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Test
29.10.2004 11:56 Uhr

Second Sight

Geistige Größe zeigt sich in diesem Spiel als tödliche Waffe.

Hersteller:
Termin: Spieler:
Testurteil:
80
 
Steuerung
80
Grafik
73
Sound
80
Multiplayer
-
29.10.2004 11:56 Uhr - Die Vorstellung, Dinge durch pure Konzen-tra-tion und die bloße Kraft des Geistes zu bewegen oder durch eine scheinbar harmlose Handbewegung eine tödliche Feuerwand entstehen zu lassen, hat schon seit jeher die Fanta--sie der Menschen angeregt. Im Videospielbereich eröffnen Kräfte wie Telekinese, Pyrokinese oder Astral-Projektion ebenfalls einen großen Pool an neuen Ideen, um das übliche Gameplay für den Spieler interessanter zu gestalten. Für Free Radical Design war die Idee, einen Actiontitel zu erstellen, in dem exzessiver Gebrauch von übermenschlichen Fähigkeiten gemacht wird, ebenfalls sehr reizvoll - und so entstand Second Sight.

Einleitung Marke Hollywood
Unglaublich helle Lichter ziehen durch euer Blickfeld und verursachen einen stechenden Schmerz in den Augen. Ganz verschwommen nehmt ihr euer Umfeld wahr und Personen, deren Stimmen weit weg erscheinen, unterhalten sich über Dinge, die ein mulmiges Gefühl in eurer Magengrube verursachen. Ein vermummter Arzt nähert sich euch mit einer Spritze und plötzlich wird es wieder Nacht. Als ihr die Augen wieder öffnet, offenbart sich das erschreckende Ausmaß eurer Situation. Ihr befindet euch in einem kalten, sterilen Raum, der einer Quarantänestation ähnelt. Und das Schlimmste dabei ist, dass ihr euch an rein gar nichts erinnern könnt. Wie heiße ich überhaupt, was mache ich hier, wie bin ich hierher gekommen? Auf all diese Fragen hat der Spieler und somit auch John Vattic zunächst keine Antwort. Klar ist nur, dass John als Erstes aus diesem unbehaglichen Glaskäfig raus muss. Dazu macht er sich seine erste übermenschliche Fähigkeit zunutze, die auch im restlichen Spiel sehr häufig Anwendung findet: die Telekinese. Mithilfe der linken Schultertaste werden alle Gegenstände, die sich bewegen lassen, mit einem kleinen hellen Kreis markiert. Das Utensil, das man fest anvisiert, ist durch einen blau eingefärbten Kreis gekennzeichnet und kann durch Betätigen der R-Taste zum Schweben gebracht werden. Mit dem C-Stick lässt sich das Objekt in jede Richtung bewegen. Auf diese Weise kann John später eigentlich unerreichbare Waffen zu sich heranziehen, um seinen Waffenbestand weiter auszubauen, oder auch die unterschiedlichsten Gegenstände zu tödlichen Wurfgeschossen umfunktionieren. In festgelegten Schlüsselsituationen entdeckt John Vattic eine seiner verborgenen Fähigkeiten nach der anderen. So kommen im Laufe des Spiels spontane Selbstheilung, Verwirrung (lässt John für kurze Zeit unsichtbar werden), Psi-Angriff (tödliche Druckwelle) und astrale Projektion (Dr. Vattic kann seinen Körper für kurze Zeit verlassen) hinzu. Nach einiger Zeit und Übung hat man den Umgang mit diesen besonderen Fähigkeiten perfekt verinnerlicht und kann sie gezielt einsetzen. Die einzige Beeinträchtigung stellt das nicht ganz perfekte Zielsystem dar. Es kommt einfach zu oft vor, dass man - je nach Position und Blickrichtung - ein ganz anderes Objekt anvisiert und erst durch Betätigen des C-Sticks zum gewünschten Gegenstand oder Gegner wechseln muss. Gerade bei Feuergefechten kann dies zu erheblichem Energieverlust führen. Die eingestreuten Rätsel zählen mit Sicherheit nicht gerade zu der innovativen Sorte, ermöglichen dem Spieler aber mehrere Lösungswege.

Der Star im Hintergrund
Die Hintergrundgeschichte von Second Sight ist aus zwei Gründen etwas Besonderes. Zum einen wird die Story in zwei unterschiedlichen Zeiten erzählt. In der Gegenwart verfügt John Vattic über Psi-Kräfte und versucht an Orten wie einer privaten Medizineinrichtung oder einer heruntergekommenen Irrenanstalt, mehr über seine Situation zu erfahren. Während dieser Passagen steht der Geist als Tötungsmaschine eindeutig im Vordergrund. Auch das Leveldesign und die Aufgabenstellung fordern den Einsatz der Psi-Fähigkeiten ständig heraus. In regelmäßigen Abständen erlebt John und somit auch der Spieler so genannte Flashbacks. Diese Erinnerungen stellen ebenfalls spielbare Passagen dar und erklären Stück für Stück, wie John überhaupt in so einen Schlamassel geraten konnte. Hier ändert sich das Gameplay eindeutig in Richtung bleihaltige Action, da man die Psi-Kräfte noch nicht benutzen kann. Besonders erwähnenswert ist die Möglichkeit, die Gegenwart durch bestimmte Aktionen in der Vergangenheit zu verändern. Auf diese Weise kann zum Beispiel der Tod einer oder mehrerer Personen rückgängig gemacht werden. Der zweite Grund, warum die Story von Second Sight derart fesselt, ist die Geschichte selbst. Je weiter man im Spiel vorankommt, umso interessanter und intriganter werden die Hintergründe - inklusive überraschender Wendungen, die den Spieler bis zum Schluss bei der Stange halten.

Technisch durchschnittlich
Auf technischer Seite haben die Entwickler zwar eine gute Leistung vollbracht, allerdings hätte das Ergebnis auch noch etwas besser ausfallen können. Das Charakterdesign ist allerdings gut gelungen und dürfte Kennern der TimeSplitters-Reihe sofort bekannt vorkommen. Die Psi-Kräfte werden mit schönen Lichteffekten dargestellt, auch wenn einige Objekte aufgrund der etwas unpräzisen Kollisionsabfrage ein wenig seltsam anmuten. Etwas mehr Mühe hätten sich die Entwickler auch mit den Umgebungstexturen geben kön-nen. Auf akustischer Seite werden dem Spieler allerdings ein Soundtrack und Effekte vorgesetzt, die perfekt eine beklemmende und spannungsgeladene Atmosphäre er-zeugen. Alles in allem ist Second Sight ein interessanter Titel, der durch eine tolle Story und enorme spielerische Freiheit überzeugen kann, aber auch mit einigen Schwächen in Technik und Spieldesign zu kämpfen hat. Trotz allem ist dieser Titel einen Blick wert.

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Udo Crnjak
Meine Meinung - Udo Crnjak
Was könnte man alles mit Psi-Fähigkeiten erledigen? Der Alltag wäre um so vieles einfacher. Das habe ich mir bei Second Sight auch gedacht, weshalb mir das Experimentieren mit Johns übermenschlichen Fähigkeiten auch sehr viel Spaß gemacht hat. Selbst wenn das stellenweise ungenaue Zielsystem des Öfteren meine Geduld auf eine harte Probe gestellt hat, blieb die Spielbarkeit stets sehr zufriedenstellend. Die spannende Story ist ebenfalls eines der Highlights des Titels und zieht den Spieler unweigerlich in ihren Bann. Designtechnisch weist der Titel leider auch einige Unstimmigkeiten auf. Was die Technik betrifft, konnte ich bei mir zu keinem Zeitpunkt den wünschenswerten "Wow!"-Effekt feststellen. Trotzdem hatte ich mit Second Sight eine Menge Spaß.
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