Das Drumherum vor den Spielen wird erneut sehr stimmungsvoll inszeniert.
Sehr authentisch benehmen sich einmal mehr auch die von der Konsole gesteuerten Mitspieler. Diese folgen Laufwegen, die man aus echten Fußballmatches kennt. Nichts auszusetzen gibt es auch an der KI der Torhüter, die sich in PES 6 als wahre Teufelskerle entpuppen und sehr oft mit Glanzparaden den Ball abwehren, ohne dabei jedoch unbezwingbar zu sein. Auch die überragende Ballphysik überzeugt abermals vollends. Selbst auf leichteste Berührungen reagiert das Leder physikalisch korrekt. Abgefälschte Torschüsse oder spektakuläre Querschläger während packender Strafraumszenen sind keine Seltenheit. Einziges Gameplay-Manko sind nach wie vor die Distanzschüsse. Diese führen wieder einmal viel zu selten im Vergleich zur Realität zu einem Torerfolg. In der Regel flattern Fernschüsse - vor allem von unbekannteren Spielern - viel zu druck- und harmlos in Richtung gegnerisches Gehäuse.
Keine Wünsche offen lassen auch einmal mehr die taktischen Einstellungsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu etlichen Konkurrenzprodukten ist es nicht einfach nur möglich, das Spielsystem von einem 4-3-3 (vier Verteidiger, drei Mittelfeldspieler, drei Stürmer) in ein 4-4-2, 5-3-2 oder 3-4-3 umzustellen, sondern Sie haben sogar die Möglichkeit, sich zwischen über ein Dutzend verschiedenen Variationen dieser Spielsysteme zu entscheiden. Fällt Ihre Wahl auf ein 4-4-2-System, können Sie das Mittelfeld beispielsweise als zweite Viererkette auflaufen lassen, die auf einer Linie agiert; alternativ steht es Ihnen auch frei, Ihre vier Mittelfeldstrategen in einer Raute anzuordnen und damit sowohl auf einen defensiven als auch auf einen offensiven zentralen Mittelfeldmann zu setzen. Doch es kommt noch besser. Sie dürfen jede einzelne Position Ihrer Elf außerdem noch zusätzlich bearbeiten und es ist möglich, etwa Ihren Rechtsaußen auf Wunsch noch offensiver oder defensiver aufzustellen. Darüber hinaus können Sie jedem Team verschiedene Taktiken wie Pressing oder Spiel über die Flügel mit auf den Weg geben und die Schützen für Eckbälle und Freistöße bestimmen.
Auch der Umfang der Spielmodi des neuen PES kann sich abermals sehen lassen. Sie haben die Möglichkeit, an diversen Pokalwettbewerben teilzunehmen, die der WM, der EM oder der Afrika-Meisterschaft nachempfunden sind. Gleichzeitig dürfen Sie auch eine komplette Saison einer von sechs Ligen absolvieren.
Herzstück der Einzelspieler-Modi ist aber einmal mehr die Meister-Liga. In diesem Modus wählen Sie zu Beginn ein Team, mit dem Sie in einer fiktiven Euroliga aufsteigen müssen und sich für Wettbewerbe qualifizieren können, die der Champions League und dem UEFA-Cup ähneln. Dabei dürfen Sie entweder sofort mit den Standard-Spielerkadern antreten oder aber mit fiktiven Kickern. In letzterem Fall besteht der eigentliche Reiz der Meister-Liga, denn um Erfolg zu haben, müssen Sie nach und nach durch Transfers erst Ihre Mannschaft mit besseren Spielern bestücken. Mit der Spieltiefe des Karriere-Modus in FIFA 07 kann die Meister-Liga bedauerlicherweise allerdings weiterhin nicht mithalten.
In technischer Hinsicht erwartet Sie zwar das schönste PES aller Zeiten, die grafischen Fähigkeiten der Xbox 360 nutzt das Spiel aber noch lange nicht komplett aus. Vor allem die Zuschauerkulissen und Stadien sehen im FIFA-Pendant beeindruckender aus. Selbst die Spielermodelle hätten noch einen Tick spektakulärer ausfallen können, wenn man Vergleiche mit Sporttiteln wie NBA 2K7 oder Madden NFL 07 anstellt. Dafür sehen die Animationen der Kicker durch die Bank Champions-League-reif aus und das Geschehen auf dem grünen Rasen läuft absolut ruckelfrei ab. Was die Akustik betrifft, so verzichtet PES im Gegensatz zur FIFA-Reihe einmal mehr auf lizenzierte Musikstücke, die Stadionatmosphäre steht dem Konkurrenten von EA aber in nichts nach.
