Survival-Horror-Gameplay meets Cyberpunk-Setting meets von chinesischer Mythologie inspirierte Geschichte meets Cel-Shading-Optik meets Sex. Fear Effect, nihaw!
Fear Effect Screenshots (1)
Mal ehrlich, ein solcher Mix würde wohl heute noch funktionieren. Aber nein, wir beschreiben hier kein neues Spiel, sondern Fear Effect, ein Third-Person-Action-Adventure aus dem Jahre 2000. Das sieht auf den ersten Blick zwar aus wie ein Resident Evil mit Cel-Shading-Charakteren, hinter dieser Fassade steckt aber viel mehr. Blickt man genauer hin, erkennt man das schon an den Hintergründen. Denn die waren nicht, wie eben bei Resident Evil, vorgerendert, sondern Videos, die ununterbrochen wiederholt, also "geloopt", wurden. Das erlaubte den Entwicklern nicht nur nahtlose Übergänge von Filmsequenzen zu "Spielgrafik", sondern auch die Implementierung vieler animierter Details. Das Ergebnis ist ein Look, der an den Filmklassiker Blade Runner erinnert - und noch heute klasse aussieht.
COOL BLEIBEN ALS SPIELKONZEPT
Auch das Gameplay bot und bietet einige innovative Momente. Nehmen wir die Energie-Anzeige. Die sieht aus wie ein EKG und verfärbt sich bei Treffern von grün über gelb hin zu rot. Also erst mal wieder ähnlich wie bei Resident Evil. Um die Energie wieder aufzufüllen, versucht man sich aber nicht etwa als Botaniker, der bunte Kräutermischungen panscht, sondern muss sich einfach nur etwas beruhigen. Löst ihr eine knifflige Stelle im Spiel, zum Beispiel ein Rätsel oder einen hinterhältigen Stealth Kill, kommt eure Spielfigur wieder ein wenig runter, hat Zeit zum Durchatmen und füllt so ihre Energie wieder auf.
SEX SELLS
Fear Effect Screenshots (2)
Der Mix ging auf und war erfolgreich genug, um einen Nachfolger zu rechtfertigen. Und genau da kommt die Sache mit dem Sex ins Spiel. Während Hauptfigur Hana schon im ersten Teil tiefe Einblicke gewährte, geht die Gute im Nachfolger Fear Effect: Retro Helix auch noch eine lesbische Beziehung mit der Spielfigur Rain ein. Zumindest sah es danach aus. "Lasst mich diese Sache ein für alle Mal klären", dementierte Game Director Stan Liu einmal in einem Interview. "Hana ist keine Lesbe! Sie mag Männer ... und sie mag Frauen. Mit wem sie letztendlich ins Bett geht, ist doch kein großes Ding! Der einzige Grund, warum ich für Hana einen weiblichen Kompagnon wollte, war, dass es mir die Möglichkeit für eine spannende Dreiecksbeziehung innerhalb der Story bot." Dass der gute Stan nur an die Story dachte und nicht etwa Sittenhüter schocken oder sein Spiel getreu dem Motto "Sex sells" ein wenig interessanter machen wollte, kaufen wir ihm trotzdem nicht ganz ab. Immerhin war die Beziehung zwischen den beiden vollbusigen Damen ein prominentes Motiv für etliche Werbeanzeigen. Eine Grafik, in der Rain auf Hana sitzt und ihr eine Rückenmassage verpasst - natürlich waren beide nur mit knapper Unterwäsche bekleidet -, wurde wegen des pikanten Inhaltes sogar von vielen Printmedien abgelehnt. Die Anzeige trug den Untertitel: "Kein Wunder, dass dieses Spiel 13 Höhepunkte bietet!"
INTERAKTIVER SPIELFILM
Fear Effect Screenshots (4)
Action und heiße Ladys, die zwei Grundpfeiler vieler Hollywood-Blockbuster. Da fragt man sich doch, wieso Fear Effect noch nicht verfilmt wurde? Nun, tatsächlich gab es Pläne, den Zweiteiler auf die große Leinwand zu bringen. Kein Geringerer als der berühmt-berüchtigte Uwe Boll erstand die Rechte an dem Stoff. Allerdings wurde der Film aufgrund eines geplatzten Deals nie gedreht. Boll kaufte die Rechte nämlich im Doppelpack - mit denen für Hitman. Da Eidos den Film über den glatzköpfigen Auftragskiller letztendlich aber lieber in die Hände von Regisseur Xavier Gens legte, Uwe Boll sich jedoch nicht mit halben Sachen zufriedengibt, wurde nichts aus dem Fear Effect-Streifen. Danach sollte sich Stanley Tong (u. a. Rumble in the Bronx) der Geschichte annehmen und sie 2008 auf die Leinwand bringen. Aber da es schon seit Ewigkeiten still um das Projekt geworden ist, ist anzunehmen, dass der Film, genau wie der dritte Teil der Spielserie, endgültig gecancelt wurde.
