Binary Domain im Test für PS3 und Xbox 360: Standard-Shooter mit sehr kluger Sci-Fi-Handlung

Test Thorsten Küchler

In unserem Test von Binary Domain für PS3 und Xbox 360 stellten wir fest: Der Shooter über die Zukunft schaut aus wie von gestern - macht aber trotzdem Laune. Binary Domain punktet vor allem mit einer erstaunlich sozialkritischen Story.

Binary Domain im Test - "Schreib los", "Mach Screenshots", "Bück dich": Mit Sprachbefehlen kennen sich die Videogameszone-Mitarbeiter prima aus. Wie passend also, dass Segas neuer PS3-Shooter ebenfalls verbale Kommandos versteht: Denn mittels eines USB-Mikrofons dürft ihr eure virtuellen Teamkollegen in Binary Domain mündlich durch die Gegend scheuchen. Eine weitere Parallele zu unserer Redaktion: Auch im Spiel wird nicht jede Anweisung ohne Murren ausgeführt. Die Entwickler haben eine recht pfiffige moralische Komponente eingebaut: Eure KI-Kollegen verfügen über eine Art virtuelles Gewissen und merken sich, wie ihr mit ihnen umgeht.

Schickt ihr sie beispielsweise sinnlos Richtung Bossgegner, so wirkt sich das negativ auf das Vertrauensmeter aus. Außerdem kommt es immer wieder zu Dialogen mit den geschwätzigen CPU-Helfern: Mal will einer wissen, ob ihr Bock auf eine Sauftour habt, mal schüttet euch jemand sein Herz aus. Dummerweise wirken die vom Spiel vorgegebenen Antwortoptionen arg plump: "Ja", "Nein", "Leck mich am A..." - subtil sieht anders aus. Dennoch bringt die Gruppendynamik als Spielelement frischen Wind in die ansonsten recht überraschungslose Shooter-Action.

Grandios gemacht: Die Robo-Schurken zersplittern in ihre Einzelteile und verlieren Gliedmaßen, wenn ihr sie erwischt. Quelle: Videogameszone.de Grandios gemacht: Die Robo-Schurken zersplittern in ihre Einzelteile und verlieren Gliedmaßen, wenn ihr sie erwischt. Wir sind die Ro-bo-ter!
Im Jahr 2080 ist ein Großteil der Erde überschwemmt - herzliche Grüße an den Treibhauseffekt! Um die nötig gewordenen Umbaumaßnahmen an sämtlichen Großstädten vorzunehmen, erschafft die Menschheit Millionen von Arbeitsrobotern - und die drehen irgendwann durch. Lasst euch von der seelenlosen Grundidee nicht täuschen: Binary Domain erzählt eine ebenso erwachsene wie tiefgründige Story. Unter anderem geht es um die Frage, wo künstliche Intelligenz aufhört und menschliches Leben beginnt. Die holzschnittartigen Charaktere passen da nicht so recht ins seriöse Bild. Held Dan und seine Kollegen bilden die typische internationale Eingreiftruppe: Einer muskulös und tumb, eine filigran und mundfaul, einer mysteriös und skrupellos - das haben wir schon gefühlte 1.000 Mal gesehen.

Der goldene Schuss
Auch spielerisch erwarten euch wenige Überraschungen: Ihr lenkt euren Recken aus der Verfolgerperspektive durch lineare Levels, geht bei Bedarf in Deckung und ballert auf alles, was zwei oder mehr Metallbeine hat. Dem Szenario entsprechend sind alle Widersacher Roboter - was sowohl eine USK-Freigabe ab 16 Jahren als auch eine der größten Stärken des Spiels zur Folge hat. Denn die Techno-Halunken fliegen bei Beschuss nach und nach auseinander. Das sieht nicht nur schick aus, sondern ist auch spielerisch relevant: Ihr erkennt immer sofort, ob und wo ihr Schaden anrichtet. Wer taktisch vorgeht, wird zusätzlich belohnt: Ballert ihr einem der Cyborgs etwa seine Rübe vom Rumpf, so kann er logischerweise nichts mehr sehen - und schießt versehentlich auf seine eigenen Artgenossen.

Die Elite unter den Eisenwaren: Sämtliche Bossgegner sind nicht nur gigantisch groß, sondern auch knifflig zu besiegen. Quelle: Videogameszone.de Die Elite unter den Eisenwaren: Sämtliche Bossgegner sind nicht nur gigantisch groß, sondern auch knifflig zu besiegen. Jedes zerstörte Roboter-Einzelteil erhöht zudem euren virtuellen Kontostand. Im Shop könnt ihr die erballerten Moneten dann gegen frische Munition, Heilpakete und Nanomaschinen eintauschen. Letztere werden wiederum in begrenzt verfügbare Slots eingesetzt und möbeln die Widerstandskraft eurer Helden auf. Abseits vom Dauergeknalle mühen sich die Entwickler redlich, für spielerische Auflockerung zu sorgen. So düst ihr mit einem Jetski durch Abwässerkanäle, rutscht riesige Rampen hinunter und erforscht einen Rotlichtbezirk. Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Binary Domain auf Dauer zu wenige Überraschungen bietet. Denn das Spiel selbst nimmt keine Sprachbefehle an - da können wir noch so lange "Werd' zum Hit" brüllen!

Bildergalerie

Wertung zu Binary Domain (X360)

Wertung:

78 /10
Pro & Contra
Großartiges Treffer-FeedbackErstaunlich sozialkritische StoryRecht innovatives Moral-System
Auf Dauer wenig AbwechslungExtrem klischeehafte CharaktereTechnisch altbacken inszeniert
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