Earthfall im Test: Rasanter Koop-Shooter in der Alien-Apokalypse
Test
Seit neun Jahren warten Fans auf eine Fortsetzung von Left 4 Dead. Wenn man Valves Abneigung gegen dritte Teile in Betracht zieht, kann das auch noch etwas länger dauern. Wer in der Zwischenzeit nicht auf Koop-Action verzichten will, sollte sich einmal Earthfall anschauen: Das bietet altbekanntes Vier-Spieler-Gameplay, ersetzt Zombies aber durch Aliens. Wir haben den Indie-Titel getestet.
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Earthfall (jetzt kaufen 22,79 € ) zeichnet eine düstere, dystopische Zukunft: Die Welt steht vor dem Untergang, Schwärme hungriger Aliens marodieren durch die Straßen und versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Nur ihr könnt das drohende Ende der Menschheit noch abwenden. Wie das funktioniert? So, wie es die vielen Hollywood-Blockbuster vorgemacht haben! Ihr trommelt eure Crew zusammen, greift zu den Waffen und ballert das außerirdische Gesocks zurück auf seinen Heimatplaneten. Dabei ist vor allem Teamplay gefragt, um die ungeliebten Besucher wieder loszuwerden.
Charaktere und Gameplay sorgen für ein Déjà-Vu
Im gnadenlosen Kampf um Leben und Tod stehen euch vier verschiedene Charaktere zur Auswahl, die zumindest bei uns für ein kleines Déjà-Vu gesorgt haben. Denn bei Maya, Roy, Danny und Jonas lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zu den Figuren aus Left 4 Dead 2 nicht von der Hand weisen. Dennoch haben alle ihre ganz eigene Persönlichkeit und entwickeln untereinander eine gute Dynamik. Auch dank der gelungenen Vertonung, die aber leider nur auf Englisch verfügbar ist. Insgesamt bleibt das Quartett jedoch etwas blass, auch weil wir so wenig über unsere Squad-Mitglieder und deren Geschichte erfahren.
Quelle: PC Games
Earthfall lässt euch die Wahl zwischen vier verschiedenen Charakteren - die sich aber nur optisch voneinander unterscheiden.
Im Hauptmenü können die vier Protagonisten individuell angepasst werden. Es lassen sich etwa ihre jeweiligen Waffenskins und Outfits ändern. Laut Entwickler soll es hier später auch die Möglichkeit geben, kosmetische Features gegen Echtgeld zu kaufen. Holospark hat zum Beispiel schon eine Auswahl an Strahlenschutzanzügen angekündigt. Wir können euch allerdings beruhigen: Dies werden die einzigen Mikrotransaktionen im fertigen Spiel sein, alle Spieler starten mit denselben Voraussetzungen. Das liegt auch daran, dass die einzelnen Charaktere sich ohnehin nur optisch voneinander unterscheiden. Ingame fühlen sich alle vier Figuren gleich an. Egal ob Athletin oder Familienvater - keiner ist widerstandsfähiger oder schneller als der andere.
Earthfall funktioniert nach einem simplen Drop-in-Drop-out-System. Ihr könnt also jederzeit ein laufendes Spiel verlassen oder einem neuen beitreten. Natürlich dürft ihr euch auch alleine auf die Jagd begeben. Da der Titel aber komplett um das Koop-Konzept aufgebaut ist, bekommt ihr dann KI-Verbündete zur Seite gestellt. Das Skill-Level dieser Bots lässt sich euren Bedürfnissen anpassen. Das ist auch bitter nötig, können die Kämpfe doch schon ziemlich knackig werden. Bereits der normale Schwierigkeitsgrad stellt eine echte Herausforderung dar, die höchste Stufe ist ohne ein eingespieltes Team kaum zu schaffen. Auch, weil es im gesamten Spiel keine Checkpoints gibt. Sterbt ihr, müsst ihr das Level komplett von vorne beginnen.
Abwechslungsreiche Levels voll interessanter Gegner
Quelle: PC Games
Aktuell umfasst Earthfall lediglich zwei Kampagnen mit jeweils fünf Kapiteln - das ist bisher noch etwas dünn.
Aktuell gibt es zwei Kampagnen mit jeweils fünf Kapiteln. Die Spielwelt ist dabei im pazifischen Nordwesten der USA angesiedelt und wird mithilfe der Unreal 4 Engine zum Leben erweckt. Diese zaubert abwechslungsreiche Umgebungen auf den Bildschirm, mitsamt netten Lichteffekten und knalligen Farben. Die Schauplätze von Earthfall haben nicht nur verschiedene Tageszeiten, sondern auch andere Wetterbedingungen zu bieten. Die Umgebung ist schön anzuschauen - egal ob verlassener Vorort oder verbarrikadierter Rangierbahnhof. Gerade die letzten Level, die immer mehr außerirdische Einflüsse enthalten, erinnerten uns ein wenig an die Xen-Stages aus Half Life. Alles in allem sieht der Indie-Titel für seine Verhältnisse gut aus und läuft flüssig - auch wenn die Framerate auf 60 FPS begrenzt ist, hier und da kleinere Grafik-Bugs auftauchen und einige Animationen (etwa fürs Wiederbeleben) fehlen.
Innerhalb einer Mission müsst ihr diverse Ziele erledigen, die die Geschichte vorantreiben. Das umschließt teils simple Aufgaben, wie das
Quelle: PC Games
In der Wissensdatenbank lassen sich neue Informationen zu Waffen, Gegnern und Story-Elementen freischalten.
Verteidigen oder Erreichen eines Punkts. Manchmal wird es aber auch etwas anspruchsvoller, wenn ihr etwa Ersatzteile für ein Auto auftreiben sollt. Die Aufträge fügen sich sinnvoll in die Story ein und lockern das Gameplay auf, halten das Tempo aber hoch. Kleiner Wehrmutstropfen ist lediglich, dass uns manchmal ein wenig der Zusammenhang zwischen den einzelnen Missionen gefehlt hat. Auch die Erzählung selbst ist insgesamt eher dürftig. Es wird kaum erklärt, wer beziehungsweise wo ihr seid und was genau ihr überhaupt zu tun habt. Der Hintergrund der Alien-Invasion bleibt weitestgehend unangetastet. Lediglich die Wissensdatenbank im Hauptmenü versorgt euch Stück für Stück mit neuen Informationen. Um diese freizuschalten, müsst ihr mit den jeweiligen Charakteren spielen, Waffen benutzen oder Gegner erledigen.
Das ist aber eigentlich nicht weiter störend. Im Grunde geht es ja sowieso nur darum, den außerirdischen Abschaum von der Oberfläche zu tilgen. Das funktioniert auch ganz ausgezeichnet. Im Verlaufe des Abenteuers bekommt ihr es mit verschiedenen Alien-Arten zu tun, die augenscheinlich stark durch Left 4 Dead inspiriert wurden. Neben den gewöhnlichen Drohnen gibt es etwa den aufgeblähten Sapper, der bei Beschuss explodiert. Oder den flinken Thrasher, der euch zu Boden drückt und die Gedärme aus dem Leib reißt. Auch eine Art Tank hat sich Holospark ausgedacht - der heißt allerdings Beast und speit Energiekugeln, statt euch mit Felsbrocken zu bewerfen. Das Gegner-Design mitsamt der zugehörigen Sounds ist zwar nicht revolutionär aber dennoch gut gelungen. Durch ein intelligentes Spawning-System und die unterschiedlichen Angriffsmuster stellen die Viecher immer eine nicht zu unterschätzende Bedrohung dar. Obwohl die Gegner in Earthfall manchmal mehr durch Masse als durch Klasse zu beeindrucken wissen.
Innovative Ideen und ärgerlich Defizite
Quelle: PC Games
Eines der interessantesten Features: der 3D-Drucker, mit dem sich beliebige Schusswaffen herstellen lassen.
Um euch zu wehren, bekommt ihr ein breites Arsenal an die Hand: Euch erwartet eine Auswahl an Gewehren, Pistolen und Nahkampfwaffen. Diese wird ergänzt durch diverse Wurfgeschosse, Flammenwerfer oder Miniguns. Die einzelnen Schießeisen fühlen sich alle relativ gleich an, verfügen dafür aber zumindest über eine grobe Physik. Eure AK-47 verzieht etwa nach oben, wenn ihr den Abzug gedrückt haltet. Mit Munition solltet ihr aber nicht leichtfertig umgehen. Patronen sind in Earthfall ein rares Gut. Zum Glück sind hier und da 3D-Drucker versteckt, mit denen ihr Waffen herstellen könnt.
Eine taktische Komponente erhält der Titel durch die Möglichkeit, tragbare Barrikaden und Geschütze zu platzieren und so eine Verteidigungslinie aufzubauen. Zudem spielt Teamwork natürlich eine zentrale Rolle - wer sich nicht gegenseitig Feuerschutz gibt oder mit Erste-Hilfe-Sets versorgt, ist eigentlich schon dem Untergang geweiht. Earthfall versteht sich so sehr gut darauf, die kameradschaftliche Stimmung des Vorbilds wiederaufleben zu lassen.
Dennoch ist der Indie-Titel nicht frei von Fehlern. Wir haben bei einigen Waffen etwa das passende Treffer-Feedback vermisst: Gegner taumeln nicht zurück, wenn sie von einem wuchtigen Schlag getroffen werden. Das macht gerade den Nahkampf extrem unbefriedigend. Ohne unspektakuläre Optik, ohne einen markigen Sound fehlte uns da einfach der letzte Kick.
Quelle: PC Games
Mithilfe von tragbaren Barrikaden und Geschützen könnt ihr euch die Alien-Biester gut vom Leib halten.
Schade finden wir auch, dass es nach Abschluss der etwa fünfstündigen Kampagne an zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten mangelt. Holospark hat zwar bereits versichert, dass der Titel nach dem Launch weiter mit kostenlosen Inhalten versorgt werden soll, zu einer konkreten Ankündigung konnten sich die Macher aber nicht durchringen. Auch über alternative Spielmodi schweigen sich die US-Amerikaner beharrlich aus. Ob es in Zukunft Versus-Matches wie in Left 4 Dead geben wird, ist damit nicht absehbar. Im Forum ließen die Entwickler lediglich durchblicken, dass sie einem Survival-Modus nicht abgeneigt gegenüberstehen.
Das größte Problem von Earthfall ist allerdings, dass es sich so schwer gestaltet, Mitstreiter zu finden. Laut Steamcharts waren zu Rekordzeiten im Mai gerade einmal 142 Spieler gleichzeitig online. Zum Vergleich: Das bereits neun Jahre alte Vorbild Left 4 Dead 2 zog im selben Monat durchschnittlich immer noch 7700 Spieler an - und kostete dabei nur etwa 17, statt der von Holospark verlangten knapp 30 Euro.
Quelle: Holospark
Der Beast ist das beeindruckendste Monster, das Earthfall zu bieten hat und verlangt euch einiges an Können und Munition ab.
