Fallen die Worte "PS3" und "Exklusivtitel", hört man mit großer Wahrscheinlichkeit auch gleich noch "Motorstorm". Die Nennung dieses Titels löste bis anhin bei Arcade-affinen 360-Rasern nicht wenige Neidgefühle aus. Sind die Zeiten der verstohlenen Seitenblicke nun endlich vorbei?
Maik, hab’ ich noch ´n
paar Urlaubstage?!
Klar, die früheren Climax schicken mit Pure einen Multiplattform-Titel ins Rennen - und noch dazu kann man sich nur ATVs unterschnallen, aber manchmal liegt in der Schlichtheit die Würze. In Zeiten immer komplexer und komplizierter werdender Spiele gibt es doch einfach Momente, in denen man sich nach soliden, altbewährten, unkomplizierten und einwandfrei spielbaren Titeln sehnt. Wird Pure diesen Ansprüchen, die durch den Namen des Spiels geweckt werden, gerecht? Muss sich die Konkurrenz von Sony warm anziehen und können 360-Offroad-Fetischisten endlich aufatmen? Bewahren die Blackrock Studios das Genre der ATV-Rennspiele vor dem Aussterben?
Wie es sich für ein ordentliches Rennspiel gehört, gibt’s auch in Pure äußerst spektakuläre Wiederholungen zu sehen.
Das Quad Marke Eigenbau
Bevor es ab auf die Piste geht, dürft ihr euch in der Werkstatt euer eigenes ATV zusammenbauen. Alternativ dazu kann man sich auch ein Miet-Gefährt unter den Allerwertesten klemmen, aber glaubt mir, das werdet ihr gar nicht wollen, denn das Zusammenschrauben eines eigenen Vehikels macht in Pure richtig Bock. Teil um Teil stampft ihr euer Vierrad aus dem Boden, vom Rahmen bis zur Lenkstange.
Der so wunderschön plastische Schlamm bleibt am ATV und sogar an eurer Kleidung haften.
Dank der übersichtlichen Menüführung ist diese Prozedur herrlich unkompliziert: Aus ein paar Bauteilen wählt ihr euch das gewünschte aus, wobei bei jedem Teil gleich angezeigt wird, welche Auswirkungen es auf Werte wie Beschleunigung und Steuerung hat. Habt ihr schlussendlich einen Rennofen beisammen, mit dem ihr euch auf den Pisten blicken lassen könnt, geht's endlich ab in Staub, Schnee, Schlamm und Sand.
Der so wunderschön plastische Schlamm bleibt am ATV und sogar an eurer Kleidung haften.
Ein rasanter Kameraschwenk über die markantesten Punkte des Kurses gibt euch einen ersten Vorgeschmack aufs Rennvergnügen. Selbst die nun folgende kurze und sehr aufschlussreiche Einführung ist schon packend inszeniert. Zu erklären gibt's dabei nicht allzu viel. Gerade mal drei Modi stehen zur Auswahl, doch jeder davon hat seinen eigenen Reiz und seine Daseinsberechtigung. Beim "Sprint" geht's darum, auf kurzen, engen, kurvenreichen Kursen die Schikanen so eng wie nur möglich anzuschneiden und vor euren Widersachern über die Ziellinie zu rasen.
Auch beim Wettrennen ist euer Ziel, den Gegnern das Hinterteil zu zeigen, nur geht's dabei auf wunderbar breiten, weitläufigen Strecken zur Sache. In "Freestyle" werdet ihr mit einer Tankladung Benzin "ins kalte Wasser" geschmissen. Aufgetankt wird automatisch nach jeder absolvierten Runde und zusätzlich bei besonders spektakulären Stunts und beim Aufsammeln von entsprechenden Power-ups. Das Rennen ist zu Ende, wenn euch der Sprit ausgeht. Habt ihr zu diesem Zeitpunkt am meisten Trickpunkte gesammelt, habt ihr gewonnen. Alles schön und gut, aber etwas mehr Modi hätten es dann schon sein dürfen.
Im Freestyle-Modus findet ihr auf der ganzen Strecke verteilt Power-ups und hübsche Rampen.
Tanz der ATVs
Untermalt von passender Musik, die von rockigen und Elektro-Klängen dominiert wird, stürzt ihr euch mit 15 Gegnern ins Getümmel. Selbst bei diesen Starttumulten, wenn der ATV-Mob wie ein Schwarm Ameisen auf den ersten Hügel zubrettert, geht die Bildwiederholrate nicht in die Knie, Pure läuft jederzeit flüssig. Genauso reibungslos geht auch die Steuerung von der Hand, die genretypisch vollkommen auf Arcade getrimmt ist, womit man sich schnell ans Handling gewöhnt und nicht lange üben muss. Genug Zeit also, einen - oder auch gleich mehrere - Blicke auf die Umgebung zu werfen. Es lohnt sich! Die Partikeleffekte sehen schlichtweg brillant aus: Sand, Staub, Wasser, Schlamm und Schnee werden optisch beeindruckend von dicken Offroad-Reifen aufgewirbelt.
Die Weitsicht ist nicht minder atemberaubend, vor euren Augen tun sich Postkarten-Panoramen auf, wie sie schöner die Schweiz nicht bieten könnte. Auch die Animationen sind durchweg gelungen und sehr schön anzuschauen. Und glaubt mir, zu animieren gibt's in Pure mehr als genug: Die Tricks könnten spektakulärer kaum sein, euer Recke tanzt förmlich mit dem ATV - und das in luftigen Höhen: Besonders große Schanzen, die praktischerweise durch Rauchsäulen markiert sind, katapultieren euch so hoch in die Luft, dass ihr einen herrlichen Weitblick auf den gesamten Kurs und den malerischen Hintergrund habt.
Das Spiel der unbegrenzten Möglichkeiten: Selbst
spektakuläre Vor- und Rückwärtssalti sind möglich.
Durch Stunts ladet ihr eine Trickleiste auf. Je voller diese ist, desto abgefahrenere Manöver lasst ihr vom Stapel. Ist der Balken komplett gefüllt, könnt ihr einen verrückten Spezialtrick starten, wobei jeder der sechs Fahrer seine eigenen Spezial-Stunts mitbringt. Es ist nur schon motivierend, zu schauen, was die Fahrer für abgefahrene Spezialtricks bieten! Haut's euch einmal auf die Schnauze, wird einiges von eurer Trickleiste abgezogen, Risiko dosieren lauten also die Zauberwörter.
Die Extra-Portion Motivation
Das Einzelspieler-Kernstück von Pure ist die grandiose Welttournee. Das Wort Welt ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen, siehe nächste Seite. Zehn Stufen gibt es zu erklimmen bis zur Weltspitze, jede davon bietet vier bis sieben Events, die gemeistert werden wollen. Je weiter vorne ihr euch in den Rennen platziert, desto mehr Punkte gibt's aufs Konto. Um zur nächsten Stufe zu gelangen, braucht ihr jeweils eine bestimmte Anzahl Punkte. Der Wille, nicht aufzugeben, bis man endlich zur finalen Stufe zehn gelangt, bietet einige Motivation.
Klar ist es frustrierend, wenn ihr bis eine Runde vor Schluss alleine an der Spitze liegt, dann irgendwo einen Hügel falsch einschätzt, ATV und Fahrer im Graben danach getrennte Wege gehen und ihr in der Folge richtiggehend von der gegnerischen Nachhut überrollt werdet. Die KI macht von Stufe zu Stufe weniger Fehler, rempelt euch an und hält mächtig dagegen. Doch die Entwickler der Blackrock Studios geben einem gleich mehrere gute Gründe, bis zum Ende durchzuhalten. Diverse neue Kurse, Bauteile, Leistungs-Upgrades und Fahrerkleidung sorgen dafür, dass man das Spiel kaum mehr weglegen kann. Im Verlauf der Tournee steigt ihr auch laufend in der Motorenklasse auf, wodurch ihr immer mehr Power unterm Allerwertesten habt.
