Roguebook im Test: Wunderschöner Roguelike-Deckbuilder in der Fantasy-Welt Faeria
Test 22,49 €
Malerische Aussichten, putzige Wesen und ein Buch, das plötzlich alles einsaugt: Roguebook verbindet die Fantasy-Welt von Faeria mit dem Konzept der Rogue-like-Deckbuilder und will mit Hex-Erkundung neuen Schwung in das Genre bringen. Trotz anfänglicher Probleme gelingt es dem Spiel zu überzeugen. Warum, klären wir in unserem Test.
Gemeinsam mit Richard Garfield, der unter anderem als Schöpfer von Magic: The Gathering bekannt ist, wollte Abrakam Entertainment ein neues Kartenspiel in der Welt von Faeria machen. Diesmal sollte es aber in eine andere Richtung gehen als zuvor. Nun war ein Rogue-like-Deckbuilder im Stile von Slay the Spire oder Monster Train angesagt, gleichzeitig musste etwas Neues her, um eben nicht einfach die altbewährte Formel zu kopieren. Nach dem Kickstarter kam es zu Verzögerungen, aber seit dem17. Juni ist es endlich soweit: Roguebook ist da.
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Neben Charakteren aus Faeria bringt der Deckbuilder nun eine künsterlische Art der Hex-Erkundung und insgesamt vier spielbare Helden mit sich, von denen jeder einen eigenen Kartenpool hat.
Das Buch, das Gefangene macht
Quelle: PC Games
Das Roguebook sieht uns schon im Menü böse an.
Manche Dinge sollten einfach kein eigenes Bewusstsein entwickeln, vor allem, wenn die Gefahr besteht, dass sie durchdrehen. Gefährlich wird es also, als das Buch der Überlieferungen, das die Legenden der Welt enthält, an einem abgelegenen Ort gelangt und in der Einsamkeit wahnsinnig wird. Von da an ist es als Roguebook (jetzt kaufen 22,49 € ) bekannt, saugt Lebewesen und Dinge ein und lässt keinen wieder heraus, der sich nicht gegen die Gefahren des Buches erwehren kann und die Gegner besiegt. Natürlich trifft es auch unsere Helden sowie ein altes, weises Tierwesen namens Naddim, das uns erklären kann, wie wir zwischen den Seiten gelandet sind. Warum es genau die vier Charaktere sind, die wir spielen können, sagt man uns aber nicht, wahrscheinlich einfach Zufall.
Zoo auf Abwegen
Quelle: PC Games
Vor dem Run suchen wir uns aus, welche zwei der insgesamt vier Helden wir in den Kampf schicken.
Am Anfang stehen uns zwei Helden zur Verfügung: Sharra die Drachentöterin, die vor allem einzelnen Gegnern ordentlich aufs Maul gibt, und Sorocco der unbeugsame Halb-Oger, der als Tank viel Schaden einsteckt und mehreren Monstern gleichzeitig einheizt. Später erlangen wir auch Zugang zu Seifer, einer blutdürstigen Tyrannen-Ratte, die in Rage verfällt, sobald sie genug einsteckt. Einige ihrer Karten werden in dem Zustand stärker, weswegen sie härter treffen, abwehren oder sogar heilen. Dem heißblütigen Kämpfer steht Aurora gegenüber, eine weise, alte Schildkröte, die als Schöpferin der Sagen bekannt ist und nie ohne ihren Teekessel unterwegs ist, mit dem sie sich heilt. Sie ist vor allem als Support gedacht, der zudem die Gegner schwächt und eine Horde an Frosch-Verbündeten mitbringt. Für unsere Abenteuer können wir aber immer nur zwei der Charaktere mitnehmen, die wir am Anfang im Lager aussuchen.
Durch die Pampa und durch die Stadt
Nachdem uns Naddim nun so schön alles erklärt hat, gilt es erst einmal, sich umzusehen. Die Karte, die in Hexfelder unterteilt ist, sieht nach altem Pergament aus und nur wenige Stellen zeigen Gebäude, Wege oder Flora. Um mehr von der Umgebung zu sehen, müssen wir malerisch tätig werden und Pinsel und Tinte, die am unteren Bildschirmrand gelagert werden, einsetzen. Pinsel eröffnen uns in einem Radius um den Helden neue Teile der Map, während Tinte in einer Linie oder punktuell Felder aufdeckt. Dabei müssen wir auch recht taktisch vorgehen, um entweder so viel Gebiet wie möglich erkunden zu können oder um zu bestimmten Points of Interest zu gelangen.
Quelle: PC Games
Die Karte müssen wir uns selbst mittels Tinte und Pinseln erschließen. Wichtige Dinge, die sich außerhalb des Bildschirmrandes befinden, werden uns in kleinen Blasen angezeigt.
Dabei finden wir Gold, das wir für Karten für unser Deck und andere Dinge ausgeben können, Herzen, mit denen wir unsere Helden heilen und Artefakte. Letztere behalten wir den ganzen Run über und sie helfen uns entweder im Kampf oder machen die Erkundung leichter. Aus den "Gewölben der Weisheit", die wie kleine blaue angekettete Kisten aussehen, können wir gegen eine kleine Gebühr eine von drei zufällig zusammengewürfelten Karten auswählen, um sie in das Deck des jeweiligen Charakters zu tun. Um uns das Entdecken etwas zu erleichtern, gibt es unter anderem Türme, die, wenn wir auf ihrem Feld landen, einen Radius um sich herum aufdecken, sowie Runen des Sehens, die ein paar zusammenhängende Hexes irgendwo auf der Karte enthüllen. Treten wir auf eine Schriftrolle, lösen wir eines von vielen zufälligen Events aus, die uns Belohnungen oder Heilung einbringen, aber auch Kämpfe und andere negative Konsequenzen haben können. Zwei gekreuzte Schwerter stehen auf der Map hingegen für Action: Kommen wir auf ein solches Feld, gelangen wir von der Übersichtskarte zu einem Kampfschauplatz.
Gute Karten
Das Kampfsystem ist dabei anderen Rogue-like-Deckbuildern sehr ähnlich: Wir haben ein Deck, das am Anfang aus den Startkarten beider Helden besteht und das wir während des Runs erweitern. Jede Runde ziehen wir eine bestimmte Anzahl an Karten, standardmäßig fünf, am Ende legen wir alles ab, was wir nicht genutzt haben. Um eine Karte zu spielen, müssen wir ihre Energiekosten zahlen, normalerweise haben wir drei davon. Auf unserem Deck sehen wir, wieviel wir Energie wir noch übrig haben. Neben Karten für Basisaktionen wie Angreifen und Blocken gibt es auch jene, die uns Karten ziehen lassen, mehr Schaden anrichten oder Gegner schwächen. Haben wir unseren Zug beendet, sind die Monster dran, nach ihnen wieder wir und so weiter.
Quelle: PC Games
Über unseren Gegner sehen wir, was sie vorhaben. Wollen sie uns schaden, müssen wir blocken oder sie zuerst ausschalten. Bei den putzigen Tierchen ist das leichter gesagt als getan.
Über unseren Feinden sehen wir auch immer ein Symbol, das zeigt, was sie als Nächstes in ihrem Zug machen wollen. Uns wird auch die Schadensmenge verraten, damit wir sie vielleicht verringern oder sogar verhindern können. Hierfür kommt Block ins Spiel, der für beide Helden zusammengerechnet und beim vorderen Charakter angezeigt wird, der bei den meisten Angriffen auch den übrigen Schaden kassiert. Wir können auch Verbündete in den Kampf schicken, die verschiedene Fähigkeiten haben und als kleine Ovale unter den Charakteren erscheinen.
Fällt die Lebenskraft eines unserer Helden auf null, werden uns Wundkarten ins Deck gemischt, mit denen wir nichts machen können, und die nur Platz wegnehmen. Los werden wir die erst nach Bosskämpfen. Gleichzeitig werden die anderen Karten des Charakters zu Auferstehungskarten. Haben wir fünf davon gespielt, wird der Held mit wenig Leben wieder zurückgeholt und sein normales Deck steht uns wieder zur Verfügung. Wenn uns einer der Helden wegfällt, ist es um einiges schwieriger, siegreich aus einem Kampf hervorgehen und den Run noch weiterführen zu können. Meist geht auch der zweite Held drauf, dann heißt es Game Over. Kommen wir dennoch mit einem Überlebenden aus dem Kampf, wird der andere Charakter automatisch mit geringen Hitpoints wieder ins Spiel zurückgerufen.
Looten und Leveln
Quelle: PC Games
In kleinen Beuteln erhalten wir die Belohnungen für unsere Mühen: von Artefakten, über Geld bis hin zu Karten.
Schaffen wir den Kampf, bekommen wir meist Geld und Tinte, bei Elitegegnern auch Pinsel, Artefakte und Seiten für allgemeine Verbesserungen. Um einen gesamten Run zu schaffen, müssen wir die jeweiligen Bosse besiegen, die am Ende jeder der drei Ebenen auftauchen. Die Reihenfolge der Gebiete sowie das Layout sind immer gleich, was wir darin finden, ist allerdings zufällig. Wer der finale Boss am Ende der dritten Ebene ist, wissen wir zuerst nicht, außer, wir haben uns mit Seiten ein Upgrade gekauft, das uns vorher wissen lässt, gegen wen wir schlussendlich antreten. Das kann so manchen Run retten, da wir uns vorbereiten können.
Es gibt nie zu viele Karten
Bei unserer Deck-Strategie in Roguebook müssen wir bedenken, dass wir kaum Karten loswerden können. Das steht im starken Kontrast zu anderen Deckbuildern, bei denen es das Ziel ist, so viele Karten wie nötig und so wenige wie möglich zu haben, um unsere Taktik verlässlich durchziehen zu können. Laut Entwicklern soll Roguebook dazu animieren, auch interessante Decks auszuprobieren, die nicht zu 100 % auf Synergie ausgelegt sind. Auch zu bedenken dabei: Je größer unser Deck, desto mehr Fähigkeiten können wir für unsere Helden bzw. die Gruppe auswählen. Unsere Karten können wir zudem mit Edelsteinen verbessern, da sie, ähnlich wie in Monster Train, ein oder mehrere Fassungen dafür aufweisen.
Abseits des ersten Kapitels
Quelle: PC Games
Im Epilog können wir uns die Schwierigkeit durch die Kombination von verschiedenen Challenges selbst basteln.
Zwischen den Runs können wir gesammelte Seiten ausgeben, um Verbesserungen zu kaufen. Neben mehr Leben für die Charaktere gibt es Upgrades für unsere Anfangskarten, Verbesserungen für Dinge, die wir auf der Map finden wie mehr Herzen, mehr Geld oder die Platzierung von Alchemistenlaboren, in denen wir eine Karte in eine zufällige Andere umwandeln können. Das alles kann uns Runs leichter machen, aber es wäre doch langweilig, würde es nichts für eine höhere Schwierigkeit geben. Deswegen kann man im Epilog, also dem Teil des Spiels nach dem ersten kompletten Run, verschiedene Challenges annehmen, die uns zwar Hindernisse in den Weg stellen, aber auch mehr Belohnungen einbringen. Je mehr Herausforderungen wir geschafft haben, desto mehr davon können wir kombinieren und uns ihnen gleichzeitig stellen.
Faeria mal anders
Quelle: PC Games
Die deutsche Übersetzung ist nicht immer astrein, das Dialogfeld vor Bosskämpfen fällt dabei am Meisten auf.
Auch optisch versetzt uns Roguebook in die Fantasy-Welt von Faeria: Liebevoll gestaltete Artworks, putzige Tierchen und kreativ designte Monster bereichern unseren nie enden wollenden Weg aus dem Buch heraus. Dazu gibt es passende Musik, deren angenehme Melodien auch nach einigen Stunden nicht unangenehm auffallen. Die Charaktere reden nicht viel und wenn, dann bisher nur auf Englisch, die Textsprache lässt sich aber auch auf Deutsch einstellen. Die Lokalisierung ist dabei noch nicht vollkommen fehlerfrei, immer wieder schleichen sich englische Wörter oder ganze Karten in Originalsprache ein. Hinzu kommen seltsame Formulierungen oder Stellen, an denen Satzteile fehlen.
Käfer und Jäger
Quelle: PC Games
Manche Kämpfe sind härter als andere, was manchmal am Balancing und an anderen Stellen an Bugs liegen kann.
Bei Release gab es aber noch weitere Probleme: unausgefeiltes Balancing, Bugs, lange Ladezeiten und Probleme mit Steam-Speicherständen. Entwickler Abrakam hat sich seit Release um einige der Probleme gekümmert, was dem Spiel mehr als guttut. Auf eine funktionierende Gamepad-Steuerung müssen wir aber noch warten. Umstritten war auch der Day-1-DLC Apex Predator Pack, auf Steam hagelte es deswegen Beschwerden. Mittlerweile ist er für alle Besitzer des Basispiels umsonst verfügbar und Käufer der Deluxe-Version bekamen ihr Geld für diesen Teil des Pakets zurück. Der Zusatzinhalt wirkt dem Umstand entgegen, dass das Spiel am Anfang noch wenig Content hatte, aber nach wie vor wird zu wenig geboten. Weitere DLCs, darunter auch kostenlos verfügbare, sind laut Abrakam zumindest bereits geplant.
Der Einsatz der Entwickler gibt Hoffnung, dass Roguebook ein noch besserer Deckbuilder werden kann, als er es schon ist. Vielleicht kann das Spiel dann auch aus dem Schatten der bekannteren Vorgänger treten.
Bisher ist das Spiel nur auf Steam erhältlich, es soll aber in Zukunft auch auf Switch, PlayStation und XBox erscheinen.
