Gut geklaut ist halb gewonnen. Vivendis zeitmanipulative Ego-Ballerei ist endlich fertig.
AHNUNGSLOS Setzen Sie die Zeit-Fähigkeiten geschickt ein, haben die Gegner kaum eine Chance.
Nachdem TimeShift zunächst unter Atari-Flagge angekündigt und auch lange Zeit entwickelt wurde, wanderte der vielversprechende Titel dann aber zum Konkurrenten Vivendi ab. Nach vielen Verschiebungen und einem radikalen Re-Design ist der Next-Gen-Ego-Shooter nun endlich fertig.
WIR HABEN DOCH KEINE ZEIT ...
Dr. Aiden Krone, ein genialer Physik-Professor, hat einen Anzug entwickelt, mit dem Zeitreisen möglich sind. Leider wird der Gute beim Gedanken an die sich ihm offenbarenden Möglichkeiten dezent größenwahnsinnig und reist in die Vergangenheit, um sich die Welt nach seinen Vorstellungen und selbstverständlich mit ihm als Herrscher zu gestalten. Einzige Hinterlassenschaft in seinem Labor ist ein Sprengsatz, der alle Beweise und Unterlagen vernichten soll. Quasi in letzter Sekunde schafft es dann doch noch ein namenloser Wissenschaftler, Dr. Krone mit einem neuen Anzug-Prototyp nachzureisen, bevor sich das Labor in einer wummernden Explosion verabschiedet. Ab diesem Zeitpunkt greifen Sie aktiv ins Spiel ein. Vor allem die ersten Levels erinnern mit überall anzutreffenden Anzeigetafeln und Krones sich ständig wiederholenden Reden frappierend an die Überwachungsstaat-Atmosphäre von Half-Life 2. Die recht oberflächliche Story sorgt kaum für Überraschungen und flaut leider bereits im ersten Drittel des Spiels enorm ab. Das liegt unter anderem an der schwachen Gestaltung der Hauptfiguren und der teils wirren Inszenierung durch Funksprüche und Render-Zwischensequenzen.
ZEIT FÜRS WESENTLICHE
TOTALLY OWNED In einer Zeitschleife festzuhängen ist jetzt gerade das Dümmste, was einem passieren kann.
Dreh- und Angelpunkt von TimeShift sind ganz klar die zeitmanipulativen Fähigkeiten der Hauptfigur. Sie können auf Knopfdruck die Zeit verlangsamen, anhalten und sogar zurückspulen. Um Sie damit nicht völlig zu überfordern, haben die Entwickler eine Hilfestellung ins Spiel eingebaut, die Ihnen zur rechten Zeit und am rechten Ort die passende Funktion vorschlägt. Während der zahlreichen Ballereien dürfen Sie die entsprechenden Zeitfunktionen aber natürlich auch manuell auswählen. Und genau in diesen Zeitspielereien liegt der Hauptreiz des Spiels. Es macht unheimlich Laune, die Gegner in Zeitlupe mit den futuristischen Ballermännern zu erledigen oder die Zeit kurzerhand anzuhalten und den Feinden die Waffe abzunehmen. Im späteren Verlauf treffen Sie sogar auf Gegner, die ebenfalls die Zeit im Kampf beeinflussen können. Leider tritt die Künstliche Intelligenz nicht immer positiv in Erscheinung und nimmt einigen Situationen Brisanz und Bedrohlichkeit.
Die mittlerweile recht bekannte und beliebte Rückspul-Funktion kommt hauptsächlich in den zahlreichen Rätseln und Geschicklichkeitsaufgaben zum Einsatz. Heben Sie eine Brücke mit Druck auf einen Schalter, spulen Sie die Zeit kurz zurück und hopsen auf das Bauwerk, um so mit in die Höhe zu steigen. Leider übertreiben es die Entwickler mit diesen Zeiträtseln, wodurch sich dieses an sich reizvolle Feature sehr schnell abnutzt. Insgesamt wirkt das Leveldesign an vielen Stellen schlichtweg zu erzwungen, was vor allem bei erfahrenen Spielern auf den Spielspaß drückt. Eingestreute Fahrpassagen sollen zwar spielerische Abwechslung bringen, sind aber durch die schwammige Steuerung des Vehikels wenig gelungen.
ZEITLOS SCHÖN?
AUSWEICHEN Im Verlauf des Spiels müssen Sie die Zeit auch oft abseits der Ballereien zu Ihrem Vorteil nutzen.
Technisch ist TimeShift ebenfalls eine Berg-und-Tal-Fahrt. Zwar sind fast alle Bereiche recht simpel strukturiert, dafür aber teils mit sehr detaillierten Texturen ausgekleidet. Insbesondere die exzellenten Licht- und Partikeleffekte während der Zeitspielereien sind ein Hingucker. Die Außenareale fallen jedoch im Vergleich zu den überaus gelungenen Innenbereichen deutlich ab und auch unschöne Framerate-Einbrüche und extremes Tearing werfen einen Schatten auf die ansonsten gute optische Leistung. Leider unterstreichen die überwiegend schwachen Waffensounds und die mittelmäßige deutsche Sprachausgabe nur ansatzweise die packenden Ballereien.
Die deutsche Version von TimeShift ist gegenüber den internationalen Fassungen erheblich geschnitten, was die Darstellung von Pixelblut, zum Beispiel herumfliegende Körperteile oder zurück bleibende Blutspuren, betrifft. Unterm Strich bleibt TimeShift ein Shooter, der durch die Zeitmanipulationen für Kurzweil sorgt, aber leider auch allzu offensichtliche Schwächen im Leveldesign und in der Story-Gestaltung hat.