Castlevania: Lords of Shadow 2 im Test für PC, PS3 und Xbox 360: Offene Levels, Gegenwartssetting, Schleicheinlagen und kein Geringerer als Dracula in der Heldenrolle - für ihr letztes Castlevania-Projekt führt Mercury Steam viele Änderungen ein. Herausgekommen ist ein gutes Action-Adventure, das aber hinter dem ersten Teil zurückbleibt.
Offenes Leveldesign
Nicht nur optisch ändert sich viel, auch das Gameplay wurde kräftig überarbeitet: Anstelle einzelner Kapitel sind die Levels nun miteinander verknüpft und können frei erkundet werden. Da wir auch die Kamera endlich frei bewegen dürfen, erinnert das Spielgefühl dadurch mehr an Darksiders als an Gabriels letzten Castlevania-Trip. Hier merkt man deutlich, dass sich die Entwickler die Kritik am Vorgänger zu Herzen genommen haben! Das gilt auch für die häufigen Sprung- und Kletterpassagen: Zwar stößt man immer noch an zig unsichtbare Wände und der Pfad ist stets vorgegeben, doch dafür kann Gabriel nun viel unkomplizierter und schneller von einem Punkt zum nächsten hüpfen. Das bietet zwar kaum Herausforderung, sorgt aber für einen guten Spielfluss.
Quelle: PC Games
Mit seinen brennenden Fäusten kann Gabriel die feindliche Abwehrhaltung durchdringen und schwere Treffer anbringen. (PC)
Knackig-packende Gefechte
Das Kampfsystem wurde hingegen kaum verändert und das ist gut so. Ob gegen kleine Dämonen, riesige Kampfroboter oder in den stark inszenierten Bossgefechten: Gabriel teilt erneut mit einer mächtigen Peitsche aus, reiht seine Schläge zu Kombos aneinander, blockt im richtigen Moment ab oder weicht blitzschnell aus. Wer geschickt kämpft, der füllt dadurch eine Energieleiste auf – ist sie voll, werfen Gegner glühende Orbs ab, die man aufsaugen kann, um Gabriels Magievorräte aufzustocken. Damit kann er eine Zauberklinge oder brennende Fäuste im Kampf verwenden – sie ersetzen die Verzauberungen aus dem Vorgängerspiel: Prächtig animierte Schwerthiebe dienen der Heilung, mächtige Faustattacken lassen Rüstungen und Blockaden zerschellen.
Das sieht toll aus und macht durchweg Spaß, abgesehen von einem nervigen Detail: Besonders gegen Spielende nutzen die Gegner häufig Spezialattacken, die Gabriels Deckung durchdringen und seine Kombos unterbrechen – man verbringt dadurch etwas zu viel Zeit mit Ausweichen. Trotzdem sind die Kämpfe fairer als im Vorgängerspiel, was auch daran liegt, dass Gabriel nun das Blut seiner Feinde trinken kann, um sich zu heilen. Diese brutalen Finishing Moves laufen wie im Vorgänger als simple Quicktime-Events (QTE) ab, bei denen man im richtigen Moment eine Taste drücken muss. Netter Service: Wer solche Reaktionstests nicht mag, der darf sie einfach in den Optionen abschalten.
Quelle: PC Games
Unpassend: Mehrmals müssen wir Schleichpassagen absolvieren, teilweise sogar in Rattengestalt. (PC)
Schlechte Idee: Schleicheinlagen!
Der Rätselanteil wurde in Lords of Shadow 2 deutlich zurückgefahren. Stattdessen hat Mercury Steam eine überflüssige Neuerung eingebaut: Schleicheinlagen. Mehrmals muss sich der mächtige Dracula an Wachen vorbeistehlen oder sich in eine Ratte verwandeln, um so durch Luftschächte zu kriechen und Kabel durchzubeißen. Und wer das schon albern findet, der dürfte vor allem im letzten Spieldrittel verzweifeln: Hier muss man einen frustrierenden Schleichabschnitt absolvieren, in dem Gabriel von einem Monster durch einen Garten gejagt wird – sobald ihn der Feind erspäht, gibt Gabriel beim ersten Treffer den Löffel ab! Das ist nicht nur nervig, sondern auch völlig unpassend – denn nur Minuten später fordert der ohnehin unsterbliche Gabriel das Biest zum Kampf heraus und prügelt es windelweich. Egal ob man Schleichelemente also mag oder nicht, in diesem Spiel wirken sie deplatziert.
Quelle: PC Games
In den offenen Levels sind jede Menge Upgrades versteckt. Die meisten davon verbessern allerdings nur Gabriels Lebenspunkte und seinen Magievorrat. (PC)
Die Upgrades: Metroidvania light
Für besiegte Feinde erhält Gabriel wie gewohnt Erfahrungspunkte, mit denen er Kombo-Attacken für seine drei Hauptwaffen freischalten darf. Neu dabei: Wenn Gabriel bestimmte Angriffe häufig verwendet, kann er Peitsche, Schwert und Feuerfäuste zwei Mal aufwerten, um sie so stärker zu machen. Das ist zwar nicht innovativ, sorgt aber dafür, dass man nicht immer mit denselben Attacken austeilt.
Ähnlich wie in Darksiders sind in den Levels zudem jede Menge Upgrades verborgen, die Gabriels Fähigkeiten verbessern. Doch leider verschenken die Entwickler hier Potenzial: Die meisten Upgrades erweitern nur Gabriels Lebensbalken und seinen Magievorrat. Es gibt keine Zusatzwaffen, Rüstungen, Kostüme oder coole Sonderfähigkeiten zu entdecken. So richtig motivierend wird die Suche nach Secrets daher nie! Allerdings steigert sie die Spielzeit erheblich: Wer neben der Hauptquest auch die Augen nach Geheimnissen offen hält, der dürfte etwa 15 Stunden beschäftigt sein. Wer alles finden und aufleveln mag, der hat gute 20 Stunden vor sich, zumal nach dem Abspann die Möglichkeit besteht, die Welt weiter zu erkunden oder Kämpfe in einem Arena-Modus zu bestreiten. Man bekommt also genug Spielzeit für sein Geld!
