Days Gone im Test: Update zur PC-Version
Test 35,99 €
Mit dem Open-World-Action-Spiel Days Gone erscheint am 26. April das erste große PS4-Exklusivspiel des Jahres 2019. Wir haben uns tagelang durch das virtuelle Oregon geschlagen, viele dramatische Momente erlebt und uns mit tausenden Freaker-Zombies angelegt. In unserem Test erfahrt ihr, warum der Titel trotz toller Spielwelt, spannender Story und spaßiger Action so einige Probleme hat.
"Einmal ist immer das erste Mal", lautet eine alte Volksweisheit, die auch immer wieder zutrifft. Im letzten Jahr beispielsweise stieg der HSV aus der Bundesliga ab. Doch es gibt natürlich auch negative erste Erfahrungen wie das Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft in der Gruppenphase der WM 2018. Klammert man Jugendliche, die seit Ewigkeiten mit einem Gummi im Portemonnaie herumlaufen, mal aus, ist wohl niemand vor einem ersten Mal - egal in welcher Hinsicht, positiv wie negativ - gewappnet.
Und so ergeht es nun auch Sony, denn mit Days Gone (jetzt kaufen 30,93 € / 35,99 € ) erscheint der erste PS4-Exklusivtitel, der auffällige technische Probleme hat. Da ist es, das berüchtigte erste Mal. In diesem Fall ist es jedoch besonders schade, da der Open-World-Titel von SIE Bend Studio zwar in Sachen Gameplay das Rad nicht neu erfindet, aber mit einer stimmungsvollen Spielwelt und sogar mit einer spannenden Story sowie interessanten und gut geschriebenen Charakteren punktet. Somit geht auch das erste Mal von Bend mit der PS4 ein wenig in die Hose, obwohl so viel mehr möglich gewesen wäre. Fast so wie bei dem Jugendlichen, der nicht schnell genug an sein Portemonnaie kommt.
Days Gone im Test
Days Gone im Test: Stimmungsvolle Endzeit
Über 700 Tage nachdem die Welt wie wir sie kennen unterging, übernehmen wir die Rolle von Deacon St. John. Der volltätowierte Käppi-Rückwärts-Träger war früher Mechaniker und Mitglied des berüchtigten Motorrad-Clubs Mongrels MC. Der Club landete jedoch an zweiter Stelle der Prioritätenliste, als Deacon die Biologin Sarah kennen und lieben lernte. In Rückblenden erfahren wir, wie sich die beiden trafen und schließlich vorm Traualtar landeten. Dann kam jedoch die Freaker-Apokalypse. Eine Infektion breitete sich aus und ließ Menschen zu Zombie-ähnlichen Wesen mutieren. Deacon konnte die verwundete Sarah zwar in einen zur Evakuierung eingesetzten Rettungshubschrauber bringen, doch dieser brachte sie in ein Flüchtlingscamp, das von einer Horde Freaker ausgelöscht wurde, wie ihr Mann später herausfand.
Quelle: PC Games
Nicht nur die Freaker oder verfeindete Gruppen stellen sich euch in den Weg, auch Räuber lauern euch auf den Straßen auf und stellen Fallen.
Nun schlägt sich Deacon mit seinem Kumpel Boozer als Kopfgeldjäger und Drifter durch die kümmerlichen Überreste der Zivilisation. Einige Überlebende haben sich in Camps zusammengeschlossen und geben dem Duo (moralisch fragwürdige) Arbeit, doch überall lauern auch Plünderer, die Reisenden Fallen stellen, oder die durchgeknallte Ripper-Bande, deren Mitglieder auf Drogen sind und sich selbst verstümmeln, weil sie so sein wollen wie die abartigen Freaker, welche durch die Wälder des virtuellen Oregons streifen. Sowohl Spielwelt als auch Story von Days Gone sind absolut stimmungsvoll. Neben kleineren Städten und Wäldern verschlägt es uns im weiteren Spielablauf noch in Sumpfgebiete, Gebirge und verschneite Landschaften. Optisch wird also ordentlich Abwechslung geboten. Doch auch anderweitig wird man ins Spiel hineingezogen.
Quelle: PC Games
In schön gemachten Rückblenden erfahrt ihr von Deacons Leben mit seiner großen Liebe Sarah bevor die Freaker-Infektion ausbrach.
Die ständige Gefahr ist greifbar: Andauernd begegnet man Plünderern, Banden und Freakern auf Nahrungssuche. Manche Missionen sind zwar an gewisse Tageszeiten gebunden, doch teilweise empfiehlt es sich, Aufgaben je nach Tageszeit oder Witterungsbedingungen anzugehen, da bei Nacht und Regen mehr Freaker unterwegs sind. Tagsüber sind meist kleinere Gruppen der Mistviecher unterwegs, während nachts Horden von hunderten Freakern durch die Lande ziehen. Doch Vorsicht: Ihr könnt auch zufällig in ein Nest stoßen, wo sich die Horde tagsüber zurückzieht. Die Story rund um Deacon und die Freaker-Infektion beginnt zwar etwas holprig und wird teilweise sogar ein wenig unbeholfen erzählt, da einen das Spiel auch mal quer durch die Pampa fahren lässt, nur um eine kurze, aus drei Sätzen bestehende Cutscene abzuspielen, doch nach etwa einem Viertel der mindestens 35-stündigen Spielzeit zieht die Erzählung richtig an.
Deacon gewinnt als Charakter immer mehr an Tiefe, man erfährt interessante Hintergründe zur Infektion, die sich tatsächlich von einer 08/15-Zombie-Epidemie unterscheidet, und die Ereignisse überschlagen sich. Getragen wird die Story nicht nur von Deacon, sondern auch von zahlreichen interessanten Nebencharakteren, deren eigene und nachvollziehbare Motivationen wir nach und nach erfahren. Schön ist hier auch, dass die deutsche Vertonung bei den wichtigen Figuren wirklich sehr gut ist und zum jeweiligen Charakter passt. Schade nur, dass man oftmals durch die vielen und teils sehr langen Ladezeiten (manchmal sogar zwischen zwei zusammenhängenden Zwischensequenzen) ein wenig herausgerissen wird. Das kann schon mal richtig nerven.
Quelle: PC Games
Einzelne Schwärmer sind im Nahkampf leicht zu besiegen, doch später im Spiel begegnet ihr einigen kräftigeren und widerstandsfähigeren Freakern.
Days Gone im Test: (K)ein Kampf ums Überleben
In puncto Gameplay geht Days Gone keine Experimente ein und ist dementsprechend ein typisches modernes Open-World-Action-Spiel mit RPG-Elementen. Wir dürfen zwar keine Story-verändernden Entscheidungen treffen und haben auch ansonsten keine Dialog-Optionen, aber für getötete Gegner und abgeschlossene Missionen erhalten wir Erfahrungspunkte, steigen im Level auf und erhalten so Fertigkeitspunkte, mit denen wir unsere Skills in den Punkten Nahkampf, Fernkampf und Überleben aufmotzen. Damit teilen wir beispielsweise mit einer Nahkampfwaffe mehr Schaden aus, verringern den Rückstoß von Gewehren oder können besser Spuren lesen.
In der Theorie bietet Days Gone nämlich auch Survival-Elemente, doch diese sind ein wenig aufgesetzt. Deacon muss nicht essen und auch Camps muss man nicht mit Nahrungsmitteln versorgen. Die Jagd auf (teils mutierte) Tiere ist also überhaupt nicht nötig. Wir häuteten sie nur, wenn wir sie eh erschießen mussten, weil sie uns angriffen. Dafür gibt es bei Händlern immerhin ein paar Cent, die man gut gebrauchen kann, um Munition nachzukaufen oder zu tanken. Die Suche nach Treibstoff ist eigentlich der einzige echte Survival-Aspekt, da man sonst eben laufen muss. Das Tanken ist gerade zu Anfang ziemlich nervig, da euer Feuerstuhl schon nach wenigen Kilometern fast leergelaufen ist. So muss man andauernd nach Benzinkanistern suchen oder zu Tankstellen fahren, wo sich meistens Plünderer oder Freaker einquartiert haben.
Quelle: PC Games
Als guter Kopfgeldjäger kann Deacon auch Fährten lesen. Wer Spuren findet, sieht so auch oftmals, was hier genau vorgefallen ist.
Zum Glück steigt man für abgeschlossene Aufträge auch im Ansehen der Camps und kann beim Erreichen einer neuen Vertrauensstufe den Tank vergrößern und das Motorrad auch anderweitig aufrüsten lassen. Hier sollte man jedoch vorher schauen, was die Händler in den jeweiligen Camps so im Angebot haben, denn je nach Ort sind bessere oder schlechtere Waffen und Upgrades erhältlich. Einige Dinge lassen sich jedoch auch selbst herstellen und auch unser Bike können wir reparieren. Hierfür sammeln wir Schrott, Flaschen, Tücher und eigentlich so ziemlich alles, was in der offenen Spielwelt herumliegt oder sich in den Taschen besiegter Feinde befindet. Wollen wir dann beispielsweise einen Verband herstellen, weil wir verletzt wurden, oder einem Freaker-Nest mit einem Molotow-Cocktail einheizen, rufen wir mit L1 das Waffenrad auf, die Zeit verlangsamt sich und wenn wir ausreichend Materialien gesammelt haben, halten wir R2 gedrückt, um unser Objekt der Begierde zu craften.
Days Gone im Test: Nicht neu, aber gut
Quelle: PC Games
Werdet ihr auf eurem Bike angegriffen, zielt Deacon automatisch. Ihr müsst nur warten, bis sich das Fadenkreuz zusammenzieht und dann abdrücken.
Ansonsten bedient sich Days Gone eben der üblichen Genre-Mechaniken. Man holt sich Quests ab und fährt schließlich hinaus, um diese zu erfüllen. Meistens sollen wir sämtliche Gegner in einem feindlichen Lager ausschalten oder aus Freaker-Zonen einen bestimmten Gegenstand bergen. Obwohl sich eine heimliche Vorgehensweise ohnehin empfiehlt (zumindest schon auf dem mittleren der drei zur Verfügung stehenden Schwierigkeitsgrade), muss man bei manchen Aufträgen auch komplett unentdeckt bleiben. In den ersten Spielstunden hat Days Gone hier jedoch das gleiche Problem wie die Story - die Missionen zünden nicht so wirklich. Das liegt daran, dass sie sich stets sehr ähnlich sind.
Wir wünschten uns teilweise ein bisschen Linearität oder geskriptete Events, da die offene Vorgehensweise eh teilweise ein wenig aufgesetzt ist. An einigen Stellen kam es vor, dass wir uns eine tolle Route zurechtlegten, das Spiel aber mit Abbruch drohte, weil wir angeblich das Missionsgebiet verließen. Wozu müssen wir aber in diesem Areal sein, wenn wir ein Scharfschützengewehr haben und auf dem Hügel vor dem Dorf in Stellung gehen könnten? Klar, wir haben meistens die Wahl, wild um uns zu ballern oder leise vorzugehen, aber Experimente duldet Days Gone nicht.
Quelle: PC Games
Das 18er-Siegel ist absolut verdient, denn gemäß seiner Endzeit-Zombie-Thematik ist Days Gone sehr brutal. Diese Exekution ist noch fast harmlos.
Glücklicherweise zieht der Titel hier auch später an. Neben die Lager-Infiltrationen gesellen sich auch Verfolgungsjagden auf dem Motorrad oder lineare Abschnitte mit Skripts hinzu. Da dies gut durchgemischt wird, wirkt es durchaus abwechslungsreich und macht Spaß. Die Gefechte selbst sind nämlich ziemlich cool, da sämtliche Waffen ordentlichen Wumms haben und auch die Sounds zu den verschiedenen Schießeisen wunderbar wuchtig daherkommen. Das Treffer-Feedback ist schön heftig und passend zum unerbittlichen Setting des Spiels. Gerade mit einer durchschlagskräftigen Knarre bringt man nicht nur die Köpfe von Freakern zum Platzen. Freunde von Splatter-Filmen werden also definitiv Spaß haben.
Doch auch das Fahren auf Deacons Bike macht Laune. Das Handling ist stets sehr eingängig-arcadig und bereits nach kurzer Zeit driftet man cool um die matschigen Kurven der Waldwege Oregons. Greifen einen während der Fahrt Gegner an, ziehen wir mit L1 die Waffe und Deacon zielt automatisch. Wir müssen nur den richtigen Zeitpunkt abwarten, bis sich das Fadenkreuz verengt und dann mit R1 abdrücken. Das ist nicht sonderlich anspruchsvoll, aber spaßig, weil es unglaublich cool aussieht, wenn Deacon mit der abgesägten Schrotflinte lässig im Vorbeifahren das Freaker-Geschmeiß zerfetzt.
