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"Game Over!" vom Aussterben bedroht: Weshalb sich der Schwierigkeitsgrad derart gewandelt hat

30.01.2010 12:02 Uhr
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Game Over? Diese Worte kennt die moderne Zockergeneration fast nur noch aus Retro-Spielesammlungen. Wie und wieso hat sich der Schwierigkeitsgrad in Spielen derart gewandelt?

FASTFOOD
Diese Entscheidungsfreiheit führt aber oft dazu, dass viele Zocker ihre Spiele doch nur auf dem mittleren oder gar leichten Schwierigkeitsgrad spielen. Fast schon ironisch, entspricht ein solches Spielverhalten doch dem der sogenannten "Casual Gamer", über die die Hardcore-Zocker gerne mal herziehen. Bei einem leichten Schwierigkeitsgrad wird man, wie im Casual Game, mit schnellen Erfolgen belohnt: "Gerade da Gelegenheitsspieler oft weniger Zeit in ihre Spiele investieren, haben sie mehr Freude an den ,kleinen Herausforderungen'. Sie wollen Ziele in kurzer Zeit erreichen", so Mitgutsch. Genau deshalb sind Casual Games ja so beliebt. Sie befriedigen schnell das Bedürfnis nach Erfolgen.

PFADFINDERABZEICHEN
Bockschwer: die Mega-Man-Reihe. Bockschwer: die Mega-Man-Reihe. Das Bedürfnis nach Erfolgen und Belohnungen ist absolut verständlich. Selbst wenn ihr vermeintliche Casual Games meidet und eure Spiele prinzipiell auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad durchspielt, hält euch neuerdings ein Feature bei der Stange, das sich Sony bei den Achievements von Xbox-360-Games abgeschaut hat: Trophäen. "In den 80er-Jahren hätte sich niemand über eine Trophäe in Space Invaders gefreut - es galt, unter die Top10 in der Highscore-Liste zu kommen", glaubt Mitgutsch. "Die Trophäen sind sozusagen die Highscores für den kleinen Mann. Durch sie wird die Herausforderung in viele Teile aufgeteilt und man bekommt sehr schnell ein Stück vom Kuchen. Demnach muss man nicht mehr wochenlang auf einen Platz in den Top 10 hintrainieren, sondern kann schon nach wenigen Stunden sein erstes ,Pfadfinderabzeichen' holen. Das motiviert und steigert den Reiz, noch mehr Abzeichen zu holen."

JÄGER UND SAMMLER
Wie sehr das motivieren kann, zeigt der PS3-User Hakoom. Am 4. Dezember erhielt er seine hundertste Platin-Trophäe! Um so viele Auszeichnungen zu erhalten, spielt Hakoom wirklich alles, auch echte Schrott-Spiele. "Ich wünschte, nur wirklich gute und fordernde Spiele hätten Trophäen-Support", gibt er zu. "Die leichten Games spiele ich wirklich nur, um den Score zu erhöhen. Aber was ich wirklich mag, sind die herausfordernden Titel." Schade, dass Trophäen genauso wie der Schwierigkeitsgrad nach wie vor recht stiefmütterlich behandelt werden. Standard ist es, ein Spiel auf allen Schwierigkeitsgraden zu bewältigen und alle versteckten Items aufzufinden. Öde!

ANPASSUNGSFÄHIG
Wer auf eine richtige Herausforderung steht, der zockt Probotector auf dem NES. Wer auf eine richtige Herausforderung steht, der zockt Probotector auf dem NES. Für knackige Herausforderungen können Entwickler aber auch mit einem ganz anderen Trick sorgen. Beim sogenannten "adaptiven Schwierigkeitsgrad" passt sich das Spiel selbst euren Fähigkeiten an. Oft passiert das in Rennspielen durch den sogenannten Gummiband- Effekt. Der sorgt dafür, dass das Fahrerfeld nicht allzu weit auseinanderdriftet. Das ist allerdings sehr offensichtlich und man fühlt sich als versierter Rennfahrer, der seine Kontrahenten trotz perfekter Fahrkünste einfach nicht abhängen kann, schnell veralbert. Ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man es richtig macht, ist Rockstars Midnight Club: Los Angeles. Zwar gibt es auch hier einen leichten Gummiband-Effekt, wichtiger ist aber, dass sich das Spiel darüber hinaus (unmerklich) an eure Fahrkünste anpasst. Rennen versemmelt? In der nächsten Runde unterlaufen den Gegnern ebenfalls mehr Fahrfehler. Dabei sinkt der Schwierigkeitsgrad aber nie so weit, dass ihr leichtes Spiel habt. "Im perfekt schwierigen Spiel wird die Schwierigkeit in genialer Art und Weise meinem Können angepasst, aber es bleibt ein Spalt", fasst Mitgutsch die Magie des adaptiven Schwierigkeitsgrades zusammen. "In diesem Spalt wird im wahrsten Sinne des Wortes, Leidenschaft geboren. Das Leiden im Spiel motiviert uns, die Herausforderung anzunehmen, denn die Enttäuschung eröffnet uns den Blick für das (noch) Unbekannte und verspricht uns eine neue Perspektive auf unser Scheitern. Darin liegt der Kitzel des Versagens und Leidens im Spiel."

DIGITALER MASOCHISMUS
Sind wir also vielleicht gar nicht so verweichlicht? Ganz im Gegenteil! Videospiele machen uns sogar wagemutiger, als wir es im echten Leben je sein könnten: "Im realen Leben bekommen manche Menschen Angst davor, dass etwas anders sein könnte, als sie es erwarten. Im Spiel hingegen würde man es als extrem langweilig empfinden, wenn alles nach Plan liefe", meint Mitgutsch. Warum? "Im Leben trifft uns die Niederlage als Mensch - sie stellt uns infrage - denn wenn ich hier scheitere, wer weiß, was ich noch alles nicht kann. Im Leben ist die Niederlage existenziell - im Spiel ist die Niederlage eine Herausforderung. In diesem Sinne ist die Herausforderung im Spiel durchaus eine Kompensation unserer alltäglichen Angst zu versagen." Deswegen treibt uns aber lange kein Masochismus zum Spielen: "Im Vergleich zum Masochismus sind wir dem Leiden im Spiel nicht ausgeliefert, sondern reagieren auf diesen und wenden ihn um. Wir sind also eher verspielte Masochisten mit der Gewissheit, das Leiden durch unser Können zu wenden." Fazit? Traut euch öfter mal was! Ein gewisses Maß an Herausforderung gehört nämlich einfach zum Spielen dazu. Denn wofür, wenn nicht für unsere Leidenschaft, lohnt es sich zu leiden?

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30.01.2010 12:02 Uhr
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Dein Kommentar
Neuer Benutzer
Bewertung: 0
17.03.2010 18:13 Uhr
Wer eine richtige Herausforderung sucht, sollte mal Ninja Gaiden 2 auf "Meister-Ninja" durchzocken! Das sind Qualen - werden aber auch mit einem tollen goldenen Kostüm belohnt!
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
01.02.2010 12:51 Uhr
Ich bin absolut baff.
Ein gut rescherschierter, ernst zunehmender und vor allem, mit einem kompetenten Gesprächspartner versehener Artikel.
Das habe ich in letzter Zeit auf VGZ wirklich vermisst.

Daumen hoch! Ich finds super!

( Ist aber auch wirklich interessant das Thema  )
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
01.02.2010 11:01 Uhr
Ich zocke grundsätzlich immer auf Hard/Veteran, schließlich will ich ja auch was spüren  Besonders zu empfehlen sind da CoD 5 und 6 auf "Veteran", Deadspace und natürlich Bionic Comando auf der aller härtesten Schwierigkeitstufe.  

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