Röki im Test: Traumhafte Indie-Perle mit düsterem Charme
Test 19,79 €
Mit dem Abenteuerspiel Röki hat Entwickler Polygon Treehouse wahrlich ein kleines Indie-Meisterwerk erschaffen. Das optisch sehr niedliche Game birgt eine düstere Geschichte, in der ihr in die Welt der skandinavischen Folklore eintaucht. Wie uns das atmosphärische Rätsel-Abenteuer gefallen hat, erfahrt ihr in diesem Test.
Ein virtueller Trip in das kalte Skandinavien kann bei den inzwischen sehr heißen Sommern in Deutschland definitiv nicht schaden. Das dachte sich auch Entwickler Polygon Treehouse, ein kleines Indie-Studio aus Cambridge, als man am 23. Juli 2020 das durch die skandinavische Folklore beeinflusste Abenteuerspiel Röki veröffentlichte. Trotz des frostigen Settings lässt der neue Indie-Titel seine Spieler alles andere als kalt.
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Eine Story, die das Fjord-Eis zum Schmelzen bringt
Familienbande sind stark, besonders dann, wenn eine geliebte Person in Not gerät. Die Grenzenlosigkeit dieser Liebe erfährt Protagonistin Tove am eigenen Leib, als ihr kleiner Bruder Lars von einer monströsen Waldkreatur in eine Parallelwelt entführt wird, in der die Wesen der skandinavischen Mythologie für das menschliche Auge sichtbar umherwandeln.
Zwischen Trollen, Wichteln und Schutzgeistern versucht Tove ihren Bruder zu retten und wird dabei vor allerlei Aufgaben und Rätsel gestellt, bei denen sie zuvor gesammelte Gegenstände in neuen Kontexten nutzen muss.
Quelle: PC Games
Aus einer Flasche, einem Tuch und Feuer müsst ihr einen Molotovcocktail mischen, um eure Liebsten vor dem Monster zu beschützen.
Die Story stellt das klassische Konzept von Gut und Böse infrage und hält viele Momente zum Schmunzeln bereit, aber auch solche, die auf die Tränendrüse drücken. Authentizität wird groß geschrieben bei diesem düsteren und zugleich herzerwärmenden Abenteuer, welches im zeitgenössischen Schweden spielt. Die Figuren, allesamt mit unverkennbar skandinavischen Namen ausgestattet, sind überraschend wortkarg. Hier und da fällt ein Name oder jemand bedankt sich mit einem kurzen "Tak", dem schwedischen Wort für danke. Deutlich häufiger vernehmen wir aber ein zustimmendes Brummen oder ein angestrengtes Stöhnen, was in jeder Sprache wunderbar die Emotionen der per Texteinblendung sprechenden Figuren untermalt. Ein eiskalter Winter, ein Schaukelstuhl vor dem Kamin und das typische rote Holzfällerhemd des Vaters der Heldin verstärken die glücklicherweise nicht allzu überzogenen Skandinavien-Vibes des Settings.
Die Detailverliebtheit der Entwickler macht sich auch am roten Faden der Story bemerkbar. Viele kleine Details, die uns am Anfang eher nebensächlich vorkommen, erhalten im späteren Spielverlauf eine Bedeutung. So schafft es das Indie-Game, ein rundes und glaubwürdiges Story-Konzept aufzubauen, das seine Spieler auf eine fantastische Reise mitnimmt.
Alles hängt zusammen
Quelle: PC Games
In einem weisen Mutterbaum befindet sich der Knotenpunkt des Schnellreisesystems. Diese nützlichen Wurzelwege müsst ihr nach und nach freischalten.
Das runde Konzept von Röki (jetzt kaufen 19,79 € ) zieht sich auch durch das Gameplay. In der kleinen Welt könnt ihr euch frei zwischen allen bereits erkundeten Orten bewegen. Ein wunderbar in die Story eingewobenes Schnellreisesystem erspart uns unnötige Wege, denn für viele Aufgaben müssen wir an frühere Orte zurückkehren. Die Aufgaben selbst bestehen aus dem Sammeln, Kombinieren oder Zweckentfremden verschiedener Gegenstände, die ihr im Laufe des Spiels in euren Rucksack schmeißt. Der Stauraum dieser Wundertasche erinnerte uns dabei stark an den berühmten Zauberbeutel von Hermine aus Harry Potter, in den sogar ein ganzes Hauszelt hineinpasst. Das Ausrüsten und Benutzen der Items funktioniert leider nicht ganz so flüssig und rasch, wie wir uns das wünschen würden, allzu sehr fällt dieser Makel aber dankenswerterweise nicht ins Gewicht.
Quelle: PC Games
Um den kleinen Lars zu retten, müsst ihr den mythischen Kreaturen zunächst dabei helfen, das Gleichgewicht im Wald wiederherzustellen.
Beim Lösen der Aufgaben wird ein gewisses Out-of-the-Box-Denken vorausgesetzt. Der Schwierigkeitsgrad der Quests und Rätsel ist dabei gut ausbalanciert. Euch stehen mehrere kleine Helferlein zur Verfügung, die dafür sorgen, dass der Grübelfaktor auf einem moderaten Level gehalten und der gemütliche Spielfluss nicht unterbrochen wird. Wesentlich komplexer ist das relativ undurchsichtige Questsystem. Da ihr euch in der Spielwelt frei bewegen könnt, wird euch nicht vorgeschrieben, wann ihr zu welchem Ort reist, um eine Aufgabe zu lösen. Habt ihr nur eine Kleinigkeit übersehen, kann es passieren, dass ihr völlig planlos noch einmal jeden Ort einzeln nach verlorenen Objekten suchen müsst. Immerhin bedeutet dieses zwiespältige Konzept auch, dass ihr jederzeit eine untergegangene Sidestory nachholen könnt. Um den Verlust des Spielfortschritts zu vermeiden, solltet ihr außerdem oft manuell speichern, denn die automatischen Speicherpunkte sind nur sehr sparsam gesetzt.
Atmosphäre mit Gänsehautgarantie
Quelle: PC Games
Vermeintlich verlassene Orte voller Raben und Schnee bieten eine Atmosphäre zwischen Unbehagen und einer subtilen Romantik.
Trotz recht einfacher Mittel ist Röki unglaublich liebevoll und harmonisch gestaltet. Kühle Pastelltöne dominieren das Farbbild und verleihen dem mystischen Wald gleichzeitig eine friedliche Ruhe und eine fast schon melancholische Atmosphäre. Die Geräuschkulisse des düsteren Waldabenteuers geht wahrlich unter die Haut. Beginnt ein Monster zu brüllen, bebt der Bildschirm unter dem basslastigen Grollen. Auch die Stimmen anderer mächtiger Waldbewohner besitzen einen kraftvollen Klang, der uns durch Mark und Bein fährt und unsere Armhaare wie kleine Antennen empor steigen lässt.
Auch der Soundtrack hat einen enormen Gänsehautfaktor. Bereits auf dem Startbildschirm spielt eine beinahe meditative Musik, die uns sofort in ihren Bann gezogen hat. Ganze zehn Minuten haben wir ihr mit geschlossenen Augen gelauscht bis wir uns endlich dazu aufraffen konnten, das Spiel zu starten. Doch damit hatte der Ohrgasmus noch kein Ende, denn auch alle weiteren Stücke des Soundtracks wissen die harmonisch-düstere Stimmung mit ihren Klängen zu untermalen.
Polygon Treehouse hat mit Röki eine düstere Story in eine niedliche Optik verpackt und zusammen mit dem sinnesverwöhnenden Soundtrack ein wundervolles Gesamtpaket erschaffen. Dieses ist natürlich auch nicht frei von Makeln, aber macht so vieles richtig, dass es nicht schwer fällt, über diese hinwegzusehen.
Röki ist aktuell nur für den PC erhältlich. Zu einem späteren Zeitpunkt soll eine Umsetzung für Nintendo Switch folgen.
