Resident Evil 9 Requiem im Test: Resi hat keine Identität mehr - es hat zwei, und beide sind klasse!

Test Stefan Wilhelm
Resident Evil 9 Requiem im Test: Resi hat keine Identität mehr - es hat zwei, und beide sind klasse!
Quelle: PC Games

Resident Evil: Manche wollen's gruselig, manche wollen's actiongeladen, und Capcom will's möglichst allen recht machen. Ein Vorhaben, das in der Vergangenheit schon krachend gescheitert ist - diesmal aber endlich aufgeht!

Mit Resident Evil Requiem setzt sich Capcom sauber zwischen die Stühle der Resi-Fanbase, und das mit voller Absicht. Nach einem jahrzehntelangen Wechsel zwischen horror- und actionfokussierten Spielen soll Hauptteil Nr. 9 nun beide Lager auf einmal zufriedenstellen.

Ja, das Vorhaben hatte man mit Resident Evil 6 schon einmal. Das Stück vom Call-of-Duty-Kuchen roch da nur vermutlich noch zu lecker, um es auch konsequent durchzuziehen.

Über die Remakes und Neustarts der letzten Jahre hat Capcom allerdings sichtlich dazugelernt. Resident Evil Requiem (jetzt kaufen 79,99 € / 50,73 € ) vereint die beiden Identitäten der Reihe nämlich endlich auf eine Weise, die ihnen würdig ist!

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Zwei Herzen schlagen in seiner Brust

Wie üblich spielt Requiem im Jahr seines Erscheinens, also 2026. Die Vorfälle in der Spencer-Villa und Raccoon City liegen Jahrzehnte zurück, die Umbrella Corporation existiert nur noch in den Geschichtsbüchern.

Vorzeigeheld Leon S. Kennedy sieht das (Er-)Grauen als Erstes beim morgendlichen Blick in den Spiegel. Porsche-SUV und teure Armbanduhr zeigen unmissverständlich: Der Mann hat die 50 überschritten. Trotzdem ist er weiterhin als Agent in der Bioterrorismusbekämpfung tätig und das Alter nagt weder an den Muckis noch an der Coolness.

Voller Mitgefühl: Leons Kommentar, nachdem eine wehrlose Krankenschwester vor seinen Augen von einem Zombie-Doktor zersägt wurde. Quelle: PC Games Voller Mitgefühl: Leons Kommentar, nachdem eine wehrlose Krankenschwester vor seinen Augen von einem Zombie-Doktor zersägt wurde. Die erste Geige spielt in Requiem aber ohnehin eine andere Figur, und die ist es auch, die die Ereignisse in Gang setzt: Die FBI-Agentin Grace Ashcroft wird ins verfallene Wrenwood Hotel geschickt, weil es dort zu unerklärlichen Todesfällen kommt. Es ist das gleiche Hotel, in dem Jahre vorher ihre Mutter unter seltsamen Umständen ums Leben kam.

Für Grace endet der Einsatz schnell im Albtraum und es wird klar, dass ihre Vergangenheit in Requiems Geschichte eine große Rolle spielen wird. Sie landet nämlich in den Fängen eines unheimlichen Doktors, dessen faulige Gesichtsfarbe auch direkt Leons Bioterroreinheit auf den Plan ruft.

Im Verlauf der knapp zehn bis zwölf Stunden langen Story spielen wir beide Protagonisten ungefähr gleich lange. Das Spiel hat dabei ein gutes Händchen für Cliffhanger und dafür, wann es die Perspektive wechseln muss, damit wir gespannt am Ball bleiben.

Das verregnete Wrenwood ist ein stimmungsvoller Einstieg, der gleichzeitig beweist, dass sich Requiem technisch keine Blöße gibt. Quelle: PC Games Das verregnete Wrenwood ist ein stimmungsvoller Einstieg, der gleichzeitig beweist, dass sich Requiem technisch keine Blöße gibt.

Gemächlicher Grusel mit Grace

Grob lässt sich das Konzept so zusammenfassen: Grace erlebt das Grauen aus der klassischen Survival-Horror-Perspektive. Sie bekommt die Taten der Bösewichter und die grotesken Monster, die sie erschaffen, meist als Erste zu Gesicht. Sie ist aber oft gezwungen, erst mal wegzulaufen und heimlich vorzugehen, weil sie weder die stärksten Waffen noch sonderlich viele Lebenspunkte hat.

Die Kameraperspektive ist zwar jederzeit frei einstellbar, für Grace wird aber die Ego-Sicht empfohlen, damit sich der Horror noch beklemmender und intimer anfühlt. Ganz wie in Resident Evil 7 also.

Spielerisch und inszenatorisch ist es ein bedächtiges Gruseln, was auch zu dem verschachtelten Sanatorium passt, in dem wir die meiste Zeit mit Grace verbringen. Dort kämpfen wir taktisch und mit halbwegs knappen Vorräten, schleichen uns auch mal davon und lösen klassische Resi-Rätsel, um neue Bereiche aufzusperren. Inventarlimits, Ressourcen und Gegnermenge sind ordentlich gebalanced, sodass wir ständig kleine Entscheidungen treffen müssen.

Leon S(chieß sie zu Klump) Kennedy

Leons Abschnitte sind das krasse Gegenteil dazu und fühlen sich an wie eine Mischung aus dem Resi-4-Remake und Teil 6. Er ist eine Kampfmaschine mit vollem Waffenschrank und oft dafür zuständig, die Monster aus dem Weg zu räumen, an denen wir mit Grace noch vorbeischleichen mussten.

Die grauenvollen Dinge, die sich vor ihm entfalten, kommentiert er stets mit einem halbguten One-Liner, bevor er ihnen eine Kugel großen Kalibers in die Visage jagt.

Statt eines brüchigen Messers führt er eine Kampfaxt mit Wetzstein, die ihn Feinde brutal erledigen lässt, sobald sie mit ein paar Schüssen weichgeklopft sind. Parieren geht damit ebenfalls. Und es wird euch freuen, zu hören, dass er aus seiner Vergangenheit gelernt hat und diesmal sogar selbst zur Kettensäge greift, wenn er eine findet.

Leon blockt mit seiner Axt den Angriff mit einer Kettensäge. Es fliegen Funken. Quelle: PC Games Während Grace' Messer schon nach zwei, drei niedergefuchtelten Zombies auseinanderfallen, kann Leons Tomahawk sogar eine Kettensäge abwehren. Dafür bekommt er es mit deutlich mehr und vor allem stärker bewaffneten Feinden zu tun - so bleibt das Matschbirnen-Gemetzel spannend, auch wenn der Horror bei Leons Actionheld-Aura schnell klein beigeben muss. Außerdem sind Waffen und Nahkampfmoves wieder wuchtiger als in Village, was den Shooter-Part aufwertet.

Dass sich das Spiel trotz der unterschiedlichen Ansätze nicht wie Frankensteins Monster anfühlt, liegt daran, dass es weiß, wie es die beiden Stile verbinden und in welcher Reihenfolge es uns die Kapitel präsentieren muss.

Beide Figuren funktionieren gleich genug, dass wir das Gameplay nicht ständig neu lernen müssen, aber die Levels und Herausforderungen sind logisch auf ihre jeweiligen Fähigkeiten zugeschnitten. Für beide ist zudem je ein mehrere Stunden langes Kapitel reserviert, damit wir uns intensiv in die Mechaniken eines Charakters hineinfuchsen können.

Viel Neues hat Capcom den beiden Spielstilen für sich genommen nun nicht hinzugefügt, aber die Kombination macht Requiem insgesamt sehr abwechslungsreich. Nachdem das Pendel bisher meistens nur von Spiel zu Spiel in die Horror- oder Action-Richtung ausschlagen durfte, ist es erfrischend, wenn das innerhalb einer einzelnen Geschichte passiert, und zwar mehrmals. Diese Wechsel finden konsequent bis in die letzten Kapitel statt.

Natürlich solltet ihr aber keine totale Abneigung gegen einen der beiden Resi-Stile mitbringen, denn beide werden ausgereizt. Das bedeutet für Leon beispielsweise auch, dass er später gegen Feinde mit Schusswaffen kämpft und sich auch mal eine übertrieben spektakuläre Verfolgungsjagd liefert. Von seinen zahllosen B-Movie-Sprüchen ganz zu schweigen.

  1. Seite 1 Das Spielprinzip: Action und Horror im stetigen Wechsel
  2. Seite 2 Was klappt, was nicht? Fanservice, Bosse, Technik und Fazit
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