Die ersten Multiplayer-Runden in Modern Warfare 4 fühlten sich überraschend vertraut an. Doch zwischen Nostalgie und moderner Live-Service-Realität liegt ein schmaler Grat, der über Erfolg oder Frust entscheiden könnte.
Mit dem Multiplayer von Call of Duty: Modern Warfare 4 habe ich eine kleine Zeitreise erlebt. Beim Preview-Event habe ich mich wieder gefühlt wie mit frischen 15 18 Jahren: Ich saß vor dem Bildschirm, ausgestattet mit Dosen voller Monster Energy und ohne ablenkendes Smartphone. Das Gefühl kam aber vor allem auf, weil sich der Multiplayer so gespielt hat wie seit Jahren nicht mehr. Das lag aber in erster Linie gar nicht am Gameplay oder dem Movement an sich. Viel eher ist etwas passiert, das ich in den letzten Teilen sehr vermisst habe.
Ich hab keinen Bock auf Patches
Früher war ich der klassische PlayStation-Spieler, der jedes Jahr FIFA und Call of Duty gekauft hat. Heute bin ich davon weitgehend weg. Nicht nur, weil die Spiele schlechter geworden sind, sondern weil mich die Entwicklung vieler Online-Titel nervt.
Ständig kommen neue Seasons, Waffen und Balance-Patches. Kaum habe ich mich an ein Setup gewöhnt, wird nach dem nächsten Nerf wieder alles über den Haufen geworfen. Für Hardcore-Spieler mag das spannend sein. Für mich, der abends einfach ein paar entspannte Runden spielen möchte, ist es eher anstrengend.
Quelle: Activision
Bisher weckt Modern Warfare 4 viele Erinnerungen an die Vorgänger.
Wenn ich nach ein paar Wochen Pause zurückkomme, muss ich erst herausfinden, welche Waffen aktuell funktionieren und welche Builds gerade Meta sind. Statt direkt zu spielen, beschäftige ich mich erst einmal mit Patch Notes und Loadouts. Genau dieses Gefühl hat mich in den letzten Jahren immer mehr von Call of Duty entfernt.
Alles auf Anfang
Was macht Modern Warfare 4 jetzt also anders? Ehrlich gesagt: gar nicht so viel. Und genau das ist der Punkt. Ich konnte einen Build spielen, der noch recht jungfräulich war. Keine Meta-Listen, kein Brockhaus an Waffen-Builds, einfach nur das Line-up, das von Anfang an da ist. Besonders MW2, MW3, BO2 und BO3 haben mir damals viel Spaß gemacht, weil ich immer ein Ziel vor den Augen hatte. Ich habe mich in die Schlachten gestürzt, um neue Visitenkarten oder Waffentarnungen freizuschalten. Jede hatte dabei eine Aufgabe, die man erfüllen musste, und am Ende gab es den Lohn in Form einer goldenen Waffe. Ist die abgearbeitet, geht es zur nächsten. Und selbst wenn ich alle Waffen auf Gold hatte (was nie passiert ist), habe ich mir einfach eine andere Herausforderung gesucht. Es gab im Grunde immer genug zu tun.
Klar, die Lobbys waren auch vollgepackt mit irgendwelchen Pfeifen, die der Meinung waren, mit der ACR in der Ecke zu hocken oder mit der MP7 komplett durchzudrehen, aber das gehörte irgendwie dazu. Das Matchmaking hat es seinerzeit möglich gemacht. Umso belohnender war das Gefühl, wenn man die nächste Waffe fertig hatte.
In unserer MW4-Multiplayer-Session hat sich das Spiel noch sehr frisch angefühlt. Nach den ersten paar Runden haben sich alle eingespielt. Jeder hat verstanden, welche Waffen für unterschiedliche Situationen am besten geeignet sind. Und dann ging eben die Suche nach der perfekten Konterstrategie los. Statt genervt von einem Gegenspieler zu sein, war der Ehrgeiz geweckt, ihm hinterherzujagen und ihn zu erwischen. Jeder hatte nun mal die gleichen Voraussetzungen.
Quelle: Activision
Die neuen Maps bilden eine gute Mischung aus alten und modernen Maps.
Ich habe Angst vor dem Launch
Das Gefühl von damals wird nicht mehr zurückkommen. Die damaligen Spiele waren natürlich auch nicht perfekt und ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nur spaßige Sessions hatte. Aber ich weiß nicht, ob es so viel Tamtam wie in den letzten Jahren braucht. Ich bin in erster Linie schon mal froh, dass Modern Warfare 4 wieder auf eine geringere Time-to-Kill setzt. Das Spiel ist auch grundsätzlich wieder etwas langsamer als Black Ops 7, aber schneller als MW2. Dazu ist auch noch das Omnimovement raus und dafür ein höherer Rückstoß drin. Das sind auf dem Papier ein paar vielversprechende Neuerungen - vorausgesetzt, da wird nach Release nicht wieder daran gerüttelt.
Ich bleibe weiter vorsichtig optimistisch. Wenn die Beta erscheint, werde ich mich jede freie Minute in das Spiel stürzen und ich werde auch sicherlich wieder ein paar Tage an der Nadel hängen, wenn das Spiel am 23. Oktober erscheint. Die Multiplayer der Modern-Warfare-Reihe treffen bei mir eher den Nerv als die Black-Ops-Reihe. Trotzdem sehe ich die Gefahr, dass ich als Casual-Spieler recht schnell wieder raus bin und mich anderen Titeln wie Valorant oder Counter-Strike widme. Das ist aber noch mal eine ganz andere Geschichte.
