Red Dead Redemption 2: Ist das Jagen zu brutal?
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Von Spielejournalisten weltweit wird Red Dead Redemption 2 als Meisterwerk gefeiert. Aber es gibt auch kritische Stimmen. Stimmen, denen der Realismus im Spiel deutlich zu weit geht. Die Animationen in Sachen Jagen, Töten und Häuten sorgen bei einigen Spielern für Unmut.
Satte 95 Punkte in unserem Test und auf Metacritic 97 von 100 Punkten: Red Dead Redemption 2 (jetzt kaufen ) ist ein echtes Brett und wird von vielen wegen seines Realismusgrades gelobt. Doch während die einen sich im Spiel eher darin verlieren, auf jede Anhöhe zu reiten und dann die weitläufige, lebendige Spielwelt zu bestaunen anstatt Quests zu erledigen und andere wiederrum Schabernack mit der ausgefeilten Schneeanimation treiben und frivole Dinge wie Penisse in das weiße Nass malen, stören sich einige Spieler an den für ihr Empfinden zu realistischen Animationen bei der Jagd und dem Töten der Tiere. Vor allem das explizite Häuten von Beutetieren stößt bei einigen Spielern auf Unverständnis.
Dieser Teil der Jagd ist wichtige Voraussetzung für den Erhalt und Verkauf von Fellen und Fleisch und wurde von Rockstar mit einer relativ expliziten Animation des Protagonisten versehen, der sein Messer auspackt und der virtuellen Beute mit einigen Schnitten deutlich sichtbar den Körper aufschneidet und die Haut entfernt. Kleinen Tieren wie etwa einem Hasen wird mit einem kurzen Ruck buchstäblich das Fell über die Ohren gezogen. Größere Kadaver legt der Spieler dann meist auf sein Pferd und reitet beispielsweise mit einem gehäuteten Hirsch in der Spielwelt umher, der natürlich entsprechend rhythmisch auf dem Rücken des Reittieres hin und her schaukelt - bei der Third-Person-Sicht des Titels also mitten in unserer Sicht als Spieler vor dem Bildschirm. Doch nicht nur das Häuten, auch die Jagd an sich ist manchen Spielern zu brutal. Hat man ein Tier wie etwa einen Hirsch oder ein Reh nur angeschossen, dann findet man es - wenn man die Verfolgung aufnimmt - auch äußerst realistisch wieder: es ist in Panik, versucht aufzustehen, um fliehen zu können und weitet die Augen in Todesangst, wenn sich der Spieler dann schließlich nähert, um es zu erlösen. "Nichts für schwache Nerven" - sagen die einen. "Ist realistisch - wenn's dich stört, dann spiel's halt nicht!", halten andere entgegen.
Doch die Red-Dead-Redemption-Titel sind natürlich nicht die einzigen Spiele, in denen der Spieler virtuell auf die Jagd gehen kann. Von reinen Jagdspielen wie Hunter: Call of the Wild, Hunting Simulator, Euro Fishing & Co. einmal ganz abgesehen. Auch bei den Blockbustern von Ubisofts Assassin's-Creed-Reihe geht man in der Fauna auf Raubzug. Dabei begehrt der Spieler in Assassin's Creed: Origins vor allem Leder - hartes von Nilpferden und Krokodilen, weiches von Gazellen, Hyänen oder Widdern. Beide Lederarten werden (neben anderen Teilen wie Eisen oder Holz) verwendet, um Rüstung herzustellen. Und natürlich spenden in der Spielwelt auch gefährdete Tierarten wie beispielsweise Löwen oder Tiger solche benötigten Komponenten. Wollt ihr euch also im Spiel mit Rüstungsteilen schützen, müsst ihr dafür Tiere töten. Eine Animation fürs Looten danach
Quelle: Computec
Mögen nicht alle Spieler: die unappetitlichen Häutungsszenen.
fehlt hier. Ihr drückt in der Nähe lediglich eine Taste und schwupps, schon habt ihr alle mögliche Beute wie Pelz, Leder etc. aufgesammelt, die das erlegte Tier hergibt.
Apropos Tiger. An diesem Raubtier schieden sich auch in Far Cry 4 die Geister. Hier konnte man nämlich eine sogenannte Himmelskatze, einen seltenen Tiger, der sich mit zwei Artgenossen in einer Höhe bei der Barnalis-Textilfabrik versteckte, mit einem Maschinengewehr erlegen. Aufgrund der Stärke der Tiere war man auch fast zu dieser martialischen Waffe gezwungen, sonst wäre die Mission kaum lösbar. Nicht besser ging es einem seltenen, orangefarbenen Leoparden, den man am besten mit einem Sturmgewehr zu Leibe rückte, wollte man den Kampf sicher gewinnen. Und warum das alles? Zum einen brauchte man die Felle, um Upgrades für seine Ausrüstung wie zum Beispiel Beutetasche, Köcher, Köder- und Munitionsbeutel freizuschalten, zum anderen erhielt der Spieler die Trophäe "Das seltenste Wild", wenn er Questgeber Mumu Chiffon mindestens drei Felle der zu erlegenden neun seltenen Tiere brachten. Dass die Quest "Kyrat Fashion Week" hieß, trug auch nicht gerade dazu bei, die Meinung der Tierschützer zu diesem Spiel zu verbessern.
Die Kritik am Gameplay-Element "Jagd" in Spielen ist dabei keinesfalls neu, sondern flammt bereits seit vielen Jahren immer wieder auf. Nicht erst seit Far Cry 3 waren Videospiele, in denen Tiere gejagt und getötet wurden, etwa der Tierschutzorganisiation PETA ein Dorn im Auge. Und auch in der
Quelle: PC Games
In der Spielwelt kämpfen wir nicht nur gegen Soldaten, sondern ebenso gegen viele Wildtiere wie Bären, Wölfe oder gar Löwen. (1)
Redaktion wurde das Thema angeregt diskutiert. PC-Games-Redakteur Felix Schütz urteilte damals im Test "Um Jasons Waffengürtel und Munitionsbeutel zu vergrößern, muss er viele Wildtiere jagen. Das wirkt arg aufgesetzt und ist zudem moralisch ziemlich daneben - eine Alternative zur Jagd gibt's nicht." Die Nachfolgetitel Far Cry 4 & Far Cry 5 veranlassten PETA erneut zu Kritik. Beim Letztgenannten insbesondere wegen der Möglichkeit des Angelns. Ja, ihr habt richtig gelesen. Die Nebenaufgabe des Angelns bezeichneten die Tierschützer als "Armutszeugnis" und "Gewalt gegen Fische" und schlugen Ubisoft, "stattdessen Spiele mit frei lebenden Tieren zu entwickeln, die das Töten nicht als Freizeitbeschäftigung verherrlichen."
Auch Geralt von Riva zückt in The Witcher 3 das Messer, wenn er ein Tier erlegt hat, um es zu looten oder sackt "Bestandteile" von erledigten
Quelle: PC Games
Auch Geralt zückt das Messer, um Tiere zu schlachten - allerdings mit Schwarzblende. The Witcher 3 erspart den Spieler die unschönen Schlachte-Szenen.
Monstern ein. Denn häutbare Gegenstände waren eben schon immer ein wichtiger Bestandteil in der The-Witcher-Serie, deshalb lernte Geralt auch mit der Fertigkeit Intelligenz auf der zweiten Stufe Monsterkunde die Fähigkeiten, Monstern Organe wie etwa Giftdrüsen, Luftröhre oder Sehnen zu entnehmen. Vom Hirn eines Ertrunkenen ganz zu schweigen. Allerdings gibt in keine expliziten Animationen dazu bzw. und in Teil 3 nur eine Schwarzblende zu sehen - der reine Akt der Häutung oder des Ausnehmens bleiben also der Fantasie des Spielers überlassen.
CD Projekt hatte übrigens kurz nach dem Release von The Witcher 3 mit einem Exploit zu kämpfen, bei dem Spieler eingezäunte Kühe getötet und gelootet hatten und dann eine Stunde meditierten. In dieser Zeit spawnten die Kühe neu und die Spieler taten das Gleiche noch einmal. Immer und immer wieder. So konnten sie massig Geld verdienen, indem sie die Felle verkauften. Um dem einen Riegel vorzuschieben, erschien bei dieser Vorgehensweise nun nach dem Erlegen der ersten Kuh ein sehr starkes Monster auf, wenn man direkt danach meditierte. Dieses konnte von einem Geralt in niedrigem Level nicht besiegt werden und fungierte damit als Bewacher der Kühe. Sicherlich hätte der Entwickler den Exploit auch viel einfach im Programmcode fixen können, entschied sich aber für diese etwas pädagogischere Methode. Vielleicht auch ganz bewusst, um die Spieler in Sachen Jagdtrieb zu sensibilisieren.
Quelle: PC Games
Das Angel-Gameplay wurde sehr gut umgesetzt und unterhält über lange Zeit hinweg. Und ja, obwohl der kleine Kerl hier nicht so aussieht, hat er uns jede Menge Probleme bereitet!
Und selbst im USK-12-Titel The Legend of Zelda: Breath of the Wild von Nintendo erlegt man etwa Wildschweine und Füchse, um an Nahrung zu gelangen. Hier verwandelt sich das erledigte Tier aber direkt nach dem Abschuss mit einem animierten "Puff" in einer dunklen Wolke ratzfatz automatisch in ein Stück rohes Fleisch. Ich muss nicht erst das Messer auspacken und der virtuellen Beute die Eingeweide herausschneiden oder die Haut abziehen, wie es etwa im aktuellen RDR 2 mit einer expliziten Animation gezeigt wird. Und nicht zuletzt hat auch die Art und Weise des Erlegens im aktuellen Rockstar-Kracher Einfluss auf die Qualität von Fleisch und Fell, was sich wiederrum auf den Preis auswirkt. Auch das ist also recht realitätsnah und belohnt eher das "Nur so viel wie nötig"-Prinzip beim Jagen als dem Spieler zu suggerieren, die Fauna der Spielwelt wäre dazu da, sich mit Waffengewalt nach Gutdünken auszutoben.
Offenbar ist es also mehr als schwierig, bei der Spieleentwicklung das Mittelmaß zwischen authentischer Spielwelt und den Forderungen von Tierschutzorganisationen zu finden. Da reicht es scheinbar auch nicht "als Ausgleich", dass man im aktuellen Western-Kracher von Rockstar durch regelmäßiges Füttern, Striegeln und Beruhigen im Lauf des Spiels eine sehr enge Beziehung zu seinem Reittier aufbauen kann.
Aber wie sieht ihr das? Ist eine solche Kritik wie die von PETA und anderen Tierschützer zum Thema "Tiere töten in Videospielen" überzogen? Ist euch Red Dead Redemption 2 auch zu brutal? Lebt ihr vielleicht sogar vegan und versucht das auch in Spiel, in denen gejagt werden kann oder muss? Fühlt ihr euch dadurch in eurer Spielerfahrung eingeschränkt? Oder findet ihr die expliziten Animationen wie in RDR 2 sogar gut und hofft, dass sich somit vielleicht viel mehr Menschen der Thematik des Tötens und Verwertens von Tieren bewusst werden? Wir freuen uns auf eure Meinung in den Kommentaren!
