Saints Row: The Third Remastered im Test - Vorpubertärer Chaos-Simulator in neuem Gewand
Test
Fast zehn Jahre ist es her, dass der dritte Teil der seinerzeit als GTA-Klon verpönten Sandbox-Action-Reihe für PC, PS3 und Xbox 360 erschienen ist. Mit derbem Humor und einer abgedrehten Spielwelt, inklusive Laserwaffen und Dildo-Totschlägern, hob sich Saints Row: The Third damals vom Konkurrenten aus dem Hause Rockstar ab. Wie gut das Konzept gealtert ist und was die Remaster-Version anders macht, das verraten wir euch im Test.
2011 war die Welt noch ein besserer Ort: keine Virus-Pandemien, keine Fake-News-Kampagnen und auch eine neue Wirtschaftskrise schien nach der erst kürzlich überstandenen noch in weiter Ferne zu liegen. Für die Videospielbranche war es auch kein schlechtes Jahr. Game-Releases wie Skyrim und Dark Souls sorgten für eine nachhaltige Veränderung der Videospiel-Landschaft. Während Skyrim viele Entwickler dazu inspirierte, die Welt mit Open-World-Games zu fluten, rief Dark Souls mit den Soulsborne-Spielen sogar ein neues Genre, das heutzutage mehr als Genug Ableger hat, ins Leben.
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Ein Spiel, welches unter diesen und weiteren 2011er-Hochkarätern wie Uncharted 2 und Gears of War 3 trotzdem herausstach, war Saints Row 3. Anstatt tiefgründige Storys, ausgefeilte Action und brillante Grafik gab es hier nämlich Chaos pur.
Team-Effort
Quelle: PC Games
Die Charaktermodelle sehen in den überarbeiteten Cutscenes deutlich detaillierter aus als im Original.
Trotzdem oder gerade deswegen konnte sich das Actionspiel zum Hit entwickeln. Der einzigartige Stil, der derbe Humor und die abgedrehten Waffen und Fahrzeuge reichten aus, um den Saints Row 3 von anderen Open-World-Titeln abzuheben. Wie kann es denn auch anders sein in einem Spiel, das die Möglichkeit bietet, als Hotdog verkleidet in einem Panda-Buggy über flammende Zombie-Horden zu springen? Das in der Medienlandschaft überwiegend positiv bewertete Saints Row: The Third konnte sich auf den alten Plattformen so über 5,5 Millionen Mal verkaufen. Bei diesen Zahlen ist es kein Wunder, dass sich Entwickler Volition und Publisher Deep Silver dazu entschieden haben, den ulkigen Titel in einer grafisch überarbeiteten Neuauflage erneut auf die Spielerschaft loszulassen.
Um das Spiel grafisch auf ein aktuelles Niveau zu heben, holte Deep Silver die Make-up-Experten des Co-Entwicklerstudios von Sperasoft mit an Bord. Sperasoft, die zum Beispiel auch an der Entwicklung von Assassins Creed Valhalla beteiligt sind, bearbeiteten für die neue Version über 4.000 Assets. Charaktermodelle, die Spielwelt und die Waffen- und Fahrzeugskins wurden so komplett aufpoliert. Zudem wurde das Spiel mit verbesserten visuellen Effekten und einer neuen Licht-Engine versehen. Wichtiger ist aber freilich, ob Saints Row: The Third (jetzt kaufen ) auch außerhalb der grafischen Veränderung mit modernen Titeln mithalten kann.
Die Schönheit des Chaos
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Die Karte in Saints Row: The Third bietet viele Aktivitäten, die sich jedoch extrem schnell wiederholen.
Man muss die Remastered-Version von Saints Row: The Third nicht lange gespielt haben damit einem die grafischen Neuerungen positiv ins Auge springen. Die hochauflösenden Texturen, die verbesserten visuellen Effekte, die überarbeiteten Modelle - all das lässt den Begriff Remaster zumindest auf grafischer Ebene gerechtfertigt erscheinen. Die Stadt Steelport sieht hier deutlich schöner aus als in der ursprünglichen Last-Gen-Version. Die verbesserten Charaktermodelle sind in den überarbeiteten Cutscenes und angesichts der unzähligen verschiedenen Kostüme gut sichtbar. Zudem sehen die wuchtigen Explosionseffekte im stark auf Chaos ausgelegtem Gameplay äußerst gut aus und bringen euch viele lustige Momente. Die neuen Licht- und Wassereffekte sorgen bei Nacht für eine Atmosphäre, die man sich beim Originaltitel im Jahr 2011 nur hat erträumen können.
Ganz ohne grafische Makel ist das Remaster jedoch nicht. Vereinzelte Pop-ins, speziell beim Benutzen der Fahrzeuge, sind uns beim Testen besonders aufgefallen. Auch gegen nerviges Clipping wie etwa bei den Waffen hätte man bei Sperasoft mehr machen können. Und trotz aller Neuerungen ist der Titel natürlich nicht auf dem grafischen Niveau aktueller Open-World-Spiele.
Kurzausflug in den Wahnsinn
Quelle: PC Games
Das Motto in den meisten Nebenmissionen lautet: In bekannter Saints-Row-Manier so viel Chaos anzurichten wie nur möglich.
Aber genug zu den visuellen Aspekten: Beim Gameplay merkt man leider auch nach wenigen Spielminuten, wie sich der Remaster vom Original unterscheidet, nämlich im Grunde gar nicht. Große und dringend nötige Verbesserungen sind hier leider ausgeblieben. Die miese KI und das repetitive Missionsdesign machen es schwer, die verrückte Sandbox von Saints Row in vollen Zügen zu genießen. Selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad stellen die Gefechte kaum ein Problem dar, da sich die Gegner-KI oft irgendwo verfängt. Falls sie doch in Bewegung kommt, dann meist nur, um euch dank ihres schlechten Bewegungsverhaltens vor die Flinte zu laufen. Die prinzipiell gut gelungene Fahrzeugsteuerung wird des Öfteren durch das eher fragwürdige Fahrverhalten eurer computergesteuerten Verkehrsteilnehmer gestört.
Gerettet wird das Gameplay hauptsächlich durch das einzigartige Waffenarsenal und den chaotischen Fuhrpark. Die Shootermechanik funktioniert gut und das Gefühl, in den übermächtigen Gefährten wie etwa Hubschraubern, Kampfjets oder High-Tech-Panzern zu sitzen, ist spaßig. Zudem sieht die actiongeladene Fahrerei und Fliegerei dank der neuen Effekte auch gut aus. Das Waffenarsenal ist mit schrägen Exemplaren wie dem Molluskenwerfer, einer Art Raketenwerfer, der jammernde Tintenfische verschießt, und zu Totschlägern umfunktionierten Sexspielzeugen abwechslungsreich bestückt und für einige absurde Momente gut.
Zurück nach Steelport
Quelle: PC Games
Der Gedanken manipulierende Weichtier-Raketenwerfer ist nur ein Beispiel aus dem wahnwitzigen Waffenarsenal in Saints Row: The Third.
Die Story von Saints Row 3 ist schnell zusammengefasst: Als Anführer der Third Street Saints liegt es an euch, eure Gang nach einem fehlgeschlagenen Bankraub wiederaufzubauen und die Stadt Steelport aus den Fängen des berüchtigten Syndikats zu befreien. Die Geschichte räumt dabei keinesfalls Preise für ihre Tiefgründigkeit ab. Diesen Anspruch stellt das Spiel aber auch nicht. Die Macher setzen bewusst auf derbe, anspruchslose Unterhaltung und völlig absurde Szenarien. Uns erwartet ein durchgeknallter Wahnsinns-Trip mit krachenden Flachwitzen vom Feinsten. Sequenzen, in denen man sich eine Verfolgungsjagd mit BDSM-Rikshas liefert, sind dabei nur der Anfang. Wer sich durch den dreckigen Humor nicht angesprochen fühlt, könnte mit dem Grundton des Spiels jedoch nicht glücklich werden.
Mogelpackung namens Saints Row
Saints Row: The Third Remastered enthält alle bisherigen Erweiterungen und Skin-Packs. Jedoch trügt der vermeintlich große Umfang: Die
Quelle: PC Games
Ob als Scharfschütze oder in einem Helikopter: Schutzengel-Missionen gibt es genug für die nächsten fünf Saints Rows.
Storymissionen können locker in unter 10 Stunden abgefrühstückt werden, was für ein Open-World-Spiel doch relativ kurz ist. Die Nebenaktivitäten, obwohl zahlreich, wiederholen sich zu oft, als dass sie genügend Abwechslung bieten könnten. Die meisten Escort- oder Zerstörungsmissionen unterscheiden sich nur bezüglich der Charaktere, die ihr transportieren müsst. Die Map bietet zahlreiche Marker, die man der Reihe nach abklappern kann, um so den Einfluss der eigenen Gang zu verstärken. So könnt ihr Immobilien erwerben, um euer Einkommen zu erhöhen, oder euch auf die Suche nach versteckten Collectibles wie Geldhaufen und Sexpuppen machen. Durch die repetitiven Missionen und dem kleinen Mehrwert, der daraus resultiert, gibt es jedoch kaum einen Anreiz, dies zu tun.
Positiv sind jedoch die die bereits erwähnten Klamotten, mit denen wir uns individualisieren können. Neben der standardmäßigen Alltagskleidung steht euch eine ganze Anzahl an skurrilen Outfits zur Verfügung. Dabei habt ihr etwa die Wahl, ob ihr Steelport als Zombie, Hotdog oder Weltraumsoldat terrorisieren wollt. Auch das Leveln der Spielfigur erlaubt euch viele Optionen. Mit jeder Aktion in der Spielwelt erhaltet ihr Respektpunkte, die euren Level erhöhen und so neue Upgrades für euren Charakter freischalten.
Ein Koop-Modus und der in der originalen USK-Version rausgeschnittene Horde-Modus (im Englischen liebevoll Whored-Mode genannt) sorgen zudem für eine zusätzliche Portion Spaß außerhalb der Kampagne. Kurz gesagt: Der Umfang ist da, aber seine repetitive Natur kann schnell für Langeweile sorgen.
