Cliff Empire im Test: Über den Wolken muss dem Bauen wohl Grenzen gesetzt sein

Test Narayan Luca
Cliff Empire im Test: Über den Wolken muss dem Bauen wohl Grenzen gesetzt sein
Quelle: Lion's Shade

Auf dem Spielemarkt gibt es derzeit einige unterschiedliche Städteaufbauspiele, die alle einen Aspekt gemeinsam haben: Der Bauplatz ist begrenzt. Der Indie-Entwickler Lion's Shade treibt diesen Fakt jetzt auf die Spitze. In Cliff Empire habt ihr bloß ein paar berghohe Säulen als Baufundament. Wie sich die Städtewirtschaft 300 Meter über dem Boden spielt, erfahrt ihr in unserem Test.

Wieder einmal hat die Menschheit in einem Videospiel die Erde durch einen nuklearen Krieg verpestet. Angesichts des 300 Meter hohen radioaktiven Nebels mussten die Menschen in den Weltraum fliehen. Jedoch haben die damaligen Erdbewohner die Tragödie kommen sehen. Sie errichteten im Vorfeld der Katastrophe die sogenannten "Cliffs"; gigantische, künstliche Bauplätze, die sich mehrere Hundert Meter in den Himmel erstrecken. Diese weißen Säulen sollten im Falle einer Neubesiedlung der erste Anlaufpunkt der Menschen sein. Hier kommen wir ins Spiel. Als ein Mitglied der ersten Generation, welche die Wiederbesiedlung des toten Planeten wagen will, sollen wir aus den noch tristen Megabauwerken große Städte zu machen.

Cliff Empire im Test: Wählt eure Säule

Nachdem wir ein neues Spiel angefangen haben, können wir zwischen drei Spielmodi wählen. Zur Auswahl stehen ein klassischer Sandbox-Modus ohne Einschränkungen, eine normale Partie mit begrenzter Währung und begrenzten Ressourcen und eine Art Überlebensmodus, in welchem ständig Angreifer eure Städte überfallen und ihr diese verteidigen müsst. Habt ihr euch für eine Option entschieden, stellt euch das Spiel drei erste Säulen zur Verfügung.

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Diese tragen idyllische Namen wie "Himmelswasser" oder "Himmlisch" und unterscheiden sich bezüglich ihrer Beschaffenheit. Das eine Cliff ist extrem länglich und schmal, ein anderes besteht gleich aus mehreren winzigen Cliffs. Dazu kommt noch, dass jeder der drei Startbauplätze verschieden viele Rohstoffe anbietet. Eine Infoanzeige lässt uns zum Beispiel einsehen, wie viel Grundwasser Säule A hat und wie viel Wind es auf Säule B gibt. Falls wir aber nicht zufrieden mit den leeren Türmchen sind, können wir sie so oft wie wir wollen neu genieren, bis wir drei passende Exemplare gefunden haben. Vorausschauende Stadtplanung beginnt halt auch schon mit der Auswahl des richtigen Bodens.

Zu Beginn des Spiels wird ein kleines Tutorial angeboten, welches euch die verschiedenen Abläufe des Spieles erklärt. Ob mit oder ohne Tutorial, gestalten sich unsere Anfänge als Baumeister aber gleich: Die Neubesiedlung einer Säule beginnt mit der Landung eines Transportraumschiffes, welches ein großes Lagergebäude am Boden platziert. Das Lager besitzt drei Bauflugzeuge und erste Ressourcen als kostenlose Boni. Interessant ist, dass es sich bei allen drei Bauplätzen um eigene Städte handelt, welche jeweils ein eigenes finanzielles Kapital besitzen. Multitasking pur - Profis können auf Wunsch von Anfang an mehrere Städte gleichzeitig kontrollieren.
Immer wieder müssen wir uns diversen Wetterszenarien stellen. Quelle: PC Games Immer wieder müssen wir uns diversen Wetterszenarien stellen.

Cliff Empire im Test: Fülle an Zukunftstechnologien

Fertiggebäude vom Fließband: Ein Transportschiff liefert uns das erste Lager samt kostenlosen Drohnen und Rohstoffen. Quelle: PC Games Fertiggebäude vom Fließband: Ein Transportschiff liefert uns das erste Lager samt kostenlosen Drohnen und Rohstoffen. Wer es aber lieber gemütlich angehen will, wird für den Anfang auch mit nur einer Säule zufrieden sein. Schon zu Spielbeginn stehen euch fast alle Gebäude zur Verfügung. Das großzügige Startkapital einer Stadt erlaubt es uns, zum Beispiel direkt Uranminen, Kernkraftwerke und einen Mega-Bohrer zu bauen. Diese Gebäude sind zwar extrem teuer, liefern aber fast alle benötigen Rohstoffe auf einem Schlag. Alternativ können wir auch gänzlich auf erneuerbare Energien und kleinere Fabriken setzen. Diese kosten wesentlich weniger, werden aber in größerer Zahl benötigt und nehmen mehr des begrenzten Bauplatzes ein. Nutzt die ersten kostenlosen Rohstoffe zu Spielbeginn also überlegt! Am Anfang sollte insbesondere die Stromversorgung priorisiert werden, da unsere Arbeitsdrohnen, wer hätte es gedacht, Strom benötigen. Ist der Saft mal leer, arbeiten diese nur noch im Schneckentempo. Im schlimmsten Fall liefert ihr Hunderte von Batterien an eine Stadt mit Stromproblemen, welche aber nicht entgegengenommen werden können, da die Drohnen keinen Strom haben - ein Teufelskreis. Ein ähnliches Szenario blüht auch Spielern, die anfangs keine Metallmine oder Handelsstation gebaut haben und plötzlich zu wenig Metall besitzen, um eines dieser Gebäude nachträglich zu bauen. Da endet der Planungsfehler im schlimmsten Fall in einem unumgänglichen Spielneustart.

Cliff Empire im Test: Paradies für Planungsfanatiker

Neben der Förderung von Ressourcen müssen wir uns auch um unsere Bewohner kümmern. Diese brauchen nicht nur etwas zu essen, sondern wollen auch mit verschiedenen Luxusgütern versorgt werden. Gleich fünf verschiedene Arten von Nahrungsmitteln werden benötigt, um unsere Kolonisten gesund und satt zu halten. Dazu kommen noch drei Arten von Verbrauchsgegenständen, um die Zufriedenheit zu steigern. Schnell wird klar, dass wir viele Produktionsschritte auf andere Säulen auslagern müssen, da der Platz auf der Ersten ausgeht. Nach und nach spezialisieren wir also unsere Städte. Mit Brücken lassen sich die Metropolen zudem verbinden, um Handel zwischen ihnen zu ermöglichen.

Mit Batteriestationen können wir überschüssigen Strom speichern und praktisch in Akkus umwandeln. Quelle: PC Games Mit Batteriestationen können wir überschüssigen Strom speichern und praktisch in Akkus umwandeln. Neben Industrie und Nahrungsbeschaffung stellt Wirtschaft nämlich die dritte Komponente in Cliff Empire dar. Damit sich unsere Städte nicht verschulden, lassen sich zum Beispiel Handelsportale bauen, welche Waren in den Weltraum verkaufen. Viel wichtiger ist aber eben, dass unsere Städte untereinander Handel betreiben. Im Idealfall produziert zum Beispiel Stadt A sämtliche Nahrung, um sie dann an die anderen beiden Städte zu verhökern. Eine weitere Möglichkeit ist der Bau von verschiedenen Bank- und Bürogebäuden, die passiv Geld generieren. Tatsächlich ist Geld bedeutend wichtiger als die Rohstoffe. Oft saßen wir auf einem Berg an Ressourcen, die wir aber kaum verwenden konnten, da die meisten Gebäude doch einen happigen Batzen Kryptowährung kosten.

Leider dauern die verschiedenen Abläufe etwas zu lang. Zwar lässt sich das Geschehen mittels Schieberegler beschleunigen, trotzdem dauert es eine kleine Ewigkeit, bis genug Geld durch den Handel und die Büros reingekommen ist. Ähnlich verhält es sich auch mit den Forschungen, welche ebenfalls verhältnismäßig lange brauchen. Da hilft es leider nur, das Spiel fast dauerhaft auf sechsfacher Geschwindigkeit laufen zu lassen.

Sicherheit geht vor! Eure Industrieanlagen müssen stets gewartet werden. Quelle: PC Games Sicherheit geht vor! Eure Industrieanlagen müssen stets gewartet werden. Während des Spielverlaufs werden wir mit unterschiedlichen Wetterereignissen und Naturkatastrophen konfrontiert. Diese können zum Beispiel unsere Windräder lahmlegen oder Teile der Stadt zerstören. Jeder Event kommt mit ein paar Bedingungen daher, welche erfüllt werden müssen. Dann gilt es zum Beispiel, innerhalb einer vorgegebenen Anzahl von Tagen eine bestimmte Menge einer Ressource zu verkaufen. Schaffen wir das, erhalten wir Geld und eine Medaille, die zur Freischaltung neuer Bauwerke gesammelt werden können. So lassen sich zum Beispiel hängende Bauwerke erlangen, welche platzsparend an den Seiten der Säulen angebracht werden können. Etwas merkwürdig ist aber, dass wir eine Geldstrafe zahlen müssen, wenn wir die Bedingung nicht erfüllen. Je nach Situation kann uns das ziemlich hart auf den Geldbeutel drücken und frustriert einen mehr als anzuspornen und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Cliff Empire im Test: Macht doch einen Spaziergang

Die größer gewordenen Städte der verschiedenen Säulen sind irgendwann beeindruckend anzuschauen. Die sogenannte Touristenansicht ermöglicht uns dankenswerterweise einen ausführlichen Blick auf unsere Werke. In Gestalt eines Stadtbewohners können wir uns frei bewegen und so die Metropole erforschen. Wem diese Spielerei nichts zusagt, kann vielleicht mehr mit der optionalen orthographischen Kamera anfangen. Diese lässt uns das Spielfeld im Stile eines Sim City 4 betrachten. Im Allgemeinen ist die Optik des Spiels sehr stimmig. Fast alles ist in kaltem, sterilem Weiß gehalten, was sehr gut zu der verschneiten Berglandschaft im Hintergrund und den kahlen, künstlichen Säulen passt. Vor allem nachts ist es ein Augenschmaus, bilden die Lichteffekte der beleuchteten Gebäude doch einen hübschen Kontrast zur restlichen Gestaltung und bringen auf stimmige Art und Weise Farbe ins Spiel. Vielleicht mag die reduzierte Gestaltung nicht jeden ansprechen, sie versprüht aber auf jeden Fall eine eigenständige Ästhetik.
Cliff Empire im Test: Über den Wolken muss dem Bauen wohl Grenzen gesetzt sein Quelle: PC Games Cliff Empire im Test: Über den Wolken muss dem Bauen wohl Grenzen gesetzt sein Für wen ist Cliff Empire also gemacht? Wer gerne viele Zwischenschritte gleichzeitig managen will, wird mit dem Titel glücklich. Ebenfalls stellt der nur spärlich verfügbare Baugrund eine interessante Herausforderung dar. Für Neueinsteiger in das Genre könnte der Titel von Lion's Shade etwas verzeihender sein, da schon kleine Planungsfehler eine Stadt in den Ruin führen können. Vielleicht schafft ein Balancing-Update hier Abhilfe.

Meinung

Meinung

Wertung zu Cliff Empire (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Große Auswahl an GebäudenVerschiedene Spielstile sind von Anfang an möglichUnterschiedliche ProduktionskettenWechselnde Wetterszenarien und herausfordernde EventsDrei SpielmodiGrafikstil harmoniert mit dem Setting
Balancing nicht komplett ausgewogenForschung und Geldeinkünfte brauchen EwigkeitenGeldstrafen durch Events frustrieren

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