Rage im Test für Xbox 360: Id Software hat mit Rage einen tollen Shooter abgeliefert. Allerdings vernachlässigten die Entwickler die restlichen Elemente von Rage. Videogameszone.de klärt im Test, wie gut Rage für Xbox 360 schließlich geworden ist.
Glaubwürdige Charaktere
Die Figuren, die ihr in der Welt von Rage trefft, sind ein Paradebeispiel für gelungenes Charakterdesign. Nahezu jeder der Bewohner ist auf seine Weise einzigartig, schrullig, abgedreht, verrückt und irgendwie liebenswert. Gerade bei der Mimik haben sich die Entwickler so richtig ins Zeug gelegt und so könnt ihr euch über fantastische Gesichtszüge mit ebenso toller Vertonung freuen. Denn auch die deutsche Synchronisation ist Bethesda erstklassig gelungen. Den skrupellosen Bürgermeister von Subway Town etwa spricht Schauspieler (und bekennender Bethesda-Fan) Ralf Richter …
… aber:
Leider wiederholt sich die Sprachausgabe bei den Gegnern sehr schnell. Mitglieder einer Banditengruppierung haben alle dieselbe Stimme, was etwas merkwürdig wird, wenn sich diese Kerle gegenseitig Befehle zurufen. Als würde man mit sich selber reden.
Quelle: Bethesda
Die flinken Ghosts schlagen Haken und weichen euren Schüssen mit Hechtrollen aus.
So müssen KI-Gegner sein!
Trotz der Probleme mit den Stimmen überzeugen Rages Gegner doch durch und durch. Im Laufe des Spiels legt ihr euch mit sechs verschiedenen Banditen-Klans und der bösen Erd-Regierung an. Jede dieser Gruppen weist ein anderes Kampfverhalten auf: Während sich Mutanten und Ghost-Banditen ohne Rücksicht auf Verluste auf euch werfen, setzen die Shrouded auf selbstgebaute Kampf-Gadgets, während die Gearhead-Banditen auf ihre überlegene Rüstung vertrauen. Allen Gegner ist gemeinsam, dass sie versuchen, euch einzukreisen, wilde Ausweichmanöver vollführen, sich in Deckung werfen oder auch mal den Rückzug antreten. Der Kampf gegen diese Gegner ist immer fordernd und spannend, nie frustrierend oder unfair. Eine willkommene Abwechslung zu den typischen Call of Duty-Strunzdumm-Gegnermassen! Rage lässt euch für euren Erfolg arbeiten und zelebriert das Aufeinandertreffen mit den schlauen Gegnern wie schon lange kein Shooter mehr vor ihm. Noch dazu hat id software den Feinden ein umfangreiches Animationsrepertoire beschert, das weit über jedes genretypische Ragdoll-Verhalten hinaus geht. Treffen eure Schüsse die Gegner, reißt es sie herum, bringt sie aus dem Tritt und schleudert sie zu Boden, wo sie sich mühsam wieder aufrappeln und weiter auf euch zustolpern. Das verleiht euren Angriffen eine Wucht und Trefferwirkung, die das brachiale Geschehen perfekt unterstreicht …
… aber:
Dafür dürft ihr gefallene Feinde zwar plündern, doch ihre Waffen aufsammeln ist nicht drin. Das nervt, denn ihr seht die Wummen zwar vor euch auf dem Boden, mitnehmen dürft ihr sie aber nicht. In dieser Hinsicht gibt sich Rage sehr altmodisch, Waffen gibt es nur beim Händler oder teilweise als Questbelohnung. Übrigens verschwinden niedergestreckte Gegner nach Sekunden spurlos und lösen sich vor euren Augen in Luft auf. Auch das ist altmodisch und eigentlich schon seit Jahren auf der Geht-Gar-Nicht-Liste der Computerspiele.
Solides Waffenarsenal
Zum Überleben in Rage steht euch ein Waffenarsenal zur Verfügung, bei dessen Umsetzung die ganze Shooter-Erfahrung von id software zum Tragen kommt: Egal welche der insgesamt neun Wummen ihr benutzt, jede fühlt sich toll an und hat ihre eigene Daseinsberechtigung. Ihr werdet also niemals mit nur einer Kanone hantieren, sondern je nach Situation den Schießprügel wechseln. Für noch mehr Abwechslung sorgen bis zu vier Munitionstypen, mit denen ihr jede Knarre bestückt. Die Armbrust etwa verschießt auf diese Weise Bolzen, die zeitverzögert explodieren oder Gegnern tödliche Elektroschocks verpassen. Besonders gemein ist der Hypnosebolzen, mit dem ihr kurz die Kontrolle über getroffene Gegner übernehmt, bevor ihr die Sprengladung des Geschosses zur Explosion bringt. Ein diabolisches Vergnügen! Die Schrotflinte erlaubt je nach Modus Pulsschüsse, welche die Schutzschilde fortschrittlicher Regierungssoldaten ausschalten, oder feuert Minigranaten ab, die gepanzerte Widersacher knacken wie ein Nussknacker Ihre Nüsse. Dabei zeigt das Spiel schon mal deftiges, etwa wenn es einen Gegner vor euren Augen in einer blutigen Wolke zerreißt...
… aber:
Kein Aber. Das Waffenarsenal, ach was, jede einzelne Schießeisen, jeder Munitionstyp, jeder Schusswechsel in Rage rockt!
Quelle: Bethesda
Ihr könnt mit Mutantenwürfeln Zeit verplempern. Hier entscheidet nur das Würfelglück. Die virtuelle Spielfigur schießt bei jedem gewürfelten Fadenkreuz auf vier Mutanten. Sind alle erledigt, gibt es Geld. Wird allerdings schnell öde!
Oberflächliche Basteleinlagen
Wer noch mehr taktische Optionen im Kampf nutzen will, setzt auf Extras wie Geschütztürme und ferngesteuerte Sprengstoffautos. Dieses Zubehör baut ihr in einem simplen Crafting-System aus herumliegenden Handwerksmaterialien zusammen. So dürft ihr eure Alternativmunition selber herstellen oder ihr verwendet gefundenes Material für die Herstellung von Verbandszeug. Das alles ist minimalistisch gestaltet: Ein einziger Mausklick verschafft euch das gewünschte Ergebnis, ohne dass ihr eine Werkbank aufsuchen oder Teile per Hand kombinieren müsst. Erfahrungspunkte gibt das Basteln sowieso nicht. Das Basteln verschiedener Gegenstände hat uns aber durchaus eine Menge Spaß gemacht, da viele dieser Objekte eine tolle Abwechslung oder Unterstützung im Kampf liefern. Unser Favorit war ganz klar ein kleiner, knuffiger Spinnenroboter, der neben euch herläuft und mit seiner Minikanone gnadenlos unter den Feinden wütet …
… aber:
Leider bereiten gerade die coolen, mitlaufenden Spinnenroboter Probleme. Zwar feuern die Viecher eigenständig auf Feinde und putzen so ordentlich Gegner weg, doch es kommt zu oft vor, dass die putzigen Dinger nicht an Hindernissen vorbeikommen oder an zu engen Gängen scheitern. So müsst ihr die mühsam zusammengebastelten Helfer häufig schweren Herzens zurücklassen. Das ist besonders ärgerlich, wenn die Schuld beim Leveldesign liegt, Türen sich etwa urplötzlich hinter der Spielfigur schließen (natürlich mit dem Roboter auf der anderen Seite) oder Abgründe das Weiterkommen der Drohne verhindern.
