Black Ops 2 im Test: Das hat uns gefallen

Test Peter Bathge
Die PC-Version von Black Ops 2 im Test: Selbst im Gefecht kommt die Optik oft seltsam blass daher. Beim Ballern fällt das aber nur selten bewusst auf. (Das Bild zeigt die PC-Version). (3)
Quelle: PC Games

Nach dem Call of Duty: Black Ops 2-Test für PlayStation 3 und Xbox 360 war eine Sache klar: Die erfolgreichste Shooter-Serie aller Zeiten benötigt dringend neue Ideen! Treyarch hat einige, setzt sie aber nicht konsequent um und muss sich zusätzlich mit altbekannten technischen und spielerischen Defiziten des simplen Ballerprinzips herumschlagen. Unser Einzel- und Multiplayer- Test der PC-Fassung und der Konsolenversionen von Black Ops 2 verrät alle Details.

Das hat uns an Black Ops 2 gefallen

Black Ops 2 im Test: Viele PC-Einstellungsmöglichkeiten

Neben einer komplett anpassbaren Tastenbelegung bietet die PC-Version auch die Option, das Sichtfeld (Field of View) anzupassen (von 65 bis 80 Grad). Außerdem unterstützt sie mehrere Monitore und ein PC-exklusives Feature: Mit den Tasten Q und E lehnt sich der Charakter nach links oder rechts, um etwa hinter einer Deckung hervorzulugen. Besonders im ultraschweren Veteran-Modus eine nützliche Neuerung.

Black Ops 2 im Test: Teilweise großartige Inszenierung

Keine Überraschung: In Call of Duty geht es darum, virtuelle Soldaten im Sekundentakt unter die Erde zu befördern. Wie für die Serie typisch, lockert Black Ops 2 dieses grundsätzlich eintönige Spielprinzip mit reichlich (oft nur optischer) Abwechslung auf. Selten übt ihr länger als fünf Minuten die gleiche Tätigkeit aus und regelmäßig kommt es zu beeindruckenden, aber strengt geskripteten Szenen.

In der überfluteten Stadt Lahore in Pakistan kämpft ihr euch etwa durch hüfthohe Fluten, weicht in einer spannenden Schleicheinlage automatischen Suchdrohnen aus, belauscht Bösewicht Menendez und flüchtet in einer furios inszenierten Verfolgungsjagd zwischen mehreren Jeeps und bewaffneten Hubschraubern. Dann wieder mischt ihr euch auf der schwimmenden Luxusstadt Colossus erst unter die Zivilisten, bevor es zur Zeitlupen-Schießerei in der mit Dubstep-Musik beschallten Disco kommt. Und dann ist da noch die Luftlandeoperation über Haiti, bei der hunderte Soldaten aus dutzenden Osprey-Kipprotorflugzeugen abspringen und ihr minutenlang im Felix-Baumgartner-Stil durch gegnerisches Flakfeuer in Richtung Boden saust. Irre!

Black Ops 2 im Test: Cooles Zukunftsszenario

Ginge es nach uns, hätten wir gerne die komplette Spielzeit im futuristischen Teil des Spiels anno 2025 verbracht. Denn die dargestellte Zukunft bleibt stets (für Call of Duty-Verhältnisse!) glaubwürdig: Kämpfe gegen aufrecht gehende Roboter und Außerirdische bleiben aus, intelligente Drohnen und optische Camouflage gibt es aber. Gut so, denn Schusswechsel mit Maschinenpistolen, Sturmgewehren oder Schrotflinten kennen wir schon zu Genüge aus anderen Vertretern der Reihe. Moderne Scanner-Visiere oder die Steuerung behäbiger CLAW-Angriffsdrohnen sorgen für willkommene Abwechslung. Viele der im Spielverlauf gezeigten Technologien haben ihren Ursprung in der Gegenwart, schon heute forscht das Militär an Tarnmantel, Flügelanzug oder selbsthaftenden Kletterhandschuhen. In Black Ops 2 probiert ihr dieses High-Tech-Spielzeug erstmals aus: ein großer Spaß!

Black Ops 2 im Test: Spannende Handlung mit überwiegend starken Charakteren

Black Ops 2 im Konsolen-Test: In Afghanistan zieht ihr hoch zu Ross etliche Panzer und Hubschrauber aus dem Verkehr. Quelle: Computec Black Ops 2 im Konsolen-Test: In Afghanistan zieht ihr hoch zu Ross etliche Panzer und Hubschrauber aus dem Verkehr. Menendez ist der glaubwürdigste Bösewicht der gesamten Call of Duty-Geschichte, was aber auch an den schwachen Fieslingen der Vergangenheit liegt. Für seine Entwicklung nimmt sich Treyarch viel Zeit, was in einem ebenso mysteriösen wie fanatischem Bösewicht resultiert. Nur sein Motiv ist für unseren Geschmack arg simpel gestrickt. Ihm gegenüber steht mit Woods ein weniger charismatischer, aber trotzdem sehr greifbarer Charakter. Die Geschichte verläuft wendungsreich, unvorhersehbar und oftmals auch unlogisch (siehe unsere Auflistung der Schwächen), gehört aber dennoch zu den Stärken von Black Ops 2. Besonders die Inszenierung ist gelungen: Die Zwischensequenzen kombinieren die chaotische Erzählweise des Vorgängers inklusive historischer Filmschnipsel mit guten, klassischen Szenen, in denen die Figuren miteinander interagieren und der Spieler wie an einem Filmset zuschaut. Dabei bekommt der Spieler endlich auch mal den Protagonisten zu sehen und zu hören - das schafft eine viel größere Bindung zu ihm als in früheren Call of Duty-Spielen.

Black Ops 2 im Test: Dezent offeneres Leveldesign

Ja, auch in Black Ops 2 ist der Weg zum Missionsziel stets vorgegeben. Aber Treyarch distanziert sich behutsam vom Schlauch-Shooter-Standard vergangener Teile: Einige Levels bieten tatsächlich alternative Routen! Wer diesen folgt, stößt auf versteckte Waffen oder gelangt auf einen Balkon, wo er einen Geschütztürm steuern kann, der ihm beim Weg unten über den Hof aufs Korn genommen hätte. In Afghanistan schickt euch das Spiel sogar auf dem Rücken eines Pferdes in ein weitläufiges Areal mit mehreren separaten Canyons. Ein anderes Mal erlaubt euch Black Ops 2 die Wahl, ob ihr in den Häusern links oder rechts einer umkämpften Straße vorrückt. Dann wieder steht ein Aufzug zu einer hoch gelegenen Tempelanlage als Alternative bereit für jene, die den Weg über die Treppen scheuen. Auch geradlinige Abschnitte führen öfter als in den Vorgängern durch breite Passagen, die dem Spieler zumindest die Illusion von Bewegungsfreiheit vermitteln. Für weitere Entscheidungsfreiheit beim Spieler sorgt die Möglichkeit, seine Ausrüstung vor Einsatzstart zu bestimmen. Ähnlich wie im Mehrspielermodus wählt ihr Primär- und Sekundärwaffe samt Aufsätzen, steckt beliebige Granaten ein und entscheidet euch sogar für eine passive Fähigkeit (Perk). Mit abgeschlossenen Herausforderungen in den Solo-Levels schaltet ihr weitere Skills und Ausrüstungsgegenstände frei. Wer will, vergleicht zudem seine im Level erzielte Punktzahl mit Freunden über Xbox Live oder PSN. Klar, das sind alles nur Babyschritte in Richtung eines offeneren Spielablaufs, erst recht im Vergleich zum Klassenprimus Crysis. Dennoch ist die minimal größere Freiheit dem Leveldesign des extrem schlauchigen Medal of Honor: Warfighter sowie anderen Call of Duty-Spielen klar überlegen!

Black Ops 2 im Test: Interessantes Strike-Force-Konzept

Black Ops 2 im Konsolen-Test: Der Engine gelingt es, etliche Figuren flüssig mit 60 fps darzustellen - auf Kosten der Umgebungsdetails. Quelle: Computec Black Ops 2 im Konsolen-Test: Der Engine gelingt es, etliche Figuren flüssig mit 60 fps darzustellen - auf Kosten der Umgebungsdetails. Mit Strike Force versucht Treyarch, Echtzeit-Strategie und Ego-Shooter zusammenzuführen, gewürzt mit einer Prise Tower Defense. In fünf optionalen Missionen, die während der Kampagne in eurem Einsatzauswahlfenster auftauchen, übernehmt ihr die Rolle eines Generals, der Truppen an Brennpunkte wie Indien oder Russland schickt. Ähnlich wie im PC-Oldie Battlezone wechselt ihr dabei zwischen einer übersichtlichen Vogelperspektive und der Ego-Ansicht von zu steuernden Soldaten, Drohnen und Geschütztürmen.
Mit bis zu vier Einheitentrupps gleichzeitig gilt es, bis zu drei Ziele zu verteidigen, diese einzunehmen oder einen Konvoi zu beschützen. Dafür habt ihr jeweils maximal zehn Minuten Zeit. Feinde rücken in Schüben an. Mit dem Gamepad geht die Vergabe von Bewegungsbefehlen nach kurzer Eingewöhnung gut von der Hand. Geht eine eurer Einheiten verloren, kommt Nachschub. Der ist aber begrenzt. Fies und zugleich spannend: Wer scheitert und die Mission noch einmal startet, bekommt weniger Reservetruppen zur Verfügung gestellt! Die Strike-Force-Kampagne erzählt einen eigenen Subplot: Wenn ihr alle Aufträge erfolgreich abschließt, stabilisiert ihr das Verhältnis zwischen den USA und China. Dadurch ändern sich in der Folge einige Dialoge und Zwischensequenzen, spielerische Auswirkungen haben wir abgesehen von der zusätzlichen Spielzeit aber keine bemerkt. Warum Strike Force außerdem nicht den gewünschten frischen Wind in die Call of Duty-Serie bringt, erklären wir euch auf der nächsten Seite unter "Inkonsequent umgesetzte Neuerungen".

Black Ops 2 im Test: Spielerentscheidungen haben Konsequenzen

Black Ops 2 im Konsolen-Test: Häufige Skriptsequenzen sorgen für Spannung, schmälern aber den Wiederspielwert. Quelle: Computec Black Ops 2 im Konsolen-Test: Häufige Skriptsequenzen sorgen für Spannung, schmälern aber den Wiederspielwert. Die Kampagne besitzt eine Reihe von Stellen, an denen sich der Weg gabelt. Einmal steht ihr vor der Wahl, einen gefangenen Fiesling abzuknallen oder zu verhören, um wertvolle Informationen über Menendez' Organisation in Erfahrung zu bringen. Ein anderes Mal gilt es, rechtzeitig eine Informantin zu befreien und ihren Entführer zu stellen, bevor der sich absetzt. Die falsche Entscheidung oder ein Versagen hat drastische Folgen: Wichtige Charaktere sterben, Zwischensequenzen verlaufen unterschiedlich und die Handlung nimmt einen anderen Ausgang. Im Ansatz spannend, allerdings geht es letzten Endes nur darum, alles richtig zu machen, um das optimale Happy End zu erreichen. Zudem bleiben viele Auswirkungen minmal, einige Handlungsstränge werden bei allen verfügbaren Varianten nur unbefriedigend oder gar nicht aufgelöst. Eine Rückspulfunktion im Menü erlaubt euch, verhängnisvolle Taten rückgängig zu machen.

Black Ops 2 im Test: Feiner Sound

Einer besonderen Erwähnung bedarf der Soundtrack. Immer wieder ertappten wir uns beim Test dabei, wie die mitreißende Musikuntermalung uns auch dann noch antrieb, wenn durchschaubare KI-Routinen und gleichförmiges Gameplay an unseren Nerven zerrten. Die wummernden Klänge gehen direkt ins Blut über und treiben den Adrenalinspiegel nach oben. Die Geräusche der Schießprügel sind in Ordnung und hören sich für unser ungeübtes Ohr halbwegs glaubwürdig an. Viele der futuristischen Knarren haben allerdings wenig akustische Durchschlagskraft. Durchweg klasse sind dagegen die englischen Sprecher. Einige davon hatten bereits in Black Ops einen Auftritt. Die deutsche Übersetzung ist gelungen und fängt gut die für Call of Duty-Verhältnisse ungewohnt deutlichen Emotionen der Charaktere ein. Lediglich der Protagonist klingt eher wie ein Roboter - das passt zum mechanischen Spielverlauf.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Black Ops 2 im Test: Die Infos
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  3. Seite 3 Black Ops 2 im Test: Das hat uns nicht gefallen
  4. Seite 4 Black Ops 2 im Konsolen-Test: Multiplayer-Test und Wertung
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