Mit Crysis 3 liefert der Frankfurter Entwicker Crytek das fulminante Finale der Sci-Fi-Trilogie - und beeindruckt vor allem mit bombastischer Optik und tollen Animationen. Hardware-Enthusiasten werden mit diesem Spiel ihren Spaß haben: Crysis 3 fordert jede Grafikkarte. Spielerisch bietet Crysis 3 wenige, aber sinnvolle Neuerungen, eine durchwachsene, verwirrende Story und ein einigermaßen befriedigendes Ende.
Das hat uns nicht gefallen
Quelle: PC Games
Crysis 3 im Test: Die PC-Version besticht mit herausragender Technik. Die Story ist auf allen Plattformen eher schwach. (15)
Die Story: Verwirrend und ungenau
Auch wenn Crysis 3 ein "echtes" Ende bietet und viele Fragen klärt: Das ist uns alles zu ungenau! Zwischen Crysis 1 und 2 ist schon viel passiert, es wurden neue Handlungsstränge eingeführt, neue Charaktere, nun, virtuelle 20 Jahre später, wissen wir immer noch nicht, was aus Nomad wurde, warum Psycho keinen Anzug mehr trägt und warum Prophet nun eigentlich nicht gestorben ist. Crysis 3 bemüht sich, viele Fragen zu klären, schafft das aber nur ungenügend: Viele Informationen müsst ihr euch umständlich (und trocken) selbst anlesen, indem ihr Hintergrundfetzen im Spiel findet oder im Hauptmenü des Spiels lest. Nur so erfahrt ihr Dinge, die der Story mehr Sinn verleihen.
Nicht nur deshalb gelingt es Crysis 3 trotz all seiner Bemühungen ebenso wenig wie seinen Vorgängern, echte Emotionen zu wecken. Das liegt auch an dem offensichtlichen Drang der Entwickler, eine möglichst bombastische, hollywoodreife Geschichte zu erzählen, was am Ende leicht verkrampft wirkt. Jede Szene muss sitzen, bestmöglich glänzen und mitreißen. Das funktioniert bei Animation und Szenenbild, doch wo Gefühle geweckt werden sollen, passiert (zu) wenig. Warum? Weil Cryteks Held ein gefühlloser, chromglänzender Kampfanzug ist. Weil die Technologie im Mittelpunkt steht und Menschen (und menschliches Leid) bestenfalls am Rande vorkommen. Weil der Schauplatz New York trotz der Ruinen, die das zivilisierte Leben hinterlassen hat, genauso gut auf dem Mond liegen könnte, so wenig ist da los. Weil um Prophet herum ein Krieg zwischen gesichtslosen Cell-Soldaten und metallischen Außerirdischen tobt, den Spieler kaum mitbekommen. Weil interessante Story-Details nicht ausreichend erklärt werden. Weil sich das Spiel in pathetischen Dialogen verliert. Zugutehalten muss man Crysis 3 allerdings, dass es sich durchaus erfolgreich bemüht, die wirren Storyfäden seiner Vorgänger zu vereinen und das Ganze sogar mit einem befriedigenden Ende abschließt. Einen Oscar gibt's dafür trotzdem nicht.
Die Gegner: Zu wenig Abwechslung
Quelle: PC Games
Crysis 3 im Test: Die PC-Version besticht mit herausragender Technik. Die Story ist auf allen Plattformen eher schwach. (22)
Der Scorcher, ein neuer und optisch beeindruckender Gegner, ist vor allem eins: Lachhaft ungefährlich. Das Vieh bespuckt euch mit Feuer (einfach Abstand halten) und versteckt sich bei Beschuss unter seinem Körperpanzer (einfach weitergehen). Auch sonst bietet die Gegnerwelt von Crysis 3 kaum echte Herausforderungen. Den Schwierigkeitsgrad solltet ihr deshalb sowieso schon mal hochdrehen. Aber selbst große und eigentlich gefährliche Gegner wie der Pinger lassen euch jetzt dank dicken Alien-Wummen, die Prophet nun benutzen kann, ziemlich kalt. Bosskämpfe sind viel zu selten, Cell-Soldaten sowieso hoffnungslos unterlegen. Was Crysis 3 fehlt sind charismatische Bösewichte, die dem Spieler mit ihren Fähigkeiten das Fürchten lehren, ihn ins virtuelle Jenseits pusten und zum Level-Neuladen zwingen. Es gibt kaum eine Situation, die Mr. Superanzug nicht auf Anhieb meistern würde. Prophet ist schlicht zu mächtig geworden und wo er neue Fähigkeiten gelernt hat haben es seine Gegner verpasst, dickere Geschütze aufzufahren.
Technisch stark, aber wo bleibt die Zerstörung?
Meckern auf hohem Niveau: In Crysis 3 dürft ihr kaum etwas kaputt machen. Das nervt in Zeiten von Battlefield 3, Crytek scheint diesen Bereich aber komplett zu ignorieren. Wir finden: Bei einem solch starken technischen Gerüst sollten Physikeffekte und virtuelle Zerstörung einfach dazugehören!
Schwache Besetzung: Wo tobt der Krieg?
Quelle: PC Games
Crysis 3 im Test: Die PC-Version besticht mit herausragender Technik. Die Story ist auf allen Plattformen eher schwach. (28)
Crysis 3 erzählt euch, dass ihr euch in einer riesigen Stadt befindet, in der ein Krieg zwischen Ceph, Cell und Widerstandskämpfern tobt. Zu sehen ist davon allerdings viel zu wenig. Nicht selten hat man das Gefühl, alleine in der gigantischen Metropole zu sein, fern von jeder zivilisierten Welt. Der Kampf der Fraktionen findet wenn dann im Hintergrund statt: Explosionen, Kilometer entfernt, vorbeifliegende Transportschiffe, hier und da ein Scharmützel weniger gegnerischer Einheiten – das alles bekommt ihr nur am Rande mit. Crysis 3 verpasst es, euch in den Konflikt hinein zu ziehen, etwa wie in Crysis 1. Stattdessen seid ihr nur Beobachter ohne Bezug.
Kurze Spielzeit: Nur sechs Stunden?
Vorneweg: Wer schreibt, er hätte Crysis 3 in fünf Stunden durchgespielt, hat entweder brutal auf die Tube gedrückt (und damit weite Teile des Spiels verpasst), oder großzügig abgerundet. Wir benötigten etwa sieben bis acht Stunden, um den Shooter zu beenden. Wer sich Zeit lässt, kommt knapp unter zehn Stunden raus. Das ist heutzutage nicht ungewöhnlich, uns aber zu wenig. Frühere Crysis-Teile waren deutlich länger und etwa 15 Stunden hätten wir schon gerne gehabt. Beschwichtigend muss man sagen, dass Crysis 3 dafür unglaublich detailreich ausgearbeitete Gebiete bietet, die eindeutig zeigen, womit die Entwickler ihre Arbeitszeit verbracht haben.
