In solchen Räumen können Sie speichern und Leon komplett heilen.
Mehr laufen als denken
Wie in letzter Zeit bei vermeintlichen Action-Adventures üblich, verdienen die Rätsel diesen Namen kaum, viel mehr als das Betreten von riesigen Schaltern im Boden, das Umlegen von Schaltern oder das Einsetzen von auffälligen Gegenständen in ebenso auffällige Vorrichtungen wird Ihnen kaum abverlangt. Clever wirken eigentlich nur die wenigen Momente, in denen Sie einen Gegner missbrauchen müssen, um zu einer sonst unerreichbaren Stelle zu kommen. Die größte Herausforderung liegt vielmehr oft darin, den Überblick über die teilweise etwas willkürlich anmutende Level-Architektur zu behalten und immer wieder beachtliche Wege zu Fuß zurückzulegen. Wenn man wiederholt per Schalter eine Tür öffnet, die dummerweise genau am anderen Ende des Levels steht, wird aus dem anfänglichen "Aha" schnell ein ernüchtertes "Nicht schon wieder", zumal Konami die ersten fünf Levels des Spiels "über Kreuz" durch Türen und Spezialschlüssel miteinander verbunden hat. Wer nichts Wichtiges verpassen will, muss folglich noch ein weiteres Mal durch längst bekannte Räume latschen. Während Sie sich in neuen Räumen oft erst gegen allerlei Gegner durchsetzen müssen, bevor Sie diese wieder verlassen dürfen, können Sie spätestens beim zweiten Besuch dieses Raumes problemlos an den darin befindlichen Gegnern vorbeispazieren. Dies ist zwar prinzipiell löblich, macht aber umso deutlicher, wie gestreckt das Leveldesign der PS2-Version ist: Praktisch jeder zweite Raum ist nur ein solcher Verbindungsgang, der in den nächsten "richtigen" Raum führt. Hat Konami es vielleicht durch diesen Trick geschafft, das Spiel praktisch ohne Ladezeiten ablaufen zu lassen? Wie auch immer, letztendlich entsteht dadurch jede Menge Leerlauf (im doppelten Sinne) für den Spieler. Die Kamera schwenkt und fährt bei all dem Gelatsche vollautomatisch durch die Szenerie, wirkt aber dabei nicht so störend wie bei Devil May Cry. Zwar können Sie den Blickwinkel auch hier nicht beeinflussen, doch bleiben Ihnen immerhin die dort nervenden, plötzlichen Perspektivenwechsel innerhalb eines Raumes erspart. Trotzdem ist die Ansicht oft nicht optimal, was gerade die ein-fachen Jump&Run-Passagen unnötig schwierig macht. Von denen gibt es insgesamt sowieso nur relativ wenige, denn hier steht ganz klar die Action im Vordergrund.
Nachts sind alle Fledermäuse grau
Technisch präsentiert sich Castlevania makellos, die Grafik bleibt stets superflüssig und auch die Steuerung ist zu jeder Zeit absolut präzise. Das sollte man aber auch erwarten, denn die Grafik ist zwar stimmungsvoll, davon abgesehen aber vornehmlich zweckmäßig. Die Musik erinnert natürlich an Symphony of the Night, stammt sie doch aus der Feder derselben Komponistin. Sie wirkt in ihrer Mischung aus symphonischen und düsteren Elementen mit modernen Elektronik-Sounds allerdings nicht ganz so genial wie beim Vorgänger. Doch wäre der auch schwer zu toppen gewesen! Wie generell das größte Problem von Castlevania darin liegt, der Erwartungshaltung der Fans angesichts des großen Namens gerecht zu werden. Für ihren ersten Versuch, die klassische Vampirhatz in die dritte Dimension zu verlagern, haben sich die Entwickler eigentlich ziemlich gut geschlagen.
