Segas Nippon-Mafia-Epos ist eigenwillig, aber gut! Dass dem so ist, lest ihr in unserem Test zu Yakuza 3 für PlayStation 3.
Yakuza 3 kommt reichlich verspätet bei uns an. Bereits vor über einem Jahr wurde es in Japan veröffentlicht, wo inzwischen schon der vierte Teil in den Läden steht. Obendrein ist es ein äußerst eigenwilliges Spiel, das nur den Geschmack einiger weniger Zocker treffen wird. Dennoch freuen wir uns sehr über den Europa-Release. Obwohl man dem Spiel sein Alter ansieht. Und obwohl es lediglich mit japanischer Synchronisation und englischen Bildschirmtexten erscheint. Ganz einfach, weil es ein wirklich einzigartiges Erlebnis ist. Doch was für ein Spiel ist Yakuza 3 genau? Diese Frage ist erstaunlich knifflig. Nach einigen Überlegungen lautet unsere Antwort: 30 Prozent Prügelspiel, 30 Prozent Lebenssimulation, 20 Prozent Seifenoper und 20 Prozent Unsinn.
DRAMA, BABY!
Lebendig: Die frei begehbare Spielwelt steckt voller Details und Leben.
Ihr spielt Kazuma Kiryu, den vierten Vorsitzenden des mächtigen Tojo-Clans und eine Legende in Yakuza-Kreisen. Doch das war einmal. Nun leitet er ein Waisenhaus in Okinawa. Doch eben das soll einem Bauprojekt weichen, an dem Politik und Mafia großes Interesse haben. Daraus entspinnt sich ein handfestes Drama. Allerdings lässt sich das Spiel damit viel Zeit, führt nebenher unzählige Charaktere ein und bombardiert euch mit Herzschmerz und Drama. Ihr müsst schon ein Faible für japanisches Storytelling haben, um das alles gut zu finden. Beispielsweise werdet ihr allen Ernstes einen Taschendiebstahl unter euren Waisen aufklären, Spielzeug für einen Hund suchen, mit Katzen sprechen oder die richtigen Klamotten finden, damit einer eurer Schützlinge eine Chance bei seiner Angebeteten hat. So absurd manche dieser Szenen auch sind - sie wirken nie lächerlich und sind teils herrlich absurd.
Guter Radschlag: Hier verbeulen wir einen Bösewicht mit
einem Fahrrad.
HAU DEN LUKAS!
Das eigentliche Spielgeschehen ist ein Mix aus Prügeleien, Nebenaufgaben und Minispielen. Die Prügeleinlagen steuern sich sehr simpel, gewinnen aber dank verschiedener Upgrades, Waffen und der Möglichkeit, mit Umgebungsgegenständen auf eure Gegner einzudreschen, an Tiefgang. Die Gewalt wird dabei übertrieben und recht comicartig inszeniert. Es fließt also Blut und einige der Moves sind haarsträubend deftig, doch alberne Sounds und Lichteffekte gleichen das prima aus. Allerdings ist es schon etwas seltsam, dass ihr bei euren Stadtrundgängen alle fünf Minuten angegriffen werdet. Lernen die Gauner nie aus? Genauso oft, wie ihr in eine Schlägerei geratet, werdet ihr von Passanten um Hilfe gebeten oder lauft an einer Ungerechtigkeit vorbei. In Windeseile habt ihr gleich ein ganzes Bündel an Botengängen und kleinen Aufträgen zu erledigen. Das Spiel erschlägt euch dabei geradezu mit Spielideen und Details. Ihr werdet Eistüten durch Fußgängergewimmel balancieren, vermisste Kinder suchen, Selbstmörder aufhalten oder kranken Omas helfen. Wer Spiele gern zu 100 Prozent löst, könnte hier verzweifeln.
MEGA-MINISPIELE
Taiga Wutz: Sogar eine ausgewachsene Golfsimulation ist ins Spiel integriert.
Als wäre all das noch nicht genug, erwarten euch unzählige Minispiele und Freizeitbeschäftigungen. Zu einigen werdet ihr gezwungen: Ein paar Löcher Golf müsst ihr auf jeden Fall spielen. Daneben könnt ihr Darts oder Pool spielen, euer Geld bei japanischen Kartenspielen verzocken oder eure Stimmbänder in der Karaoke-Bar trainieren. Wer es bodenständiger mag, geht einfach in die nächste Bar, lässt sich volllaufen, bis der Barkeeper die Notbremse zieht, und wird fortan auf der Straße angepöbelt, weil er so betrunken ist. Was für ein Spiel! Diese japanische Antwort auf GTA IV hat zwar das Nachsehen in Sachen Technik, punktet aber mit Witz, Ideenreichtum und einem aberwitzigen Umfang. Wer sich Zeit für all die Nebensächlichkeiten nimmt, wird locker 30 Stunden brauchen, um Kazuma Kiryus Geschichte bis zum Ende zu erleben.
Screenshots aus unserem Test zu Yakuza 3:
