Call of Duty WW2: Zurück zu den Anfängen
Test
Wir waren zwei Wochen vor dem Release von CoD: WW2 auf einem Review-Event in London und haben dort den WK2-Ableger der renommierten Shooter-Reihe auf Herz und Nieren überprüft. In unserem Test sagen wir euch, wie gut uns die Kampagne, der Mehr- und der Zombie-Modus auf der PS4 gefallen haben. Update: Jetzt mit unserem Ersteindruck der PC-Version!
Mit Call of Duty: WW2 (jetzt kaufen ) hat Activision schon lange vor dem Erscheinen Abermillionen Fans der Shooter-Reihe glücklich gemacht - nämlich direkt nach der Ankündigung des diesjährigen Serienteils. Statt uns mit dem x-ten Zukunftsableger wieder einmal zu Gefechten mit Drohnen, Lasergewehren, Jetpacks und anderen Gadgets zu schicken, lautet das Motto des Publishers für das Jahr 2017 erfrischend simpel: Boots on the Ground! Das kam bei der Zielgruppe, wenn man nun den über eine Million Youtube-Likes Vertrauen schenkt, mehr als gut an. Was der englische Spruch aber, der grob übersetzt "Füße auf den Boden" heißt, für CoD: WW2 abseits des im Zweiten Weltkrieg angesiedelten Settings bedeutet, wollen wir euch in unserem Test verraten. Um das herauszufinden, waren wir auf einem Review-Event in London und konnten dort vor Ort die Kampagne in aller Ruhe durchspielen und uns mit anderen Redakteurskollegen aus aller Welt in die Multiplayer-Schlachten schmeißen und uns an den knackigen Rätseln des neuen Zombie-Modus unsere Zähne ausbeißen.
Update: Auf der zweiten Seite fassen wir unseren Ersteindruck der PC-Fassung zusammen.
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Call of Duty WW2 im Test: Neue Mechaniken müssen her!
Ihr merkt: Wie jedes Jahr hat Activision ein Rundum-sorglos-Paket für alle Shooter-Enthusiasten unter uns zusammengeschnürt. Für die Entwicklung von CoD: WW2 zeichnet Sledgehammer Games verantwortlich, ein Studio, das seit Modern Warfare 3 an der Reihe mitarbeitet und vor drei Jahren mit Call of Duty: Advanced Warfare einen mehr als ordentlichen Reihenableger erstmals in Eigenverantwortung abgeliefert hat. Auch über die Qualität von Call of Duty WW2 kann man ähnliches sagen. Auf den ersten Blick scheint der aktuelle Ableger auf die bekannten stärken der Serie zu setzen und uns so eine Hollywood-artige, auf die Sekunde genau getaktete Kampagne zu bieten und mit seinen kurzweiligen Mehrspielergefechten für den Spielspaß jenseits der üblichen sieben Stunden des Singleplayer-Modus' zu sorgen.
Quelle: PC Games
Wie in allen anderen CoD-Teilen kämpfen wir uns in der Kampagne des Öfteren von einer Schießbude zur nächsten.
Doch wie wir bereits in unserer ersten Vorschau zu CoD: WW2 erwähnt haben, hat sich der Entwickler viele Gedanken darüber gemacht, wie man nun am besten nach dem letztjährigen PR-Debakel um Infinite Warfare die typische CoD-Formel etwas abwandeln kann. Dafür reicht es nicht aus, lediglich auf ein Setting zu setzen, das die Serie vor gut zehn Jahren mehr als gut bedient hat, sondern ebenso muss auch die Spielmechanik zumindest ein wenig überarbeitet werden. Dass ein Tapetenwechsel alleine nicht genügt, hat unserer Meinung nach Infinite Warfare mit seinen Weltraumgefechten bewiesen - schließlich betrat das Spiel mit der Szenerie im All für die Serie Neuland und wurde trotzdem von vielen Spielern kritisiert. Doch im Falle von Call of Duty: WW2 ist es den Entwicklern unserer Meinung nach auch gelungen, endlich markante Gameplay-Veränderungen einzubauen - auch wenn das Spiel längst nicht das Rad neu erfindet. Viel mehr sorgt ein Griff in die Old-School-Kiste dafür, dass wir uns in altbekannten Missionstypen neuen Herausforderungen stellen müssen - dazu gleich mehr.
Lesetipp: Call of Duty WW2 - Alle Erinnerungen finden - Video-Guide mit Tipps
Call of Duty WW2 im Test: Band of Brothers trifft Platoon
Die Kampagne von Call of Duty: WW2 erleben wir - bis auf wenige eher kurze Rollenwechsel - in der Haut von Red Daniels. Der Gute hat bei der berühmt-berüchtigten 1st Infantry Division angeheuert, die man in den USA besser als "the Big Red One" kennt. Der Großverband ist unter anderem dafür berühmt, dass er als erste amerikanische Einheit im Ersten Weltkrieg mitmischte oder auch die erste Division war, die den Feind in Nordafrika sowie Sizilien im Zweiten Weltkrieg bekämpfte. Ebenso war die Big Red One später im Vietnamkrieg der erste Verband, der sich gegen Ho Chi Minhs Truppen stellen sollte. Doch trotz seiner Zugehörigkeit zur legendären Division wird uns in CoD: WW2 - wie man vielleicht denken könnte - nicht die klischeehafte amerikanische (Kriegs-)Heldengeschichte aufgetischt, sondern eher - wenn man von dem übertrieben hohen Bodycount und einigen spektakulären Verfolgungsjagden absieht - eine typische europäische "Tour of Duty" eines US-Soldaten im größten Konflikt der Weltgeschichte erzählt - ähnlich wie in der von Steven Spielberg und Tom Hanks produzierten TV-Serie Band of Brothers.
Quelle: PC Games
Die Kampagne führt uns von der Invasion über Paris bis nach Deutschland.
Das heißt, dass wir uns innerhalb der Kampagne von den Stränden der Normandie über Paris bis ins Nazi-Deutschland durchkämpfen und dabei unsere Kameraden immer mehr zu schätzen wissen. Während unser bester Freund, der Sanitäter Zussman, bereits während der technisch unglaublich gut umgesetzten Normandielandung, sprich der ersten Mission des Spiels, von großer Bedeutung ist, lernen wir mit der Zeit auch die anderen Jungs der Truppe für Serienverhältnisse überraschend gut kennen. So erfahren wir unter anderem, wer welche Ängste hat oder wer im Leben bisher was geleistet hat. Im späteren Spielverlauf dreht sich die Story ein wenig und versetzt ihren Fokus von der Band of Brothers-Versoftung auf einen Konflikt zwischen einem kriegserfahrenen, aber fiesen Sergeant und einem vielleicht etwas naiven Leutnant. Wer hier an Platoon denken muss, liegt nicht falsch - ganz im Gegenteil. Natürlich sollte man nicht erwarten, dass CoD: WW2 das Niveau von Oliver Stones Meisterwerk erreicht, doch wir waren insgesamt mit der leichten Antikriegsattitüde der Kampagne rundum zufrieden. Vor allem der Umstand, dass wir in gut geschriebenen Dialogen viele Details aus dem Alltagsleben der Kameraden erfahren und ebenso mitbekommen, wie sie sich in Extremsituation verhalten, ist Gold wert für die nötige mentale Bindung zu den KI-Begleitern.
Call of Duty WW2 im Test: Die alte Schule lässt grüßen
Diese noch stärkere Bindung zu unseren Kameraden wird durch eine neue Spielmechanik gestützt, durch die wir stets bei unseren Mitstreitern etwa um Erste-Hilfe-Pakete oder mehr Munition bitten müssen. Nun heißt es also, nachdem man ein paar Kugeln eingesteckt hat, dass der Sani der Truppe in der Nähe sein sollte, sonst ist ein Bildschirmtod so gut wie vorprogrammiert - ein Art Auto-Heilung wie in den Ablegern seit Modern Warfare 1 gibt es in CoD: WW2 nicht. Dadurch gewinnen die serientypischen Schießbuden, sprich Szenen in den immer wieder strunzdumme KI-Gegner auf uns zulaufen, bis wir eine bestimmte Stelle erreicht haben, mehr Tiefe. Schließlich hilft es nicht mehr, hinter einer Deckung so lange zu warten, bis man wieder die volle Lebensenergie erreicht hat, um dann im nächsten Anlauf auch den letzten Fiesling zu erwischen. Stattdessen gilt es nun, sichere Wege zu den Kameraden zu suchen, damit man mit ausreichend Munition versorgt ist und die Wunden geheilt werden. Wer sich aber für den einfachsten Schwierigkeitsgrad entscheidet, könnte von der unserer Meinung nach starken Gameplay-Neuerung wenig mitbekommen - vor allem, weil man dank eingeschaltetem Auto-Aim, den noch dümmeren KI-Gegnern und der überaus hohen Lebensenergie selten Probleme bekommt.
Quelle: PC Games
Automatisches Heilen oder ähnliches gibt es in CoD: WW2 nicht. Stattdessen müssen wir uns an unsere Kameraden wenden.
Neben der grundlegenden Gameplay-Überarbeitung bietet die etwa sieben Stunden lange Kampagne in unseren Augen auch viel Abwechslung. Nicht nur, dass wir uns hin und wieder an den Feinden vorbeischleichen oder hinter das Steuer eines Panzers, Fliegers oder Jeeps setzen müssen, ebenso gab es unserer Meinung nach eine für die langjährige Serie wirklich besondere Mission. Der Auftrag führt uns nach Paris, wo wir in der Rolle einer französischen Agentin das deutsche Hauptquartier infiltrieren müssen. Statt wie sonst mit Waffengewalt den Auftrag zu lösen, müssen wir uns hier wichtige Fakten eines gefälschten Dienstausweises merken, damit wir an den vielen Wehrmachtssoldaten vorbei kommen. Denn sobald ein Wachposten uns im Wege steht, müssen wir uns ihren Fragen stellen und so etwa beantworten, aus welcher Stadt wir stammen oder wer unsere Ansprechperson im Gebäude ist. Selten war eine Mission trotz der fehlenden Waffen so spannend, wie jene im deutschen Hauptquartier!
Eine andere Mission führt uns hingegen in das zerstörte Aachen, wo wir Zivilisten vor den Kriegsgräueln schützen müssen. Insbesondere eine Szene, in der wir ein kleines Mädchen aus einem Kellerraum unbemerkt an deutschen Soldaten vorbei bringen müssen, ist uns stark in Erinnerung geblieben. Auch wenn wir uns anfangs über ihre Dummheit aufgeregt haben (muss sie denn ausgerechnet in einem von deutschen besetzten Gebäude nach ihrem Teddy suchen?!), eröffnete die kurze Passage eine für die CoD-Reihe ungewöhnlich harte Perspektive dazu, welche schrecklichen Konsequenzen der Krieg auf die Schicksale so vieler unschuldiger Menschen hat.
Call of Duty WW2: Grandiose Kampagne
Quelle: PC Games
In Aachen gilt es Zivilisten zu schützen. Dafür müssen wir ein Kind unbemerkt an Wehrmachstsoldaten vorbei bringen.
Da die Einzelspieler-Kampagne auch technisch sehr gut umgesetzt ist und die insgesamt zehn Missionen immer wieder unterschiedliche Dinge von uns abverlangen, zählen wir CoD: WW2 zu den bisher besten Einzelspieler-Erlebnissen der Reihe. Und auch wenn man der Grafik-Engine stellenweise anmerkt, dass sie nun aber wirklich in die Jahre gekommen ist, sorgt ein gelungener Einsatz von kontrastreichen Kulissen, zahlreichen Soldaten auf den Bildschirm und starken Licht-Schatten-Effekten dafür, dass man sich ein ums andere Mal wie in einem Hollwood-Film a là Der Soldat James Ryan vorkommt. Dazu waren wir von der Tonkulisse begeistert. Dank der authentisch klingenden Waffen-Sounds und der professionellen deutschen Vertonung kommt viel Atmosphäre auf. Ein wenig störend könnte für den einen oder anderen sein, dass in der englischen Version die Wehrmachtssoldaten nicht von deutschen Sprechern vertont wurden, sondern englische Darsteller die Rollen übernehmen. Da dies im Ausland kaum jemandem auffallen dürfte und zudem die deutsche Fassung vollkommen in Ordnung geht, würden wir das akzentreiche Deutsch der englischen Version nicht wirklich als einen dicken Minuspunkt ansehen. Kurzum: Wer in den vergangenen Jahren ein Call of Duty primär wegen der Singleplayer-Kampagne gekauft hat, wird dieses Jahr sicherlich nicht enttäuscht.
