Filmkritik zu Godzilla vs. Kong: Endlich wieder großes Kino?

Test Christian Fussy
Filmkritik zu Godzilla vs. Kong: Endlich wieder großes Kino?
Quelle: Warner Bros / Legendary Pictures

Am 1. Juli werden wir in Deutschland zum ersten Mal in einer gefühlten Ewigkeit wieder Kino erleben können. Die Lichter werden ausgehen, die Stimmen der Menge verstummen und die roten Vorhänge langsam auseinandergehen. Was sie enthüllen, ist der Anblick eines großen Affen, der sich die nächsten zwei Stunden mit einer Echse prügeln wird. Dieser Moment wird so oder so etwas ganz Besonderes sein. Aber ist es der Film auch?

Einige Kinos in Deutschland öffnen bereits diese Woche wieder ihre Pforten, andere erst Anfang des nächsten Monats. Nach einer gefühlten Ewigkeit können wir wieder gemeinsam Filme auf der großen Leinwand erleben. Einer der ersten Filme, die für einen Kinobesuch ab dem 1. Juli zur Auswahl stehen, ist "Godzilla Vs. Kong", die Kulmination des sogenannten MonsterVerse, das mit Gareth Edwards' "Godzilla" im Jahr 2014 begründet wurde. Der Titel verspricht eine epische Monsterschlacht zwischen zwei unbestreitbaren Ikonen des Kinos. Und ich bin froh, nach meiner Sichtung berichten zu können, dass der Film das auch liefert.

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Action-Fans, die zwei Stunden Sci-Fi-Nonsens ertragen können, nur um endlich zu der im Titel versprochenen Auseinandersetzung zu kommen, und die kein bisschen mehr erwarten, als einem Affen dabei zuzusehen, wie er eine Echse durch ein Hochhaus kloppt, sei "Godzilla Vs. Kong" wärmstens empfohlen. Alle anderen seien an dieser Stelle jedoch gewarnt: Regisseur Adam Wingard und sein Team sind so gänzlich uninteressiert an Geschichten, Motiven, Charakteren oder Einfällen, die über die plumpsten Genrekonventionen hinausgehen, dass der erste "Pacific Rim" daneben aussieht wie ein transzendentes Meisterwerk. Wer sich nach dem Kinobesuch noch an einen Figurennamen erinnern kann, der nicht im Titel steht, gehört bei "Godzilla Vs. Kong" eindeutig nicht zur Zielgruppe.

Bekannte Schauspielgrößen wie Kyle Chandler, Alexander Skarsgård, Rebecca Hall oder Demián Bichir tauchen zwar im Cast auf, eine wirkliche Performance gibt hier aber niemand. Die menschlichen Charaktere sind sogar noch blasser und langweiliger als im Vorgänger "King of the Monsters". Dafür verbringen wir aber immerhin weniger Zeit mit ihnen.

Darum geht es (nicht)

Der Plot ist dementsprechend nur ein Vorwand für das Aufeinandertreffen der Giganten: Nach seinem Sieg gegen Ghidorah im letzten Teil hat sich Godzilla scheinbar gegen die Menschheit gewandt. Die Echse mit dem Atom-Atem zerstört eine Forschungseinrichtung des Tech-Unternehmens Apex, in der auch Verschwörungstheoretiker und Podcaster Bernie (Brian Tyree Henry) angestellt ist. Der vermutet einen Grund hinter dem Angriff und schließt sich mit seinem Super-Fan Madison (Millie Bobbie Brown) und ihrem Kumpel Josh (Julian Dennison) zusammen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Andernorts rekrutiert Apex-CEO Walter (Demián Bichir) den Ex-Monarch-Wissenschaftler Nathan Lind (Alexander Skarsgård), um einen Zugang zur, in den Vorgängerfilmen immer wieder angeteaserten, Hohlerde zu finden, wo die Geburtsstätte der Titanen vermutet wird. Lind rekrutiert seine ehemalige Kollegin Ilene (Rebecca Hall) und ein taubstummes kleines Kind namens Jia (Kaylee Hottle), das Kong Gebärden beigebracht hat und so mit ihm kommunizieren kann. Sie erhoffen sich, dass Kong wie eine Brieftaube zu seinem Ursprung zurückkehren wird, wenn man ihm die Möglichkeit eröffnet. Auf dem Weg in die Arktis, wo der Eingang zur Hohlen Erde liegt, werden sie von Godzilla angegriffen...
Godzilla trifft auf Kong Quelle: Warner Bros / Legendary Pictures Filmkritik zu Godzilla vs. Kong: Endlich wieder großes Kino? (8)
Dass die Erde in "Godzilla Vs. Kong" nicht das einzige ist, das hohl ist, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zu erwähnen. Alles was passiert, passiert bar jeder inneren oder äußeren Logik. Obwohl ich wirklich krampfhaft versucht habe, meine Gehirnaktivität während des Films herunterzuschrauben, stellte mir meine innere Stimme ständig Fragen zu dem, was sich da vor mir auf der Leinwand abspielte.

Fragen wie

"wie können zwei Teenager und ein unautorisierter Mitarbeiter einfach in das Hauptquartier einer der mächtigsten Firmen der Welt spazieren und dort bis ins Allerheiligste vordringen?",

"Gibt es in diesen Filmen keine Regierungen oder warum treffen High-Tech-Konzerne anscheinend autonom über Ländergrenzen hinaus Entscheidungen, die über das Schicksal der Welt entscheiden?",

"Wie tief unter der Erde liegt die Hohlerde eigentlich? Alexander Skarsgård ist in kürzester Zeit wieder an der Oberfläche. Wie kann es sein, dass noch niemand vorher darauf gestoßen ist?",

"Wieso werden beim Eintritt in die Hohlerde keinerlei Sicherheitsvorkehrungen für Kong getroffen? Der arme Affe befindet sich mehrere Kilometer im freien Fall und schlägt ziemlich hart auf dem Boden auf.",

"Wie findet Kyle Chandler seine Tochter zufällig in Hong Kong? Sind die Beiden auch Brieftauben?"

oder

"Wieso steht Lance Reddick im Vorspann? Er sagt nur eine Zeile."

Urlaub fürs Gehirn

Nach einer Weile trübte dieses Klammern an konventionelle Denkmuster wirklich das Sehvergnügen, was zu folgender Schlussfolgerung führt: "Godzilla Vs. Kong" ist ein Film wie eine Flasche hochprozentiger Schnaps. Für das Gehirn nicht zu empfehlen. Aber die Entscheidung, sich ihn reinzuziehen, wird auch nicht auf Empfehlung getroffen, sondern aus dem Bauch heraus. Und wie eine Flasche Schnaps kann auch "Godzilla Vs. Kong" in der richtigen Gesellschaft eine Heidengaudi sein. Wer schon vorher schlecht drauf ist oder ein nachdenkliches Gemüt hat, wird von der offensichtlichen Verachtung des Films für jedwede zerebrale Regung wahrscheinlich genervt sein und nur noch tiefer ins Unglück gestürzt. Doch wer fest daran glaubt, damit den Spaß seines Lebens zu haben, kann diesen Effekt auch erreichen. Am Ende werden manche feiern und andere kotzen. Und wer zur zweiten Gruppe gehört, muss sich die Frage gefallen lassen, wieso man dachte, es sei von vornherein eine gute Idee, einen Film mit dem Titel "Godzilla Vs. Kong" zu sehen. Hier ist drin was drauf steht.

Das Kernstück des Films sind die beiden Action-Sequenzen, in denen die Titanen aufeinandertreffen. Eine Schlacht auf mehreren Militärkampfschiffen und der finale Showdown in Hong Kong. Diese geizen nicht mit Schauwerten und die Soundkulisse ist im Kino wirklich eine Wucht. Die Bewegungen der Monster sind geschmeidig und nachvollziehbar und es wurde offensichtlich viel Wert darauf gelegt, jedem Kontrahenten einen eigenen Kampfstil zu geben. Zwar fehlt den Schlägen und Ausweichmanövern etwas das Gewicht, von den wirkungslosen und unübersichtlichen Schlachten aus "Transformers" oder "Pacific Rim 2: Uprising" ist "Godzilla Vs. Kong" aber weit entfernt.
Filmkritik zu Godzilla vs. Kong: Endlich wieder großes Kino? (1) Quelle: Warner Bros / Legendary Pictures Filmkritik zu Godzilla vs. Kong: Endlich wieder großes Kino? (1)
Was vor allem im Vergleich mit den voranstehenden Filmen auffällt, ist, dass sich die Technik, die die Menschen anwenden, seit "Godzilla" (2014) extrem weiterentwickelt hat. Reisen zum Inneren der Erde oder eine bestimmte Superwaffe, die Apex am Ende in den Kampf schickt, wären in Gareth Edwards' Film komplett fehl am Platz gewesen. Ein glaubwürdiges Universum zu erschaffen, stand hier aber auch nicht auf der Agenda. Was sich auch an der Inszenierung der Action zeigt: Statt die Zerstörung der Städte realitätsnah und furchteinflößend darzustellen, behandelt Wingard die Umgebung lediglich als Kulisse für die große Keilerei im Mittelpunkt. Wenn hier ein Hochhaus nach dem anderen umfällt, sollen wir uns nicht fragen, wie viele Menschenleben gerade ausgelöscht wurden, nur weil King Kong dem Feuerstrahl von Godzilla in letzter Sekunde ausweichen konnte. Wir sollen klatschen.

Zurück im Kino

Für mich war "Godzilla Vs. Kong" der erste Film, den ich seit über einem halben Jahr Abstinenz wieder im Kino gesehen habe. Und auch, wenn es sich um einen wirklich dummen, dummen, dummen, dummen Film handelt und ich noch nicht einmal sagen kann, dass er mir besonders gut gefallen hat, finde ich das irgendwie passend. Diese Monster existieren im Kino bereits seit 1933 bzw. 1954 und haben bereits zahlreiche Neuinterpretationen, Fortsetzungen und Remakes hinter sich. Manche ihrer Filme sind Meilensteine, andere Kultfilme, wieder andere vergessen oder gar geächtet. Und sie sind immer noch da und haben ihren festen Platz auf der Leinwand.

Natürlich wäre es deshalb umso schöner, wenn "Godzilla Vs. Kong" ein sofortiger Klassiker geworden wäre. Ein monumentaler Eintrag in das Kaiju-Genre. Pure Kinomagie. Aber das ist er nicht. Und das ist OK. Manchmal reicht auch ein mittelmäßiger Film vollkommen aus, um uns daran zu erinnern, was wir vermisst haben.

Auf, dass noch viele weitere folgen mögen.
Filmkritik zu Godzilla vs. Kong: Endlich wieder großes Kino? (4) Quelle: Warner Bros / Legendary Pictures Filmkritik zu Godzilla vs. Kong: Endlich wieder großes Kino? (4)
In eigener Sache: "Godzilla Vs. Kong" wird auch in der nächsten Folge unseres Podcasts Heim Kino Teil der besprochenen Themen sein. Dort diskutieren Maci und Chris jeden zweiten Donnerstag über die bunte Welt der Filme und Serien. Hört rein und folgt uns gerne auf Facebook, Twitter und/oder Instagram.

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