Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2 im Rückblick

Special Felix Schütz
Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2 im Rückblick
Quelle: Electronic Arts / Mobygames

Bunt, trashig und schön over the top: Mit Riesenkraken, Psychotürmen und Zeitmaschinen zog sich Alarmstufe Rot 2 selbst durch den Kakao, servierte aber auch rundum spaßige Echtzeit-Strategie mit tollen Einheiten und guten Kampagnen. Auch wenn es von manchen Serienteilen bis heute überschattet wird: Red Alert 2 war nicht nur das letzte Command & Conquer im 2D-Stil, sondern in vielerlei Hinsicht auch das beste.

Das Veteranensystem aus Tiberian Sun kehrt stark verbessert zurück. Einheiten sammeln nun sehr schnell Erfahrungspunkte und steigen in zwei Rängen auf. Die höchste Stufe verbessert Schaden, Feuerrate oder Reichweite einer Einheit, außerdem werden Lebenspunkte automatisch regeneriert - das macht Veteranen ausgesprochen effektiv!

Auch beim Interface schreitet die Serie voran. Ein Attack-Move ist zwar immer noch nicht möglich, doch immerhin wird das Wegpunktesystem aus Tiberian Sun stark vereinfacht, wodurch sich nun bequem mehrere Angriffsbefehle verketten lassen. Auch die Bauleiste am rechten Bildschirmrand ist nun in vier Reiter untergliedert, dadurch hat man die zahlreichen Hauptgebäude, Abwehrtürme, Superwaffen und Einheiten besser im Griff als in den Vorgängern. Unbegrenzte Serienproduktion für Soldaten, Schiffe und Fahrzeuge, eine Anzeigehilfe für verdeckte Truppen sowie Sammelpunkte für Kasernen und Fabriken bringen zusätzlichen Komfort. Zwar spielt sich Alarmstufe Rot 2 trotz all dieser Fortschritte nicht mehr ganz zeitgemäß, doch immerhin: Mit etwas Eingewöhnung kann man den Klassiker selbst heute noch ganz gut genießen.
Steuerung und HUD sind nicht mehr zeitgemäß, mit etwas Eingewöhnung spielt es sich aber immer noch ganz ordentlich. Quelle: PC Games Steuerung und HUD sind nicht mehr zeitgemäß, mit etwas Eingewöhnung spielt es sich aber immer noch ganz ordentlich.

Die Einheiten: Delfin schlägt Krake

Schon gewusst?
Dustin Browder war der Lead Designer von Alarmstufe 2. Nach Yuris Rache arbeitete Browder noch an Spielen wie C&C Generals, Emperor oder Schlacht um Mittelerde, bevor er schließlich bei Blizzard anheuerte. Dort übernahm er als Game Director einen der wichtigsten Posten im Starcraft 2-Team. Browder leitete danach für eine Weile die Entwicklung von Heroes of the Storm und zog auch bei weiteren Blizzard-Titeln wichtige Fäden. Nachdem sein letztes Projekt bei Blizzard (angeblich ein Starcraft-Shooter) gecancelt wurde, verließ er das Unternehmen im Jahr 2019. 

Schon im ersten Alarmstufe Rot lehnte sich Westwood mit Teslatürmen und Supertechnologien wie der Chronosphäre oder dem Eisernen Vorhang weit aus dem Fenster. Doch Red Alert 2 legt noch ein paar Schippen drauf: Die Alliierten erzeugen mithilfe einer Wetterkontrollstration nun verheerende Gewitter, Prisma-Türme machen den sowjetischen Teslaspulen Konkurrenz und zu Wasser kommen nicht nur trainierte Delfine, sondern sogar ferngesteuerte Riesenkraken zum Einsatz, die feindliche Schiffe gefahrlos mit ihren Fangarmen zerlegen. Eine besondere Rolle fällt außerdem Yuris Unterfraktion zu: Mithilfe spezieller Klone und Psycho-Türmen können feindliche Einheiten kurzerhand übernommen werden, was interessante spielerische Möglichkeiten bietet. Ebenfalls denkwürdig: Die günstig produzierten Spinnendrohnen der Roten Armee, die sich in feindliche Fahrzeuge krallen - höchste Gefahr für kleine Panzerverbände!

Die Kampagnen: kurz, fair und reichlich schräg

Die beiden Singleplayer-Kampagnen von Alarmstufe Rot 2 sind zwar flott durchgespielt, überzeugen aber mit Tempo, Witz und netten Einfällen. Neben dem üblichen Zerstöre-Feindbasis-Einheitsbrei gibt es auch ausgefallenere Missionstypen, zum Beispiel einen Level, in dem wir den US-Präsidenten mit einer von Yuris Psycho-Kontrolleinheiten entführen, einen Hafen gegen eine russische Flotte verteidigen oder den Eifelturm zur gigantischen Teslaspule umfunktionieren sollen. Später müssen wir ein Team von Navy Seals in eine schwer bewachte Sowjet-Basis dirigieren, den Kreml erobern oder mit Krawallexpertin Tanja hinter die feindlichen Linien gelangen. Auf jeder Map gibt es außerdem neutrale Gebäude wie Krankenhäuser, Flugplätze oder Bohrtürme, die man erobern kann, um Soldaten zu heilen oder Nachschub zu ordern. Das macht auch die Levels ohne Basis etwas verzeihender.
Lufteinheiten spielen eine wichtige Rolle, fallen aber nicht übermächtig aus. Quelle: Electronic Arts Lufteinheiten spielen eine wichtige Rolle, fallen aber nicht übermächtig aus. Überhaupt ist der Trial-and-Error-Faktor im Vergleich zu Tiberian Sun deutlich gesunken, Fehler werden nicht mehr so hart bestraft und der Spielfluss kommt praktisch nie zum Erliegen. Unfaire Einheiten wie die Nod-Artillerie, die auf einen Schlag mehrere Fußsoldaten wegputzt, muss man nicht mehr befürchten. Dafür geht es in Alarmstufe Rot 2 deutlich schneller zur Sache, auch weil die Ernter diesmal wesentlich mehr Geld einfahren, dadurch ist die eigene Basis ruck, zuck zusammengezimmert. Einige Features aus Tiberian Sun fliegen außerdem ersatzlos raus, etwa die nervigen Tore oder die brüchigen Wände, die sich bei Beschuss in Rampen umfunktionieren lassen. Tunnel wie in Tiberian Sun waren zwar ursprünglich geplant, wurden im Laufe der Entwicklung aber gestrichen.

Das Add-on: Yuris Rache ist die beste C&C-Erweiterung

Mit Ausnahme des enttäuschenden vierten Teils, der die Reihe praktisch im Alleingang gegen die Wand fuhr, hat jedes Command & Conquer mindestens eine umfassende Erweiterung erhalten. Manche davon waren besser als andere, doch der Preis für das beste Add-on in der C&C-Serie geht zweifellos an Alarmstufe Rot 2. Mit Yuris Rache liefert Westwood zwei rundum gelungene neue Kampagnen, die mit witzigen Ideen punkten: Es gibt Zeitreisen, Dinosaurier, Wüstenmissionen und sogar einen Level auf der Mondoberfläche! Frische Zwischensquenzen mit den Schauspielern aus dem Hauptspiel führen die behämmerte Story fort und interessante neue Einheiten ergänzen das Angebot von Alliierten und Sowjetunion. Obendrein wird Yuris Psycho-Armee zur dritten spielbaren Fraktion ausgebaut und sorgt so auch im Skirmish und Multiplayer für frischen Gameplay-Wind. Kurzum: Wer Alarmstufe Rot 2 mag, kommt um Yuris Rache nicht herum. So muss ein Add-on sein!
Alarmstufe Rot 2 mag albern gewesen sein, doch es brachte viele Fortschritte für die C&C-Serie. Quelle: PC Games Alarmstufe Rot 2 mag albern gewesen sein, doch es brachte viele Fortschritte für die C&C-Serie.

Die Grafik: Das letzte C&C in 2D

Command & Conquer: Tiberian Sun musste bei Release einige Kritik einstecken, vor allem die lieblose 2,5D-Optik konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Für Alarmstufe Rot 2 zieht Westwood allerdings die richtigen Lehren und verbessert nicht nur die Engine, sondern findet auch einen neuen Stil: Der grau-triste Look des Vorgängers, der kaum Details zuließ, wird durch ein farbenfrohes Design ersetzt, in dem sich Einheiten und Gebäude gut von der hübschen Umgebung abheben. Das Ergebnis ist ein selbst heute noch ganz ansehnlicher Grafikstil, der nicht nur deutlich besser aussieht als in seinen Vorgängern, sondern für den Spieler auch meistens gut "lesbar" bleibt. Auch die Videosequenzen profitieren von einer besseren Kameraführung, aufwendigeren Sets und moderner Komprimierung, wodurch die Filmchen schärfer bleiben und weniger aufpixeln als zuletzt in Tiberian Sun.

Für den Soundtrack kehrt C&C-Urgestein Frank Klepacki auf den Komponistenstuhl zurück und liefert eine überarbeitete Version des kultigen Titelsongs Hell March ab. Auch die übrigen Stücke passen gut zum Geschehen, der Mix aus Industrialrock und treibenden Beats hängt den lahmen Score von Tiberian Sun locker ab. Trotzdem stellt die Musik von Alarmstufe Rot 2 keinen Höhepunkt der Serie dar - diesen Preis dürfen sich Command & Conquer: Generäle und Alarmstufe Rot 3 mit der wohl großartigsten Hauptmenü-Musik teilen, die es je in einem C&C zu hören gab.
Nach dem enttäuschenden Tiberian Sun fand Westwood einen neuen, farbenfrohen Stil für Alarmstufe Rot 2. Der sieht selbst heute noch ganz gut aus. Quelle: Electronic Arts Nach dem enttäuschenden Tiberian Sun fand Westwood einen neuen, farbenfrohen Stil für Alarmstufe Rot 2. Der sieht selbst heute noch ganz gut aus.

Die wichtigste Frage: Läuft das heute noch?

Wer sich heute Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2 (jetzt kaufen ) zulegen will, kann das Spiel entweder als Teil der Command & Conquer Ultimate Collection über Origin herunterladen oder aber zu einer älteren Verkaufsfassung greifen, das Spiel ist immer noch in verschiedenen Editionen zu bekommen.

Auf modernen Rechnern kann Alarmstufe Rot 2 leider Probleme machen, die sich aber mit ein paar Handgriffen lösen lassen. Unter Windows 10 empfiehlt es sich, das Spiel im Kompatibilitätsmodus (Windows XP SP3 // als Administrator starten // Farbtiefe auf 16 Bit reduzieren) zu betreiben. Über die RA2.INI lässt sich die Auflösung auch für moderne Monitore hochschrauben, hier sollte außerdem die Zeile VideoBackBuffer deaktiviert werden (VideoBackBuffer=no). Wer mit Grafikfehlern zu kämpfen hat, kann zu einem inoffiziellen Grafikpatch greifen. Vorsicht: Installation erfolgt auf eigene Gefahr! Einen Link zum Patch gibt's hier, eine englischsprachige Videoanleitung findet man u.a. auf Youtube. Wer Red Alert 2 im Multiplayer spielen möchte, sollte einen Blick auf Seiten wie beispielsweise CNC Online oder CNC Net werfen.

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