Garantiert subjektiv! Die zehn besten Spiele für den Commodore Amiga
Special 53,99 €
Am 25. März 2022 erscheint die Miniatur-Konsole TheA500 Mini und bringt die guten alten Zeiten des Commodore Amiga zurück ins Wohnzimmer. Wir nehmen die Veröffentlichung des Geräts zum Anlass, um euch die unserer Meinung nach wichtigsten und besten Spiele des Kultcomputers vorzustellen.
Keine andere Hardware wurde in den 1980er-Jahren so oft als "Wundermaschine" bezeichnet wie der Commodore Amiga. Auf keinem anderen System dieser Zeit bekam man so viele Farben zu Gesicht oder hörte die Klänge eines derart fortschrittlichen Soundchips. Und nicht zuletzt erschienen für den Heimcomputer zahlreiche großartige Spiele. Somit war es längst überfällig, dass der Amiga ab dem 8. April 2022 in Form des TheA500 Mini eine Renaissance erlebt. Auf der von Retro Games entwickelten Mini-Konsole werden zwar nur 25 Spiele enthalten sein, allerdings könnt ihr genau wie beim "Vorgänger" The C64 Mini über den USB-Eingang weitere Titel installieren.
Deshalb möchten wir euch unsere persönliche Top 10 der besten Amiga-Hits präsentieren - und tricksen dabei ein klein wenig, um der großen Vielfalt der Software-Bibliothek gerecht zu werden. Sprich: Wir beschränken uns auf ein Spiel pro Genre, erwähnen aber zusätzlich einige lohnenswerte Alternativen. Ein Genre haben wir bewusst außer Acht gelassen: Simulationen. In dieser Hinsicht hinkte der Amiga stets dem PC hinterher, weshalb wir allenfalls den leicht zugänglichen Flugsimulator F/A-18 Interceptor (1988) oder das umstrittene Weltraumspiel Frontier: Elite 2 (1993) hätten erwähnen können.
Stattdessen starten wir mit einem echten Exoten-Genre, das in den 1990er-Jahren einen kleinen Hype entfachte und gerade auf dem Amiga eine große Rolle spielte.
Bildergalerie
Platz 10: Pinball Fantasies
Richtig gelesen: Wir beginnen mit einem Flipper-Spiel! Genau genommen hätten wir jedes Werk von 21st Century Entertainment nehmen können, da alle von ähnlich guter Qualität gewesen sind. Am Ende setzte sich knapp Pinball Fantasies von 1992 durch: Die Fortsetzung von Pinball Dreams erschien noch im selben Jahr wie sein Vorgänger und war trotzdem technisch eine ganze Ecke ausgereifter. Neben der fabelhaften Kugelphysik faszinierte uns vor allem das fantastische Sounddesign. Zudem entzückte das variantenreiche Tischdesign, dessen Präsentation sowohl unbeschwerte Freude ausstrahlte (Party Land) als auch schaurige Atmosphäre suggerierte (Stones 'n Bones).
Quelle: Digital Illusions / Medienagentur plassma
Platz 10: Heiter und bunt: Pinball Fantasies stach dank der optisch liebevollen Gestaltung der Flippertische hervor und spielte sich erstklassig.
Ganz knapp geschlagen geben mussten sich die ebenfalls von 21st Century Entertainment entwickelten Pinball Illusions (1995) und Slam Tilt (1996).
Platz 9: Lotus Turbo Challenge 2
Heutzutage können Rennspiel-Fans aus zahlreichen hochwertigen Genre-Alternativen wählen, doch vor 30 Jahren waren Highlights aufgrund der limitierten Hardware eher selten. Umso mehr beeindruckte Lotus Turbo Challenge 2 (1991), ein Spiel wie geschaffen für den Amiga. Der Racer funktionierte nicht nur aufgrund seiner pfeilschnellen Technik, sondern bot ein überraschend intelligentes Spieldesign: Jede der acht Strecken glänzte mit einem eigenen Kniff, was für viel Abwechslung sorgte. Beispiel: In einem Fall wurde eure Sicht dank Nebel arg eingeschränkt, in einem anderen heizte man durch eine dicht befahrene Stadt inklusive Gegenspur.
Quelle: Magnetic Fields / Medienagentur plassma
Platz 9: Die zweite Strecke von Lotus Turbo Challenge 2 musste man in der Nacht und unter eingeschränkten Sichtverhältnissen bestreiten.
Ebenso empfehlenswert: Die Achterbahnfahrten aus Stunt Car Racer (1989) und das arcadelastige Super Cars 2 (1991), die beide auf dem TheA500 Mini vorinstalliert sind.
Platz 8: Ambermoon
Bei den Rollenspielen setzte sich Ambermoon (1993) gegen die Konkurrenz durch - vornehmlich, weil das deutschen Entwicklerstudio Thalion die Amiga-Hardware bis zum letzten bisschen Kraft ausnutzte. Abseits der verboten schönen Grafik mit ihren sensationellen Farbverläufen wechselte das Spiel stetig zwischen klassischer Vogelperspektive und spektakulärer Ego-Ansicht. Wohlgemerkt: Eine solche war zum damaligen Zeitpunkt sehr selten und eigentlich PC-Hits wie Wolfenstein 3D (1992) oder Ultima Underworld (1992) vorbehalten. Hinzu kam eine gut erzählte Geschichte, die nahtlos an den Vorgänger Amberstar (1991) anknüpfte und somit den spielerischen Anspruch sicherstellte. Einziger Nachteil: Für den vollen Spielspaß benötigte man eine Festplatte und mindestens einen Amiga 1200 mitsamt leistungsfähigem AGA-Grafikchip, damit die aufwendige 3D-Grafik in zufriedenstellender Geschwindigkeit über den Bildschirm scrollte.
Quelle: Thalion / Medienagentur plassma
Platz 8: Heute mag die grobpixelige 3D-Grafik des Rollenspiels Ambermoon niemanden mehr begeistern, doch anno 1993 staunte man über die technischen Leistung, die das deutsche Studio Thalion vollbracht hatte.
Weitere unvergessliche Rollenspiel-Hits für den Amiga sind die Dungeon Crawler Dungeon Master (1987) sowie Eye of the Beholder und dessen Nachfolger (beide 1991 erschienen).
Platz 7: Turrican 2
Zwei Worte, ein Name: Chris Hülsbeck. Ohne die Musik dieses Mannes wären die Turrican-Spiele nie zu dem Kult geworden, der die Fans bis heute nach weiteren Fortsetzung lechzten lässt. Egal, ob enormer Umfang (jeder Level-Abschnitt sowie jeder Boss hat seine eigene Musik), akribische Kompositionen (eine Ohrwurmmelodie jagt die nächste) oder liebevolle Instrumentation (die auch 31 Jahre nach Release kaum gealtert ist): Turrican 2 (1991) ist bislang ganz klar das Highlight seiner Karriere. Auch darüber hinaus war das Run-and-Gun der beste Teil der Serie, weil es genau wie sein Vorgänger mit ähnlich großen Levels glänzte und gleichzeitig übersichtlicher und bedeutend ausgereifter designt war. Letztlich begeisterte Turrican 2 mit kernig-schneller Action, bildschirmfüllenden Endgegnern und spaßigen Ideen wie einem Windtunnel, den man Sprung für Sprung erklimmen musste.
Quelle: : Factor 5 / Medienagentur plassma
Platz 7: Wer sich keinen The A500 Mini zulegen will, der kann das fantastische Turrican 2 dank der für PlayStation 4 und Nintendo Switch veröffentlichten Sammlung Turrican Flashback ausprobieren.
Zu den weiteren Action-Perlen für den Amiga zählten das Shoot'em-Up Apidya (1992) und Lionheart (1993), das vielleicht grafisch schönste Spiel für den Kultcomputer.
Platz 6: Die Siedler
Mal ehrlich: Viele deutsche Spiele fallen eher durch ausgereifte Technik auf und selten, weil sie etwas wirklich Neues präsentieren. Eine der wenigen Ausnahmen erschien ursprünglich für den Amiga und hat bis heute Spuren im Strategie- und Aufbauspiel-Genre hinterlassen: Die Siedler von 1993. Dass Die Siedler auf viele Spieler eine große Faszination ausübte, hatte viele Gründe: Es war leicht zu erlernen, erforderte aber mittelfristig Grips. Die Grafik lebte von den herzallerliebsten Animationen der Figuren; egal, ob sie nun Bäume fällten oder Gebäude errichteten. Insgesamt fühlte sich das Spiel sehr zugänglich und äußerst lebendig an - eine kleine Revolution angesichts der ansonsten steif wirkenden Aufbauspiele der damaligen Zeit.
Quelle: Blue Byte / Medienagentur plassma
Platz 6: In Die Siedler brauchte es nur wenige Mausklicks, damit die eigenen Untergebenen das Reich des Spielers aufbauten.
Zu den alternativen Strategie-Hits für den Amiga gehörten Sid Meiers unvergesslicher Genre-Mix Pirates! (1990) und die Echtzeitstrategie-Revolution Dune 2 (1992).
Platz 5: Rainbow Islands
Das Murmelspiel Marble Madness zeigte bereits Mitte der 1980er-Jahre, dass der Amiga die Leistung eines Spielhallenautomaten besaß. Doch noch weiter oben thronte ein Plattform-Titel, der etwas zu Unrecht im Schatten seines berühmten Vorgängers Bubble Bobble (1986) stand: Rainbow Islands aus dem Jahr 1989. Allen voran gefiel das ungewöhnlich verspielte Konzept des Jump'n'Runs: Man hüpfte mit seinem Männchen durch vertikal scrollende Levels und erzeugte per Knopfdruck Regenbögen. Die nutzte der Spieler wahlweise als Plattform oder hopste sie kaputt, um die zuckersüßen Knuddelgegner zu erschlagen. Daraufhin wirbelten ihre Körper durch die Luft und hinterließen meist einen von insgesamt sieben Diamanten. Und wenn man diese in der richtigen Reihenfolge von Rot bis Violett einsammelte, dann konnte man am Ende einer Welt den Endboss umgehen und stattdessen ein besonderes Extra-Objekt ergattern.
Quelle: Graftgold / Medienagentur plassma
Platz 5: Rainbow Islands vereinte zuckersüße Grafik, großartige Spielbarkeit und originelle Konzeptideen.
Die Amiga-Version stammte von Andrew "Paradroid" Braybrook, der eine nahezu pixelperfekte Automaten-Adaption ablieferte. Lediglich die drei ausgezeichnet versteckten Bonuswelten mussten aus Platzgründen weichen. Weitere Arcade- und Plattform-Hits, die wir für unsere Top-10-Liste in Betracht gezogen haben: Rock 'n' Roll (1989) und das bereits erwähnte Marble Madness von 1984.
Platz 4: Prince of Persia
Atmosphärisch dichte Spiele waren in den 80ern rar gesät. Zu den frühen Meilensteinen zählte Prince of Persia (1989), das US-Spieldesigner Jordan Mechner ursprünglich für den Apple-II-Computer entwickelt hatte und das erst 1990 mit den technisch verbesserten PC- sowie Amiga-Umsetzungen weltweit für Furore sorgte. Die Grafik sah bereits damals auf den ersten Blick simpel aus und faszinierte umso mehr, sobald man seinen Helden bewegte: Der persische Prinz rannte butterweich durch die Gänge und sprang grazil über jeden noch so tödlichen Abgrund. Der Nervenkitzel stieg immens an, sobald sich ein Tor öffnete, man im Eiltempo über einen gefährlichen Hindernisparcours schnellte und im allerletzten Moment durch das sich gerade wieder schließende Gitter rutschte.
Quelle: Broderbund / Medienagentur plassma
Platz 4: Zum Springen geboren: Prince of Persia begeisterte vor allem mit seiner dichten Atmosphäre und dem daraus entstehenden Nervenkitzel, die heiß geliebte Prinzessin in der vorgegebenen Zeit zu retten.
Besondere Momente wie der gespiegelte Prinz oder die liebevoll inszenierten Zwischensequenzen schoben Prince of Persia knapp ins Lager der Action-Adventures, wo sich der Klassiker gegen Geheimtipps wie It Came from the Desert (1989), Flashback (1992) oder Shadow of the Beast 3 (1992) durchsetzte.
Platz 3: Sensible World of Soccer
Ein schnödes Fußball-Spiel auf Platz 3 der besten Amiga-Spiele aller Zeiten? Unbedingt! Denn das sensationelle Sensible World of Soccer (1994) hat es definitiv verdient, derart gewürdigt zu werden. Bereits der Vorgänger Sensible Soccer (1992) begeisterte mit seiner pfeilschnellen Spielbarkeit, der besten Steuerung diesseits der Milchstraße und dem unwiderstehlichen Wuselfaktor der Mini-Fußballer. Sensible World of Soccer (kurz SWOS) erweiterte das actionreiche Grundgerüst mit unzähligen Liga-Optionen und einem umfangreichen Manager-Teil, der kaum Wünsche offenließ.
Quelle: Sensible Software / Medienagentur plassma)
Platz 3: Leicht zu erlernen, schwer zu meistern: Sensible World of Soccer vereinte die schnelle Action des Vorgängers mit einem erstaunlich komplexen Manager-Part.
In Sachen Fußball-Alternativen gab es auf dem Amiga nur einen ernst zu nehmenden Konkurrenten: Kick Off 2 vom britischen Entwickler Dino Dini. Und das von den Bitmap Brothers entwickelte Speedball 2: Brutal Deluxe (1990) lieferte ebenfalls reichlich Spielspaß, wenn auch mit einem futuristischen Ansatz. Beide SWOS-Alternativen sind auf dem TheA500 Mini vorinstalliert.
Platz 2: The Secret of Monkey Island
Obwohl alle bis hierhin genannten Spiele zu den besten der Amiga-Historie gehörten, heben sich unsere letzten beiden Kandidaten noch einmal gesondert vom Rest des Feldes ab. Unsere Silber-Medaille geht an eines der besten Point'n'Click-Adventures aller Zeiten, nämlich das legendäre The Secret of Monkey Island (1990). Der unbestechliche Witz der von Ron Gilbert, Dave Grossman und Tim Schafer erdachten Geschichte, die äußerst klug durchdachten Rätsel und die wunderschöne Präsentation machen den Titel zu einem All-Time-Classic, den man einmal in seinem Leben gespielt haben muss (!). Wo die Amiga-Umsetzung gegenüber dem PC-Original im wahrsten Sinne des Wortes an Farbe verlor (nämlich von 256 runter auf 32), da glich Chris Hülsbeck den Makel mit seinen herausragenden Musik-Arrangements wieder aus.
Quelle: LucasArts / Medienagentur plassma
Platz 2: Sein Name ist Guybrush, Guybrush Threepwood: Es dürfte kaum einen markanteren und zugleich bescheuerten „Helden“ geben als den Protagonisten aus The Secret of Monkey Island.
Zu den Runner-ups gehörten der famose Nachfolger von 1991 sowie praktisch alle anderen Adventures aus dem Hause Lucasfilm Games/Lucasarts, beginnend mit Maniac Mansion (1987) und endend mit Indiana Jones and the Fate of Atlantis (1992), wobei bei letztgenanntem Hit die Amiga-Umsetzung deutlich hinter der PC-Fassung zurückstand und den Spieler dank elf Disketten zum Discjockey machte.
Platz 1: Lemmings
Die Geschichte der Computer- und Videospiele hat einige Überraschungen hervorgebracht. Doch keine dürfte derart immens gewesen sein wie Lemmings (1991), eines der besten Puzzle-Spiele aller Zeiten. Psygnosis zählte zu den ambitioniertesten Entwicklern für den Amiga, gleichwohl die finalen Werke der Briten stets umstritten waren. Einerseits glänzten sie mit starker Grafik und tollem Sound, andererseits wiesen sie große Mängel bei Spielbarkeit und Gamedesign auf. Doch dann kam das hausinterne Studio DMA Design auf eine bahnbrechende Idee: Wie wäre es, ein ebenso niedliches wie auf den ersten Blick völlig unscheinbares Denkspiel zu erschaffen, bei dem der Spieler Dutzende von Lemmingen von A nach B bugsieren muss? Die Gemeinheit: Die nur wenige Pixel großen Nager marschierten blind durch die Levels und somit ungestüm in jede Falle oder Abgrund hinein. Also musste der Spieler ihnen Aufgaben erteilen, etwa eine Brücke bauen oder einen Tunnel graben, damit sie sicher zum Ausgang gelangten.
Quelle: PC Games
Platz 1: Rettung in letzter Sekunde: Diese Lemminge würden ohne eure Hilfe in ihren Tod springen, sobald sie über die Plattformkante stolpern. Buddeln sie hingegen ein Loch nach unten, dann landen sie aufgrund der geringeren Fallhöhe sanft und unverletzt auf dem Boden.
Darüber hinaus ertüftelten die Macher einen ganzen Sack voller brillanter Levels. Im Gegensatz zu vielen anderen Puzzle-Spielen, in denen man schnell auf die richtige "Idee" kommt und dafür ewig lange für die Umsetzung benötigt, verlangte Lemmings von euch einen Geistesblitz nach dem anderen und sorgte entsprechend für eine enorm hohe Motivation, sobald man den richtigen "Trick" herausfand.
Mit ein Beweis hierfür sind die vielen Nachfolger und Nachahmer, die zwar gut waren (allen voran das vielschichtige Lemmings 2 von 1993), aber eben nicht diese sagenhafte Kombination aus komplett neuer Spielidee und ausgereiftem Puzzledesign besaßen. Und deshalb war beziehungsweise ist Lemmings unserer Meinung nach das beste Amiga-Spiel aller Zeiten. Weitere Puzzle- und Geschicklichkeits-Highlights für den Amiga: Push Over (1992), Worms (1994) und Dynablaster (1991), besser bekannt als Bomberman.
