Als Bücher erfolgreich, als Filme Blockbuster, als Spiel ein Hit?
Quelle: Computec Media AG
Dieser Bosskampf ist direkt dem Film entliehen – inklusive heimtückischer Kugelschreiber-Attacke.
James Bond ist tot, lang lebe Jason Bourne - zumindest wenn es nach den Erfolgen an der Kinokasse geht, an der die drei Bourne-Filme beachtliche Erfolge feiern konnten, während der Spion im Geheimdienst ihrer Majestät trotz Frischzellenkur klar den Kürzeren zog. Zeit, aus einer erfolgreichen Buch- und Film-Serie ein erfolgreiches Videospiel zu machen. Aber Moment! Ein Lizenzspiel? Das kann doch eigentlich nur in die Hose gehen, oder?
Ganz schön flach
In die Hose gegangen ist das Unternehmen Bourne als Spiel nicht, allerdings ist nicht zu erwarten, dass das Spiel auch nur ansatzweise so hohe Wellen schlagen wird wie die Vorlagen. Das liegt sicherlich auch daran, dass nicht etwa der virtuelle Matt Damon mit pfeilschnellen Schlägen und Tritten durch die Gegner pflügt, letztlich aber vor allem an den spielerischen Qualitäten. Bei unserem letzten Treffen mit den Entwicklern durften wir drei Levels Probe spielen und hatten die leichte Befürchtung, dass es Bourne an Spieltiefe mangeln würde - diese Angst war nicht unbegründet. Hat man eine Stunde vom Bourne Komplott gespielt, hat man eigentlich schon alles gesehen. Mit simplen Dreier-Kombos verprügelt man die Gegner wie am Fließband, ballert sich durch streng lineare Levels von schwankender optischer Qualität und erleidet eine billig wirkende Fahrsequenz. Doch das Kuriose daran: Es macht tatsächlich Spaß. Klar, Genregrößen wie Epics Horror-Shooter bleiben für das Team von High Moon unerreichbar und spätestens beim zweiten Durchlauf stellen sich fürchterliche Ermüdungserscheinungen ein, aber für sechs bis sieben Stunden bietet Das Bourne Komplott temporeiche, schnörkellose und leichte Unterhaltung. Das liegt vor allem am Höllentempo, mit dem man durch die Levels rasen kann, wenn man denn ganz genau weiß, was zu tun ist. In seinen besten Momenten wirkt Das Bourne Komplott wie die Speedrun-Version eines Actionspiels - in seinen schlechtesten wie ein Titel, der schon fünf Jahre auf dem Buckel hat.
Old School
Quelle: Computec Media AG
In gewisser Weise ist Das Bourne Komplott ein altmodisches Spiel und hätte genauso gut auf der PS2 erscheinen können. Die zugrunde liegende Unreal Engine 3 wird kaum gefordert und die zahlreichen Quick-Time-Events sind nicht gerade der Gipfel der Spieldesign-Kunst, der Sound des Mini Coopers in der Fahrzeugmission ist sogar eine einzige Peinlichkeit. Und dennoch haben es die Entwickler geschafft, die simplen Grundzutaten zu einer unterhaltsamen Mischung zu verbinden. Ein wenig erinnert Bourne an das Bond-Abenteuer Alles oder Nichts, das ebenfalls recht seicht daherkam und Spieltiefe in erster Linie mit unzähligen Gimmicks vortäuschte. Die kontextsensitiven Faustkämpfe wiederum erinnern an Enter the Matrix. Bourne macht vieles richtig und wenig wirklich falsch, bleibt aber so oberflächlich und hohl, dass dem Spaß einfach zu schnell die Puste ausgeht. Da helfen auch die in den Levels versteckten Pässe und das magere Bonusmaterial nicht viel. Für ein Wochenende kann man damit eine Menge Spaß haben, dann aber verstaubt der Titel im Regal und bietet nur wenig Anreiz, ihn wieder einmal ins Laufwerk zu schieben.
