The Turing Test: Philosophisch angehauchter Knobelspaß mit kleinen Macken

Test Lukas Schmid
The Turing Test: Philosophisch angehauchter Knobelspaß mit kleinen Macken
Quelle: PC Games

Review zu The Turing Test: Wie definiert man Bewusstsein? Was ist Moral? The Turing Test stellt tiefgründige Fragen und steckt sie in ein kompetent gemachtes Knobel-Paket. In unserem Test zur Ego-Puzzelei erklären wir, warum das Spiel nicht ganz mit großen Konkurrenten wie Portal 2 mithalten kann, warum Rätselfreunde aber trotzdem ein Auge darauf werfen sollten.

Der Weltraum, unendliche Weiten. Die Grenzen des uns bekannten Universums haben wir in der nahen Zukunft von The Turing Test zwar noch nicht erreicht, es uns aber immerhin auf dem Jupitermond Europa gemütlich gemacht. Wobei, für Müßiggang bleibt Protagonistin Ava eigentlich keine Zeit, denn sie wurde mit der Mission auf den Trabanten geschickt, herauszufinden, was mit der Besatzung der hiesigen Forschungsstation passiert ist, die sich seit längerer Zeit nicht mehr gemeldet hat.

Der einzige Kontakt an ihrer Seite, während sie die offenbar verlassene Forschungseinrichtung durchsucht: die omnipräsente, künstliche Intelligenz T.O.M., die verspricht, ihr mit Rat und Tat zur Seite zur stehen - wenn sie ihm im Gegenzug hilft, durch die zahlreichen Rätselräume der Anlage zu gelangen. Dazu ist er nämlich alleine nicht in der Lage, was durch den namengebenden Turing Test erklärt wird, einem aus den realen 1950er-Jahren stammenden Gedankenexperiment: Wenn eine künstliche Intelligenz laut dem Test ist der Lage ist, einen objektiven Fragesteller nur durch ihre Antworten davon zu überzeugen, dass sie ein Mensch ist, hat sie den Test bestanden. Zwischen den Kapiteln erforschen wir Bereiche, in denen die Story-Hintergründe beleuchtet werden. Quelle: PC Games Zwischen den Kapiteln erforschen wir Bereiche, in denen die Story-Hintergründe beleuchtet werden. In der Test-Variante des Spiels wird dieses System auf ebenjene Rätselräume übertragen, welche ebenfalls das Eingreifen einer menschlichen Intelligenz voraussetzen. Was sich durch diese Prämisse ergibt, ist eine interessante Geschichte, die durchaus kompetent große Fragen wie jene stellt, was den Menschen ausmacht, worüber wir Moral definieren und ob eine Maschine überhaupt "richtige" Entscheidungen fällen kann. Harter Tobak, der aber die etwa fünf Stunden Spielzeit lang bei der Stange hält und bis auf wenige zu plakative Momente nicht zuletzt durch die gut geschriebenen Ava und T.O.M. überzeugt. Alleine das antiklimaktische Ende, welches uns vor eine wenig interessante moralische Entscheidung stellt, sowie eine viel zu offensichtliche Handlungs-Entwicklung stören in dieser Hinsicht etwas das Bild.

Review zu The Turing Test: Bitte zum Ausgang begeben

Mit unserem Blaster können wir verschiedene Arten von Energie-Kugeln aufsammeln und verschießen. Quelle: PC Games Mit unserem Blaster können wir verschiedene Arten von Energie-Kugeln aufsammeln und verschießen. In spielerischer Hinsicht entpuppt sich The Turing Test als weniger feingeistig, sondern stattdessen als sehr klassischer Knobler aus der Ego-Perspektive mit markanten Anleihen beim Genre-Großmeister Portal 2. Heißt im Klartext: Wir knobeln uns durch einen steril gehaltenen Rätselraum nach dem nächsten - unterbrochen von rätselfreien Arealen, welche die Geschichte vorantreiben -, lernen nach und nach neue Spielmachaniken kennen, welche die Kopfnüsse erweitern und sind stets darauf erpicht, zum jeweils nächsten Ausgang zu gelangen. Unser wichtigstes Utensil ist der sogenannte Emergiemanipulator, eine Art Blaster, mit dem wir speziellen Sockeln ihre Energie in Form von farbigen Kugeln entziehen und diese an anderer Stelle wieder einsetzen können.

Auf diese Weise geben wir etwa Generatoren Saft, heben Bodenplatten an, aktivieren Brücken und mehr. Verschiedene Arten von Energiebollern sorgen für zusätzlich benötigte Denkleistungen: Während zum Beispiel blaue Kugeln Maschinen durchgehend mit Strom versorgen, fallen grüne in regelmäßigen Abständen aus und rote geben für einige Sekunden Saft, bevor sie endgültig den Geist aufgeben. Im Spielverlauf wird dieses primäre, aber relativ un­spektakuläre Feature durch einige nette Ideen erweitert: Ab einem bestimmten Zeitpunkt erhalten wir Kontrolle über die Kameras in den Räumen und können auf diese Weise spezielle Schalter aktivieren und Robo-Gehilfen, über die wir auf Knopfdruck die Kontrolle übernehmen können, werden ebenfalls zur unabdingbaren Knobel-Notwendigkeit. Genre-üblich exisitert so gut wie immer genau eine Lösung für die Kopfnüsse, sodass weniger kreatives Vorgehen denn aufmerksames Nachvollziehen der Aufgabenstellungen vonnöten ist.
Im späteren Spielverlauf lernen wir, Kameras zu kontrollieren und von hier aus Schalter zu aktivieren. Quelle: PC Games Im späteren Spielverlauf lernen wir, Kameras zu kontrollieren und von hier aus Schalter zu aktivieren.

Review zu The Turing Test: Altbekanntes im All

Diese Robo-Helfer können, wie wir selber, Energiekugeln platzieren und sind für viele Rätsel unverzichtbar. Quelle: PC Games Diese Robo-Helfer können, wie wir selber, Energiekugeln platzieren und sind für viele Rätsel unverzichtbar. Das war aber zu erwarten und ist kein Problem. Schwerer fällt ins Gewicht, dass die Puzzles zu Großteil einfach sehr unspektakulär gestaltet sind. Einige Highlights stechen heraus, die meiste Zeit stellen wir aber einfach Blöcke auf Schalter, wechseln Energiekugeln zwischen Slots an den Wänden, richten Brücken neu aus und marschieren aufgrund des - zumindest für halbwegs geübte Knobler - ziemlich einfachen Schwierigkeitsgrades weiter zur nächsten Aufgabe. Aufgrund der sehr ähnlichen Gestaltung der Herausforderungen ist hier recht schnell die Luft raus, obwohl fast bis zum Ende hin neue Rätsel-Elemente hinzugefügt werden.

Wir werden das Gefühl nicht los, dass die Entwickler hier eine Idee für eine tolle Handlung hatten, die sich prinzipiell gut in das Rätselspiel-Genre einfügen lässt, aber nicht wussten, wie sie ihr Spiel einzigartig machen und von der Konkurrenz abheben sollten. Der Energiemanipulator ist, anders als die Portale in den beiden Portal-Abenteuern, schlicht und ergreifend keine Spielmechanik, die interessant genug ist, um ein ganzes Spiel darum herum zu entwickeln. Damit sei keineswegs gesagt, dass The Turing Test hinsichtlich des Gameplays ein Totalausfall ist - das ist es sicher nicht -, wohl aber, dass es eben nur ein weiteres Knobelspiel ist, dessen Kopfnüsse relativ schnell in Vergessenheit geraten, nachdem man sie erledigt hat.

Knobelspaß light

Würfel auf Schalter, Generator aktivieren, Brücke überqueren - die Rätsel-Varianz hält sich in Grenzen. Quelle: PC Games Würfel auf Schalter, Generator aktivieren, Brücke überqueren - die Rätsel-Varianz hält sich in Grenzen. Immerhin, einige wenige, sehr sporadisch über den Spielverlauf verteilte Spezialräume stellen eine deutlich größere Herausforderung dar - so sehr, dass wir im Spielverlauf nur wenige der Kammern lösen konnten und bei manchen nicht einmal genau wussten, wie man sie überhaupt betreten kann. So oder so macht The Turing Test viel von dem, was ihm an Kreativität fehlt, durch die gelungene, melancholische Atmosphäre wieder gut. Als kleiner Rätsel-Snack zwischendurch taugen die Knobeleien zudem allemal.

Meinung

Wertung zu The Turing Test (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu The Turing Test (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Smarte Geschichte, die recht kompetent philosophische Fragen stelltBedächtige, gute Atmosphäre, die versucht, Klischees zu vermeidenMit Ava und T.O.M. zwei glaubwürdige, sympathische ProtagonistenGrundsätzlich gut funktionierende Rätsel-Prinzipien, die nach und nach um neue Elemente erweitert werdenWenige, aber befriedigende Momente, die kreative Nutzung der bekannten Spielmechaniken erfordern
Die grundsätzlich gelungenen Rätsel ähneln einander oftmals zu sehrEine das Spiel definierende Gameplay-Idee für die Rätsel fehltExtrem vorhersehbare Story-Wendung, die man schon oft gesehen hatRelativ antiklimaktisches Ende

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