispiel dafür, wie das eigene Business-Konzept "die Gaming-Industrie für jeden verbessert."

Zahlreiche fehlende Features

Spielerbewertungen gehören zu den zahlreichen Features, die der Epic Store im Vergleich mit Steam vermissen lässt. Quelle: Steam (Screenshot: PCGH) Spielerbewertungen gehören zu den zahlreichen Features, die der Epic Store im Vergleich mit Steam vermissen lässt. Es ist allerdings nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Denn abgesehen von der zumindest fragwürdigen Marschroute beim Thema Exklusiv-Deals hat der Epic Games Store auch noch ein paar andere Defizite. Vor allem in Sachen Features hinkt er Steam um Meilen hinterher. Teils werden sogar Stimmen laut, der Shop umfasse nicht mehr als das nötige Grundgerüst und hätte ein paar zusätzliche Monate Entwicklungszeit gut vertragen können. Die Liste der aktuell fehlenden Elemente umfasst unter anderem: Such- und Sortierungsoptionen für Shop und Bibliothek, eine Cloud-Save-Funktion, einen Offline-Modus, Account-Sharing, Linux-Support, Errungenschaften sowie umfassende VR- und Controller-Unterstützung. Auch auf eine Community-Einbindung in Form eines Workshops muss verzichtet werden.

Spielerbewertungen sind ebenfalls noch nicht verfügbar. Laut offizieller Aussage soll so Review Bombing verhindert werden - also das massenhafte hinterlassen negativer Reviews, um Popularität und Umsatz eines Titels zu schaden. Doch auch für die nähere Zukunft ist geplant, es den Entwicklern selbst zu überlassen, ob sie Bewertung auf ihrer Spieleseite erlauben wollen oder eben nicht. Dem kann man durchaus skeptisch gegenüberstehen, schließlich können unabhängige, kritische Meinungen so einfach ausgeblendet werden.



Defizite bei Service und Sicherheit

Grund für Bedenken bietet auch die Praktik, Kunden beim Kauf eines Spiels automatisch für einen Newsfeed des Entwicklers anzumelden - und unter Umständen die Emailadresse eines Spielers an diesen weiterzugeben. Selbiges gilt für Transaktionskosten (etwa beim Bezahlen mit Paysafe-Karten) Fortnite: Battle Royale Titelbild Quelle: Epic Games Fortnite, das Zugpferd von Epic Games, zeigte sich in der Vergangenheit anfällig für Hacker-Angriffe. oder den Zwang zur Account-Migration, so geschehen etwa im Falle des kostenlosen Action-RPG Dauntless. Dessen Betreiber gaben kürzlich bekannt, den eigenen Launcher künftig zugunsten des Epic-Pendants aufzugeben. Wer sein Konto nicht überführt, riskiert den Verlust jeglicher Ingame-Fortschritte.

Zudem werden vermehrt Stimmen über Epics schlechten Kundenservice und verbesserungswürdige Sicherheitsmethoden laut. So wurden erst Mitte Januar Sicherheitslücken in Fortnite aufgedeckt, die es Hackern theoretisch ermöglichten, Accounts zu übernehmen oder Kreditkartendaten zu missbrauchen und so potenziell 80 Millionen Spieler gefährdeten. Die private US-Verbraucherzentrale Better Business Bureau gab dem Epic-Support zudem ein "F" - das Pendant zur Schulnote 6.

Der Versuch eines Fazits

Was soll man nun also vom Epic Games Store halten? Wir sagen: Für ein finales Urteil ist es definitiv zu früh. Was sich aber bereits jetzt festhalten lässt: Vielfalt und Veränderung sind grundsätzlich immer erstmal etwas Gutes. Und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft - so wie im Falle von Microsoft und Sony, die sich im endlosen "Konsolenkrieg" ja auch immer gegenseitig zur Verbesserung anstacheln.

Ob sich Epic aber auch langfristig als ernstzunehmender Steam-Rivale etablieren kann und ob die Spieler aus diesem Wettbewerb auch etwas Positives ziehen können, das bleibt noch abzuwarten. Das Potenzial ist definitiv da, momentan halten sich die Vorteile allerdings noch in Grenzen. Wer kostenlose Spiele einsacken möchte, einen der exklusiven Titel spielen will oder gerne kleinere Entwickler unterstützt, für den ist der Epic Games Store auf jeden Fall einen Blick Wert. In Sachen Usability und Feature-Vielfalt sehen wir bislang allerdings nur wenige Gründe, Steam dauerhaft den Rücken zu kehren - behalten die Entwicklung aber auf jeden Fall weiter gespannt im Auge.

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