Einen Testbericht über eine Autorennsimulation zu verfassen zählt zu den anspruchsvolleren Aufgaben. Welcher Schreiberling weiß schon, wie sich ein Audi R8 oder ein Koenigsegg CCXR in der Realität verhält? Da trudelt in der Redaktion also ein Testmuster von RacePRO ein. Das ist das erste Konsolen-Rennspiel von Simbin überhaupt, die sich bisher ausschließlich auf dem PC einen Namen als Simulationsspezialisten gemacht haben. Und was zeichnet eine realistische Rennsimulation unter anderem aus?
Im Lola F3000 ziehen wir auf dem Brands Hatch Circuit bei regennasser Fahrbahn unsere Runden.
Tüftelfreak
Zum Beispiel zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, dutzende Schräubchen, an denen der Freak beim individuellen Fahrzeug-Setup drehen kann. Gute Neuigkeiten: Vom Bremsdruck über den Spoilerwinkel und 22 Einstellungen allein bei der Aufhängung, etwa wie schnell der Rückstoß der Feder am linken Hinterrad sein soll, bis hin zu Radsturz oder dem Getriebe-Übersetzungsverhältnis dürfen Profis vor jedem Rennen ihre individuellen Setups einstellen und abspeichern. Auch der Controller lässt sich bis ins kleinste Detail konfigurieren. Hier legt ihr unter anderem fest, ab welchem Druckpunkt des rechten Triggers das Gaspedal durchgetreten sein soll oder wie stark die Lenkung reagiert bei leichter, mittlerer und starker Bewegung des linken Ministicks. Auch das Fahrverhalten der knapp 50 Boliden geht in Ordnung, ein Mini klebt auch im realistischen Profimodus auf der Straße, während ein 500-PS-Monster sofort mit dem Heck ausbricht, wenn man zu schnell Gas gibt. Positiv vermerken wir auch, dass sich jedes Fahrzeugmodell ein bisschen anders anfühlt.
Wattebauschmodell
Auf ein realistisches Schadensmodell haben die Entwickler allerdings verzichtet. Eine abgefallene Motorhaube ist nach einem Aufprall mit 250 Sachen das höchste der Gefühle. Zudem wirken sich erst schlimme Schäden im Fahrverhalten negativ aus, die ihr mit einem Besuch in der Boxengasse beheben könnt. In dieser ist übrigens genauso wenig los wie abseits der steril wirkenden, um nicht zu sagen langweiligen Strecken. Packende Renn-Atmosphäre oder gar spektakuläre Unfälle, all das sucht ihr in RacePRO vergebens. Das liegt auch daran, dass die vom Computer gesteuerten Fahrer sehr konservativ fahren - meist wie an einer Perlenschnur auf der Ideallinie - und nur hin und wieder von der Spur abkommen. Spielspaß stellt sich dennoch immer wieder ein, wenn man hart am Limit fährt und den Bremspunkt vor einer Kurve einen Tick später wählt als die Konkurrenz und anschließend an ihr vorbeizieht.
Keine Überraschungen, aber auch wenig zu mäkeln gibt es an den Spielmodi. Im freien Training tüftelt ihr das optimale Setup aus, in Zeitrennen schlagt ihr euren eigenen Ghost und im Karrieremodus schaltet ihr bessere Fahrzeuge frei, indem ihr bei jeder Klasse in drei Rennen möglichst gut abschneidet. Optisch gestalten oder tunen dürft ihr eure Fahrzeuge aber nicht. Die 19 Meisterschaften, zum Beispiel GT Pro oder WTCC Extreme, bestehen aus einer Aneinanderreihung von Einzelrennen, die auf zehn bis elf Strecken bestanden werden müssen, nur dass es abhängig von der Position mehr oder weniger Punkte gibt.
Technik-Check
Die Grafik ist guter Durchschnitt, die allerdings bei nicht immer ruckelfreien 30 Frames in der Sekunde läuft. Die Fahrzeugmodelle sehen passabel aus, aber die Strecken, sogar die Stadtstrecken in Porto oder im chinesischen Macao, zeichnen sich durch Detailarmut aus. Gähnende Leere herrscht auf den Zuschauerrängen, nur hin und wieder steht ein regloses Grüppchen von Fans am Streckenrand. In Einzelrennen lässt sich dafür Regen einstellen. Nur leider ist kein einziger Wassertropfen auf der Windschutzscheibe sichtbar. Dann stören noch kleinere Details wie die fehlende Handbremse, die man zwar als Rennfahrer ohnehin kaum benötigt, in einer Simulation aber nicht fehlen sollte. Und warum die erweiterten Einstellmöglichkeiten, in denen man unter anderem das Schadensmodell reguliert, im Karrieremodus schlichtweg nicht vorhanden sind, bleibt wohl ein Rätsel.
