Bob, Bob's Game & Nintendo: Ein Mann, ein Spiel, ein Feind - Seite 3
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Ein einsamer Indie-Entwickler stellt nach Jahren härtester Arbeit ein Meisterwerk fertig. Doch für Robert Pellonis Projekt Bob's Game gab es kein Happy End.
Ursprünglich war Bob's Game eine autobiografisch angehauchte Erzählung von einem Jungen, der ein Spiel programmieren will. Wenig später war Bob's Game laut Aussagen von Pelloni die spielgewordene Offenlegung einer Verschwörung, in welcher der "diabolische Miyamoto" gemeinsam mit einem bösen Doppelgänger von Reggie versucht, die Welt mit Casual-Games zu überfluten. Trotz vorzeitigem Ende des Streiks ließ Pelloni Anfang 2009 nicht locker: Gemeinsam mit Freunden fiel er im Nintendo Store in New York ein, die Gruppe hängte Poster zu Bob's Game im Geschäft auf, verteilte Spielehüllen und verstreute Visitenkarten, bis sie des Ladens verwiesen wurde.
Angesichts dessen kam es für Beobachter nicht überraschend, als Nintendo Wochen später schriftlich die endgültige Absage erteilte. Pelloni würde für Bob's Game nicht den Entwickler-Status bei Nintendo und dementsprechend keine Hard- und Software erhalten. Darauf nutzte Pelloni eine Variante der jahrhundertealten "War nur ein Witz"-Verteidigung - alles, was in den letzten Wochen vorgefallen war, sei nur eine virale Kampagne für Bob's Game gewesen.
In diesem Artikel
Neue Ufer
Quelle: Robert Pelloni
Um an Batterien zu kommen, muss Protagonist Yuu ins Zimmer seines älteren Bruders. Und um den von dort wegzulocken, schaltet er den Strom aus.
Bei Pelloni schien angekommen zu sein, dass Bob's Game nicht auf Nintendo-Hardware erscheinen würde. Zwei Jahre lang wurde es still um den Entwickler, bis er 2011 eine Handheld-Konsole ankündigte, der Bob's Game beiliegen würde. Das Gerät sollte 20 US-Dollar kosten, Linux als Betriebssystem aufweisen und sich an Indie-Fans richten.
Die Ankündigung der Hardware traf in erster Linie auf Skepsis, nicht nur wegen des unschlagbar günstigen Preises, sondern auch wegen des Trailers, in dem eine Stimme zu Industrial Metal diverse Fakten zum Gerät kreischte - etwa, dass es wie ein Spielzeug aussieht, weil es für Kinder gedacht ist.
Aus der Produktbeschreibung der nur noch über das Internet Archive aufrufbaren Webseite liest sich der Frust des Schöpfers heraus: "[nD] ist stärker als das Ding mit zwei Bildschirmen". Etwas Handfestes kam am Ende nicht heraus, etwa zwei Jahre nach der Vorstellung des Konsolenkonzepts begann Pelloni, sämtliche Hinweise auf die Hardware von seinen Internetseiten zu entfernen.
Quelle: Robert Pelloni
An welche Konsole soll dieses Gerät nur erinnern? Mutti hat uns auf Batteriesuche geschickt, damit der „Game Toy“ wieder funktioniert. Danke, Mama!
Das Spiel an sich, Bob's Game, war wiederum durch die zahlreichen Änderungen am Code innerhalb der Jahre zu mindestens zwei verschiedenen Games mutiert. Das eine ein Puzzle-Spiel, das andere das ursprünglich geplante Rollenspiel. Für den Release der Puzzle-Version sammelte Pelloni Ende 2013 Geld über Kickstarter, und obwohl er den Zielbetrag knapp verfehlte, erschien Bob's Game - beziehungsweise dessen Puzzle-Variante - für die Flop-Konsole Ouya.
Ein Jahr später startete Pelloni eine weitere Kickstarter-Kampagne. Trotz des wahnwitzigen Beschreibungstextes, in dem Sätze stehen wie "[Bob's Game] ist das beste Puzzle-Spiel, das je programmiert wurde, und das einzige Puzzle-Spiel, das objektiv betrachtet besser als Tetris ist", kam das Geld zusammen.
Die Seite des Kickstarter-Projekts gewährte Einblicke in Pellonis Aktivitäten der letzten Jahre. So beschreibt er, wie er angeblich von der Spieleindustrie eine Hirnwäsche bekam, bei Freunden auf der Couch lebte, sich von den Eltern aushalten ließ, um schließlich in seinem Auto zu schlafen.
Quelle: Robert Pelloni
Dass Bob’s Game autobiografisch angelegt ist, dürfte schon anhand des Namens klar sein. Zur Sicherheit hat sich Pelloni aber auch als Portrait verewigt.
Das Geld der zweiten Kickstarter-Kampagne sollte auch in den Ausbau eben jenes Vehikels investiert werden, sodass er dort nicht nur wohnen, sondern auch an Bob's Game arbeiten kann. 2016 erschien Bob's Game auf Steam als Alpha-Fassung, ein Jahr später folgte der Release des kompletten Spiels. Allerdings: Auch hierbei handelt es sich um ein Tetris-ähnliches Puzzle-Game, und nicht um das RPG, das Spieler eigentlich haben wollten. Heute ist auch die Puzzle-Fassung von Bob's Game wieder von Steam verschwunden.
Pelloni änderte den Namen des Titels in "ok" und löschte sämtlichen Screenshots, Trailer und Files, sodass selbst Spieler, die Bob's Game in der Bibliothek haben, es nicht mehr herunterladen können. Auch Pelloni hat sich rargemacht. Seine Webseite ist leer, ob er noch Spiele entwickelt? Unbekannt. Das letzte Lebenszeichen aus dem Jahr 2021 war ein wirrer Textsalat.
Offensichtlich stand sich Pelloni selbst im Weg und entschied nicht im besten Sinne für sein Projekt. Wie viele seiner Aussagen bloß Aufmerksamkeit generieren sollen, ob er wirklich glaubt, übernatürliche Kräfte zu besitzen, wie er auf der Kickstarter-Seite behauptete, ist unmöglich zu beurteilen.
Dass Bob's Game in seiner ursprünglichen Fassung - wenn diese je existierte - gut auf den Nintendo DS gepasst hätte, halten wir für wahrscheinlich. Übrigens äußerte sich sogar Reggie Fils-Aimé in einem Interview 2009 zur Causa Pelloni: Nintendo habe dessen Bewerbung nach den gleichen Kriterien begutachtet wie die aller anderen.
Auf die Anfeindungungen, die Pelloni sogar in sein Spiel programmiert hatte, ging Reggie nicht ein - ein Maß an Professionalität, über das Pelloni nie verfügte. Sicher ist dies aber auch den instabilen Lebensumständen Pellonis und dessen instabiler Persönlichkeit geschuldet - wir hoffen, dass es ihm in beiderlei Hinsichten heute besser geht.
