EA Sports UFC im Test - Champion oder Fallobst?

Test Christian Dörre
Die Präsentation ist sehr gut gelungen und teilweise von einer TV-Übertragung kaum zu unterscheiden.
Quelle: Computec Media AG

Nach dem eher durchwachsenen ersten MMA-Spiel versucht sich EA nun mit der UFC-Lizenz im Rücken noch einmal am taktischen Kampfsport - Geglückter Lucky Punch oder doch eher KO in der ersten Runde?

Lange musste Fans des MMA-Verbandes UFC auf eine neue Umsetzung des Kampfsports warten, doch nun ist sie endlich da. In unserem Test zu EA Sports UFC klären wir, ob die Mixed Martial Arts-Simulation an die sehr gute Undisputed-Reihe von THQ anknüpfen kann, oder ob es sich doch eher um eine durchwachsene Umsetzung des taktischen Kampfsports handelt. Alle weiteren Informationen zu EA Sports UFC erfahrt ihr auf unserer Themenseite.

Die UFC Undisputed-Reihe von THQ war ohne Frage eine hervorragende Umsetzung des Mixed Martial Arts-Sports, doch schon vor der Pleite des Publishers ging die Lizenz an Electronic Arts über. Für viele Fans sicherlich ein Schock, war doch die erste MMA-Simulation von EA nicht mehr als mittelmäßig. Mit unserem Test können wir die UFC-Anhängerschaft leider auch nicht ganz besänftigen. Zwar ist EA Sports UFC klar besser, als EAs MMA-Erstling, an die Undisputed-Spiele kommt es aber bei Weitem nicht heran.

Karriere-Leiter

Im Karrieremodus lassen sich auch etwas 'extrovertierte' Kämpfer erstellen. Quelle: Computec Media AG Im Karrieremodus lassen sich auch etwas "extrovertierte" Kämpfer erstellen. Kern von EA Sports UFC ist ganz klar der Karriere-Modus, in dem ihr euch vom Fighter-Frischling zum Champion entwickelt. Anfangs nehmt ihr an einer Staffel der The Ultimate Fighter-TV-Serie teil, in der ihr euch für einen UFC-Vertrag qualifizieren müsst. Überhaupt ist die Präsentation des Spiels teilweise kaum von einer TV-Ausstrahlung des Sports zu unterscheiden und glänzt mit einer detailgenauen Umsetzung der Kampf-Schauplätze und Einmärsche der Kämpfer.

Ist euer Fighter anfangs noch langsam, unbeweglich und besitzt kaum Schlagkraft, wertet ihr ihn durch in Kämpfen und Trainingseinheiten verdiente Erfahrungspunkte immer weiter auf. Zudem lassen sich mit den Punkten auch neue Angriffe wie besonders starke Takedowns oder Superman-Punches freischalten. Die Trainingseinheiten sind allerdings relativ öde, da ihr meistens nicht mehr machen müsst, als die angezeigten Tastenkombinationen nachzudrücken. Dadurch ist der Ablauf im Karrieremodus auch recht eintönig, da nach einem Kampf immer drei Trainingseinheiten folgen bevor der nächste Kampf ansteht, nachdem ihr wieder drei… Ihr versteht schon.

Glücklicherweise reichen aber auch die durch Kämpfe verdienten Erfahrungspunkte aus, so dass ihr es euch leisten könnt das Training zu überspringen. Spannender macht es das Ganze aber trotzdem nicht. Eine Story, wie beim letzten Fight Night, ist nicht vorhanden. Der Anreiz sich in der Rangliste nach oben zu arbeiten muss genügen. Schön hingegen, dass es eine Art Perk-System gibt. So lassen sich einzelne Fähigkeiten freischalten, die beispielsweise eure Tritte kräftiger machen oder es dem Gegner erschweren aus einem Aufgabegriff zu entkommen. Bis zu fünf dieser Perks lassen sich in einem Kampf einsetzen.

Abwechslung? Fehlanzeige!

Sämtliche Kämpfer und Gewichtsklassen sind im Spiel enthalten, leider bietet EA Sports UFC dennoch nicht viel Umfang. Quelle: Computec Media AG Sämtliche Kämpfer und Gewichtsklassen sind im Spiel enthalten, leider bietet EA Sports UFC dennoch nicht viel Umfang. Doch gibt es abseits der Karriere genug zu tun? Mitnichten. Zwar befinden sich alle Kämpfer (mitsamt einiger UFC-Legenden) sämtlicher Gewichtsklassen im Spiel, an Modi wird aber Magerkost geboten. Ihr dürft neben Challenges, in denen die komplexe Steuerung ausführlich erklärt wird, lediglich Schaukämpfe und Online-Fights bestreiten. Weder der Pride-Modus noch die eigens erstellbaren Veranstaltungen aus Undisputed 3 sind noch vorhanden. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen. Auch die Aneinanderreihung von mehreren Einzelkämpfen kann zur echten Geduldsprobe werden, da die Ladezeiten oftmals sehr lang ausfallen. Aber gut, Was beim Fußball auf dem Platz zählt, spielt sich bei der UFC im Octagon (achteckiger Ring) ab.

Wer braucht schon Taktik?

Doch auch hier wird EA Sports UFC dem eigenen Simulationsanspruch nicht ganz gerecht. Die Steuerung orientiert sich zwar klar an der Undisputed-Reihe (variantenreiche Tritte und Schläge mit den Tasten sowie Viertelkreis-Bewegungen mit dem rechten Analogstick beim Positionswechsel am Boden), fühlt sich aber etwas weniger griffig an. Das liegt auch daran, dass die Geschwindigkeit im Kampf etwas zu hoch angelegt ist und die Gegner oft aggressiv prügelnd auf euch zukommen, ohne dass ihre sich leerende Ausdaueranzeige große Konsequenzen hat.

Treffer! Während die Kicks oft durch Mark und Bein gehen, ist das Treffer-Feedback bei Schlägen kaum vorhanden. Quelle: Computec Media AG Treffer! Während die Kicks oft durch Mark und Bein gehen, ist das Treffer-Feedback bei Schlägen kaum vorhanden. Hinzu kommt, dass sich sämtliche Kämpfer gleich steuern. Zwar haben Fighter wie Anderson Silver oder Jon Jones ihre typischen Kicks und Ellenbogenschläge im Repertoire, einen Unterschied zwischen Ringern, Karateka oder Jiu-Jitsu-Spezialisten bemerkt man im Kampfgeschehen aber überhaupt nicht. Eine speziell auf den eigenen Kämpfer abgestimmte Taktik ist somit überhaupt nicht vonnöten und führt das Prinzip des Mixed-Martial-Arts ad absurdum.

Zudem fehlt es gerade in den Gefechten im Stand an vernünftigem Treffer-Feedback. Schläge fühlen sich manchmal eher wie Streicheleinheiten an und die Auswirkungen wirken oft zufällig. Der Zufallsfaktor beißt sich nicht nur mit dem realistischen Anspruch, sondern auch mit dem Spielspaß. Viel zu oft erlebten wir, wie ein Gegner nach unzähligen Kniestößen an den Kopf noch nicht einmal ins Wanken geriet, dafür aber nach einem einzigen Glückstreffer auch mal ein Kampf direkt beendet ist.

​EA Sports UFC im Video-Test

Außerdem ist es mehr als unrealistisch, wenn die sogenannten Power-Takedowns, bei denen ihr einen Gegner hart auf die Matte werft, in einem Kampf etliche Male gelingen. Diese sorgen auch dafür, dass sich die KI mit dem immer gleichen Vorgehen aushebeln lässt. Ist die KI euch im Stand zu aggressiv, slammt ihr sie einfach wiederholt zu Boden und bearbeitet sie dort. Sollte sie sich befreien können, wird sie einfach wieder geslammt. Einen taktischen Anspruch sucht man hier natürlich vergebens, das unausgewogene Balancing wird dadurch aber mehr als deutlich.

Das neue Submission-System wirkt ebenso etwas undurchdacht. Befindet man sich in einem Aufgabegriff, muss man den rechten Stick in eine Richtung drücken, bis man einen Regler an den Rand der Anzeige bewegt. Der Ausführende des Griffs kann dies aber blocken, indem er den Stick in dieselbe Richtung bewegt, so dass sich meistens ein hektisches Drücken in sämtliche Richtungen ergibt. Submissions gelingen so nicht nur sehr selten, sondern sind auch noch umständlich und nervig auszuführen.

Das neue Submission-System ist leider arg unübersichtlich geworden. Quelle: Computec Media AG Das neue Submission-System ist leider arg unübersichtlich geworden. Technisch ist der Titel dafür durchaus stark. Die Charaktermodelle sehen wirklich großartig aus. Besonders die zugefügten Verletzungen sind gelungen. Habt ihr einem Gegner einen Cut zugefügt und bearbeitet die Wunde weiter, vermischt sich das Blut mit dem Schweiß und läuft realistisch am Körper herunter. Lediglich einzelne Clipping-Fehler in den Gefechten am Boden sind uns sauer aufgestoßen.

EA Sports UFC ist beileibe kein schlechtes Spiel. Die Atmosphäre der Veranstaltungen wird fantastisch widergespiegelt, leider wird es im Gameplay seinem eigenen Simulationsanspruch aber nicht gerecht und leistet sich zu viele kleine Fehler.

Meinung

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