Ubisoft steigt mit einer ungewöhnlichen Stadt-Tour in die VR-Welt ein. Als Adler flattert ihr durch das Paris der Postapokalypse, neigt den Kopf für Bestzeiten nach links oder rechts und kabbelt euch mit anderen Spielern um tote Hasen. Das macht nicht zuletzt dank präziser Steuerung Spaß, aber die Luft ist schnell raus.
Als Adler durch und vor allem über ein menschenleeres Paris fliegen, das von Tieren bevölkert und von Pflanzen überwuchert ist - die Prämisse für Eagle Flight ist so schräg wie die Kopfhaltung der Spieler: Mit dem VR-Headset auf der Birne steuern wir allein durch unsere Blickrichtung, wohin wir fliegen und nehmen besonders enge Kurven durch das Neigen des Schädels (der Controller wird lediglich zum Beschleunigen, Abbremsen und Attackieren benötigt). Das sieht für Außenstehende reichlich albern aus, spielt sich aber prächtig. Selbst beim längst nicht immer sonderlich präzisen Playstation VR funktioniert das Tracking tadellos.
Wie aus dem Ei gepellt
Quelle: PC Games
Viele Missionen der "Kampagne" schicken euch zur Jagd auf Bestzeiten durch solche mit Ringen abgesteckten Kurse. (Screenshot der PSVR-Fassung)
Wer sich in Rundflügen durch das frei erkundbare Paris mit der Steuerung vertraut gemacht hat, kann sich in die Herausforderungen der Kampagne stürzen. Die erzählt eine nett inszenierte aber völlig belanglose Geschichte aus dem Adlerleben vom Schlüpfen bis zum Nestbau und bettet darin 24 Missionen ein. In denen fliegen wir zum Beispiel unter Zeitdruck durch mit Ringen markierte Kurse (wer die Ziele mittig trifft, bekommt einen Geschwindigkeitsschub), fangen Fische oder legen uns mit Geiern, Falken und anderen Flatterfeinden an. Als Waffe dienen in diesen "Dogfights" die Schallwellen ausgestoßener Schreie.
Die Aufgaben und Missionstypen wiederholen sich schnell, halten aber vor allem durch die abwechslungsreiche Streckenwahl bei Laune. Mal fliegen wir durch Häuserschluchten, mal sind wir in Tunnelsystemen oder Katakomben unterwegs, die mit zahlreichen Abzweigungen mögliche Abkürzungen bieten. Entsprechend motivierend sind die Online-Bestenlisten, die uns beim Test immer wieder anspornten, durch riskante Manöver noch ein paar Sekunden herauszuflattern.
Hasenjagd
Wer sich für den Highscore-Wettstreit nicht begeistern kann und alle Missionen beendet hat, dem bleibt als Solo-Beschäftigung noch die Jagd nach Collectibles: In den Stadtbezirken lassen sich Federn finden und Fische verspeisen. Dann hat man aber wirklich alles gesehen, was Eagle Flight Solisten zu bieten hat. Und dann wäre da noch der Multiplayer-Modus, in dem bis zu sechs Spieler in zwei Teams zu einer "Capture the Flag"-Variante antreten. Es gilt, einen toten Hasen aufzusammeln und flink zum Nest zu bringen, um fürs eigene Team zu punkten. Das ist durchaus unterhaltsam - gerade Verfolgungsjagden durch verwinkelte Ruinen sorgen für Nervenkitzel - allerdings bleibt es bei diesem einen Modus. Durch die vermutlich vergleichsweise überschaubare Spielerbasis kommen unserer Erfahrung nach zudem nie vollbesetzte Matches zustande. Die Adlerkämpfe sind damit zwar eine nette Ergänzung, aber keine langfristige Beschäftigung.
Quelle: PC Games
Das virtuelle Paris lässt sich auch frei erkunden. (Screenshot der PSVR-Fassung)
Und dann wäre da noch die Frage nach der Verträglichkeit. Denn in VR mit hohem Tempo durch Straßenschluchten sausen - wie hoch dabei wohl das Übelkeitsrisiko ist? Wir waren zunächst skeptisch, Eagle Flight präsentiert sich aber überraschend magenschonend. Der ständig eingeblendete Adlerschnabel federt als Bezugspunkt Motion-Sickness-Gefahren ab, und bei schnellen Drehungen wird kurzzeitig das Sichtfeld verkleinert. Die Erfahrung variiert natürlich je nach Spieler, wir hatten jedoch auch bei längeren Spielsessions keine Schwierigkeiten.
