Die Umgebungen zu Fuß sehen teilweise richtig gut aus. Hier nehmen wir eine Bar auseinander.
Drive me crazy
Der eigentliche Grund für die große Aufmerksamkeit, die dem Titel seit den ersten Bildern zuteil wurde sind definitiv die Fahrpassagen. Frühes Material zeigte hochauflösende Texturen auf verschwenderisch gestalteten Umgebungen. Leider ist davon nicht mehr sonderlich viel übrig geblieben. Während die Fahrzeuge teilweise richtig klasse aussehen, enttäuscht die Umgebung. Die mageren Texturen, die relativ geringe Sichtweite und vor allem die fast nicht vorhandene Interaktivität sorgen für lange Gesichter. Nicht ein einziges geparktes Auto säumt einen Londoner Bürgersteig. Überhaupt wirkt dieser Programmteil eher wie eine nette Dreingabe. Aufgabenstellungen und Spielbarkeit bewegen sich im guten Durchschnitt. Die Fahrphysik soll realistisch wirken, bleibt aber nur selten nachvollziehbar. Wenigstens ist die Polizei nicht mehr so überempfindlich wie in der Demo. Zwar wird man nach wie vor sofort verfolgt, wenn man in der Nähe eines Polizeiwagens Unsinn anstellt, doch sind nicht mehr so übertrieben viele "Bullenschaukeln" unterwegs. Nicht geändert hat sich dagegen der Fuhrpark. Immer noch fahren hauptsächlich Kleinwagen und schwerfällige Taxen durch Londons Straßen mit denen einfach kein Blumentopf zu gewinnen ist. Zwar darf man gelegentlich auch mal im TVR oder Lotus Platz nehmen, leider sind dies dann aber speziell für Missionen bereitgestellte Fahrzeuge. Im "Alltag" ist ein Range Rover schon ein Glücksfall. Nach wie vor bleibt rätselhaft, wieso man in jahrelanger Kleinarbeit große Teile Londons nachbildete, um dann nur einen kleinen Bruchteil dessen für das eigentliche Spiel zu nutzen. Wenigstens bleibt das Geschehen auf dem Bildschirm weitestgehend flüssig - lediglich auf großen Kreuzungen kommt es zu teils deftigen Slowdowns.
So schlimm?
Was hätte daraus alles werden können. Die Story ist spannend genug und weiß zu unterhalten, die Zwischensequenzen sind teilweise dramatisch und technisch überzeugend. Die sehr gute Sprachausgabe (auf Deutsch) macht ordentlich was her, auch wenn die englischen Sprecher noch einen Tick glaubhafter und passender klingen. Während man zu Fuß durchaus mit den fehlenden Anzeigen leben kann, wäre eine Karte im Auto wirklich wünschenswert gewesen. Zwar geht der Blinker nicht mehr so schnell kaputt, wie in der Demo und man kommt auch so zu seinem Bestimmungsort, nur orientieren kann man sich auch nach etlichen Spielstunden nicht, sofern man nicht gerade in London wohnt. Größtes Manko ist aber der fehlende Fahrspaß. Als wären die engen Straßen von London nicht auch so schon Herausforderung genug, machen dem angehenden Gangster erbarmungslos dumme - oder zumindest suizidgefährdete - Passanten und der nicht minder selbstmörderische Zivilverkehr das Leben schwer. Die Tatsache, dass die Motorensounds von fast allen Wagen gleich klingen trägt auch nicht gerade dazu bei die Umgebung glaubhafter zu machen. Wenigstens außerhalb des Fahrzeugs kommt gelegentlich Spielspaß auf. Zwar kann man auch hier kaum von herausragender KI sprechen, aber immerhin sehen die Levels teilweise wirklich sehr stimmungsvoll und detailliert aus. Leider folgen die Schusswechsel immer dem gleichen Schema: Eine Gruppe von Gegnern wird beschossen, bei zuviel Gegenwehr zieht man sich zurück und regeneriert sich. Frisch gestärkt stürzt man sich in den nächsten Angriff und schon geht das Spielchen wieder von vorne los. Zudem sorgen spät gesetzte und fehlende Rücksetzpunkte schon mal für Frust.
