Musik ist die Kraft, die alles in Bewegung hält. WORD!
BILD: PLAYZONE
Wer hätte gedacht, dass von allen PlayStation-3-Launchtiteln ausgerechnet Def Jam Icon zu den innovativsten gehören würde - und das ohne die Einbindung der einzigartigen Sixaxis-Fähigkeiten. Neben originellen Gameplay-Ideen und fetter Musikvideo-Präsentation bietet Def Jam Icon auch die Möglichkeit, in die Rolle eines Plattenmoguls zu schlüpfen.
Ich mach dich zum Star
Im Build-A-Label-Modus macht der Spieler durch Zufall Bekanntschaft mit dem Boss eines Platten-Labels und taucht im Laufe des Spiels immer tiefer in das Leben eines Managers ein. Nach und nach übernimmt man das Management mehrerer Hip-Hip-Songs und muss vor jedem Song-Release das zur Verfügung stehende Budget auf vier Bereiche aufteilen. Neben dem Marketing (Plakate, Print-Anzeigen) sorgt man für ausreichend gefüllte Kaufhausregale, legt die Präsenz im Radio fest und schickt den Künstler zu Interviews und Show-Auftritten.
Die Verteilung der Gelder will gut überlegt sein, da die Einstellung permanent ist und im Nachhinein nicht mehr verändert werden kann. Def Jam Icon war zwar zu keinem Zeitpunkt als Hip-Hop-Wirtschaftssimulation geplant, allerdings sind die Management-Möglichkeiten doch arg oberflächlich und werden nicht großartig erklärt. Durch dieses Learning-by-Doing-Prinzip wird der Erfolg oder Misserfolg nicht wirklich nachvollziehbar.
Sind die Gelder verteilt, bleibt nun nur noch die Spannung, ob der veröffentlichte Song die Konkurrenz überflügelt und es auf Platz 1 der Billboard-Charts schafft. Mit zunehmendem Erfolg des Songs klingeln auch die Kassen lauter. Von dem Geld, das die Songs aufs Konto spülen, bezahlt man den Künstlern Tantiemen sowie ihre Rechnungen, zum Beispiel für ein neues Auto, ein Handy oder die Krankenhausbehandlung der Oma. Neben den gewinnbringenden Schützlingen möchte aber auch die Freundin mit romantischen Abendessen oder Schmuck bei Laune gehalten werden. Sind alle zufrieden, schaut man selbst beim sehr gut ausgestatteten Kleidergeschäft, exquisiten Juwelier, Tätowierer oder Friseur vorbei. Das Leben eines Hip-Hop-Managers ist hart ...
Originelle Prügelkost
Solche Gesichtsausdrücke unterstreichen zusätzlich die genial präsentierten Kämpfe. BILD: PLAYZONE
Egal, welche Schritte man in EAs virtuellem Hip-Hop-Geschäft unternimmt, Gewalt ist immer der antreibende Motor. Das wirkt insgesamt einfach unpassend. Beim Vorgänger Def Jam Fight For NY, bei dem es darum ging, die Vorherrschaft in der New Yorker Unterwelt zu erlangen, fügten sich harte Schlägereien wesentlich besser in das Gesamtkonzept ein. Nichtsdestotrotz sind die Schlägereien in Def Jam Icon an sich fantastisch inszeniert, egal ob im Karriere-Modus oder gegen einen menschlichen Gegner im Versus-Modus. Die Musik - sowohl die Songauswahl als auch die Art und Weise, wie sie ins Gameplay integriert wurde - trägt wesentlich dazu bei.
Je nach Song versetzen die Beats die Umgebung in Bewegung und lösen im Takt mehrere Gefahrenzonen aus. Durch das neuartige "DJ Turntable Control"-System kann der Spieler jede dieser "Fallen" gezielt auslösen. Dazu muss man die L2-Taste gedrückt halten und den rechten Stick, wie beim Scratchen, schnell hin- und herbewegen. Zusätzlich kann man den Song wechseln, indem man, ebenfalls bei gedrückter L2-Taste, jeweils den linken und rechten Analogstick rotieren lässt. Es dauert allerdings eine nicht unerhebliche Zeit, bis man die volle Bandbreite der Möglichkeiten erkannt hat und gezielt einsetzen kann, da das Spiel auch in dieser Hinsicht sehr wenig erklärt. Vor allem das Scratchen beginnt man schnell in die Kämpfe einzubeziehen, da es das am leichtesten nachvollziehbare DJ-Gameplay-Element ist.
In technischer Hinsicht hat das Entwicklerstudio EA Chicago, das zuletzt für die Xbox-360-Version von Fight Night Round 3 verantwortlich zeichnete, gute Arbeit geleistet. Die Charaktermodelle sehen sehr gut aus und überzeugen während der Kämpfe mit flüssigen Animationen und zum Kampfgeschehen passenden Gesichtsausdrücken. Gemeinsam mit geschickten Kamerawacklern wird die brachiale Wucht besonders schwerer Schläge sehr gut vermittelt. Licht- und Partikeleffekte kommen ebenso exzessiv zum Einsatz. Teils extreme Farbfilter unterstreichen zusätzlich die eigenständige Präsentation des Titels.
Leider konnten wir nicht alle Features von Def Jam Icon testen. Die Verwendung eigener Musik im Spiel etwa blieb uns aufgrund der eingeschränkten Funktionalität der Debug-PlayStation 3 verwehrt. Auch der Online-Modus konnte aufgrund der fehlenden Online-Aktivität in Europa noch nicht getestet werden. Deshalb behalten wir uns das Recht vor, zu einem späteren Zeitpunkt über die erwähnten Features zu berichten. Was jedoch das Gameplay und den Build-A-Label-Modus angeht, so darf jeder Hip-Hop-Fan ohne Bedenken zu diesem originellen Titel greifen.