Deus Ex: Mankind Divided im Test mit Video-Review und vielen Gameplay-Szenen - Ein Opfer des Kommerzes
Test 26,99 €
Kaufberatung vor Release: PC Games testet Deus Ex: Mankind Divided und verrät euch, wie viel Spaß das Action-Rollenspiel macht - und welche Schwächen die Versionen für PC, Playstation 4 und Xbox One plagen. Kann Eidos Montreal auf das geniale Human Revolution noch einen draufsetzen?
Nach fünf Jahren Pause schleicht sich Adam Jensen wieder durch eine düstere Cyberpunk-Welt. Oder schießt. Oder hackt. Oder dampfplaudert. Deus Ex: Mankind Divided ist da und PC Games hat es getestet. Dabei zeigt sich: Das grandiose Action-Rollenspiel hätte noch viel besser werden können, wenn die Hersteller nicht so gierig wären. Denn statt eine spannende, in sich abgeschlossene Geschichte zu erzählen, dient Deus Ex: Mankind Divided vor allem zur Vorbereitung des nächsten Serienteils. Machten ein mögliches Deus Ex 5 und die DLC-Inhalte im Season Pass Deus Ex 4 kaputt?
Auf dieser Seite
- 1 Deus Ex-Test: Bahnbrechende Levels
- 2 Deus Ex: Mankind Divided Video-Review
- 3 Schleichen, schießen? Egal!
- 4 Mankind Divided-Review: Es muss nicht immer Gewalt sein
- 5 Kommt alles aufs Gleiche raus
- 6 Deus Ex 4-Test: Unvermutete Story-Schwäche
- 7 Virtual Reality mit Mikrotransaktionen: Der Breach-Modus
- 8 Mankind Divided: Performance & Technik
- 9 Deus Ex: Mankind Divided Test - Wertung & Fazit
Deus Ex-Test: Bahnbrechende Levels
Den eigenen Weg zum Ziel finden - das ist seit jeher eine Kerndisziplin der Deus Ex-Serie. Mankind Divided bietet so viele Pfade wie kaum ein zweites Spiel. Im Wortsinn: Die Levels, diesmal von der neuen Dawn-Engine fast komplett ohne Ladezeiten dargestellt, sind riesig. Da wäre zum einen Prag, die einzige Metropole, die ihr im Spielverlauf nach Gutdünken bereist.
Zwei Areale, sogenannte Hubs, sind per U-Bahn miteinander verbunden und bestehen aus gut zwei Dutzend Straßenzügen mit großen Plätzen, kleinen Läden, zahlreichen Wohnungen und einer weitläufigen Kanalisation. Ein Blick nach oben offenbart die Dreidimensionalität des Ortes: Balkone führen zu ansonsten unzugänglichen Appartements, Hebebühnen erlauben eine Abkürzung über die Dächer der Stadt. Die Architektur, hier endlich mal nicht nur schöne Kulisse, sondern erklimmbarer Teil des Spielerlebnisses, erinnert auf angenehme Weise an Dishonored. Die Innenräume dagegen sind eine Klasse für sich.
Quelle: PC Games
Sich ungesehen durch die großen, abwechslungsreichen Levels von Deus Ex: Mankind Divided zu mogeln, macht einen Heidenspaß.
Solch glaubwürdige, ästhetisch gefällige und spielerisch komplexe Umgebungen wie in Deus Ex: Mankind Divided gab es bislang in keinem anderen PC-Spiel. Sie wirken wie echte Orte, die so auch in einer nahen Zukunft existieren könnten. Auf Tischen liegt eine unglaubliche Menge an Krimskrams verstreut, der bei Feuergefechten zerstört wird oder dynamisch durch die Luft fliegt. In einem riesigen Banktresor werden wertvolle Gegenstände von Laserschranken, Robotern, Kameras und Sicherheitspersonal bewacht. Das Theater hat nicht nur Toiletten, sondern auch einen Backstage-Bereich mit Schminktischen. Hinter den Kulissen finden sich gar Requisiten aus anderen Stücken wie eine alte Ritterrüstung. In der Basis der Bösewichter stößt man auf eine Kantine, in der Bier und Lebensmittel gestapelt wurden. Für wen beim Eintauchen in virtuelle Welten die Aufrechterhaltung der Illusion von solchen Details abhängig ist, der wird Deus Ex: Mankind Divided lieben.
Deus Ex: Mankind Divided Video-Review
Die Schauplätze der acht langen, sehr frei gestalteten Hauptmissionen sind ungemein verschachtelt aufgebaut, ohne zu verwirren. Einmal bewegen sich Spieler und Widersacher in einem Hochaus mit Innenhof frei über sieben (!) Stockwerke hinweg. Held Jensen kann dabei - durch Technik-Upgrades, sogenannte Augmentierungen, optimiert - an weit über seinem Kopf befindliche Kanten springen und sich hochziehen. Eine neue Fähigkeit erlaubt das Teleportieren über kurze Strecken, das funktioniert genau wie der Blink-Skill aus Dishonored. Mobilität wird großgeschrieben, egal ob ihr auf Balken über den Köpfen der Wachen balanciert oder - Human Revolution lässt grüßen! - durch Lüftungsschächte robbt. Dabei führt immer mehr als ein Weg zum Ziel, um unterschiedliche Ausbauvarianten eures Rollenspiel-typisch verbesseren Charakters zu unterstützen.
Quelle: PC Games
Beim Hacking aktiviert ihr jetzt Zusatz-Software, die euch Vorteile im launigen Minispiel verschafft.
Manche Wände weisen strukturelle Schwächen auf, die Jensen mit seinem kybernetischen Arm einschlägt - durch das entstandene Loch gelangt er in scheinbar unzugängliche Areale. Mit Giftgas gefüllte Tunnel laden jene Spieler zu einem Spaziergang ein, die ihren Helden mit der entsprechenden Lungen-Augmentierung ausgerüstet haben. Schwere Kisten lassen sich per Arm-Upgrade anheben, dadurch kommen weitere versteckte Routen zum Vorschein. Oder aber ihr hackt dank überlegener Technik Terminals, um verschlossene Türen zu öffnen - wenn ihr nicht zuvor einen offen herumliegenden PDA mit dem (unachtsam in eine unverschlüsselte E-Mail getippten) Kennwort gefunden habt. "1234, darauf kommt der Jensen nie!"
Schleichen, schießen? Egal!
Der Gameplay-Mix des Action-Rollenspiels ist für Kenner des Vorgängers Human Revolution vertraut. Mankind Divided wagt keine großen Experimente, sondern konzentriert sich auf technische und mechanische Verbesserungen. Das Ergebnis ist der polierteste Teil der Deus Ex-Serie, die zeitlebens immer ein bisschen umständlich, ein bisschen angestaubt daherkam. Das verbesserte Deckungssystem erlaubt nunmehr noch einfachere Wechsel von einer hüfthohen Barriere zur nächsten. Das macht zum einen das lautlose Umgehen von Gegnern simpler, zum anderen erhöht es die Geschwindigkeit in den vollständig optionalen Schießereien aus der Ego-Perspektive.
Die Steuerung ist gelungen, am PC dürft ihr alle Tasten frei belegen. Das auf den ersten Blick konsolige Interface lässt sich auf allen Plattformen anpassen, ihr könnt beispielsweise Minimap und Tasteneinblendungen verschwinden lassen oder die Größe von Texten und Symbolen verändern. Gamepad-Spieler dürfen zwischen mehreren Layouts wählen, darunter die alte Human Revolution-Steuerung, aber auch eine neue, etwas griffigere Tastenbelegung.
Quelle: PC Games
Wenn Adam Deckung sucht, wechselt die Ego-Perspektive zu einer Third-Person-Ansicht.
Die meisten Knarren lassen sich mit Schalldämpfer, Zielfernrohr & Co. ausrüsten und mitten im Gefecht umbauen. Zudem dürft ihr Attribute wie Schaden und Magazingröße einzeln aufwerten. Dazu setzt ihr gefundene Einzelteile ein, die auch für das rudimentäre Crafting wichtig sind. Im Menü erstellt ihr bei Bedarf neue Munition für eure Offensiv-Augmentierungen oder nützliche Helferlein wie ein Multitool, das euch die Arbeit beim Hacken von Terminals abnimmt.
Mit seinem Fokus auf Charakterausbau, Erkundung und Gespräche ist Mankind Divided weiterhin tief im Rollenspiel-Genre verwurzelt. Wer will, kann Adam Jensens Reise diesmal jedoch wie einen Ego-Shooter spielen. Die Waffen fühlen sich glaubwürdiger an als im Vorgänger, das Treffer-Feedback passt dank realistisch zusammensackender Soldaten. Hierbei macht auch die Gegner-KI einen sehr guten Eindruck; Feinde verschanzen sich, umkreisen den Spieler und werfen Granaten. Als Schleicher habt ihr dagegen deutlich leichteres Spiel und könnt die oftmals treudoof um Ecken tapsenden Widersacher einen nach dem anderen ausschalten. Indes: Das in Human Revolution deutlich zugunsten von Schleichern und Pazifisten ausgelegte Balancing belohnt dieses Mal auch rabiate Rambo-Spieler mit einer vergleichbaren Menge an Erfahrungspunkten.
Mankind Divided-Review: Es muss nicht immer Gewalt sein
Mit Granatwerfer, Sturmgewehr & Co. zu hantieren ist kein Zwang; die komplette Kampagne lässt sich beenden, ohne auch nur einen Polygon-Menschen zu töten. Selbst die zwei Bossgegner (einer davon ist optional) lassen sich auf andere Art als mit Waffengewalt aufhalten. Dabei helfen nicht-tödliche Waffen wie das Betäubungsgewehr, aber auch neue Augmentierungen. Einer unserer Favoriten: die Tesla-Prothese, mit der in der höchsten Ausbaustufe vier Widersacher gleichzeitig unter Strom gesetzt werden.
Quelle: PC Games
Mit der Tesla-Augmentierung markiert ihr bis zu vier Ziele, die danach unter Strom gesetzt werden.
Selbst das aus dem Vorgänger bekannte Taifun-System, bei dem Adam einen Wirbelsturm aus Explosionen entfacht, lässt sich in Mankind Divided ohne Gefahr für Leib und Leben der Zielpersonen einsetzen. Denn auf Wunsch verschießt die Aug jetzt einfach Gasgranaten. Coole Neuzugänge wie die auf Distanz abgeschossenen Nanoklingen, die ihren Weg automatisch ins Ziel finden oder sogar explodieren, befeuern die Experimentierfreude des Spielers. Die neue Titan-Panzerung erleichtert Shooter-Fans das Duell Mann gegen Mann, dazu verlangsamt Jensen jetzt auch mit der entsprechenden Aug die Zeit oder legt Kameras kurzzeitig aus der Entfernung lahm.
Auf dieser Seite
- 1 Deus Ex-Test: Bahnbrechende Levels
- 2 Deus Ex: Mankind Divided Video-Review
- 3 Schleichen, schießen? Egal!
- 4 Mankind Divided-Review: Es muss nicht immer Gewalt sein
- 5 Kommt alles aufs Gleiche raus
- 6 Deus Ex 4-Test: Unvermutete Story-Schwäche
- 7 Virtual Reality mit Mikrotransaktionen: Der Breach-Modus
- 8 Mankind Divided: Performance & Technik
- 9 Deus Ex: Mankind Divided Test - Wertung & Fazit
Die dafür nötigen Praxispunkte gibt es in schöner Regelmäßigkeit, das Erfüllen von Haupt- und Nebenquests häuft ebenso Erfahrung an wie das Entdecken versteckter Orte. Davon gibt es reichlich, immer gespickt mit nützlichen Gegenständen. Es existieren so viele Arten von Munition, Minen, Granaten, Waffen und Hacker-Software, dass das chronisch zu kleine Inventar bald aus allen Nähten platzt - trotz mehrerer Ausbaustufen. Wer sich einen Spaß daraus macht, dem Spiel auch seine letzten Geheimnisse zu entreißen, um versteckte Schießeisen oder verborgene Safes zu finden, ist mindestens 30 Stunden beschäftigt.
Wollt ihr wie ein Geist durch die Levels gleiten, ohne jemals den Alarm auszulösen, dürft ihr darauf noch einige Stunden draufschlagen. Wer dagegen nur der Hauptgeschichte folgt, sieht das Ende in etwa der Hälfte der Zeit. Zumindest auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade. Nach dem erstmaligen Durchspielen kommt noch ein vierter Modus mit Permadeath und ohne Neu-laden-Option dazu. Außerdem wird dann das New Game+ freigeschaltet. Dabei geht ihr die Kampagne ein weiteres Mal an, behaltet aber Jensens Ausrüstung und Fähigkeiten.
Kommt alles aufs Gleiche raus
Einen weiteren Anreiz zum wiederholten Durchspielen bieten theoretisch die Entscheidungen im Spielverlauf. Jensen ist zwei Jahre nach den Ereignissen von Human Revolution Teil einer neuen Interpol-Taskforce und soll internationalen Terrorismus bekämpfen. Im Geheimen arbeitet er aber für eine Hackergruppe und versucht, die Illuminaten zu entlarven, eine Gruppe unsichtbarer Strippenzieher. Nach einigen Missionen hat der Spieler die vermeintliche Möglichkeit, entweder Interpol die Treue zu halten oder sich ganz auf die Seite der Hacker rund um den mysteriösen Janus zu schlagen.
So bestimmt ihr etwa, wem von zwei Figuren ihr einen USB-Stick mit Beweisen für eine Verschwörung gebt. Ein andermal entscheidet ihr in einer Nebenmission, welchem von zwei unbescholtenen Bürgern ihr aus der Patsche helft. Aus diesen Wahlmomenten soll sich, so Entwickler Eidos Montreal im Vorfeld, auf dynamische Weise eine einzigartige Endsequenz ergeben statt wie im Vorgänger einfach einen von drei Schaltern zu drücken. Im Test zeigt sich: Die Entscheidungen wirken sich mit einer Ausnahme nur geringfügig auf den Spielverlauf aus.
Quelle: PC Games
Entscheidungen in den Dialogen von Deus Ex: Mankind Divided haben keine weitreichenden Konsequenzen - bis auf eine Ausnahme.
Quelle: PC Games
Feinde im gepanzerten Exo-Suit müsst ihr erst betäuben, bevor ihr sie im Nahkampf ausschalten könnt.
Die versprochene Endsequenz besteht aus einer lieblos aufgemachten, unmotiviert an den letzten Dialog drangeklatschten Nachrichtensendung, die einige eurer Aktionen Revue passieren lässt. Grundsätzlich ist Deus Ex: Mankind Divided linear aufgebaut, im Test erlebten zwei Redakteure die gleiche Geschichte. Nur einmal gabelt sich der Weg, die Abzweigungen führen nach einem Level aber wieder zusammen. Die Wahlfreiheit beschränkt sich in Deus Ex: Mankind Divided auf die (sehr umfangreiche) Charakterentwicklung und das generelle Leveldesign, der Plot ist davon trotz gegenteiliger Versprechen und Erwartungen ausgenommen. Enttäuscht? Obacht, das war noch nicht alles.
Deus Ex 4-Test: Unvermutete Story-Schwäche
Die Hintergrundgeschichte des zweiten Deus Ex-Teils aus Montreal fängt spannend an: Doppelagent Jensen misstraut seinen eigenen Kollegen und muss gleichzeitig mit der Anti-Augmentierung-Stimmung in Prag zurechtkommen. Nach dem Zwischenfall am Schluss von Human Revolution werden kybernetisch verbesserte Menschen misstrauisch beäugt. In der Stadt schlägt sich das in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft nieder, die an die reale Apartheid in Südafrika oder die Rassentrennung in den USA vor 1964 erinnert.
Die bedrückende Atmosphäre dieser erschreckenden, in vielen Punkten aber glaubwürdigen Cyberpunk-Zukunft ist dabei exzellent umgesetzt. Der Soundtrack von Michael McCann ist diesmal zwar nicht ganz so unverwechselbar wie im in dieser Hinsicht grandiosen Deus Ex: Human Revolution. Für die ein oder anderen Gänsehaut ist die Musikauswahl dennoch zu haben. Dazu kommt die hervorragende Sprachausgabe. Hier hat der englische Originalton die Nase etwas vorn, aber auch die deutschen Sprecher machen einen sehr guten Job mit Michael Lott in der Hauptrolle. Einzig die übersetzten Texte wiesen in unserer Version von Deus Ex: Mankind Divided ohne den versprochenen Day-One-Patch noch ein paar Fehler auf.
Davon unabhängig wird man aber auf Deutsch wie auf Englisch schnell in die Welt des Spiels hineingesogen. Als dann auch noch Fragen zur Natur von Jensens eigenen Augs auftauchen, scheint die Geschichte so richtig loszulegen. Doch es kommt anders. Charaktere werden eingeführt, die einem zum größten Teil genau wie der distanzierte Jensen nie recht ans Herz wachsen. Ihre Motive werden unzureichend erklärt, die Auflösung mancher Handlungsstränge ist ungenügend. Der Bösewicht besitzt kaum Charisma und das letzte Gefecht fühlt sich eher wie der Auftakt zum dritten Akt an als wie ein Schlusspunkt.
Quelle: PC Games
Mit der richtigen Augmentierung überzeugt ihr Gesprächspartner vom eigenen Standpunkt.
Kein Wunder: Wie eine Szene nach den Credits verrät, ist Mankind Divided der Mittelteil einer Trilogie, die in Zukunft mit Deus Ex 5 abgeschlossen werden soll. Eidos Montreal hat das Ende bewusst offen gestaltet, musste dafür aber allem Anschein nach Teile der Erzählung auslagern. So sind wir am Ende genauso schlau wie zu Beginn. Das ist uns nach fünf Jahren Wartezeit viel zu wenig!
Nicht falsch verstehen: Die Erzählung ist solide, die häufigen Dialoge gut geschrieben. Ein Highlight sind erneut die nun häufiger zum Einsatz kommenden Rede-Duelle, in denen Jensen dank Sozialoptimierer-Augmentierung sein Gegenüber vom eigenen Standpunkt zu überreden versucht. Mehrere Nebenquests basieren auf interessanten Ideen und einige Figuren wie Jensens Hubschrauberpilot Chikane besitzen deutlich mehr Persönlichkeit als andere oder gar die namenlosen Passanten. Von denen gibt es in Prag zwar viel mehr als in Detroit und Hengsha aus dem Vorgänger, viel zu erzählen haben sie aber weiterhin nicht.
Ebenso wenig wie das Spiel an sich.
Quelle: PC Games
Der Breach-Modus nutzt eine angepasste Virtual-
Reality-Optik mit reduziertem Detailgrad.
Virtual Reality mit Mikrotransaktionen: Der Breach-Modus
Als Ergänzung zur Einzelspielerkampagne gibt's den vollkommen unabhängigen Breach-Modus, in dem ihr alleine gegen die KI spielt. In Breach seid ihr als Hacker in virtuellen Umgebungen unterwegs. Die kleinen Levels eignen sich für Speedruns, es gibt im Vergleich zur Adam-Jensen-Story neue Fähigkeiten und am Ende werden die Ergebnisse in einer Online-Rangliste eingetragen. Die Ziele variieren. Immer müsst ihr einen oder mehrere Daten-Server aktivieren, manchmal aber zudem bestimmte Gegner ausschalten oder komplett unerkannt bleiben.
Nichts davon spielt sich revolutionär; ohne Dialoge und Story des Hauptspiels sowie die unterschiedlichen Ebenen macht auch das Erkunden der Levels nicht so viel Spaß wie mit Adam Jensen. Zumal der Zeitdruck allzu gemütliche Spielweisen torpediert. Für zwischendurch ist der Breach-Modus dennoch okay, besonders wenn man auf das Freischalten neuer Ausrüstung und zusätzlicher Skills für den eigenen Hacker abfährt.
Quelle: PC Games
Im Breach-Modus erhaltet ihr Gegenstände als Belohnung für erfolgreiche Aufträge - oder ihr kauft sie mit Premiumwährung zu Preisen ab zwei Euro.
Wer tiefer in die Cyberpunk-Welt abtauchen will, kann zudem Dossiers über die illegalen Praktiken der Megakonzerne studieren. Sehnt ihr euch dagegen nach einer Herausforderung oder kommt ihr auf den höheren Stufen schnell ins Schwitzen, passt ihr mit Mod-Karten die Schwierigkeit in jedem Level an.
Achtung: Breach ist wie ein Free2Play-Spiel aufgebaut. Booster Packs und regelmäßige XP-Ausschüttungen halten einen bei Laune, bestimmte Boni können aber auch im Ingame-Shop gegen echtes Geld gekauft werden. Das ist in den Anfangsstunden noch unnötig, wird später aufgrund des langen Grindings aber immer attraktiver. Wichtig: Während die Solo-Kampagne ohne Online-Features auskommt, benötigt Breach eine permanente Internetverbindung.
Mankind Divided: Performance & Technik
Bevor wir auf die Technik eingehen, bleibt anzumerken, dass unsere Performance-Eindrücke von Deus Ex: Mankind Divided noch auf einer nicht finalen Review-Version basieren, daher anzunehmen ist, dass sich die Leistung noch mit Optimierungen und angepassten Treibern verbessern könnte. Dies betrifft auch die auf unbestimmte Zeit verschobene Unterstützung für Direct X 12, welches in unserer Version zwar schon funktionsfähig war, jedoch nicht zweifelsfrei Leistungsvorteile brachte.
Deus Ex: Mankind Divided basiert auf der neuen Dawn-Engine, die wiederum von der aus Hitman bekannten Glacier-2-Engine abgeleitet wurde. Dieser Grafikmotor wurde jedoch umfassend überarbeitet, die Dawn-Engine verleiht Deus Ex einen eigenen Look, der sich sowohl vom direkten Vorgänger als auch die Hitman-Teilen unterscheidet. Deus Ex: Mankind Divided setzt auf recht offen gestaltete Levels. Ein Pure Materials getaufter physikbasierender Renderer sowie aufwendige Beleuchtungstechniken sorgen dafür, dass sowohl schummrige Innenareale als auch weitläufige Außenszenen überzeugend wirken und stimmungsvoll ausgeleuchtet werden.
Deus Ex nutzt dazu eine volumetrische sowie eine globale Beleuchtung. Erstere sorgt für einen dreidimensionalen, nebligen Schein um Lichtquellen herum, letztere Technik reflektiert einen Teil des auf eine Oberfläche treffendes Licht auf umliegende. Eine globale Beleuchtung sorgt damit für ein weicheres, glaubhafteres Bild, benötigt dafür jedoch auch viel Rechenleistung. Hierbei könnte es sich also um einen Effekt handeln, der die Anforderungen für das Spiel in die Höhe treibt - zumindest was unsere Testversion betrifft, ist Deus Ex: Mankind Divided ist ein recht anspruchsvolles Spiel geworden. Für spielbare Bildraten in Full HD und Ultra-Einstellungen benötigt ihr bereits eine GTX 980 oder eine R9 390. Mit etwas Detailverzicht könnt ihr aber auch mit einer GTX 960 oder R9 380 euren Spaß haben, die neuen Mittelklasse-GPUs GTX 1060, RX 470 und RX 480 funktionieren ebenfalls gut.Die hohen Systemanforderungen könnten zumindest zum Teil auf die globale Beleuchtung zurückfallen denn diese lässt sich nicht deaktivieren. Jedoch finden sich bei Schattenauflösung, kontaktverhärtenden Schatten, Umgebungsverdeckung, volumetrischer Beleuchtung, Screen Space Reflections und Detaillevel einige Tuningmaßnahmen für höhere Bildraten. Außerdem gilt es die Größe des Grafikspeichers zu berücksichtigen, denn 4 GiByte werden bereits in Full HD knapp. Aufgrund der sowieso schon sehr hohen Anforderungen an Grafikkarte und Speicher raten wir daher auch von MSAA ab. Deus Ex verfügt über eine leistungsschonende temporale Kantenglättung.
Aus Performance-Sicht solltet ihr als erstes die Schatten in Angriff nehmen. Insbesondere die kontaktverhärtenden Schatten kosten viel Leistung, da diese in der Ferne undeutlicher werden, fällt mit dem Zuschalten nicht nur die Framerate, sondern auch das Level-of-Detail störend auf: Erst in mittlerer Entfernung schälen sich langsam die Schatten ins Bild. Deaktiviert ihr die kontaktverhärtenden Schatten, fallen die Kanten etwas schärfer aus, dafür ist die Sichtweite höher und die Bildraten steigen. Letzterem könnt ihr mit einer Schattenqualität auf mittel nochmals einen Schub geben.
Die Umgebungsverdeckung fällt ebenfalls durch mehrere Faktoren auf: Steht der Schalter auf "sehr hoch", fällt die Umgebungsverdeckung zwar durch eine höhere Genauigkeit auf, jedoch auch durch Flimmern. Dies geht darauf zurück, dass die Umgebungsverdeckung auf der höchsten Stufe mittels einer temporalen Komponente aus mehreren Bildern generiert wird. Wenn euch das Grieseln stört, könnt ihr die Option auf "ein" setzen, dann entfällt die temporale Komponente - ein paar Fps zusätzlich gibt es obendrauf. Das Reduzieren der Schatteneffekte schaufelt nebenbei auch etwas Grafikspeicher frei.
Grafikvergleich PC vs. PS4
Weitere Anlaufstellen sind die volumetrische Beleuchtung, die Reflexionen und das Detaillevel. Bei diesen Optionen sind nur verhältnismäßig kleine Steigerungen drin, das Detaillevel reduziert neben der Grafiklast jedoch auch die Anforderungen an CPU sowie Speicher - habt ihr Probleme, stabile Frameraten zu erzielen, könnte ein Herabsetzen des Level-of-Details daher einen Flaschenhals eures Systems entlasten. Die Reflexionen und die volumetrische Beleuchtung belasten hingegen hauptsächlich die Grafikkarte und deren Speicher.
Schaltet ihr die Reflexionen von "ultra" auf "ein", entfallen die Spiegelungen von Objekten, während die Umgebung sich weiterhin in Pfützen oder auf glatten Oberflächen spiegelt. Schaltet ihr die Reflexionen aus, entfallen die Echtzeitspiegelungen komplett, stattdessen kommen statische Cubemaps zum Einsatz. Die volumetrische Beleuchtung könnt ihr getrost von "ultra" auf "ein" setzen, die Unterschiede sind kaum zu bemerken. Das komplette Deaktivieren sowohl der Spiegelungen als auch volumetrischer Beleuchtung kostet allerdings Atmosphäre.
Quelle: PC Games
Auf Knopfdruck schlägt Gegner per Takedown-Angriff nieder. Danach sind sie entweder bewusstlos oder tot.
Noch ein abschließendes Wort zum Speicher: Deus Ex: Mankind Divided benötigt sowohl viel Grafik- als auch Systemspeicher, soll die Performance nicht von kleineren Stockern und Nachladerucklern unterbrochen werden. Mit einer 4-GiByte-GPU wird der Grafikspeicher schon in Full HD eng. Wir raten daher dazu, die Texturen maximal auf die Stufe "sehr hoch" zu stellen und die Schattenauflösung zu reduzieren. Habt ihr eine Grafikkarte mit nur zwei Gigabyte Speicher, solltet ihr auf die mittleren Texturen sowie Schatten ausweichen, in diesem Fall müsstet ihr nun allerdings optisch deutlich sichtbare Abstriche gemachen. Die Reduzierung der Textur- und Schattenauflösung entlastet zudem indirekt auch euren Systemspeicher, dies könnte bei nur 8 Gigabyte helfen, Nachladeruckler in größeren Gebieten zu vermeiden.
Was bleibt, ist ein mechanisch ausgereifter Nachfolger zu einem der Action-Rollenspiel-Hits 2011. Die Verbesserungen bei der Technik (Prag sieht teils spektakulär aus, die Gesichter mancher sekundärer Figuren eher weniger) und das fantastische Leveldesign dürften Fans der Deus Ex-Serie nicht enttäuschen. Schade nur, dass der hohen spielerischen Qualität nicht auch eine ebenso durchgängig grandiose Story gegenübergestellt wurde.
Deus Ex: Mankind Divided erscheint für PC, Playstation 4 und Xbox One, als Release-Termin ist der 23. August 2016 anberaunt. Die PC-Version benötigt zwingend ein Steam-Konto und eine Online-Aktivierung, auch die Einzelhandel-Version.
Deus Ex: Mankind Divided Test - Wertung & Fazit
Meinung
Auf dieser Seite
- 1 Deus Ex-Test: Bahnbrechende Levels
- 2 Deus Ex: Mankind Divided Video-Review
- 3 Schleichen, schießen? Egal!
- 4 Mankind Divided-Review: Es muss nicht immer Gewalt sein
- 5 Kommt alles aufs Gleiche raus
- 6 Deus Ex 4-Test: Unvermutete Story-Schwäche
- 7 Virtual Reality mit Mikrotransaktionen: Der Breach-Modus
- 8 Mankind Divided: Performance & Technik
- 9 Deus Ex: Mankind Divided Test - Wertung & Fazit
