Auch in alten Tempeln wird gekämpft.
Es ist dunkel. Es regnet in Strömen. Der Soldat Hoss liegt mit seinem Sturmgewehr in einem Schlammloch und beobachtet jeden Millimeter in dem dichten Dschungel vor ihm. Auf einmal erspäht er die Umrisse eines vietnamesischen Strohhuts. Langsam legt er an und lässt den Feind näher kommen. Plötzlich explodiert eine Granate dicht neben ihm; er hört Schreie und Schüsse. Panisch robbt er hinter einen Baum und schreit nach dem Sanitäter. Was sich anhört wie ein Auszug aus dem neuesten Rambo-Film ist in Wirklichkeit eine Sequenz aus dem aktuellen Action/Taktik-Shooter Conflict: Vietnam.
Dschungelfieber
Nach den zwei Irak-Ausflügen in Conflict: Desert Storm spielt der dritte Teil der Conflict-Serie dieses Mal zur Zeit des Vietnamkriegs. Sie steuern dabei einen Trupp von vier Leuten aus der Third-Person-Perspektive durch 14 Levels, die jeweils in mehrere Haupt- und Nebenmissionsziele unterteilt sind. Die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich und so müssen Sie abgesehen von den obligatorischen Sniper-Einlagen diverse Hügel stürmen, verwundete Kameraden bergen oder Panzer außer Gefecht setzen. Um die Missionen erfolgreich zu Ende zu bringen, ist es unbedingt vonnöten, taktisch vorzugehen, da blindes Ballern aufgrund des hohen Gegneraufkommens schnell zu einem frühen Bildschirmtod führt. Mittels einfacher Tastenkombinationen befehlen Sie ihren sehr intelligent agierenden Kollegen, bestimmte Ziele anzugreifen, Deckung zu nehmen oder die Stellung zu halten. Sind Ihnen die Mitstreiter zu langsam, können Sie jederzeit die Kontrolle über den jewei-ligen Soldaten übernehmen, um die gewünschte Aktion selbst auszuführen. Dies empfiehlt sich vor allem beim Entschärfen der häufig auftauchenden Fallen, die bei unvorsichtigem Getrampel ausgelöst werden und die komplette Gruppe ausschalten können. Auf Knopfdruck robbt man an die Todesbringer heran und neutralisiert Sprengsätze, Fußfesseln und angespitzte Baumfallen.
Beförderung
Eine gravierende Neuerung im Vergleich zum Vorgänger ist abgesehen vom Szenario ein rollenspielartiges Fähigkeitensystem. Je nachdem wie gut Sie einen Level abschließen, erhalten Sie Skill-Punkte, die Sie auf Fähigkeiten wie den Umgang mit den diversen Waffengattungen, das Entschärfen von Fallen oder die optimale Benutzung von Medipacks verteilen können. Auf diese Weise entwickeln sich die vier Soldaten nach und nach zu echten Spezialisten. Der Multiplayer-Bereich wird nur mit einem Zweispieler-Kooperativmodus bedient, was zwar Spaß macht, aber in der heutigen Zeit einfach zu wenig ist. Grafisch hat sich nicht wirklich viel getan; viele Texturen sehen etwas grob aus, durchlaufene Büsche bewegen sich kein bisschen und bei Massenschlachten geht die Framerate schon einmal in die Knie. Auch musikalisch kann Conflict: Vietnam nicht auf ganzer Linie überzeugen: Zwar untermalen ruhige, bedrohliche Klänge die Schleichsequenzen ganz gut, auf Dauer wird man allerdings mit fast schon zu heroischen Orchesterpassagen traktiert. Als erschreckend echt kann man die beklemmende Vietnamkrieg-Atmosphäre bezeichnen: Regen prasselt auf die Bäume nieder, oft watet man hüfttief durch Bäche und in dem dichten Buschwerk können überall Feinde oder Fallen lauern. Im Gesamteindruck ist Conflict: Vietnam Fans des Genres zu empfehlen, bleibt aber etwas hinter dem vor allem grafisch besseren Vorgänger zurück. Rühren, Soldat!
