Season: A Letter to the Future im Test: Rad-Tour durch die Apokalypse
Test
Apokalypse mal anders: Mit dem Fahrrad durch eine melancholische und wunderschöne Welt radeln, Momente und Szenerien via Retro-Kamera festhalten und das am Leben sein in einer Zeit skizzieren, die kurz vor ihrem ungewissen Ende steht. Das für PC und Playstation veröffentlichte und einzigartige Abenteuer Season gefällt dank etlicher unüblicher und spannender Ideen, ob der letzte Tag der uns bekannten Welt aber auch spielerisch Spaß bereitet? Wir klären's in unserer Review!
Das 2015 in Montreal gegründete Entwicklerteam Scavengers Studios, die Macher hinter dem Battle-Royale- und Survival-Mix The Darwin Project, wollen mit ihrem zweiten Spiel in eine vollkommen neue Richtung radeln: Ziel ist es, mit dem nagelneuen Season: A Letter to the Future, eine melancholische und tiefgründige Fahrradreise durch eine Welt zu porträtieren, die große Veränderungen erwartet. Dabei wird Scavengers' Kernpunkt schnell deutlich: Nichts ist für ewig und alles, ob Menschen, Erinnerungen, Denkmäler, Momente oder gar die Natur, nur ein hilfloses Opfer der Zeit. Wir haben das Indie-Abenteuer getestet, den letzten Tag dieser fremden Welt erlebt und verraten, ob Season die hohen Erwartungen, die durch die wunderschönen Trailer gesteckt wurden, erfüllen kann.
Unsere Empfehlung: Wer sich lieber auf visueller Ebene ein Bild vom melancholischen Adventure machen möchte, das übrigens für PC und Playstation verfügbar ist, dem empfehlen wir unser ausführliches Review-Video. Solltet ihr uns auf YouTube noch nicht folgen, dann holt das unbedingt nach. Neben Reviews gibt es jede Menge an Specials, Reportagen, nostalgische Retro-Videos und vieles mehr.
Mit dem Fahrrad in Richtung Abgrund
Im Weltuntergangsabenteuer Season erwartet uns kein tödlicher Pilzvirus, keine Invasion von blutigen Monstern oder - noch schlimmer! - keine Klimakrise, die unsere Welt zugrunde richtet. Vielmehr spielt Season mit dem emotionalen Abschluss einer langen Zeitspanne, einer sogenannten Season. Die steht nicht nur für ein großes und ereignisreiches Kapitel der Weltgeschichte, sondern beinhaltet auch die Gefühle, Erinnerungen, Beziehungen und Erfolge ihrer aktuellen Bevölkerung. Ob man möchte oder nicht, das wird nun alles laut einer Prophezeiung unseres besten Freundes Pate mitsamt einer großen Flut enden - für immer.
Der letzte Tag der uns bekannten Welt ist angebrochen und so machen wir es uns in der Rolle der jungen Estelle zur Aufgabe, via Fotografie, Skizzen, Audioaufnahmen und Notizen festzuhalten, was es bedeutet, hier und jetzt in dieser Zeit zu leben. Was denken die Menschen über das bevorstehende Ungewisse, da mit der großen Flut auch kompletter Erinnerungsverlust einhergeht. Wenn es keine Geschichten, Hintergründe und Gedanken gibt, was bedeutet Zeit dann überhaupt?
Quelle: PC Games
Season: A Letter to the Future im Test (Screenshot #11)
Wie klingen Tiere, der Wald oder der Wind? Welche Monumente schmücken unsere jetzige Realität? Was bedeutet es, einsam zu sein? Was verdient es, von uns eingefangen und festgehalten zu werden? Und was ist tatsächlich wichtig? Statt sich, wie bei vielen anderen Spielen, die mit einer solch starken Untergangthematik arbeiten, auf das Eliminieren und Ausschalten zu fokussieren, übernehmen wir in Season: A Letter to the Future die Aufgabe des Bewahrens - erfrischend.
Anders als die Menschen und Tiere, die uns umgeben, ist die Protagonistin Estelle dank ihrer fürsorglichen Mutter vom großen Wandel bewahrt. Gleich zu Beginn des sechs- bis zwölfstündigen Abenteuers fertigen wir nämlich gemeinsam in einem Ritual aus fünf intimen Gegenständen einen Anhänger an, der unsere abgespeicherten Erinnerungen vor der großen Leere beschützt. Was wir an diesem letzten, ereignisreichen Tag erleben, wird im persönlich anpassbaren Tagebuch festgehalten. Unsere eigens gesammelten Notizen, Bilder und Aufnahmen müssen wir ans andere Ende der Welt bringen, wo sie in einem berühmten Museum, wohlbehütet vor dem Wandel der Jahreszeiten, die Ewigkeit überdauern sollen.
