State of Mind im Test: Ein gelungenes Gesamtkonzept á la Black Mirror und Altered Carbon
Test 17,99 €
Daedalic Entertainment hat schon oft bewiesen, dass seine Adventures funktionieren. Mit Hilfe von Thriller-Autor Martin Ganteföhr hat das deutsche Studio nun ein Spiel herausgebracht, das euch nachdenklich stimmen wird. State of Mind behandelt Themen wie Technologisierung, Trennung, Bewusstseinsübertragung und das Leben in einer zerbrechenden Welt und zeigt sich in einem thematisch passenden Low-Poly-Look. Was wir von Story und Gameplay halten, lest ihr in unserem umfangreichen Test.
Die Technik schreitet immer weiter voran und in ein paar Jahren könnte die gesamte Welt schon vernetzt sein. Daedalic Entertainment hat sich darüber Gedanken gemacht, wie unsere nahe Zukunft aussieht und welchen Problemen wir entgegensehen. Das deutsche Studio hat all das in ihr neues Adventure State of Mind (jetzt kaufen 7,95 € / 17,99 € ) gepackt, das am 15. August für PC, PS4, Xbox One und auch die Nintendo Switch erscheint.
Inhaltsverzeichnis
State of Mind im Test: Roboter an die Macht
Berlin im Jahre 2048, es hat sich einiges verändert. Androide Roboter füllen die düsteren Straßen, Drohnen fligen überall umher und beobachten die
Quelle: PC Games
Mit den meisten Personen oder Robotern könnt ihr reden oder sie untersuchen und damit mehr über sie herausfinden.
Bürger und Autos fahren von selbst. In diesem Technologie-Dschungel - der stark nach Überwachungsstaat müffelt - lebt Journalist Richard Nolan, der mit alldem nicht viel anfangen kann, mit seiner Frau Tracy und Sohn John. Bereits der Anfang von State of Mind ist sehr dramatisch. Protagonist Richard hat einen Unfall und verliert den Großteil seines Gedächtnisses. Ihr müsst ihm dabei helfen es wieder zu bekommen. Doch nicht nur das ist weg. Als er zu Hause ankommt, wird klar, dass Frau und Sohn verschwunden sind, dafür steht da ein neuer Roboter mit Namen Simon, den Tracy gekauft hat. Nach ein bisschen Suchen und dem Erkunden der Wohnung, findet ihr einen Hinweis darauf, dass sich Tracy hat scannen lassen. Nanoscans sind überall in der Stadt aufgebaut. Sie dienen dazu, Menschen für die Marsbesiedlung zu testen. Doch Richard ist da natürlich nicht mit an Bord.
Richard Nolan ist jedoch nicht der einzige Charakter, den ihr kennen lernt und steuert. Adam Newman ist der zweite Protagonist in State of Mind. Er lebt in City 5, einer virtuellen, utopischen Stadt, weiß aber nicht, dass seine gesamte Existenz eigentlich nur ein Datensatz ist. Adams und Richards Leben haben sehr viele Parallelen: Adam hat ebenfalls Frau und Sohn, er arbeitet als Journalist bei The Present und hatte auch einen Unfall vor kurzer Zeit.
State of Mind im Test: Futuristischer Thriller
Quelle: PC Games
Wenn ihr einen Cloud Call durchführt, erscheint ein Hologramm der Person vor euch.
Mit an Bord des State of Mind-Teams ist Autor Martin Ganteföhr, der sowohl für Videospiele schreibt als auch selbst Romane veröffentlicht. Er spezialisiert sich auf Thriller, die auch oft ähnliche Themen behandeln, wie State of Mind. Daedalic selbst sagt, dass es in dem Spiel um den Transhumanismus geht und um Bewusstseinsübertragung. Wir wollen euch nicht zu viel von der wirklich interessanten, spannenden und auch leicht besorgniserregenden Story erzählen, aber sowohl der kleine Blick in die Geschichte als auch das Thema können euch Aufschluss darüber geben, wie sich die Story entwickelt. Dabei ist das ein Thema, das momentan
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Mit dem Cloud Call (Berlin) und dem Hive Call (City 5) erreicht ihr eure liebsten, erfahrt aber auch mehr über deren Leben und in welcher Beziehung ihr zueinander steht.
viel bespielt wird, und zwar nicht nur in der Spiele-Branche. Die Serie Black Mirror zeigt episodisch Zukunftsszenarien, die gar nicht so weit von unserer aktuellen Situation entfernt sind. Meist mit einem weniger guten Ausgang. Auch State of Mind ist kein fröhliches Spiel. Es zeigt ganz deutlich, dass die Technologiesierung und die Vermischung von Mensch und Maschine zu furchtbaren Folgen führen kann. Auch das Thema der Trennung und Wiedervereinigung kommt sehr stark in der Geschichte durch. Richard ist getrennt von seinen Erinnerungen und von seiner Familie und versucht das wieder zu einer Einheit zu formen. Sogar die Welt ist getrennt: die düstere, dystopische Realität und die Friede-Freude-Eierkuchen-Fassade von City 5. Die Story hält euch am Ball, denn sie zieht euch hinein, lässt euch nachdenken und euch vorstellen, ob unsere Zukunft vielleicht auch so aussehen könnte.
State of Mind im Test: Drohnen fliegen, Rätsel lösen
Aber genug von diesem tiefsinnigen Gedanken, es ist ja immerhin ein Videospiel und die haben meist auch mehr als eine Story zu bieten. Dadurch, dass State of Mind ein Adventure ist - eben mit starkem Fokus auf der Geschichte - ist das Gameplay eher minimalistisch, was nicht unbedingt
Quelle: PC Games
Das Hacken von technischen Geräten gehört in State of Mind dazu. Bringt die zwei Kreise in Einklang.
schlecht ist. Es gibt grundsätzlich bei allen Objekten die Möglichkeit, diese zu untersuchen, was wir euch auch ans Herz legen. In Dialogen habt ihr oft mehrere Optionen, meist ändert das aber nur, wie ihr auf etwas reagiert, ob ihr besorgt seit oder nicht, angriffslustig oder eher ruhig. Das kann Beziehungen zu Personen beeinflussen. Ziemlich am Anfang wird euch der Cloud Call vorgestellt. Ihr ruft so Freunde oder Kollegen an, die dann als Hologramm vor euch erscheinen. Wenn ihr an einer Stelle nicht weiter wisst, kann ein Anruf sehr nützlich sein. Wie es typisch für Adventures ist, gibt es in State of Mind auch viele Rätsel. Diese sind sehr unterschiedlich aufgebaut und lockern das Gameplay auf. Um Erinnerungen wiederherzustellen müsst ihr beispielsweise Fragmente zusammenfügen. Das sind mehrere Panele, die verschiedene Räume darstellen und ihr müsst die richtigen zusammensetzen.
Später im Spiel müsst ihr auch diverse Kameras ausschalten oder ihnen ausweichen, eine Art Waffe zusammenstellen, um an einer Wache
Quelle: PC Games
Wenn ihr etwas gehackt habt, könnt ihr beispielsweise Drohnen fliegen und so eure Umgebung erkunden.
vorbeizukommen und so etwas wie ein Drohnen-Minispiel absolvieren, um flüchtenden Robotern zur Seite zu stehen. Diese kleineren Rätsel funktionieren sehr gut und passen in die Story, sind dabei aber nicht zu langweilig. Zum Ende des Spiels gibt es jedoch ein Rätsel, das uns ein wenig frustriert hat. Ihr befindet euch mit James, Adams Sohn, den ihr ebenfalls steuern könnt, in einem Raum. Durch einen bestimmten Mechanismus - der hier zu viel über die Story preisgeben würde - kann der Raum verändert werden, um weiter zu kommen. Eine Räume haben einen Lüftungsschacht, einige haben Bedienpanele. Beim ersten Durchlauf gab es einen Bug, wodurch einer der Schächte nicht angezeigt wurde. Wir mussten das Kapitel also neu starten und konnten dann weiterspielen.
State of Mind im Test: Verbesserungswürdig
Bis auf diesen kleinen Fehler läuft das Spiel jedoch auf dem PC sehr rund. Trotzdem gibt es einige Dinge, die Verbesserungen bedürfen. So können Dialoge - auch wenn ihr sie schon einmal durchgespielt habt - nicht geskipped werden. Zwischensequenzen könnt ihr nicht überspringen und wenn ihr, vor allem am Ende, eine andere Entscheidung treffen wollt, müsst ihr das gesamte Kapitel wiederholen. Auch die Steuerung ist ein wenig wackelig. Euer spielbarer Charakter läuft nicht sehr akkurat, was vor allem beim Interagieren mit Objekten frustrierend werden kann. Was jedoch durchaus überzeugt, ist das Zusammenspiel von Geschichte und Optik. Der Low-Poly-Look ist wahrscheinlich nicht jedermanns liebster Grafik-Stil, er funktioniert jedoch mit der Geschichte, die State of Mind rüberbringen will. Die harten Kanten und dunklen beziehungsweise flachen Farben gehen einher mit der vorherrschenden technischen Mentalität und vor allem die Kombination von dunklen und Neon-Farben unterstreicht das futuristische Thema sehr gut.
State of Mind im Test: Ein spannendes Gesamtkonzept
Wenn man diese Punkte also zusammen nimmt, zeigt State of Mind eine nachdenkliche Geschichte über die Zukunft der Welt, spricht über den
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Menschen als solches und seine mögliche Entwicklung zu einem höheren Wesen. Aber auch der Konflikt unter den Menschen, die in einem Überwachungsstaat á la 1984 von George Orwell leben, wird beleuchtet. Auch wenn die Geschichte zum Ende hin künstlich verlängert wird und auch schneller zu einem Punkt kommen könnte, ist sie durchdacht und spannend. Das minimalistische Gameplay lockert die bedrückende Stimmung auf, ist an manchen Stellen aber durchaus verbesserungswürdig. Und die Low-Poly-Optik unterstreicht das harte Thema noch einmal ausdrücklich. State of Mind ist nicht für jeden Spieler etwas, aber wer eine fesselnde Story wertschätzen kann, die auch nach dem Beenden des eigentlichen Spieles nachklingt, findet bei State of Mind auf jeden Fall etwas. Lasst euch nicht von der Optik abschrecken, denn auch wenn die Welt keine unglaublich realistische Grafik hat, so sind vor allem die Charaktere mit viel Liebe gestaltet.
