Star Trek: Bridge Crew: Alleine zum Einschlafen, im Team ein Spielspaß-Knaller
Test
Star Trek: Bridge Crew im Test: Nein, wir steigen in diesem Text nicht mit dem Zitat "Der Weltraum, unendliche Weiten" ein, denn abgedroschener kann man einen Star Trek-Test ja kaum anteasern. Stattdessen fragen wir: Wie gut funktioniert der VR-Only-Titel mit Star Trek-Lizenz, der uns die verschiedenen Positionen auf der Brücke eines Föderations-Schiffes einnehmen lässt? Die Antwort: Gut - und auch schlecht. Warum, verraten wir in unserem Review zum Spiel!
Nach dem Playstation-VR-exklusiven Far Point erscheint mit Star Trek. Bridge Crew innerhalb kürzester Zeit der zweite Triple-A-Titel, der eine VR-Brille zum Spielen zwingend voraussetzt. Wo Farpoint knackige, rasante Gefechte in den Mittelpunkt stellte, geht Bridge Crew jedoch den genau umgekehrten Weg.
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Statt wilder Action zu fröhnen, bei dir wir im Wohnzimmer stehen und ordentlich ins Schwitzen kommen, machen wir es uns hier im Sitzen auf der virtuellen Kommandobrücke der USS Aegis gemütlich. Unsere Aufgabe: Knöpfchen drücken, Schalter betätigen, Regler umstellen und Karten studieren, wahlweise mit Bewegungscontrollern oder Gamepad - wobei die bewegungsintensive Variante zwar nicht zwingend wesentlich besser, aber deutlich immersiver funktioniert.
Ob mit Analogsticks oder durch simples Angreifen, alle Aktionen funktionieren sehr simpel, die Herausforderung besteht vielmehr darin, zu lernen, welches Objekt auf den virtuellen Schalttafeln welche Funktion erfüllt; der Blick auf die optional einblendbare Legende ist in der Hektik des All-Gefechts nicht immer gefahrlos möglich. Exklusiv den Bewegungs-Controllern vorbehalten ist die Möglichkeit, frei zu gestikulieren und unseren digitalen Mitreisenden zusätzlich zum zwingend notwendigen Sprachaustausch auch visuelle Hinweise zu geben - und das Mittendrin-Gefühl, das sich dadurch ergibt, ist enorm. Die Erkennung der Bewegungen ist dabei prinzipiell sehr präzise, erfordert aber, trotzdem man der VR-Technik durch die sehr statische Haltung eigentlich nicht allzu viel abverlangt, zu Beginn eine sehr genaue Kalibrierung, um einwandfrei zu funktionieren.
Quelle: PC Games
Wer will, schaltet auf eine Außen-Ansicht um und wundert sich über die auch außerhalb des Schiffes maue Grafikqualität.
Star Trek: Bridge Crew im Test: Weltraum-Quartett
Aber zurück zum Grundsätzlichen: Auf der Brücke schlüpfen wir in die Rolle der vier verfügbaren Positionen Captain, Steuermann, taktischer Offizier und Chefingenieur. Jedem kommen dabei festgelegte Aufgaben zu. Als Steuermann obliegt es uns, die USS Aegis - Überraschung! - zu steuern, die Schubkraft festzulegen, etwaigen Hindernissen und Feinden auszuweichen und Warp sowie Impuls zu aktivieren. Der taktische Offizier hingegen ist der Mann beziehungsweise die Frau fürs Grobe und kümmert sich primär um das Abfeuern von Phasern und Torpedos, aber auch um die Analyse von Objekten, unsere Verteidigung und mehr. Als Chefingenieur halten wir die verschiedenen Systeme unserer Mitstreiter am Laufen, indem wir Energieknoten verteilen, welche etwa unsere Maximale Schubkraft, den Phaser-Einsatz oder unsere Schildstärke reglementieren. Zusätzlich ist es seine Aufgabe, beschädigte Teile des Schiffes wieder auf Vordermann zu bringen.
Star Trek: Bridge Crew im Test: Alleine öde ...
Quelle: PC Games
Wie man das aus den Star Trek-Serien und -Filmen kennt, treten Freund und Feind mit uns über den primären Monitor in Kontakt.
Der Captain zu guter Letzt delegiert Aufgaben, behält über sämtliche Abläufe an Bord die Übersicht, legt Routen fest und verfügt über deutlich mehr Informationen zu den Werten des Schiffes und unseren Aufgaben als der Rest der Crew. Spielen wir Star Trek: Bridge Crew alleine, so übernehmen wir meistens diesen Part, die Aufgaben der restlichen Mannschaft können wir vom Chefstuhl aus per Befehlsmenü erledigen lassen. Bei Bedarf - etwa wenn die sehr dümmliche K.I. des Steuermanns das Schiff wieder einmal gegen Weltraum-Schrott manövriert hat und festhängt -, können wir aber jederzeit auf jeden Posten springen und selbst Hand anlegen. Allerdings: Dies sollte niemand tun, denn im Singleplayer-Modus ist das Spiel fast unerträglich langweilig.
Bricht man das Gameplay nämlich auf seine Essenz herunter, dann besteht es aus nichts anderem als virtuellem Knöpfchen-Gedrücke und vielen, vielen VIELEN Wartezeiten, etwa während Warps und Impulsreisen, während man langsam durch die Gegend schunkelt, während man ein Objekt scannt oder während man darauf wartet, dass die verschiedenen Systeme endlich wieder aufgeladen sind. Kampfsequenzen gegen Klingonen - die einzige feindliche Rasse im Spiel - spielen sich etwas dynamischer, laufen im Endeffekt aber auch auf Schiff ausrichten, abfeuern, warten hinaus. Wir spielten Bridge Crew anfangs nur offline, und als wir am Schluss der nur wenige Missionen umfassenden, knapp dreistündigen Kampagne ankamen, die noch dazu keinerlei erwähnenswerte Handlung mit sich bringt, waren wir reichlich ernüchtert und waren schon kurz davor, eine unterdurchschnittliche Wertung zu zücken.
Quelle: PC Games
Als Captain obliegt es einem, Aufgaben zu delegieren. Im Singleplayer-Modus geschieht dies via Menü-Befehlen. Auf Knopfdruck können wir dann auch zwischen den verschiedenen Positionen wechseln.
Star Trek: Bridge Crew im Test: ... im Team ein Spielspaß-Knaller
Quelle: PC Games
Das nostalgische Flair der wahlweise anwählbaren Original-Enterprise kommt super rüber.
Dann allerdings schlossen wir uns einer menschlichen Crew an und was zuvor an Biederkeit kaum zu überbieten war, entwickelte sich innerhalb von Sekunden zu einem der interessantesten VR-Erlebnisse, welche wir bisher erleben durften. Nimmt man eine feste Rolle ein und befindet sich im ständigen visuellen und auditiven Kontakt zu seinen Teammitgliedern, fallen lange Wartezweiten und die grundsätzliche Einfachheit des Gameplays kaum noch ins Gewicht. Stattdessen übernimmt das Gefühl, wirklich auf einer Star Trek-Brücke zu sitzen, schnell die Kontrolle, man entwickelt von Situation zu Situation neue Strategien, um auf Ereignisse wie angreifende Klingonen oder andere Gefahren zu reagieren. Es ist beeindruckend, wie schnell man sich mit seiner Rolle identifiziert und seinem Mitstreiter Sätze wie "Captain, wie ist die Situation?" oder "Ich brauche mehr Energie auf meine Phaser!" entgegenschleudert - ohne sich vollkommen lächerlich zu fühlen. Schön zudem: Wahlweise kann man sich auch an Bord der Original-Enterprise begeben und bekommt dann ein deutlich unübersichtlicheres Steuerboard, aber auch jede Menge nostalgischen Charme serviert.
Star Trek: Bridge Crew im Test: Probleme auf der USS Aegis
Quelle: PC Games
Sobald man kooperativ auf der Brücke werkelt, entwickelt sich Bridge Crew zum Spielspaß-Knaller!
So weit, so gut, doch mehrere Punkte halten den Titel davon ab, zum uneingeschränkt empfehlenswerten Mehrspieler-Hit zu werden. Da ist erst einmal der beschränkte Umfang: Neben den auch kooperativ erlebbaren Kampagnen-Missionen erwarten uns zufällig generierte Aufgaben, die jedoch sehr ähnlich ablaufen. Überhaupt: Bezüglich Abwechslungsreichtum bei den Missionen ist es nicht weit her. Außer Schiffskämpfen und Erkundungsmissionen, bei denen wir verschiedene Objekte scannen müssen, gibt es kaum etwas zu tun. Hinzu kommt das stark verbesserungswürdige Matchmaking: Zwar bringt einem das Spiel sehr zuverlässig mit Crew-Mitgliedern der eigenen Sprache zusammen, bis es so weit ist, muss man aber ellenlange Wartezeiten und etliche Server-Probleme über sich ergehen lassen.
Verlässt ein Teilnehmer die Crew - freiwillig oder unfreiwillig -, existiert zudem keine Option, eine angefangene Mission fortzusetzen. In der (hübsch gemachten) interaktiven Lobby ist zudem nicht ersichtlich, ob das Spiel automatisch nach neuen Teilnehmern für eine existente Runde sucht oder nicht und eine manuelle Option "nach neuen Spielern suchen" existiert ebenso wenig.
Quelle: PC Games
Die interaktive Lobby ist schön gestaltet, bietet aber zu wenige Möglichkeiten, die Runden zu planen.
Was übrig bleibt, ist ein Experiment, das beeindruckend beweist, wie sehr VR eigentlich banale Spielkonzepte bereichern kann, dem es aber an Fleisch fehlt, um als vollwertiges Abenteuer durchzugehen und das sich ergo mehr wie eine gut gemacht Tech-Demo anfühlt. In Verbindung mit den technischen Problemen - und einer leider sehr rudimentären Grafikqualität - bleibt eine Erlebnis mit jeder Menge Verbesserungspotenzial zurück, dass sich aber trotzdem kein VR-Brillen-Besitzer entgehen lassen sollte.
Metacritic bewertet das Spiel mit 78%.
