Endlich ein würdiger Nachfolger des PSone-Klassikers?
Lässt man seiner destruktiven Fantasie freien Lauf, fliegen die Fetzen.
Das Wort "Debakel" stammt aus dem Französischen und steht unter anderem für eine blamable Niederlage. Es passt also ganz gut, wenn man vom Driv3r-Debakel spricht, denn nicht nur im Vergleich zum großen Konkurrenten Grand Theft Auto San Andreas, sondern auch für sich genommen war Reflections' Xbox-Revival des Klassikers eine Enttäuschung und konnte die hoch gesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen. Die Folgen: Firmengründer Martin Edmonson verließ das Unternehmen und sein Bruder Gareth übernahm das Ruder.
Doch auch das Spielkonzept wurde kräftig umgekrempelt. Der Hauptdarsteller der ersten drei Episoden hat ausgedient, es gibt nur eine einzige Stadt, in der die Handlung spielt, und der Film-Director-Modus wurde aus dem Spiel geschmissen. Auf den ersten Blick drastische Veränderungen, doch eigentlich ist Driver: Parallel Lines näher am Original als jeder andere Nachfolger zuvor.
Tanner ist tot!
Die Fahrzeuge und deren Schadensmodell sind richtig gut gelungen.
Undercover-Cop Tanner hat ausgedient und an seine Stelle tritt The Kid - kurz TK -, ein junger Kleinganove, der bei den großen Jungs mitmischen möchte und mit Tanner immerhin das fahrerische Talent gemeinsam hat. Wieder einmal treiben hochwertig gerenderte Zwischensequenzen die Story voran, doch als Erstes fällt die überarbeitete Spielgrafik ins Auge, die spontan wenig aufregend wirkt und im Vergleich zum Vorgänger matschiger und weniger realistisch wirkt.
Ein Trick, der schon Rockstars GTA-Serie geholfen hat, geht bei Driver: Parallel Lines nicht ganz auf. Zwar hat die Optik einen gewissen Comic-Charakter, wirkt aber weniger stimmig als bei der Konkurrenz. Zum Ausgleich läuft Driver: Parallel Lines fast ausnahmslos flüssig, bietet dichtes Verkehrsaufkommen und eine beeindruckende Fernsicht.
Fair wie nie
Die Bikes fahren sich anspruchsvoll, aber erheblich leichter als im Vorgänger.
Reflections im Allgemeinen und Driver im Speziellen sind nicht nur für die spaßige Fahrphysik bekannt, sondern auch für den meist herben Schwierigkeitsgrad berüchtigt. Driver: Parallel Lines ist die rühmliche Ausnahme. Genau wie uns Gareth Edmonson im Interview versprochen hat (siehe dazu auch unsere DVD), ist Driver: Parallel Lines zwar nicht unbedingt ein leichtes Spiel, aber nicht zuletzt dank der vielen Checkpoints erheblich fairer und frustfreier als die Vorgänger.
Cool inszenierte Skripts machen mehr aus den reinen "Von A nach B"-Touren und endlich hat die Stadt noch mehr zu bieten als bloß Kulisse für Verfolgungsjagden zu sein. 50 Sterne gilt es einzusammeln und zahlreiche Nebenmissionen dienen zum Geldverdienen. Dieser Zaster ist nicht nur Statussymbol, sondern dringend notwendig, um die frisch geklauten Autos in der eigenen Garage auf Vordermann zu bringen oder gar zu verbessern.
Kratzer im Lack
Der Times Square ist in Wirklichkeit belebter, sieht aber auch in Driver schick aus.
Zahlreiche Verbesserungen also, doch auch kleine Macken haben sich ins Spiel eingeschlichen. So schauen Besitzer eines 4:3-Fernsehers buchstäblich in die Röhre und müssen mit dicken Balken leben, die deutsche Synchronisation ist erneut ziemlich lahm geraten, die Wege zu den Aufträgen sind mitunter recht lang, ein 60-Hz-Modus fehlt und unterm Strich bleibt Grand Theft Auto auch im Jahre 2006 eine Klasse für sich. Doch Driver-Fans der ersten Stunde dürfen sich freuen.
Der Fokus liegt auf packenden Verfolgungsjagden und actionreichen Fahrten durch schmale Gassen. Zwar hat man das alles irgendwie schon mal gesehen und Innovationen muss man mit der Lupe suchen, doch manchmal ist eine solide Fortsetzung ja auch genau das Richtige. Und die ist Driver: Parallel Lines allemal!
