Second Extinction in der Vorschau: Left 4 Dead mit Dinos?
Special
Im Genre der Koop-Shooter gilt Left 4 Dead seit Jahren als der unangetastete König. Daran haben auch diverse Klone mit Aliens, Dämonen oder mittelalterlichem Ungeziefer nichts geändert. Mit Second Extinction wagen die Entwickler von Systemic Reaction nun einen neuen Versuch. Der ersetzt Zombies durch Dinosaurier, bringt aber auch einige andere spannende Ideen mit, mit denen sich die Mehrspieler-Ballerei auf Dauer in der Szene etablieren will.
Stellt euch vor, jemand setzt euch mutterseelenallein im Dschungel des Jurassic Park aus, drückt euch eine Knarre mit etwas Munition in die Hand und lässt euch mit den Worten "Viel Spaß!" zum Sterben zurück. So ungefähr fühlt sich Second Extinction an. Der Ego-Shooter wurde während der Mai-Ausgabe der Inside-Xbox-Show vorgestellt und ist, um einen möglichst griffigen Vergleich zu ziehen, eine Art kooperative Version des Capcom-Klassikers Turok: Ihr ballert im Dreierteam auf zahlreiche urzeitliche Kreaturen und versucht, euren Platz an der Spitze der Nahrungskette zurückzuerobern.
Klingt in der Theorie wie ein todsicheres Ding, aber wie gut funktioniert Second Extinction in der Praxis? Wir hatten die Möglichkeit, bereits eine gute Stunde in den Titel reinzuspielen und derweil mit dem Entwicklerteam rund um Lead Producer Brynley Gibson zu quatschen. Unsere wichtigsten Erkenntnisse wollen wir euch dabei natürlich nicht vorenthalten.
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Who let the Dinos out?
Wer sich an einem Koop-Shooter versucht, der muss sich natürlich an den Größen des Genres messen lassen: Left 4 Dead und Left 4 Dead 2 von Valve. So richtig gut funktioniert der Vergleich bei Second Extinction allerdings nicht, mit Blick auf die Zombie-Schlachtplatte ergeben sich nämlich einige eklatante Unterschiede. Der wichtigste: Anders als in Left 4 Dead seid ihr nicht in linearen Levels unterwegs, erledigt eine Mission und werdet dann am Ende aus dem Gebiet extrahiert. Stattdessen erwartet euch eine offene Spielwelt, die ihr in eurem eigenen Tempo erkunden könnt. Dabei verfolgt ihr zwar auch eine zentrale Hauptaufgabe, nebenher ergeben sich allerdings jede Menge zufälliger Nebenaufträge oder unerwarteter Feindbegegnungen.
Quelle: Systemic Reaction
Im Rahmen der etwa zehn Missionen, die zum Launch zur Verfügung stehen, müsst ihr beispielsweise als vermisst gemeldete Expedition finden und zurück zu eurer Operationsbasis schicken.
In seinem Grundkonzept erinnert Second Extinction daher eher ein wenig an Generation Zero aus dem letzten Jahr. Dort musstet ihr kooperativ das Schweden der 80er-Jahre von einer mysteriösen Roboter-Invasion befreien. Diese Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr, denn bei dem gerade mal 35 Mann starken Team von Systemic Reaction handelt es sich tatsächlich um eine Tochterfirma von Avalanche Studios - den kreativen Köpfen hinter Generation Zero, aber auch anderen Open-World-Abenteuern wie Mad Max, Just Cause oder Rage 2.
Second Extinction trägt daher ebenfalls viel Avalanche-DNS in sich, allen voran in Form einer riesigen Spielwelt, die mit Hilfe der hauseigenen Apex Engine erschaffen wurde. Die ähnelt grob einer komprimierten Version der arktischen Tundra, steckt also voll verschneiter Wälder, eisiger Berggipfel und vor Kälte klirrender Höhlen. Vermischt wird das ganze mit vereinzelten Überresten menschlicher Strukturen wie Hangars, Lager oder Funktürme. An denen haben allerdings nicht nur der Zahn der Zeit, sondern auch noch das menschenwidrige Wetter genagt. Das unterliegt im Spiel dynamischen Schwankungen, auch einen Tag-Nacht-Rhythmus wird es geben. Mit knapp 16 Quadratkilometern ist die Karte von Second Extinction nicht übermäßig riesig, kann dafür aber auch nur ausschließlich zu Fuß erkundet werden. Darüber hinaus steckt die Gegend ja auch noch voller Dinos, die euch jede Art von Fortbewegung immens erschweren.
Das Leben findet einen Weg
Aber Moment mal, Urzeitmonster im 21. Jahrhundert? Wie passt das denn bitte zusammen? Dafür haben sich die Macher natürlich eine vollkommen plausible Erklärung ausgedacht: Statt durch einen Meteoriteneinschlag draufzugehen, haben die Riesenreptilien sich vor Jahrmillionen lieber unter die Erde zurückgezogen und zu einem kleinen Winterschläfchen hingelegt - bis der menschengemachte Klimawandel sie aufgeweckt und ziemlich sauer gemacht hat! Klingt vielleicht etwas plump, die Grundgeschichte von Second Extinction nimmt sich aber glücklicherweise weder allzu ernst noch allzu viel Platz ein. Da kann man auch mal ruhig darüber hinwegsehen, dass das Spiel uns weismachen will, wir würden zu Beginn jeder Partie von einer Raumstation im All zurück auf die Erde geschossen, um als Teil der Emergency Response Agency (ERA) Ressourcen, Waffen und Informationen zu suchen.
Quelle: Systemic Reaction
Die Ballereien in Second Extinction sind ganz schön blutig. Ihr könnt den Urzeitmonstern sogar einzelne Körperteile abschießen.
Dabei haben wir stets die Auswahl aus aktuell vier Hauptcharakteren mit verschiedenen spielerischen Vorteilen: Als der deutsche Elitesoldat Jürgen Winter rennt ihr etwa mit einem Scharfschützengewehr durch die Gegend, während Mechanikerin Rosy indes lieber auf ihre massive Minigun setzt. Zudem verfügt jeder Charakter über zwei Spezialfähigkeiten. Ex-Polizist Amir kann beispielsweise einen Scanner starten, mit dem in der Umgebung lauernde Gegner markiert werden. Kollegin Ortega aktiviert einen Buff für ihre Angriffskraft. Dadurch begünstigt jedes Mitglied des Einsatzteams, das nach Release um weitere Figuren ergänzt werden soll, einen individuellen Spielstil. Ihr könnt entweder aus dem Hintergrund Unterstützung leisten oder aber an der Frontlinie für ordentlich Chaos und Zerstörung sorgen.
Quelle: Systemic Reaction
Außerdem verfügt jeder der insgesamt vier Startcharaktere über individuelle Fähigkeiten. Ex-Cop Amir kann mit einem Scanner beispielsweise Gegner in der Umgebung aufdecken.
Entsprechend wichtig ist es, dass ihr euch mit euren Teamkameraden absprecht, wer welche Rolle übernimmt. Zumal vor dem Beginn einer jeden Mission, die ihr über eine taktische Karte auswählt, weitere Entscheidungen auf dem Plan stehen: Welche Ausrüstung nehmt ihr mit - Granaten, Munitionspakete oder doch besser einen Marker für Luftunterstützung? Und an welchem Punkt auf der Karte lasst ihr euch absetzen? Planung und Teamwork sind in Second Extinction unabdingbar! Deshalb gibt es Ingame nicht nur einen Sprachchat, sondern auch ein Ringmenü mit kurzen Kommandos.
Wenn es blutet, kann man es töten
Die Aufgaben, die euch am Boden erwarten, sind zwar nicht sonderlich herausfordernd. In mehrstufigen Missionen müsst ihr mal nach verlorenen Expeditionstrupps suchen, mal T-Rex-Eier sammeln oder verlassene Militärhangars durchsuchen. Standardkost eben. Spätestens beim ersten Feindkontakt wird's aber spannend. Second Extinction setzt euch dank dynamischer Spawning-Mechanik nämlich stets andere und unterschiedlich viele Dinos vor. So bleiben die Auseinandersetzungen frisch und unberechenbar. Auch das Angebot an Gegnertypen weiß zu überzeugen: Es gibt Standard-Raptoren, elektrische oder giftspuckende Saurier, Alphatiere, die ihre Artgenossen noch aggressiver machen und angsteinflößende Riesenechsen wie den T-Rex.
Die erschießen sich natürlich nicht einfach freiwillig und präsentieren sich dann als nette Jagdtrophäe, sondern leisten ordentlich Gegenwehr. Ihr müsst also ständig in Bewegung bleiben, Schwachstellen der Gegner ausmachen und kritische Treffer landen. Dadurch entstehen rasante actiongeladene Kämpfe, in denen euch alles abverlangt wird. Die sind mit wuchtigem Trefferfeedback und Bluteffekten nicht nur markig inszeniert, sie spielen sich dank des flotten Movements mit Rutschen, Springen und Dashen auch noch richtig flüssig. Einziger Wermutstropfen: Die KI ist hier und da noch etwas doof. Gerade bei Raptoren geht die Gefahr hauptsächlich von ihrer Menge aus, nicht ihrer Cleverness. Was schade ist, da uns spätestens Jurassic Park beigebracht haben sollte, dass die Fleischfresser echt clevere Kerlchen sind.
Quelle: Systemic Reaction
Das Gegnerfeld in Second Extinction umfasst einige spannende Viecher, unter anderem auch eigentlich friedfertige Pflanzenfresser wie den Ankyloraurus.
Am Ende jeder Mission ruft ihr dann schließlich ein Shuttle herbei, das ihr bis zur Extraktion verteidigen müsst. Dann ist Zahltag: Für erledigte Viecher bekommt ihr Forschungspunkte, das Second-Extinction-Äquivalent zu XP, sowie Ressourcen in Form von Dino-Organen. Mit denen schaltet ihr neue Ausrüstung frei beziehungsweise verbessert bereits vorhandene. Je ausgefallener eure Upgrades werden, desto exotischere Saurier müsst ihr dafür aber auch erlegen. Das erinnert fast ein wenig an den ewig währenden Grind aus Monster Hunter. Leider ist das Waffensystem mit gerade mal einer Handvoll Verbesserungskategorien - Stabilität, Schaden, Handhabung und kritische Trefferchance - nicht allzu tiefgreifend.
In einem Land vor unserer Zeit
Quelle: Systemic Reaction
Dazu kommen einige Riesenechsen, bei denen sich die Entwickler ein wenig gestalterische Freiheiten herausgenommen haben. Den elektrischen Raptor gab es in der Realität etwa natürlich nicht.
Damit die etwa 30 bis 40 Minuten langen Durchläufe auch auf Dauer unterhaltsam und motivierend bleiben, haben sich die Macher daher noch ein paar Zusatzfeatures ausgedacht: Während eines Spiels könnt ihr unter anderem dynamische Nebenmissionen annehmen, in deren Rahmen ihr beispielsweise abtrünnige Drohnen abschießt. Oder ihr nehmt vor Spielstart ein paar Aufträge an, optionale Ziele wie der Abschuss eines Bullen oder das Herbeirufen eine bestimmten Anzahl von Supply Drops. Dafür winken euch dann, je nach Schwierigkeitsgrad des Auftrags, Belohnungspakete in den Stufen Bronze, Silber und Gold.
Dazu kommt noch "War Effort", eine Art Community-getriebenes Metaspiel in Second Extinction. Wenn ihr es nicht schafft, die Dino-Invasion unter Kontrolle zu bekommen, wird die Spielwelt zunehmend unsicher, was sich in einem steigenden Gefahrenlevel der insgesamt sieben Areale der Tundra niederschlägt. Irgendwann eskaliert die Situation dann komplett und gipfelt in einem sogenannten "Emergence Event", das das Spielgefühl maßgeblich beeinflussen soll - beispielsweise durch eine komplett neue Dino-Mutation. Die Spielerschaft hat also selbst Einfluss darauf, wie sich das Spielgefühl nach dem Launch weiterentwickelt. Der ist übrigens bereits im Oktober als Early-Access-Variante auf Steam geplant. Eine Xbox-Version haben die Entwickler ebenfalls angekündigt, für diese gibt es bis dato aber noch kein konkretes Releasedatum.
