Chaos Walking in der Filmkritik: Sci-Fi-Bruchlandung mit Tom Holland und Daisy Ridley

Test Maci Naeem Cheema
Chaos Walking in der Filmkritik: Sci-Fi-Bruchlandung mit Tom Holland und Daisy Ridley
Quelle: Lionsgate

Das Sci-Fi-Abenteuer Chaos Walking, eine Buchverfilmung mit Starbesetzung, ist in den deutschen Kinos angekommen. Wir haben uns den Streifen rund um die Kolonialisierung eines fremden Planeten angeguckt, bei der einzig die männliche Bevölkerung überlebt und seitdem unter dem kollektiven Hören aller Gedanken leidet, und verraten, was der Blockbuster abseits der namhaften Besetzung (Tom Holland, Daisy Ridley, Mads Mikkelsen) zu bieten hat.

Die "Young Adult"-Buchreihe Chaos Walking, die sich auf den sogenannten mysteriösen Lärm, die rein männliche Bevölkerung der Stadt Prentisstown und eine dystopische Sci-Fi-Geschichte fokussiert, wurde für die große Leinwand adaptiert und läuft mitsamt Starbesetzung seit dem 17. Juni in deutschen Kinos. Wir haben uns den Sci-Fi-Streifen angeguckt und verraten, was man abseits der namhaften Besetzung rund um Spidey-Darsteller Tom Holland (Spider-Man, Avengers), Daisy Ridley (Star Wars 7-9) und Mads Mikkelsen (Doctor Strange, Rogue One: A Star Wars Story, Death Stranding) erwarten kann.

Hören statt Lesen? Wer sich lieber via Podcast ein Bild von dem Blockbuster macht, dem empfehlen wir die neueste Ausgabe unseres Film- und Serienpodcasts Heim Kino. Passend zur langersehnten Wiedereröffnung der Kinos quatschen unsere beiden Redakteure Chris Fußy und Maci Naeem über aktuelle Blockbuster wie Godzilla vs. Kong (unsere Filmkritik), Chaos Walking , Der Rausch (Another Round) und vieles mehr.

Ihr wollt euch selbst ein Bild machen von Chaos Walking? Dann werft doch einen Blick auf den offiziellen deutschen Trailer.

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Starbesetzung, erfahrenes Team und spannende Vorlage

Seinen Beginn feierte das Universum Chaos Walking (jetzt kaufen 9,99 € ) am 05. Mai 2008 in Form des Fantasy-Romans "New World: Die Flucht". Über die Jahre wuchs daraus eine erfolgreiche Buchtrilogie, die besonders beim jungen Publikum überzeugen konnte. Buch- und Comic-Adaptionen erfreuen sich auch weiterhin großer Beliebtheit in Hollywood, es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand einer Filmadaption annimmt - übrigens nicht das erste Werk von Autor Patrick Ness, welches einen Film spendiert bekam: Das Fantasy-Buch "A Monster Calls" wurde 2016 von Focus Features und Regisseur J. A. Bayona (Jurassic World 2: Das gefallene Königreich, The Impossible) unter den deutschen Namen "Sieben Minuten nach Mitternacht" mit viel Erfolg auf die große Leinwand gezaubert. Chaos Walking nimmt hingegen Regisseur Doug Liman in Angriff, der bereits einiges an Blockbuster-Erfahrung gesammelt hat. Unter anderem war Liman zuständig für "Mr. & Mrs. Smith", "Edge of Tomorrow", "Jumper" und "Die Bourne Identität". Jede Menge Potenzial also, oder nicht?

Chaos Walking spielt im Jahr 2257 und konzentriert sich auf die kleine Siedlung Prentisstown, die vor vielen Jahren von Kolonialisten der Erde gegründet wurde. Die weibliche Bevölkerung wurde im Krieg gegen die Ureinwohner der neuen Welt, einer Alien-Rasse namens Spackle, komplett ausgelöscht. Seitdem leben nur noch Männer in Prentisstown. Bis zu diesem Punkt ist die Handlung nicht sonderlich ausgefallen, der Kniff der Sci-Fi-Geschichte ist aber weitaus spannender: Seit der Kolonialisierung der neuen Welt leiden die Menschen nämlich unter einem Virus, der die Gedanken aller Männer für jedes andere Lebewesen frei zugänglich macht - filterlos also. Die umherschwirrenden Gedanken werden im Film als sogenannter "Lärm" bezeichnet, aufgrund dessen ist es nämlich nie still in Prentistown und das Hüten von Geheimnissen scheint beinahe unmöglich.
<strong>Auf dem Papier spannend, auf der Leinwand kreativlos und öde:</strong> Der 'Lärm' ist eine spannende Idee, welche in unzähligen tollen Geschichten münden könnte, stattdessen aber weder auf visueller noch auf Story-Ebene überzeugen kann. Quelle: Lionsgate Auf dem Papier spannend, auf der Leinwand kreativlos und öde: Der "Lärm" ist eine spannende Idee, welche in unzähligen tollen Geschichten münden könnte, stattdessen aber weder auf visueller noch auf Story-Ebene überzeugen kann. Protagonist des Sci-Fi-Abenteuers ist Todd Hewitt (Tom Holland), der jüngste Mann in Prentisstown, der am stärksten unter dem Lärm leidet. Todd ist es nämlich kaum möglich, auch nur einen Gedanken vor seinen Mitmenschen zu verbergen - andere, besonders die älteren Männer im Dorf, haben das deutlich besser im Griff. Darüber hinaus möchte sich Todd als Mann und wichtiges Gesellschaftsmitglied beweisen, besonders bei Anführer und Bürgermeister David Prentiss.

Der zweite Handlungsstrang fokussiert sich auf Viola (Daisy Ridley), die sich nach einer Bruchlandung auf der neuen Welt wiederfindet. Viola ist Teil eines Unterfangens, ein neues Zuhause für die Menschheit zu finden. Wie zu erwarten, werden die zwei Schicksale durch Zufall miteinander verwoben. Todd, der noch nie zuvor eine Frau gesehen hat und deutlich angetan ist von der jungen Dame, macht es sich nämlich zur Aufgabe, Viola bei ihrem Dilemma zu unterstützen und sie vor der überraschend feindseligen Bevölkerung von Prentisstown zu beschützen - die haben es nämlich abgesehen auf Viola. Fortan schlägt sich das Duo durch die neue Welt, auf der Suche nach einer angeblichen zweiten Siedlung, die neben Schutz noch vieles mehr bereithalten soll.

Warum Prentisstown so feindselig reagiert, was es mit dem mysteriösen Lärm auf sich hat und wie sich die Geschichte rund um die beiden Figuren Todd und Viola weiterentwickelt, halten wir bewusst unter Verschluss - wir wollen ja nicht zu viel spoilern. Was wir aber verraten können: Chaos Walking hat eigentlich viele spannende Elemente, weigert sich jedoch, Figuren, Beziehungen und Thematiken sinnvoll auszubauen und plätschert stattdessen die meiste Zeit eindruckslos vor sich hin.

Unausgereifte und ambitionslose Geschichte

Egal ob es die Welt, die Charaktere oder deren Beziehungen sind, Chaos Walking lässt viel zu viel Potenzial auf dem Weg liegen und arbeitet kaum ein Element wirklich aus. Die Dynamiken in der Stadt Prentisstown oder die Folgen durch die stetige Offenlegung aller Gedanken werden kaum thematisiert, ebenso wenig die eigentlich spannende und hitzige Beziehung zu den Ureinwohnern.
<strong>Küssen oder nicht?</strong> Die Beziehung von Todd und Viola beschränkt sich auf ein 'Hilfe, ein Mädchen!' und pubertäres Verliebtsein seitens Todd und komplette Leere im Falle von Viola. Daisy Ridley bekommt leider überhaupt nichts zu tun im Sci-Fi-Film. Quelle: Lionsgate Küssen oder nicht? Die Beziehung von Todd und Viola beschränkt sich auf ein "Hilfe, ein Mädchen!" und pubertäres Verliebtsein seitens Todd und komplette Leere im Falle von Viola. Daisy Ridley bekommt leider überhaupt nichts zu tun im Sci-Fi-Film. Auch die beiden Hauptcharaktere Todd und Viola bleiben die meiste Zeit viel zu blass. Daisy Ridley bekommt aus Schauspielsicht gar nichts zu tun und verkörpert die meiste Zeit nicht mehr als eine aus den Augen eines pubertären Jungens dargestellte Version einer Frau ohne jegliche Charaktertiefe. Tom Hollands Figur besteht hingegen nur aus zwei Sätzen: "Ich bin ein Mann!" und "ich will sie küssen". Wir möchten nicht abstreiten, dass es durchaus einige Momente gibt, die zumindest etwas zum Schmunzeln animieren und Spaß machen, die sind aber viel zu selten.

Darüber hinaus ergibt nur wenig Sinn im Fantasy-Universum. Ein Beispiel: Möchte Todd vermeiden, dass jemand den Aufenthaltsort von Viola oder ein anderes Element für das Überleben der beiden herausfindet, so denkt er einfach immer und immer wieder "Ich bin Todd Hewitt" - sehr clever, wie sollte jemand bei solch einem Verhalten davon ausgehen, dass Todd etwas zu verbergen hat? Das ist leider nicht nur ein Moment, solch unnötige Logiklücken ziehen sich durch das ganze Abenteuer. Darüber hinaus ergeben der große Plottwist und das gesamte Finale kaum Sinn.

Ein weiteres Problem ist, dass der Film offensichtlich viele zeitaktuelle und wichtige Thematiken ansprechen möchte, die aber mit viel zu wenig Fingerspitzengefühl in die Handlung gepresst wurden. Geschlechterrollen und Stereotypen sowie damit verbundene Probleme, die Ausbeutung anderer Zivilisationen, Kolonialisierung ... Chaos Walking scheitert am Versuch, mehr zu sein als ausreichendes Popcorn-Gedöns, doch selbst das steht auf sehr wackeligen Beinen.

Holprige Inszenierung ohne Stil-Anspruch

Mit Blick auf die Kameraarbeit ist Chaos Walking nicht mehr als ein befriedigendes Sci-Fi-Abenteuer, dem es jedoch leider an einem eigenen Stil fehlt. Keine Szene kann an den Bildschirm fesseln und so findet man sich stattdessen in einer ca. 120-minütigem "So lala"-Erfahrung wieder, die sich nie visuell austoben will. Das wäre grundsätzlich in Ordnung, wären die Action-Einlagen nicht so hektisch und holprig gefilmt. Man hat öfter das Gefühl, als hätte die Person an der Kamera aus Versehen die Zoom-Funktion etwas zu stark eingestellt - was wir meinen: Man ist zu nah am Geschehen und hat das stressige Gefühl, als würde man etwas verpassen oder könnte die gesamte Szenerie nicht wahrnehmen.
<strong>Chaos Walking in der Filmkritik:</strong> Sci-Fi-Abenteuer mit Tom Holland, Daisy Ridley &amp; Mads Mikkelsen Quelle: Studiocanal Chaos Walking in der Filmkritik: Sci-Fi-Abenteuer mit Tom Holland, Daisy Ridley & Mads Mikkelsen

Fazit: Trotz Starbesetzung eine Bruchlandung

Egal ob es die trockene Inszenierung, das schwache Skript oder die fehlende Ausarbeitung sind, kein Element kann in Chaos Walking wirklich überzeugen. Stattdessen beobachtet man knapp zwei Stunden begabte Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich redlich Mühe geben, aus den blassen Figuren mehr rauszuholen, daran jedoch - Überraschung - scheitern. Die spannende Idee rund um die Offenlegung der eigenen Gedanken und die fehlenden Filter hätte zu einem interessanten Sci-Fi-Trip führen können, doch aufgrund der zu geringen Ambitionen und der offensichtlichen Lustlosigkeit der Macher wurde daraus leider nichts. Tja, für einen gelungenen Science-Fiction-Film, der an den Bildschirm fesseln soll, braucht es eben mehr als ein paar (Hollywood)-Sternchen.

Chaos Walking läuft seit dem 17. Juni in den deutschen Kinos. Was haltet ihr von dem Sci-Fi-Streifen mit Tom Holland, Daisy Ridley und Mads Mikkelsen? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

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